Ryan Gosling

  •  Ryan Gosling in Crazy, Stupid Love
    foto: warner

    Ryan Gosling in Crazy, Stupid Love

Starnotiz - Von Bert Rebhandl

Wenn es in amerikanischen Kino so etwas wie einen Schauspieler der Stunde gibt, dann ist das zweifellos Ryan Gosling. Er ist aktuell in drei interessanten Produktionen vertreten: In der Komödie Crazy, Stupid Love spielt er einen Frauenhelden und Verführer, in George Clooneys Politdrama The Ides of March spielt er einen idealistischen Politikberater, und in Drive von Nicholas Winding Refn (nach dem gleichnamigen Noir-Roman von James Sallis) spielt er einen Stuntfahrer, der seine Filmaufträge aufgibt und sich als Fluchtfahrer bei Raubüberfällen verdingt.

Zusammen genommen ergibt dies ein beträchtliches Spektrum, das vom romantischen Helden bis zu klassischen einsamen Wolf reicht, und die intellektuelle Welt Washingtons beziehungsweise der amerikanischen Elite auch noch in sich begreift. Aus The Ides of March gibt es einen kurzen Clip im Netz, in dem Gosling mit George Clooney zu sehen ist, der den Kandidaten spielt, der hier zum Präsidenten gemacht werden soll.

Der junge Stratege sitzt einer Ikone gegenüber, und Gosling findet hier sehr gut eine Balance zwischen den progressiven Ideen, die seine Figur vertritt, und der schieren Lust, diese mit dem Erfolgskalkül zu verbinden, um das es nun einmal geht. Generell fällt an dem gebürtige Kanadier auf, dass er stärker mit Mimik arbeitet als viele seiner Kollegen, und vor allem auch als viele der klassischen Vorbilder, von denen hier vor allem Robert Mitchum zu nennen wäre (nicht nur, weil der in Thunder Road auch einmal einen Fahrer gespielt hat).

Gosling geht häufig von einem skeptischen Ausdruck aus, das passt zu einem Playboy, und klarerweise zu einem bindungslosen, illusionslosen Einzelgänger wie der Figur in Drive. In Crazy, Stupid Love lässt er sich vom Emma Stone zur wahren Liebe bekehren, in Drive spielt Carey Mulligan das Girl, das seine Verbindung zur Alltagswelt darstellt.

2007 war Ryan Gosling für einen Oscar nominiert, nachdem er in Half Nelson einen drogensüchtigen Grundschullehrer verkörpert hatte, der trotz seiner Gefährdung auch viele positiven Facetten hat. In diesem Zusammenhang entstand dieses kurze Porträt, das einen guten Überblick über seine frühe Karriere gibt, und das ihn zugleich in einer Welt verortet, die der von Drive in vielerlei Hinsicht entspricht.

Einen eigenen Ausschnitt ist schließlich jene kontroverse Rolle wert, die ihn vor zehn Jahren mit einem Schlag bekannt machte, weil er es schwierig machte, bei der Figur des jüdischen Neonazis in The Believer den Unterschied zwischen Rolle und Darsteller nicht zu vergessen.

 

Inzwischen hat Gosling deutlich an Mainstream-Kompatibilität hinzugewonnen. Zudem hat er mit Michelle Williams in dem Beziehungsdrama Blue Valentine auch seine psychologische Nuancierung stärker ausgeprägt. Zwar gehören seine demnächst anstehenden Projekte vorwiegend in das Crime-Genre, es steht aber zu erwarten, dass sich sein Repertoire nach The Ides of March zunehmend in das seriöse Fach hinein erweitern wird, und vielleicht gelingt ihm ja sogar eine weniger zerrüttete Karriere wie seinem Vorbild Gary Oldman. Wie es aussieht, stehen die Chancen dafür gut.

CARGO Film Medien Kultur ist ein Magazin und eine Website. derStandard.at bringt in unregelmäßiger Folge Beiträge aus der Cargo-Redaktion.

Share if you care
  • Aktuelle Ausgabe: Cargo #15

    TitelbildCARGO ist eine in Berlin erscheinende Vierteljahreszeitschrift und ein Onlinemagazin zu den Themen Film, Medien und Kultur. derStandard.at/Kultur präsentiert in unregelmäßiger Folge Beiträge von CARGO.

7 Postings

Seit "Lars und die Frauen" bin ich ein echter Fan! Ich hoff er lässt sich nicht zu sehr ein-hollywood-en! ;)

Link Porträt

Lieber Standard,

der Link zu "Porträt" ist wohl falsch geraten... Leider! Korrektur wäre schön.

Danke und beste Grüsse

nochimmer nicht korrigiert..

ich bin froh...

...dass er endlich anerkennung bekommt! er ist seit jahren einer der besten schauspieler amerikas. Sei es Blue Valentine oder Half Nelson, er ist super überzeugend und übertreibt nicht... Jeder Film ein Genuss :)

Sozusagen...

...der bessere Edward Norton?

Bin schon auf "Drive" gespannt.

ist das ein motivationsschreiben für ein casting?

Oh Ryan

... das dachte ich auch. Wow, dieser Ryan wird ja heiß geliebt.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.