Schengen

EU-Kommission gibt Staaten in Sachen Grenzkontrollen Gas

16. September 2011, 15:47

Gemäß Kommissionsplänen soll für Schließung von Grenzen künftig eine Mehrheitsentscheidung der EU-Länder nötig sein

Brüsse- Die Entscheidung über die Wiedereinführung von Grenzkontrollen im Schengen-Raum soll nach einem Gesetzesentwurf der EU-Kommission weitgehend auf die EU-Ebene verlagert werden. "Schengen ist ein echtes europäisches Projekt. Deshalb funktioniert ein zwischenstaatlicher Prozess nicht", sagte EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström bei der Vorstellung der Pläne am Freitag in Brüssel: "Wir wollen auf ein wirkliches europäisches System umsteigen."

Die bisher bestehende Möglichkeit der Schengen-Mitgliedsstaaten, selbst die Grenzen wieder hochzuziehen, soll in Terror- und Notfällen auf fünf Tage beschränkt werden. Außerdem würden befristete Grenzkontrollen bei Sportevents und anderen Großereignissen weiter bewilligt, versicherte Malmström. Sollte ein Land seine Grenzen länger als fünf Tage dicht machen wollen, hätte de facto die EU-Kommission eine starke Entscheidungsbefugnis. Es wäre dann in ihrer Hand, eine Verlängerung vorzuschlagen.

Sind sich die EU-Staaten im Schengen-Ausschuss uneins, könnte die Kommission ihren Vorschlag durchsetzen, außer eine einfache Mehrheit der Länder wäre dagegen. Als "ultima ratio" könnte die Kommission auch eine zeitlich befristete Wiedereinführung der Grenzkontrollen anordnen, wenn ein Land nicht in der Lage wäre, die EU-Außengrenzen zu schützen. Dazu sollen verstärkt unangemeldete EU-Kontrollen durchgeführt werden.

Die EU-Kommission war von den EU-Staats- und Regierungschefs im Sommer zu Vorschlägen zur Schengen-Reform gebeten worden, nachdem sich zwischen Frankreich und Italien ein Streit über die Einreise nordafrikanischer Migranten entzündet hatte und nachdem Dänemark im Alleingang die Wiedereinführung von Grenzkontrollen angekündigt hat. Die EU-Kommission bezweifelte dabei die dänische Argumentation, wonach ausschließlich Zollkontrollen durchgeführt würden.

"Das Problem heute ist nicht, dass es zu viel, sondern dass es zu wenig Europa gibt", sagte Malmström am Freitag bei der Präsentation des EU-Gesetzesentwurfes in Brüssel. Dies führe zur Schwächung von Schengen und zu Populismus. Angesichts des bereits im Vorfeld artikulierten Widerstandes von Deutschland, Frankreich, Spanien und Österreich - Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (V) warf der EU-Kommission "Größenwahn" vor - zeigte sich die Schwedin Malmström gelassen. "Ich werde erklären, argumentieren und den Vorschlag verteidigen", sagte sie. Erste Gelegenheit zur Diskussion gebe es beim EU-Innenministerrat Ende kommender Woche.

Mikl-Leitner sah sich am Freitag wegen ihrer Wortwahl und ihrer Begründung parteiintern mit heftiger Kritik konfrontiert. Der ÖVP-Delegationsleiter und Vizefraktionschef der Europäischen Volkspartei (EVP) im Europaparlament, Othmar Karas, nannte die Kritk der Innenministerin "inakzeptabel". Er kündigte an, seine ÖVP-Delegation werde den Kommissionsvorschlag unterstützen. "Das Europäische Parlament steht mit großer Mehrheit hinter dem Vorschlag von Kommissarin Malmström", betonte Karas. "Die Einwände einiger Mitgliedstaaten sind unverständlich, weil der Kommissionsvorschlag den Mitgliedstaaten den Spielraum zu kurzfristigen Grenzkontrollen im Notfall lässt."

Der ÖVP-Sicherheitssprecher im EU-Parlament, Hubert Pirker, nannte die Kommissionsentwürfe "eine gute Diskussionsgrundlage". Pirker: "Gerade das Vorgehen Dänemarks in den letzten Monaten zeigt, dass die große Errungenschaft des freien Reisens in Europa geschützt werden muss." Die Personenfreizügigkeit müsse gegen jene verteidigt werden, die diese aus innen- oder parteipolitischen Motiven außer Kraft setzen wollten, "nur weil sie auf die nächste Wahl oder Umfrage schauen". Mikl-Leitner hatte am Donnerstag die Pläne der EU-Kommission als "eine Idee von Schreibtischtätern" zurückgewiesen. Die Entscheidung über das Hochziehen der Grenzen müsse in nationaler Hand bleiben. In Krisensituationen könne sie nicht auf die "Entscheidung eines Wasserkopfs warten".

Über die Vorschläge Malmströms entscheiden die EU-Innenminister mit qualifizierter Mehrheit und das Europaparlament. Auch von anderen Fraktionen des EU-Parlaments wurden Malmströms Pläne begrüßt. "Die Kommissionsvorschläge sind die einzig richtige Antwort auf populistische Vorstöße, europäischen Herausforderungen mit nationalen Schlagbäumen und Grenzhäuschen zu begegnen", erklärte die SPD-Europaabgeordnete Birgit Sippel. "Der Vorschlag der Kommission ist zu Recht eine Ohrfeige für die Mitgliedsstaaten. Offene Grenzen und ungehinderte Reisefreiheit sind eine der größten Errungenschaften der Europäischen Union", sagte die deutsche Grün-Abgeordnete Ska Keller. Auch Liberalen-Chef Guy Verhofstadt begrüßte den Plan. Die jüngsten Ereignisse in Frankreich und Italien hätten gezeigt, dass das derzeitige zwischenstaatliche System nicht funktioniere. l (APA)

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Posting 1 bis 25 von 44
1 2
)so(
11
10.3.2012, 05:19
Weitgehende Entmündigung der Nationalstaaten

Ein Staat, der nicht in der Lage ist, seine Grenzen zu schützen, existiert nur noch am Papier. Während sog. "Sicherheits-Checks" am Flughafen Stunden mitunter dauern und sogar Nackscanner gerechtfertigt werden, soll es unzumutbar sein, am Strassengrenzübergang 5 Sek. den Pass aus dem PKW-Fenster zu halten? Organisierten Menschenhandel und gewerbsmäßige Einbruchsdiebstähle lassen sich ohne Grenzkontrollen nicht eindämmen. Alleine in Wien erfolgen tagtäglich 50 Wohnungs- und Hauseinbrüche. Entweder ist die EU-Kommission über die Situation im unklaren oder sie nimmt diese bewusst in Kauf. Ich weiss nicht, welche Vorstellung erschreckender ist.

fmi
02
30.1.2012, 07:35
Die Grenzen werden demnächst wieder geschlossen.

Weil die Populisten die nächsten Wahlen gewinnen werden. Dann geht die Jammerei wieder los. Die Bürger haben die Lügen einfach satt.

Silvio Lackner
03
27.1.2012, 21:20
Sieh an - es gibt keine Grenzen in Europa?

Warum kann ich dann nicht ohne bürokratischen Hickhack und enorme Zusatzkosten meinen Gebrauchtwagen in Deutschland kaufen? Weil der Konsument zum Abzocken schon noch hinter Grenzen gehalten wird ("wos haßt EU: da krieg i a Stemperlgebühr, dort die Typisierungskosten, da die Überprüfungskosten, da die Importgebühr, danke!).

Ich weiß schon: der "Binnenmarkt" ist jenes Konstrukt, dass für die Konzerne gedacht ist. Nicht für den Lackner oder den Maier.

fmi
10
30.1.2012, 07:38
Luft

Alles (fast) was uns versprochen wurde hat sich in Luft aufgelöst. Frau Fekter, es liegt in Ihrer Hand, wenn sie jetzt Stop sagen werden sie die Wahlen noch vor der FDP gewinnen, sonst nicht einmal das.

binnenischmarrn
 
13
22.1.2012, 13:27

am besten wir bringen die kupferrollen gleich selber gratis nach rumänien...

eu-nein
83
1.12.2011, 20:34
www.eu-austritt.blogspot.com

WOLLT IHR FREIHEIT ODER HERRSCHAFT?

Ui Jessasna
00
15.4.2012, 15:45

Die Herschaft durch die EU-Debattenstube ist immer noch g'scheiter als die Freiheit im SpindelFey-Flaschenlager mit wöchentlichem Perchtenlauf...;-)

The Brain User
01
16.2.2012, 13:53
Es gibt sie noch, diese Sp***er...

Sowas von realitätsfremd, man müsste lachen wäre es nicht so traurig. Der Point-of-no-return ist schon lange überschritten, und sie haben es nicht mal gemerkt. Aber ja genau, die EU hat ja nuuuur Nachteile ;-)

Dame Gruev
23
25.12.2011, 10:05
Internationale Isolation- JA! Österreich- das europäische Nordkorea- JA!

Admiral Tegetthoff
12
Ganz meine Meinung! Nur die EU ist die Zukunft!

Alle Austrittsfantasien sind gemeingefährlicher Wahnsinn!

Dame Gruev
04
14.11.2011, 12:05
> Europäisches Bundesamt für Ermittlungen <

Das Schließen von Schengen-Grenzen ist KEINE Lösung und kein Mittel gegen die Kriminalität!

Die Kriminalität in Europa ist längst grenzübergreifend und hält sich an keine Grenzschließungen. Die Antwort der EU auf die grenzübergreifende Kriminalität muss die Gründung eines übergeordneten „Europäischen Bundesamt für Ermittlungen“ (ähnlich vie FBI in USA), das explizit die internationale europäische Kriminalität bekämpft, die regionalen Behörden und Gerichte unterstützt, deren Arbeit analysiert, Anklagen gegen kriminälen europäischen Bürger und Staatsmänner erheben und diese in Gewahr nehmen kann!

Admiral Tegetthoff
04
EUOPOL

gibt es schon. Es braucht nur mehr Befugnisse! Da stimme ich dir zu!

cato48
03
5.11.2011, 13:18
Bei uns brauchen wir keine Grenzkontollen...

... denn es würde genügen, eine lebensgrosse Pappfigur von der Mikl-Leitner an den Grenzen aufzustellen.

Ich denke, das wäre Abschreckung pur ;-)

Chocoholic
11
2.10.2011, 16:29
Ich verstehe das nicht. In deutschland gibt es auch grenzkontrollen.

Die passieren ein paar kilometer weiter im landesinneren und nennen sich zollkontrollen. Da wird der pass eingefordert. Was ist da bitte der unterschied?

Fux220385
01
25.11.2011, 11:17

Der Unterschied ist, so fern von der Vernunft aber doch wahr, dass Grenzkontrollen abgeschafft werden durch das Schengener Abkommen, dafür aber sind innerstaatliche Kontrollbefugnisse geschaffen worden, die diesen entsprechen.
De facto bedeutet dies eine, wenn man nicht an der Grenze, sondern schon im Landesinneren kontrolliert wird, ist dies eine legitime Kontrolle zu der jeder Staat berechtigt ist (vgl auch Zusammenlegung von früher Zollwache mit der "Polizei" - Zweck?). Es wurde also nur die Regelmäßigkeit (dauernd besetzte Grenzen - Stichprobenkontrollen) durchbrochen.

Keohane
30
29.9.2011, 11:37
INITIATIVE

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Unser Anliegen: Ein direkt-gewählter Präsident der Europäischen Kommission oder/und des Europäischen Rates

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DirtyHarry
111
18.9.2011, 17:17

Die Typen der EU-Kommission standen nicht auf dem Wahlzettel, man bekommt den Eindruck als hätte eine Junta die Macht in der EU übernommen.

fmi
11
30.1.2012, 07:43
Merkel ist die letzte die noch kämpft

Dann sind wir ausgeliefert. Barroso und co wollen nur eins: ihren Job behalten. Sie wissen, es geht bald alles dem Bach hinunter. Sie haben gepokert und bald verloren.

As b
11
19.1.2012, 11:21

prozess der entdemokratisierung

erxxich
12
16.9.2011, 22:10
So kann es wohl nicht sein !!!!!

Alexander Patjomkin
18
16.9.2011, 11:37
Die EU in dieser Form hat keine Zukunft.

Totale Fehlkonstruktion... Wenn sie eine Brücke wäre, wäre schon längst eingestürzt.

Der Nasenbär
11
21.9.2011, 12:04

diese Brücke wäre von denkenden Menschen niemals gebaut worden...

DeKa
56
15.9.2011, 17:43
Ja super...

... die Rumänen, Bulgaren etc. bevölkern schon ganze Stadtteile in Deutschland (z.gr. Teil auch illegal) und jetzt können sie bald noch ungehinderter antreten. *würg*
Ist jetzt nicht rechtsradikal gemeint, aber sicherer fühlt man sich jetzt nicht!

Fux220385
11
25.11.2011, 11:24

Herr Kollege wissen Sie was die Grundfreiheiten der EU bedeuten?
Ein Rumäne oder Bulgare kann keinen Stadtteil bei Ihnen illegal "besiedeln" da man aus der Personenverkehrsfreiheit ein Reise- und Niederlassungsrecht ableitet, welches (nach Judikatur des EuGH) zwingend ist und nur in engen Grenzen durchbrochen werden darf.
Zur Durchbrechung braucht es eine sachliche Rechtfertigung die hieb- und stichfest ist. Leider ist Ihr "Unsicherheitsgefühl" bestimmt keine Rechtfertigung in diesem Sinne.

PS: Ob Schengen oder Nicht-Schengen, wenn Sie darüber nachdenken, ändert sich die Lage nicht, da die Freizügigkeit auch an geschlossenen Grenzen so nicht beschränkt werden kann.

Der Zwersch
21
12.10.2011, 09:49

ja ne is klar...

nicht rechtsradikal...

lol

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