Steuerdiskussion

Steuer-Ungerechtigkeit

Leser-Kommentar | 15. September 2011, 08:58

Die aktuelle Steuerdiskussion geht an der tatsächlichen Problematik vorbei und wird überwiegend aus populistischen Motiven geführt. Alternativvorschläge zur Entlastung für alle

In den letzten drei Jahrzehnten ist die Lohnquote am Volkseinkommen um mehr als 15 Prozent gesunken. Die Arbeitnehmer bekommen einen immer kleiner werdenden Teil des Kuchens, den sie backen, und werden vom Staat höher belastet als andere Einkommensgruppen.

Die Entwicklung der Lohnquote

1978 lag die Brutto-Lohnquote des Volkseinkommens bei 78,7 Prozent, bis 2007 ist diese auf 66,6 Prozent gesunken, das entspricht einem Rückgang von 15,4 Prozent.
Durch den Vergleich mit der Netto-Lohnquote lässt sich eine höhere Abgabenleistung der Lohneinkommen feststellen: 2006 lag die Brutto-Lohnquote bei 66,9 Prozent, die Netto-Lohnquote hingegen lediglich bei 57,8Prozent. Würden alle Einkommensgruppen mit den gleichen Abgaben belastet, so müsste die Netto- der Brutto-Lohnquote entsprechen.

Abgabenbelastung auf Lohneinkommen erhöht

Auch ist die ungleichmäßige Abgabenbelastung in den letzten Jahren weiter angestiegen: 1988 lag die Differenz noch bei 6,8 (73,4 Prozent brutto, 66,6 Prozent netto), 2006 bereits 9,1 Prozentpunkten.

Der Staat hat also auf die schrumpfende Lohnquote und den daraus resultierenden geringeren Einnahmen reagiert, in dem er die Abgabenbelastung auf Lohneinkommen erhöht hat.

Ungleichmäßige Abgabenbelastung

Anhand eines einfachen Beispiels lässt sich die ungleichmäßige Belastung verdeutlichen:
2009 lag das durchschnittliche Netto-Jahreseinkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit bei etwa 20.000 Euro brutto (inkl. Lohnnebenkosten, etc.) entspricht das einem Gesamteinkommen von etwa 36.800 Euro. Daraus ergibt sich einer Abgabenquote von 45 Prozent.

Kapitalerträge hingegen werden mit lediglich 25 Prozent belastet. Oder anders ausgedrückt, wer 36.800 Euro an Kapitalerträgen bekommt, hat Netto um 7.600 Euro oder 38 Prozent mehr in der Tasche als jemand der für dieses Geld gearbeitet hat.

Bevorteilung von Einkommen aus Besitz

Es besteht eine klare Bevorteilung von Einkommen aus Besitz gegenüber Einkommen aus Arbeit. Da sich mehr als zwei Drittel des Volksvermögens in Besitz des oberen Dezils befindet, ist auch klar, wer am meisten von dieser Bevorteilung profitiert. Mit dem "Leistungsgedanken" (der ÖVP) lässt sich das meiner Meinung nach nicht vereinbaren. Auch eine "Reichensteuer" (SPÖ) wird diesen Missstand nicht beseitigen, hier braucht es vielmehr eine umfassende Steuerreform die nicht mehr zwischen unterschiedlichen Einkommensarten differenziert.

Ein gerechteres Steuersystem

In der Umsetzung würde das bedeuten, dass jedes Einkommen einer Person zugeordnet wird, der Sozialversicherungs-Pflicht unterliegt und zur progressiven Einkommenssteuer herangezogen wird.

Aufgrund der zusätzlichen Einnahmen könnte daraufhin der SV-Beitragssatz abgesenkt und der Einkommenssteuer-Freibetrag erhöht werden, was wiederum zu einer Entlastung aller Lohneinkommen führen würde.

Da somit sowohl die "Leistungsträger" entlastet, wie auch die "Reichen" stärker zur Kasse gebeten werden würden, sollte ein derartiges Konzept im Interesse beider Regierungsparteien liegen und einer Umsetzung nichts im Wege stehen. (Leser-Kommentar, Andreas Innerlohninger, derStandard.at, 15.9.2011)

Autor

Andreas Innerlohninger, geb. 1984, war zuletzt als Produktionstechniker tätig und studiert ab Oktober Automatisierungstechnik an der FH Oberösterreich.

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Engelbert Pernerstorfer
01
21.9.2011, 14:52
Der Staat besteuert zu hoch!

Seit den 1970er-Jahren schafft in Österreich kaum noch jemand den Aufstieg in die Wohlstandselite, weil der Staat Jahr für Jahr die Hälfte der Arbeitseinkommen konfisziert. Ganz schlimm erwischt es jene, die glauben, unternehmerisches Risiko eingehen zu müssen. Läuft das Geschäft schief, hat sich die mit jedem gescheiterten Lebensentwurf prinzipiell solidarische Allgemeinheit längst aus dem Staub gemacht. Wird prächtig verdient, „sozialisiert“ der Staat 50 Prozent des Gewinns und droht nun auch noch mit der schrittweisen Enteignung via Vermögenssteuer.

RS69
 
00
21.9.2011, 18:35

Vor Allem bessere EInkommen werden im internationalen Vergleich extrem hoch besteuert.

Weltfremd ?
00
18.9.2011, 12:49
Ja so ist es, wenn einmal von der unegrechtfertigten

Vermengung zwischen Sozialabgaben und Steuern absieht, wobei das auch von der Politik nicht sauber getrennt wird.
Ich glaube auch, dass sie in Österreich auch eher als Steuern zu betrachten sind, jedoch bedeutet dies gleichzeitig, dass man ann nicht immer wieder von Zuschüssen aus dem Budget reden dürfte, weil das Budegt dann auch vollständig dafür herangezogen werden müsste. Es wäre auch viel gerechter, da auch die vielen unterschiedlichen Formen der Plichtabgaben und -leistungen nicht dem Gleichheitsgrundsatz entsprechen.

loundy
 
00
18.9.2011, 15:34
yep, seh ich auch so, warum ist das überhaupt getrennt...?

wenn die sozialversicherung, die krankenversicherung oder die pensionskassen nicht genug geld haben werden sie vom staat bezuschusst.

besonders gut sehen wir das bei den pensionen von denen jede dritte aus dem steuertopf bezahlt wird und nicht durch mitgliedsbeiträge gedeckt ist.

da der staat diese institutionen ohnehin nicht pleite gehen lassen kann weil sonst das staatsgefüge zusammenbricht, bauen wir uns damit nur eine weitere bürokratieebene auf, die keinen eigentlichen sinn hat.

dasselbe gilt auch für bundesländer und deren häuptlinge, die sind auch nur ein gigantischer bürokratischer kostenfaktor ohne realen sinn.

alles, ob erbe, zinseinnahmen oder arbeitseinkommen gleich versteuern und ausgaben alle aus einem topf.

justmy2cent

RS69
 
00
18.9.2011, 16:21

Umgekehrt haben in Überschusszeiten die Finanzminister auch immer wieder Überschüsse abgeschöpft.

black jack
00
18.9.2011, 07:59
Super, Problem erkannt!

In Österreich wurde seit 30 Jahren aus verschiedenen Motiven am Steuersystem von Politikern herumgedoktert. Fest steht, dass jede Steuer in Österreich bereits an der oberen der möglichen Besteuerungsschwelle angelangt ist. Sprich: man kann praktisch kaum einen Steuersatz mehr erhöhen.

Wen erwischt man als Finanzamt relativ leicht: die unselbständig Erwerbstätigen und die Konsumenten. Mehr als 20 % USt wäre für das Volk jedenfalls schwer verdaulich und die Abgabgenquote bei Löhne ist die höchste in Europa!

Damit sich das System, dass auch vor einer in Jahrzehnten absehbaren Pleite wie Griechenland steht, erhalten kann, braucht es also neue Steuern!

Oder eine echte staatliche Strukturreform (neue Verfassung mit billigerer Verwaltung)!

laurelundhardy
02
16.9.2011, 10:11
Eingangssteuersatz von 38 auf 15 Prozent oder weniger senken (so wie in D)!

Dann müssen die Leute die an Armutsgrenze leben und ab und zu ein bisserl mehr verdienen könnten, nicht so ''jonglieren'', damit sie überhaupt überleben können!

(Da gab es einmal einen interessanten Beitrag von Marin im Standard: die 1.000 Euro Falle)

Ein Pensionssystem wie in der Schweiz: Statt einer Mindestgrenze, eine Höchstgrenze bei der Pension (das wäre vielleicht eine Recherche und einen Standard-Artikel wert?)

Heefcleeve
01
16.9.2011, 08:54
Schöner Aufsatz.

Einzige Anmerkung: Einkommen wird natürlich immer nur aus Eigentum (und niemals aus Besitz) lukriert. Diese Unterscheidung ist wichtig (Geld als Anrecht auf Eigentum kommt ja erst dadurch in die Welt, dass Eigentümer ihr Eigentum zur Disposition stellen: Belastung auf Seiten des Gläubigers/Verpfändung auf Seiten des Schuldners). Nur was vorher kreditiert wurde, kann nachher auch als Einkommen verdient werden. Daraus ergibt sich quasi automatisch ein Ungleichgewicht in der Bewertung von Einkommen aus rentierfähigem Eigentum gegenüber Eigentum an Arbeitskraft. Weil letzteres natürlich nicht so wirkungsvoll akkumuliert werden kann (Faktor Zeit). Das Steuersystem muss diese Schieflage ausgleichen. Ihre Vorschläge zielen in die richtige Richtung

RS69
 
00
16.9.2011, 09:37

"Einkommen wird natürlich immer nur aus Eigentum (und niemals aus Besitz) lukriert."

Das stimmt so nicht. Allerdings gehört (deutlich mehr) Knowhow dazu, um aus besitz Einkommen zu lukrieren, als nur Eigentum gegen Entgelt zu überlassen. (Der Spielraum ist geringer).

Heefcleeve
00
16.9.2011, 11:15

Gut, da war ich ein wenig unpräzise. Es ist schon möglich Einkommen aus Besitz zu erwirtschaften - aber eben nur insofern als vorher ausreichend Eigentum verpfändet wurde. Besitzoperationen (zB Miete, Pacht, Leasing, etc.) bleiben den Eigentumsoperationen nachgeordnet, weil es ohne diese überhaupt nicht zu einer Bewirtschaftung von Ressourcen kommt (in Stammes- und Befehlsgesellschaften ist das natürlich anders).

RS69
 
00
16.9.2011, 12:49

Mit dem Grundgedanken haben SIe Recht.

Ich wollte aber darauf hinweisen, dass es eben zwei Wege gibt, zu Geld zu kommen: Durch Kapitalrendite (Sie nennen's Eigentum), oder durch KnowHow. (Durch Anstrengung Alleine wird man nur in Ausnahmesituationen - Boom und starkes Wachstum, also Arbeitskräfteknappheit- zu Wohlstand.)

Ich schreibe das deshalb, weil Eigentum eben den wenigsten zur Verfügung steht.

Nichtschweiger
 
00
15.9.2011, 22:16
Dann lesen sie einmal das hier Herr Innerlohninger!

http://derstandard.at/3006172/V... f-Rhetorik

Innerlohninger A.
00
16.9.2011, 10:24

Die Kern-Aussage meines Kommentars sehe ich in der ungleichmäßigen Abgabenbelastung.

Wenn Sie den letzten Absatz des von Ihnen verlinkten Artikels lesen, werden Sie feststellen, dass der Autor Kritik in diese Richtung durchaus für angebracht hält.

Nichtschweiger
 
01
16.9.2011, 11:44
Ich sehe ja schon den Ansatz....

...Kapitalerträge so wie Einkommen mit den selben Steuersätzen zu vesteuern als falsch an.

Ich bin offen für alle Arten von Steuerreformen bei denen der Kapitalzugewinn, das Vermögen etc. besteuert wird - aber nur im Abgleich mit der Senkung der Einkommensteuern. (Interessant finde ich die Flat-Tax) Der maximale Steuersatz dürfte meines Erachtens 40% nicht viel übersteigen. Wirksam sollte dieser Satz auch erst bei Einkommen ab 150000 Euro werden.

Es ist ja nicht so wie sie und andere es darstellen wollen, dass es gewissermaßen "gerecht" wäre neue Steuern einzuführen. Es sind ausreichend Steuereinnahmen vorhanden. Sie werden nur ungerecht verteilt - da liegt das Problem und die Ursache dafür, dass es hinten und vorne nicht mehr reicht!

Felix Österreicher
01
15.9.2011, 21:30
Wir sind in einer Sackgasse

Solange die Politiker nicht sparen und die Effizienz dramatisch steigern wird sich nichts verändern.

Steuersenkung geht nur ausschließlich über drastische Effizienz Steigerungen und radikalen Einsparungen - lineare 10% bei allen öffentlichen Bereichen fürs erste und dann weiter

- Ziel am besten Halbierung des Budgets - man muss den Politiker das Geld wegnehmen, damit Missbrauch endlich unmöglich wird!

Die Politiker sind korrupt und bedienen sich schamlos am Steuertopf - die einen weniger die anderen unverschämt und am meisten

Die Politiker sind nicht an einer Einkommensteuersenkung interessiert, damit wird deren Macht beschnitten.....

RS69
 
31
15.9.2011, 21:02

Der Gedankenfehler in der Argumentation - eine Abgabenquote von 45 Prozent bedeutet keinesfalls, dass die einzelnen Leute 45% an Einkommenssteuern zahlen. Im Gegenteil, das wären wenn überhaupt Ausnahmen.

Sogar ganz im Gegenteil - Um als Angestellter auf einen einen effektiven Lohnsteuersatz von 25% zu kommen - selbst mit 4000 EUr Brutto sind's (unter berücksichtigung von 13 u 14 Gehalt) nur ca 20% LSt, mit 5000 Monatsbrutto sind's dann 23,5%.

Fazit: Mehr Lohnsteuer als KEST auf's Sparbuch zu zahlen ist ein Minderheitenprogramm für wenige Besserverdiener!

Quelle: Finanzministerium. (http://onlinerechner.haude.at/bmf/brutt... hner.html)

Innerlohninger A.
14
15.9.2011, 22:17
Ich beziehe mich auf die tatsächliche Abgabenbelastung

bei einem Einkommen von 20.000€ jährlich liegt diese eben bei etwa 45%:

27.871,62 € Brutto
08.692,70 € Dienstgeber-Anteil
36.564,32 € "echtes" Brutto

Daraus ergeben sich Abgaben von 16.564,32€ oder 45,3%.

Das Maximum liegt übrigens im Bereich eines Jahreseinkommen von etwa 37.000€ Netto mit ~53% Abgabenbelastung.
Bei höheren Einkommen fällt die Belastung dann wieder langsam ab.

RS69
 
30
15.9.2011, 22:23

Das war mir klar - und macht es nicht sinnvoller.

Die LNK sind Tiel meiner Kalkulation - wenn Sie Ihre Abgaben wissen wollen, bleiben's bei dem was Sie abführen.

Wenn's Ihre Vollkosten wissen wolen, müssens mehr einrechnen als nur die LNK - die Miete für Ihr Büro, die Kosten Ihres Arbeitsplatzes, den PC, das Handy, die Weiterbildungen, Overhead, ...

Innerlohninger A.
12
15.9.2011, 22:36

Der Dienstnehmer-Anteil entsteht aufgrund gesetzlichen Abgaben die direkt aus dem Einkommen des Dienstnehmers resultieren.

RS69
 
10
15.9.2011, 22:51

Damit sind die LNK übrigens nicht anders als andere Kostenpositionen wie MÖST, UST, Komunalsteuer, Vertragsgegühren - die Alle irgendeine Basissumme als Bezug haben.

RS69
 
21
15.9.2011, 22:49

Klar - und bezahlen muss ich sie als Arbeitgeber.

.MS.
01
15.9.2011, 21:06
Vergessen'S halt nicht auch den Dienstgeber Anteil dazu zu rechnen

RS69
 
01
15.9.2011, 21:16

Die EInkommenssteuer hat keinen Dienstgeberanteil - das sind die Lohnnebenkosten.

.MS.
00
15.9.2011, 21:43

Die ABGABENBELASTUG aber schon.
Die Lohnnebenkosten sind Teil der Bezahlung - oder denken Sie der Arbeitgeber kalkuliert den Lohn aufgrund des Bruttos und wird dann von den Nebenkosten überrascht?

RS69
 
01
15.9.2011, 22:02

Die Lohnnebenkosten sind Tei meiner Kosten - sow die Schreibtische, Mieten für die Büros, Computer, Handys, Weiterbildungen, Prämien, Reisekosten, etc meiner Mitarbeiter.

Warum rechnen SIe die alle nicht ein?

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