"Wollen Qualität in den Taximarkt bringen"

  • Fabian Rauch (links) und Georg Parth haben in Mailand Wirtschaft studiert und sich mit "get-a-taxi" selbstständig gemacht.
    foto: get-a-taxi

    Fabian Rauch (links) und Georg Parth haben in Mailand Wirtschaft studiert und sich mit "get-a-taxi" selbstständig gemacht.

  • Die verfügbaren Taxis werden aufgelistet.
    foto: get-a-taxi

    Die verfügbaren Taxis werden aufgelistet.

  • Räumliche und zeitliche Distanz wird angezeigt.
    foto: get-a-taxi

    Räumliche und zeitliche Distanz wird angezeigt.

  • Lenker können bewertet und kontaktiert werden.
    foto: get-a-taxi

    Lenker können bewertet und kontaktiert werden.

Taxi-Apps wie "get-a-taxi" wollen das Terrain der Funkzentralen erobern - "Warum muss man anrufen, um ein Taxi zu bestellen?"

Die Idee ist Anfang des Jahres entstanden, sagt Georg Parth: "Wir haben ein Taxi bestellt, lange warten müssen und dann erst nicht gewusst, wann es da ist." Aus dem persönlichen Ärgernis wurde ein Unternehmen. Es nennt sich "get-a-taxi" und ist im Prinzip nicht mehr als eine kostenlose App - die den arrivierten Unternehmen das Fürchten lehren soll. Der heimische Taximarkt ist hart umkämpft. Was auf der Strecke bleibt ist die Qualität, respektive der Kunde. Zumindest meint das Georg Parth im Gespräch mit derStandard.at. "Wir wollen Qualität ins Gewerbe bringen." Hinter dem hehren Ziel stecken natürlich auch ökonomische Interessen. Es geht ums Geld verdienen, der Taxameter läuft.

Expansion in alle Bundesländer

Der 23-jährige Parth hat das Start-Up zusammen mit Fabian Rauch, 25, gegründet. "Mittlerweile hat ja fast jeder ein Smartphone. Warum muss man da noch anrufen, um ein Taxi zu bestellen?" fragte sich Parth und machte sich ans Programmieren. Der Testbetrieb lief vor einigen Woche in Innsbruck an, der Heimatstadt der beiden Gründer, nun ist Wien an der Reihe. Die restlichen Gegenden sollen bald folgen. Die Zeit drängt: "Bis Ende des Jahres wollen wir unseren Service in ganz Österreich anbieten", so Parth, "wir haben schon Anmeldungen aus allen Bundesländern."

Das Geschäftsmodell ist simpel. Taxilenker können sich bei "get-a-taxi" registrieren. Pro vermitteltem Kunden wird eine Provision fällig. Diese variiert zwischen 75 und 95 Cent. Fahrer, die in ihren Autos mit Aufklebern für "get-a-taxi" werben, kommen billiger davon. Warum sollen Leute über die App ein Taxi ordern? "Derzeit hat man keinen Einfluss, welcher Lenker und welches Fahrzeug kommen." Bei der App könne man schon vorab selektieren: "Welches Auto, welcher Fahrer, ob mit Kindersitz oder ein Großraumtaxi." Man sehe die räumliche Distanz und könne gezielt den einen oder eben anderen Fahrer auswählen. Ein Bewertungssystem biete Orientierung.

4.500 Taxis in Wien

Bis jetzt habe man 200 Taxler unter Vertrag, erzählt Parth. Damit es rentabel wird, müssen noch viele folgen. Die Chancen stehen nicht so schlecht. In Wien gibt es beispielsweise 4.500 Taxis. Ungefähr die Hälfte fährt für 40100 und 31300. Jene zwei Funkzentralen, die zwar keine eigene Flotte haben, aber mit ihrer bekannten Nummer den Markt kontrollieren. Vielen ist das schon lange ein Dorn im Auge. Die Provisionen sind hoch, die Gewinnspannen gering. Pro Monat müssen Lenker einige hundert Euro zahlen, um über Funk Aufträge zu generieren.

Neben den hohen Vermittlungsgebühren wird der Unmut über die "Knebelverträge" immer lauter. Steht ein Taxilenker bei 40100 oder 31300 unter Vertrag, darf er keine Aufträge von anderen Taxi-Apps annehmen. Sonst droht die Kündigung. "Wenn deine Frau dich betrügt, lässt du dich ja auch scheiden", argumentierte der 40100-Chef zuletzt in der "Presse". Ein Vorgehen, das den Wettbewerb unterbinde und den Mitbewerbern sauer aufstößt. Viele Taxler sind zwar Einzelunternehmer, es sei aber mühsam, jeden einzeln ins Boot zu holen, kritisiert Parth. An die großen Fische komme man nur schwer heran. Nämlich jene, die viele Fahrer beschäftigen, aber eben über die Funkzentralen fahren.

In Deutschland verboten

"get-a-taxi" hat Beschwerde bei der Bundeswettbewerbsaufsichtsbehörde eingereicht. Die Praxis soll unter die Lupe genommen werden. In Deutschland hatte in dieser Causa schon ein anderer Player Erfolg. "Mytaxi", ebenfalls eine kostenlose App, ist mit einem ähnlichen Provisionsmodell schon länger auf dem Markt als das Pendant aus Österreich. Angetreten in Städten wie Berlin, Frankfurt, Hamburg oder München, um von dort aus den ländlichen Raum zu erobern. Laut Gerichtsurteil ist es in Deutschland rechtswidrig, dass Funkzentralen ihren Vertragspartnern die Teilnahme an Mytaxi untersagen.

Ein System, das auch in Österreich aus den Angeln gehoben werden soll. Mytaxi ist Mitte August in Wien an den Start gegangen, die weiteren Landeshauptstädte sollen sukzessive erschlossen werden. Und quasi nebenbei das Land, wie Frederike Mewes von mytaxi die regionalen Pläne gegenüber derStandard.at bestätigt. In Deutschland kann mytaxi bereits 5.000 angemeldete Fahrer und 300.000 App-Downloads verbuchen. In Österreich sind es nach einem Monat Marktpräsenz rund 250 Lenker, die pro App-Fahrgast 99 Cent an Provision berappen.

Lenker können beide Apps nutzen

"Wir wollen die App aus Österreich für die Österreicher sein", meint Parth zur Positionierung gegenüber der Konkurrenz aus Deutschland. Die hat im Augenblick die Nase vorne hat. Der Innsbrucker ist überzeugt, das Match gewinnen zu können: "Der Druck ist natürlich da, aber ich bin sehr optimistisch." Weder get-at-taxi noch mytaxi legen Wert auf Exklusivpartnerschaften. Nutzen Lenker die eine App, können sie theoretisch auch über die Konkurrenz lukrieren.

Partner aus Luxemburg

Neben ländlichen Gegenden hat get-a-taxi auch internationales Terrain im Visier. Die Expansion in Richtung Nachbarländer soll schon bald beginnen. Man hat keine Zeit zu verlieren. Für den Export sei get-a-taxi gut aufgestellt, ist Parth überzeugt. Die Investitionskosten halten sich in Grenzen, Investoren aus Luxemburg sind bereits an Bord. In "zwei, drei Jahren" soll das Unternehmen in die schwarzen Zahlen fahren. "Das ist vom Tempo der Expansion abhängig." Momentan sind fünf Mitarbeiter im Einsatz, im Oktober sollen es schon zehn sein. Die beiden Gründer ziehen von Innsbruck nach Wien.

Parth und Rauch halten noch über 50 Prozent am Unternehmen. Ein Verkauf steht momentan nicht zur Debatte, aber: "Wer weiß schon, was in 15 Jahren passiert?" Der mobile Markt entwickle sich rasant, neue Geschäftsfelder sprießen wie Apps aus dem Boden. (om, derStandard.at, 27.9.2011)

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