Orthopäden setzen auf Ganglabor - Analyse auch für Sportler
Wien - Um eine orthopädische Therapie erfolgreich zu machen, greifen Österreichs Orthopäden gerne auf ein sogenanntes Ganglabor zurück. Wie in sechs Zentren in ganz Österreich bedienen sich auch die Experten vom Orthopädischen Spital Speising an der Bewegungsanalyse, um Menschen mit motorischen Problemen zu helfen. Mittlerweile können sogar Sportler ins Ganglabor. Neben Läufern, Radfahrern und Nordic Walkern wird bald eine Analyse für Golfer angeboten.
"Die Bewegungsanalyse stellte eine wichtige Grundlage in der orthopädischen Versorgung von Patienten dar", sagte der Ärztliche Direktor in Speising, Franz Grill, anlässlich des Kongresses der Bewegungsspezialisten (ESMAC), der derzeit in Wien stattfindet. "Nicht jedes orthopädisches Zentrum verfügt darüber." Vor 15 Jahren wurde das Labor eingerichtet, finanziert durch Spenden von Patienten, erzählte Grill. Mittlerweile frequentieren pro Jahr rund 2.000 Patienten die Einrichtung.
Daten für therapeutische Maßnahmen
"Die Analyse ist prä-als auch posttherapeutisch von großer Bedeutung", sagte der Leiter des Labors in Speising, Andreas Kranzl. "Durch minuziöse Kamera-Aufzeichnung und Computerberechnungen liefern wir den Orthopäden entscheidende Daten für die Operation bzw. für therapeutische Maßnahmen." Der Patient muss dafür eine zwölf Meter lange Gehstrecke zurücklegen und wird dabei von Kameras aus vielen unterschiedlichen Perspektiven gefilmt. Dabei wird gemessen, wie der Bewegungsablauf ist, wie schnell er geht, wie sein Kraftaufwand ist, sagte Grill.
In der Computer-Analyse lassen sich dann verschieden Gelenkswinkel und Ebenen darstellen. Nicht jeder Patient in Speising wird ins Ganglabor geschickt. Eine Bewegungsanalyse wird hauptsächlich bei Krankheitsbildern wie die Cerebralparese, diverse Muskelerkrankungen, Neuropathien und Querschnittlähmungen nahegelegt. Finanziert wird diese Art der Untersuchung durch das krankenhauseigene Budget.
Zusätzlich wird das Labor auch bei Hobbysportlern eingesetzt, die ihren Lauf-, Radfahr- oder Nordic Walking-Stil analysieren lassen wollen. Ab Oktober wird dies auch für Golfsportler möglich sein. Eine Laufanalyse kostet an die 115 Euro, die für Golfer wird etwa 350 Euro kosten.
Seit Montag findet der ESMAC-Kongress in der Hauptuniversität statt. Knapp 300 Spezialisten aus den Fachbereichen Orthopädie, Neurologie, Physiotherapie und Sportwissenschaft diskutieren noch bis Samstag in rund 100 Vorträgen. (APA)