Wenig Zeit mit Eltern

Unicef: Materialismus an britischen Krawallen schuld

Sebastian Borger aus London , 14. September 2011, 18:39

Britische Kinder und Jugendliche haben viel Spielzeug, aber wenig Zeit mit den Eltern

Britische Kinder ersticken im Materialismus, ihre Eltern arbeiten zu viel und verbringen zu wenig Zeit mit dem Nachwuchs. Zu dieser düsteren Einschätzung kommt eine von der Regierung in Auftrag gegebene Studie von Unicef.

Höherer Mindestlohn gefordert

Erwachsene auf der Insel wirkten "beinahe gefangen in dauerndem Konsum", glaubt die Sozialwissenschaftlerin Agnes Nairn von der Unicef. Der entfesselte Materialismus gehöre zu den tieferliegenden Ursachen der Krawalle, die im vergangenen Monat viele englische Großstädte erschütterten. Die UN-Organisation rät zum Verbot von Kinderwerbung und der Anhebung des Mindestlohns; der Staat solle nicht ausgerechnet an Einrichtungen für Kinder sparen.

Die Studie baut auf einem Vergleich westlicher Industriestaaten auf, bei dem Großbritannien 2007 den 21. und letzten Platz belegte (Österreich: 18). Kinder und Jugendliche wurden über ihre Beziehungen zu Eltern und Gleichaltrigen, ihre Lebensweise und Selbsteinschätzung befragt. Hinzu kamen Daten zur materiellen Situation, Gesundheit und Bildung.

Sozialpolitik

Diesmal verbrachten Nairn und ihre Mitarbeiter viel Zeit mit einzelnen Familien in Großbritannien und verglichen die Ergebnisse mit Schweden und Spanien, die in der Studie Platz 2 und 5 belegt hatten. In den Vergleichsländer sei "der obsessive Konsum beinahe gar kein Problem", analysiert Nairn. Die Sozialpolitik in Schweden ziele darauf ab, Eltern Zeit für die Familie zu geben. Während in Spanien die Väter ähnlich lang arbeiten wie auf der Insel, gibt es dort bessere Verbindungen zur erweiterten Familie und mehr Mütter, die sich hauptberuflich um Kinder kümmern.

In allen drei Ländern sagen die Kinder, dass materielle Güter sie nicht glücklich machen. Dennoch werde der britische Nachwuchs mit Spielzeug und Elektro-Junk überschüttet. Die zuständige Staatssekretärin Sarah Teather zeigte sich interessiert, konkrete Maßnahmen wollte die Liberaldemokratin nicht ankündigen. (Sebastian Borger, DER STANDARD Printausgabe, 15.9.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 32
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< silence >
00
16.9.2011, 17:26
ein interkultureller Vergleich mit Japan würde mich mehr interessieren!

Das ist eine Konsumgesellschaft wie es im Buche steht, die Menschen arbeiten sich den Buckel krumm, die meisten leben in beengten Wohnungen --
aber im Katastrophenfall gehen die Leute in die halbleeren Geschäfte, und überreichen mit einer Verbeugung ihre Kreditkarte um in den 5 min, wo es Strom gibt, das lebensnotwendige Wasser auch zu bezahlen.

So, und jetzt bitte erklärt mit warum die das so machen -- meine Theorie: anderer Grad der Zivilisation.

Frodo Der Hobbit
00
17.9.2011, 05:06

zumindest eine höhere wertigkeit von harmonie und respekt.

gigngogn
 
01
15.9.2011, 15:30
Na das ist ja mal wieder voll die Überraschung, die Armen Opfer die ja üpraktisch gezwungen waren die Geschäfte auszurauben, anzuzünden und die Besitzer totzuschlagen sind natürlich, wie könnte es auch anders sein, Opfer der Gesellschaft.

Niemals nicht sind die selber schuld!

TRockenmilch
00
16.9.2011, 10:25

ursache und schuld sind unabhängig zu beurteilen.

falls dein kleiner geist das versteht.

gigngogn
 
00
16.9.2011, 11:55
Gutmenschen BlaBla! Irgendwie werden bei euch aus Tätern immer Opfer während die Opfer immer auch mitschuld sind

TRockenmilch
01
16.9.2011, 12:44

dass der täter schuld ist, ändert nix an der tatsache dass es entwicklungen gibt die solche taten/täter fördern/erzeugen. es macht keinen sinn NUR den täter einzusperren.
damit verhindert man NUR dass dieser täter eine tat wiederbegeht.
wenn man ZUSÄTZLICH die ursache erforscht und analysiert, kann man aber die entsprechenden schritte einleiten um zu verhidnern dass sich WEITERE menschen zu tätern entwickeln.
sowas nennt man gesellschaftspolitik und ist immens wichtig um KRIMINALITÄT ZU BEKÄMPFEN.

aber dass das in dein armes von göbbels-vokabular verseuchtes hirn nicht reingeht wundert mich nicht.

< silence >
01
16.9.2011, 17:36
Ursachen erforschen - bitte!

aber nicht naiv. Die Zuwanderer aus asiatischen Ländern hackeln auch den ganzen Tag für ein Butterbrot. Aber deren Kinder werden selten gesehen bei Raub, Diebstahl und Riots aller Art. Die sitzen daheim und lernen.
Es ist wohl eine andere EINSTELLUNG zum Thema "mein/dein" und zum Thema "Leistung und Erfolg". Auch der Begriff "Ehre/Gesicht verlieren" wird anders definiert - so mein Verdacht.
Wäre interessant das einmal zu beleuchten!

gigngogn
 
00
16.9.2011, 12:47
Es interessiert mich nicht die Bohne *warum* jemand ein Verbrechen begeht.

Das sie natürlich sofort mit der Nazi Keule kommen war ja klar, Sozialarbeiter? Täterversteher? Was ist denn so ihre Arbeit?

TRockenmilch
00
16.9.2011, 13:48

sie verwenden nazivokabular. dafür kann ich ja nix.

und wenn sie nicht verstehen dass kriminalität nicht durch verhaftung sondern durch gesellschaftpolitische maßnahmen bekämpft wird (so ist es auf der ganzen welt) ist ihnen eh nicht zu helfen.

das entschuldigt weder den täter noch bewahrt es ihn vor seiner strafe.

dass ihnen egal ist was warum passiert kann ich mir gut vorstellen. ist ja schon beängstigent wenn man sich die welt nicht mehr durch simples "gut-böse" erklären kann. da verkriecht man sich lieber in ein desinteresse und verzichtet darauf die simpelsten zusammenhänge sozialer entwicklungen zu hinterfragen.
man könnte ja schließlich plötzlich eine eigene meinung haben, und das macht ihnen natürlich angst.

gigngogn
 
01
16.9.2011, 22:05
Wenn sie auf den Gutmenschen anspielen, dann sollten sie sich mal schlau machen woher das Wort kommt

http://www.gfds.de/index.php?id=112

Es scheint unmodern geworden zu sein das Menschen für ihre Taten und Entscheidungen die Verantwortung übernehmen.
'Die Gesellschaft' ist schuld das man sich einfach am Eigentum anderer bedient. Warum?
Weil 'die Gesellschaft' nicht dafür gesorgt hat das es Grossbildfernseher vom Himmel regnet?
Weil man was leisten muss wenn man was haben will?
Weil erwartet wird das man sich an Regeln hält?

Sie schwafeln von 'simplen Zusammenhängen' welche wären das denn? Wie redet man hier eine Schuld der Gesellschaft herbei, die *nicht existiert*

Das ist nicht Somalia, diese Leute haben nicht um ihr Leben gekämpft, für Sicherheit oder Nahrung, sondern hatten einfach Spass am zerstören und abgreifen

Erstversuch
00
16.9.2011, 12:32
Selbstschutz:

Wenn der Täter ein Opfer ist muss er therapiert werden und wer therapiert? Genau. Die Poster sorgen also nur für ihr sicheres Einkommen.

Michael Schmied
00
15.9.2011, 13:23
UK child protection squads

Im Vereinigten Königreich gibt es die im Volksmund sogenannten "child protection squads", um dann im Notfall bei Kindesmissbrauch einzugreifen. Damit ist doch alles in Ordnung? Da werden doch Milliarden hineingesteckt!

Dass es an den andauernden krassen sozialen Missständen, oder an der verfehlten Früheinschulung bei völlig überforderten Kleinkindern mit 4 Jahren damit die Eltern wieder dem Arbeitsmarkt voll zur Verfügung stehen, oder an dem vergreistem Zentralismus mit bürokratisch begründeten Änderungen für das ganze Land liegen könnte, ist dort nicht überlegenswert (bis jetzt).

Neben all den positiven Sachen dort ist das total beschämend, ein großer schwarzer Fleck der immer größer wird, mit all dem Geld auch immer weiter finanziert.

Chocoholic
13
15.9.2011, 11:54
keine Zeit aufgrund von langer Arbeitszeit?

Dieses Phaenomen, die Kinder vorn TV zu platzieren und sie mit Konsumguetern und Spielzeug zu ueberhaeufen, anstatt mit ihnen tatsaechliche Zeit zu verbringen gibt es genauso in den social benefit Familien. Es ist nicht ein Zeitproblem, es ist ein Interessenproblem. Es interessiert die Eltern nicht mehr, Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Sie gehen lieber einkaufen oder schauen Fern.

Herr und Frau Österreicher
 
01
15.9.2011, 10:47
"Unicef: Materialismus an britischen Krawallen schuld"

Das klingt aber eher nach Papst als nach UNICEF...schwach!

Interview mit einem Augenzeugen: http://wobblies.at/?p=592

TRockenmilch
02
15.9.2011, 13:41

lol?

hier die überschrift aus den verlinkten artikel:
"Leute plündern weil sie Sachen wollen."

das ist, ehm, auch wenns vielleicht komisch klingt, genau das gleiche wie "Materialismus an britischen Krawallen schuld".

Michael Schmied
00
15.9.2011, 09:58
CL
27
15.9.2011, 07:07
... die Kinder beiseite stellen ...

Die Lehrer beklagen sich schon seit vielen Jahren, dass sie immer mehr mit verwahrlosten Kindern zu tun haben, um die sich die Eltern offenbar kaum bzw. viel zu wenig kümmern.
Beide Eltern müssen voll arbeiten gehen, damit man 3-4 x im Jahr auf Urlaub fahren kann, jeder ein Auto besitzt, immer die neuesten "Fetzen" präsentieren kann etc.
Ob dieses globale Problem (das uns übrigens in ein bis zwei Jahrzehnten voll auf den Kopf fallen wird) allerdings die Hauptursache für das Zähneknirschen und Heulen im Hintergrund der britischen Politik ist, wage ich zu bezweifeln!

gigngogn
 
01
15.9.2011, 15:29
Beide Eltern müssen längst voll arbeiten damit sich die Miete ausgeht, das Auto braucht man um in zumutbarer Zeit bei der Arbeit zu sein und die 'Fetzn' sind so billig im Vergleich zum Essen das sie keine Rolle spielen

Fritz Wunderlich
02
14.9.2011, 20:10

??
und wer ist schuld am materialismus??

Erstversuch
00
16.9.2011, 12:48
Vielleicht die

" Geben wir das Geld unserer Spiessereltern aus I want it all I want it now" 68er Generation?

politisch verfolgt
139
14.9.2011, 19:55
die linke meinungsmaschinerie arbeitet auf hochtouren

um unbedingt irgendwas zu finden, wie man die schuld an den krawallen "dem kapitalismus" anhängen kann.
lächerlich.
daß österreich in dem ranking nur auf platz 18 ist, macht das ganze nicht glaubwürdiger, wenn man bedenkt, daß gerade die linke immer bekrittelt, kinder würden bei uns so lange zu hause betreut.

Herr und Frau Österreicher
 
11
15.9.2011, 10:48
Was um alles in der Welt ist die "linke meinungsmaschinerie"????

gigngogn
 
02
15.9.2011, 15:31
Wenn sie diesen Artikel hier gelesen haben haben sie bereits einen Teil davon kennengelernt :)

Chien de Pique
02
15.9.2011, 09:56

Na, immerhin wurde festgestellt, dass nicht der Mangel an Gütern die Jugendlichen zur Gewalt anstachelt, manchen SympathisantInnen der TäterInnen hier haben ja nicht einmal davor zurückgescheut, mit Hunger zu argumentieren.

Frodo Der Hobbit
02
15.9.2011, 07:24

es ist nicht einfach der "kapitalismus", es ist der "soziale krebs" - eine aushöhlung des sozialen zusammenhalts zugunsten der machteliten, die ihren kommerz veranstalten und den rest - der offensichtlich weit unter ihnen steht - gegen einander hetzen.

warum wohl gibts die probleme dieses ansteckenden nihilismus auf den philippinen nicht? da hat man die ursachen verstanden. die öffentliche thematisierung der probleme ist moderner als anderswo.
so tief gesunken, dass es wohl einen öffentlichen konsens gibt, mit der jugend so umzugehen wie eben im UK und auch anderswo im westen, das sind sie gewiss nicht.

die schockmessage der UNICEF ist nämlich, dass diese sozialen zustände der jugend hinter den riots eigentlich für _gut_ gehalten wurden!

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