Funk

"Aus vergangenen U-Ausschüssen lernen"

15. September 2011, 08:33

Bedenken der Justiz - Jarosch: "Oktober wäre zu früh"

Bei der Justiz sieht man den U-Ausschuss zu den Korruptionsfällen rund um die Telekom, Buwog, Eurofighter, etc. kritisch. In der ZIB2 am Mittwoch sagte Staatsanwaltssprecher Gerhard Jarosch, der U-Ausschuss solle erst beginnen, wenn die laufenden Ermittlungen abgeschlossen sind. Den U-Ausschuss im Oktober schon zu starten wäre "zu früh".

Verfassungsexperte Bernd-Christian Funk ist der Meinung, dass die Skepsis nicht unberechtigt sei, er betont jedoch, dass die Untersuchungen der Justiz und die politischen Untersuchungen im Rahmen von parlamentarischen U-Ausschüssen einen unterschiedlichen Zweck hätten. In beiden Fällen gehe es um Wahrheit: für das Gericht und die Staatsanwaltschaft in Bezug auf strafrechtliche Maßnahmen, für den U-Ausschuss hinsichtlich politischer Verantwortlichkeit.

Bei U-Ausschüssen "spielen Fragen der parteipolitischen Strategie eine Rolle", so Funk. "Es kann schon dazu kommen, dass es zum Teil Leerläufe, zum Teil Blockierungen gibt", so der Verfassungsexperte, "ich glaube trotzdem, dass es möglich sein kann bei entsprechender sinnvoller Koordination und bei Vorgehen mit entsprechendem Fingerspitzengfühl, beide Aktionen unter einen Hut zu bringen."

Funk hält es auch für möglich, mit dem U-Ausschuss innerhalb der nächsten Wochen zu beginnen. "Es wird davon abhängen, wie man vorgeht." Kritikpunkte seien ernst zu nehmen, "die kann man nicht übergehen, aber es ist auch eine Frage, was man aus vergangen U-Ausschüssen lernt."

Wichtig sei eine genaue Festlegung des Themas des U-Ausschusses. (red, derStandard.at, 15.9.2011)

Christ in der Zeit
00
16.9.2011, 09:49
Ein anderer Fall, der Österreich bewegte:

Siehe Fall Lucona:

Sprengung Schiff: 1977
U-Ausschuss: 1988 -1989
Schuldsprüche:
Landesgericht für Strafsachen Wien: 1992
Landesgericht Kiel : 1997

Das zeigt, die juristische Aufarbeitung kann schon ein bisschen dauern. (16 Politiker, Juristen und Spitzenbeamte wurden von ihren Posten entfernt, angeklagt oder verurteilt)

Das Beispiel zeigt, dass der U-Ausschuss evetnuell doch zu früh war.

Plabutsch
00
16.9.2011, 09:37
... aber es ist auch eine Frage, was man aus vergangen U-Ausschüssen lernt (2)

Dass durch die gegenseitige Vertuschungsunterstützung von SPÖ und ÖVP auch die blau-orangen Privilegienritter gedeckt wurden, war sozusagen part of the game. (Ausgerechnet einem Parteigänger Haiders die Leitung des Bankenausschusses zuzuschanzen, war eine taktische "Meisterleistung".)

Das Problem sind nicht die U-Ausschüsse, sondern dass weder ÖVP noch SPÖ eine Aufklärung wollen.

Plabutsch
00
16.9.2011, 09:33
... aber es ist auch eine Frage, was man aus vergangen U-Ausschüssen lernt (1)

Wer soll was aus den vergangenen U-Ausschüssen lernen ?

ÖVP und SPÖ haben seinerzeit erfolgreich verhindert, dass Bankenausschuss und Eurofighterausschuss ein verwertbares Ergebnis erzielen können. Zuerst wurde die Ausschussarbeit selbst erschwert. (Man erinnere sich an die geschwärzten Akten aus Molterer's Finanzministerium und die Verbalattacken von Fr. Fekter !) Und dann wurden die Ausschüsse vorzeitig abgedreht.

Was sollen nun ÖVP und SPÖ lernen ? Untersuchungsaussschüsse korrekt und unbehindert arbeiten zu lassen, bis alle Fakten am Tisch liegen, die beide Parteien aufs Schwerste belasten würden und sie in die politische Bedeutungslosigkeit verschwinden lassen würden ?

ora 600
00
16.9.2011, 03:40
ein U-Ausschuss ist doch nur ...

... eine willkommene Ablenkung für die Regierung endlich Beschlüsse und Reformen zu verfassen.
Da wird dann wieder monatelang herumgeplänkelt und Ende Oktober kommt man wieder drauf, dass man auf das kommende Budget vergessen hat.
Ich verstehe die Ausschussgegener und befürworte im Gegenzug eine Aufstockung der Staatsanwaltschaftbudgets fuer 2012, damit die offenen Posten endlich besetzt werden können.

NONE
01
15.9.2011, 15:40

(Ich schreib zwar Neuwahlen, ich partizipiere aber nicht in indirekter Demokratie. Hätte ich eine Wahl, würde ich dafür wählen das korrupte Politiker lebenslang ins Gefängnis müssen.)

NONE
12
15.9.2011, 15:40

Eigentlich müsste die gesamte ÖVP sofort eingesperrt werden:

Flucht und Verdunkelungsgefahr.

Und Neuwahlen wären auch angebracht.

El Chó
15
15.9.2011, 10:44

Sie lasen eine Belangmeldeung der Österreichischen Verbrech... äh Volkspartei.

ora 600
01
16.9.2011, 03:33
ich halte den Hrn. Gerhard Jarosch ...

.. für ganz OK.
Ev. sogar Parteiunabhängig.
Der hat manchmal auch sehr selbstkritische Worte dabei aber vor allem vehemente Kritik am Ministerium und über den Personalmangel. (siehe ältere Beitrage zum Hrn. Jarosch)

BS BS
01
15.9.2011, 08:45
...Bedenken...

Ich mag es auch überhaupt nicht, wenn mich jemand beim Schlafen stört.

Wenn der U Ausschuss erst beginnen soll, wenn die Staatsanwaltschaft alles fertig hat, werden meine Enkel auch schon Opas sein.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.