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Die psychische Belastung der betroffenen Kinder und Eltern ist groß.
Vom 14. bis 17. September 2011, findet im Salzburger Kongresshaus bereits zum 9. Mal der "European Craniofacial Congress" statt. Erwartet werden mehr als 500 Teilnehmer aus 57 Ländern. Es handelt sich um ein einen interdisziplinären Kongress, in deren Fokus Diagnostik und Behandlung angeborenet Fehlbildungen im Gesichts- und Kopfbereich stehen.
Lippen-Kiefer-Gaumenspalten (LKG-Spalten) zählen zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen weltweit. In Österreich kommen jährlich etwa 120-130 Neugeborene dieser Anomalie zur Welt. In Salzburg werden an der Universitätsklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie pro Jahr 300 Patienten behandelt und 80 bis 100 Operationen bei Patienten mit LKG-Spalten durchgeführt.
Unterschiedliche Ausprägung
LKG-Spalten treten mit unterschiedlicher Ausprägung auf - von der Minimalvariante einer Spaltbildung, der Spaltung des Gaumenzäpfchens oder einer verdeckten Spalte des weichen Gaumens, über durchgehende Gaumenspalten mit zusätzlicher Beteiligung von Lippe und Kiefer bis zu doppelseitigen vollständigen Lippen-Kiefer-Gaumenspalten. Diese Anomalien entstehen durch eine unvollständige oder völlig ausbleibende Verwachsung bestimmter Gewebsstrukturen während der Kindesentwicklung im Mutterleib im zweiten Schwangerschaftsmonat.
Die Atiologie ist noch nicht restlos geklärt. Neben Vererbung, sind auch äußere Einflüsse in der Schwangerschaft, wie Virusinfektionen und Erkrankungen in den ersten beiden Schwangerschaftsmonaten, medikamentöse oder auch schädliche Substanzen wie Alkohol, Nikotin, Drogen als Ursachen denkbar.
Interdisziplinäre Behandlung
"Bei kompletten Spaltformen können neben dem Aussehen auch wichtige Funktionen wie Atmung, Ernährung, Sprache und Gehör beeinträchtigt sein. Weiters kommt es neben der psychischen Belastung für Eltern und Kind auch oft zu Problemen im sozialen Umfeld, so dass immer eine Behandlung durch mehrere Spezialisten in einem interdisziplinären Behandlungsteam nötig ist," weiß Peter Schachner, Leiter des Interdisziplinären Zentrums für Lippen-Kiefer-Gaumenspalten an der Universitätsklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am Salzburger Landeskrankenhaus.
Dazu gehören neben der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie auch die HNO, die Kieferorthopädie, die Kinderheilkunde, ebenso wie die Logopädie und Zahnheilkunde. Auf die psychologische Arbeit mit den betroffenen Patienten und Familien wird besonders großer Wert gelegt, da die Diagnose mit vielen Fragen und Ängsten verbunden ist.
Gute operative Ergebnisse
Durch die umfassende Betreuung lassen sich gute Ergebnisse erzielen. "Ein Neugeborenes mit einer Spaltbildung sollte bereits in den ersten Lebenstagen dem Behandlungsteam vorgestellt werden. Die Eltern werden selbstverständlich in einem ausführlichen Gespräch über die Fehlbildung und die Behandlungsmöglichkeiten aufgeklärt," betont Schachner, der seit 2005 auch Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Lippen-Kiefer-Gaumenspalten und Kraniofaziale Anomalien ist.
Ist der Gaumen von einer Spaltbildung mit betroffen, so fehlt die Trennung von Mund- und Nasenraum. Damit können Trinken, Schlucken, Atmen, die Zungenmotorik, Lautbildung und Mimik beeinträchtigt sein. Um dies positiv zu beeinflussen, ist in vielen Fällen eine frühzeitige Behandlung mit einer Gaumenplatte sinnvoll.
Individuelles Wachstum
Die operativen Korrekturen beginnen im zwischen dem vierten und sechsten Lebensmonat mit dem Verschluss der Lippenspalte. Gaumen- und Kieferspalte werden meist später operativ korrigiert. Für die Wahl des richtigen Operationszeitpunktes ist das individuelle Wachstum entscheidend. Ziel ist die normale Eingliederung der Betroffenen im sozialen Umfeld sein. In vielen Behandlungszentren haben sich auch Eltern zu Selbsthilfegruppen zusammengeschlossen, in denen durch den Erfahrungsaustausch Betroffener wertvolle Hilfe im Umgang mit dieser Erkrankung geleistet werden kann.
"Eine abgestimmte Betreuung durch mehrere Disziplinen macht es heute möglich, in den meisten Fällen schon sehr früh eine weitgehende Korrektur der Fehlbildung und Normalisierung der Funktionen und damit eine möglichst frühzeitige Rehabilitation von Patienten mit LKG-Spalten zu erreichen," ergänzt Schachner. (red)
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