Beleidigung soll außerhalb des Plenums nicht straffrei wiederholt werden dürfen
Wien - Die Kritiker des Entwurfes für die neue
Abgeordneten-Immunität stoßen bei den Koalitionsparteien auf offene
Ohren. SPÖ und ÖVP zeigen sich laut ORF-"Morgenjournal" vom
Donnerstag bereit, den Vier-Parteien-Entwurf zu überarbeiten.
Beleidigungen oder Verleumdungen durch Abgeordnete außerhalb von
Parlamentsreden sollen doch nicht straffrei gestellt werden.
Hier geht es um die Änderung der "sachlichen Immunität". Bisher
konnte gegen Beleidigung oder Verleumdung durch Abgeordnete außerhalb
von Reden im Parlament mit einer zivilrechtlichen Klage vorgegangen
werden, nur Dritte durften sie z.B. in den Medien oder auf Homepages
straffrei wiederholen. Im SP-VP-FP-Grünen-Entwurf ist vorgesehen,
dass auch Abgeordnete alle ihre Aussagen außerhalb der eigentlichen
Parlamentstätigkeit - etwa in Pressekonferenzen oder auf ihrer
Homepage - wiederholen dürfen.
Cap: Korrektur
Das Justizministerium und auch der Verfassungsrechtler
Bernd-Christian Funk haben kritisiert, dass sich Betroffene damit
nicht mehr gegen Verleumdungen zur Wehr setzen können. SPÖ-Klubobmann
Josef Cap will nun "natürlich schauen, dass es hier noch eine
Korrektur gibt". Abgeordnete sollten zwar sich selbst außerhalb des
Parlaments zitieren dürfen, aber "natürlich nicht" ihre
verleumderischen oder kreditschädigen Aussagen.
Hier bestünde ein Widerspruch zum Artikel 6 EMRK, also zum
Recht
auf ein faires Verfahren. "Das wird eine Lösung brauchen", meinte
auch der Zweite Nationalratspräsident Fritz Neugebauer (ÖVP).
Grüne dagegen
Die Grünen lehnen eine Änderung des Entwurfs ab. Die
angesprochenen Fälle von Beleidigung gebe es höchst selten - und
schon jetzt könnten Verleumdungen durch Dritte wiederholt werden,
ohne dass sich die Betroffenen wehren können. Tatsächlich gehe es
hier darum, Abgeordnete zu schützen, die Missstände aufdecken. Denn
Unternehmen oder Politiker würden häufig versuchen, solche
Parlamentarier mit mitunter existenzbedrohenden Klagen
einzuschüchtern, sagte Abg. Dieter Brosz am Mittwoch in einem
Pressegespräch. (APA)