Placebo-Ausschuss

Kommentar | Alexandra Föderl-Schmid , 14. September 2011, 20:56

Skandalaufarbeitung und Parteispenden: Der Aufklärungswille der Parteien fehlt

Die ÖVP will gar keine Aufklärung. Sonst würde sie nicht von vornherein den Untersuchungsausschuss auf sechs Monate begrenzen und Wert darauf legen, dass die Blaulichtfunk-Affäre, in die der ehemalige Innenminister Ernst Strasser verwickelt sein soll, erst gar nicht geprüft wird. Mit ihrer Zustimmung zur Einrichtung eines Untersuchungsausschusses gibt die ÖVP zwar formal nach. Durch die zeitliche und thematische Beschränkung ist jedoch sichergestellt, dass möglichst wenig herauskommt. Das ist auch im Sinne von FPÖ und BZÖ, die sich bei dem Thema auffällig ruhig verhalten.

Den Eurofighter-Ausschuss im Parlament hat auch die Regierung vorzeitig abgedreht. Vieles blieb im Dunkeln und sollte neu beleuchtet werden. Aber ein Gutachter kann nicht binnen sechs Monaten alle Gegengeschäfte auf den Verdacht hin prüfen, ob Scheingeschäfte getätigt wurden. Es ist unmöglich, in dem engen Zeitrahmen die hunderten involvierten Firmen und Aufträge zu durchleuchten.

Das Argument, die jetzige Innenministerin Johanna Mikl-Leitner schaue sich ohnehin alles rund um die Blaulichtfunk-Vergabe an, überzeugt ebenfalls nicht. Dass der Rechnungshof schon alles geprüft habe, wie VP-Klubobmann Karlheinz Kopf behauptet, stimmt nicht: Der Rechnungshof hat das Vorgängermodell Adonis geprüft und kann sich jetzt nur noch jenen Teil genauer anschauen, der das Innenministerium betrifft. Warum aber 3,7 Millionen Beraterhonorar an Alfons Mensdorff-Pouilly geflossen sind, dürfen die Rechnungshofprüfer nicht unter die Lupe nehmen. Da der Rechnungshof nur bei einer Mehrheitsbeteiligung der öffentlichen Hand prüfen kann, entstehen Kontrolllücken wie im Falle der Telekom, bei der der Staatsanteil nur 27 Prozent beträgt.

Eine Überprüfung ist auch deshalb notwendig, weil erst vor einigen Tagen bekannt wurde, dass die Mehrkosten bei Tetron jährlich sieben Millionen betragen. Der Steuerzahler hat ein Recht zu erfahren, wie die öffentlichen Gelder verwendet werden, da darf es keine Lücken geben.

Entscheidend wird auch sein, wie der Parlamentsausschuss eingerichtet wird. Wird es nur ein Unterausschuss, müssten Zeugen oder Gutachter nicht unter Wahrheitspflicht aussagen bzw. keine strafrechtliche Folgen befürchten. Es würde die Transparenz erhöhen, würden Befragungen live im TV übertragen. Dies wäre eine Aufgabe für den neuen Sender ORF 3, wie dies in Deutschland der öffentlich-rechtliche Sender Phoenix macht.

Die SPÖ auffallend ruhig, da sie durch die Forderung nach Transparenz bei der Inseraten- und Auftragsvergabe an Unternehmen in Parteinähe genauso betroffen ist.

Alle Parteien wiederum zieren sich, wenn es darum geht, Parteispenden offen zu legen. Bisher müssen nur dem Rechnungshofpräsidenten Spenden über 7260 Euro gemeldet werden, diese Angaben muss er aber unter Verschluss halten. Kontrollen, Sanktionen oder Haftstrafen sind nicht vorgesehen. In Großbritannien und Deutschland gibt es dagegen eine Verpflichtung zur Offenlegung von Spenden ab 5000 Euro.

Wie der Untersuchungsausschuss arbeiten kann und wie viel Kontrolle es bei den Parteispenden geben wird - daran entscheidet sich, ob die Parteien es ernst meinen mit Transparenz und Aufklärung oder ob sie nur auf den Placebo-Effekt setzen und hoffen: Die Aufregung wird sich schon legen, dann machen wir weiter wie bisher. (DER STANDARD, Printausgabe, 15.9.2011)

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Posting 1 bis 25 von 45
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donna corleona
00
15.9.2011, 18:57
Plabutsch
01
15.9.2011, 17:46
ALLE Parteien wiederum zieren sich, wenn es darum geht, Parteispenden offen zu legen.

Das ist meines Wissens falsch. Die Grünen zieren sich als einzige nicht.

saladin der dritte
00
15.9.2011, 15:53
Keine Hoffnung

Solange Untersuchungsausschüsse von der Regierungsmehrheit im Parlament blockiert, sabotiert und niedergestimmt werden können, ist jede Hoffnung in einen österreichischen Ausschuss vergeblich. Der Rechnungshof darf auch nicht.
Die Gerichte - wollen die überhaupt? Der Staatsanwalt, der wirklich Regierungsmachenschaften aufdecken wollte, schaffte sich doch nur Feinde. Da lässt er doch lieber die Akten verjähren und kriegt einen Orden.
20 Jahre Regierungsbeteiligung einer Partei sind jedenfalls mehr als genug! 10 Jahre Abgeordneten-Amt sollten eine Grenze sein, die nur in Ausnahmefällen (Peter Pilz) überschritten werden darf.

phonon
01
15.9.2011, 15:47
Die Kommentare von Alexandra Föderl-Schmid

sind alle sehr zutreffend und allemal lesenswert.
Weiter so.

Die Bürger werden es nicht zulassen, dass alles wieder unter den Teppich gekehrt wird. Der Dreck darunter ist schon so viel, da hat keiner mehr Platz. Es muss Schluss sein.

Mir fällt auf, dass die Schlüsselressorts: Innen-,Justiz- Finanz- und Außenministerium von einer Partei beherrscht werden. Es muss daher bei den Untersuchungen auf besondere Transparenz geachtet werden

freiraumXi
00
15.9.2011, 16:24
...mein kommentar..

hat das gegenteil behauptet. war aber durchwegs anständig und freundlich.

warum ist er nicht erschienen??

BlueFish
00
15.9.2011, 15:24
Bock zum Gärtner machen?

Karl Heiden1
00
15.9.2011, 15:14
Für alle diese Verdunkelungen gibt es nur eine Erklärung:

Verdeckte Parteienfinanzierung, an deren Aufdeckung aber schon gar keine Partei ein Interesse haben kann. Sickinger kämpft auf verlorenem Posten ...

Baltasar König
01
15.9.2011, 13:58
warum wohl?

Hat die ÖVP die Justiz so lange ausgezehrt,
daß sie ihr nicht mehr gefährlich werden kann,
droht nun Gefahr von parlamentarischer Seite.

Nicht begrenzte Untersuchungen führten wohl
in ungeahnte schwarze Tiefen.

Was wäre, wenn alle Verstickungen dieser ehrenwerten Gesellschaft aufgerollt würden?
Ist es denkbar, daß strafbare Handlungen zutage
kämen? - nie!
Vorgangsweisen, geschmacklos, unmoralisch,
am Rande der Legalität?
Von ÖVP-Seite? Nie und nimmer!

Warum wehrt man sich dann, per zeitlicher Begrenzung?

Die Ehrlichkeit der ÖVP wird immer deutlicher.

uni versalis
00
15.9.2011, 14:58
övp korrupt, aber ausser bei den grünen

kann man kein großes engagement feststellen, was eine lückenlose aufklärung betrifft. auch die spö ist auffallend zurückhaltend.

warum? vielleicht noch viel mehr leute mit drinnen und da jeder von jedem zu viel weiss, hat einfach niemand richtiges interesse daran.

Flann O'Brien.
01
15.9.2011, 12:21
Ja, die Mehrkosten für den Digitalfunk betragen 7 Mio jährlich,

aber auf 40 Jahre! Also Mehrkosten von 280 Mio Euro, was an sich schon ein Skandal ist. Und das soll nicht untersucht werden? Shame on you, ÖVP! Und auch SPÖ, wenn sie sich das gefallen lässt.

Kralj Matjaz
01
15.9.2011, 11:19
der Kreisky hat schon gewusst...

warum es mit den Schwarzen nicht geht....

Bekka
 
011
15.9.2011, 10:44
Der Aufklärungswille DER PARTEIEN fehlt

ALLE PARTEIEN wiederum zieren sich, wenn es darum geht, Parteispenden offen zu legen.

Wirklich ALLE?

Seltsame Aussagen. Ich wüsste nicht, wo die Grünen Aufklärung blockieren sollten.

freiraumXi
11
15.9.2011, 14:56
..der ganze artikel..

ist verhalten. als ob man nicht sagen darf: "HIER STINKTS GEWALTIG".

schlechter journalismus.

1.) nicht alle Parteien zieren sich: GRÜNE
2.) "Die ÖVP will gar keine Aufklärung." - warum nicht die Wahrheit? -> "die ÖVP will verschleiern."
3.) "auffällig ruhig verhalten" -> Aus allen taschen quillt nur so das steuergeld, panisch umsichschlagende abwehrreaktionen, peinliche betroffenheit, jeden tag neue aufdeckungen, fast kein minister von schwarz-blau mehr übrig, der nicht im verdacht steht korrupt zu sein.. Ich Föderl-Schmid geht hier entschieden zu gutmütig mit ÖVFPBZÖ um. Wenigsten ein bisschen zynik sollte vorhanden sein, so kommts mir vor, als wären wir im zaristischen russland und die presse muss aufpassen was sie sagt..

flunt
00
15.9.2011, 09:16

Nach einem halben Jahr wird der Ausschuss wie jeder andere ergebnislos eingestellt.

Gerald_Inchen
00
15.9.2011, 09:20
Sie sagen es....

...nur muss man auch erwähnen, wer jene sind, die alles daran setzen, dass ja kein verwertbares Ergebnis heraus kommt.

Richard S
05
15.9.2011, 09:12

aufklärungswille "der Parteien" fehlt?
nein, die grünen fehlen in Ihrer aufzählung. die sind doch auch eine österreichische partei, oder nicht?
die grünen sind die einzigen, denen an offenlegung von parteispenden, aufklärung von skandalen liegt, die sich aktiv dafür einsetzen. noch nie habe ich von grünen veruntreuungen, grünen skandalen gehört. besser anscheinend, man sagt, "alle sind gleich schlecht", dann kommt man nicht in den verdacht, parteiisch zu sein. das entspricht deswegen aber noch nicht den tatsachen!

Markus1975
10
15.9.2011, 09:46
Die Erhöhung der Kommunalabgaben

und vor allem des Wasserpreises in Wien sind kein Skandal ? Auch nicht, dass die Grünen vor der Regierungsbeteiligung noch dagegen gewttert haben ? Naja ... kann man sehen wie man will, allerdings habe Sie recht, die Grünen haben noch den wenigsten Dreck am Stecken ...

Gerald_Inchen
06
15.9.2011, 09:16
Zustimmung!

Ergänzt vielleicht noch damit, dass die angesetzten Untersuchungsausschüsse bisher immer von der/den Regierungsparteien "abgewürgt" wurden.

Politiker a la Pilz kann man nur bewundern - für Ihr Durchhaltevermögen und auch für das "nicht anpassen" an die üblichen Parteigepflogenheiten

Gerald_Inchen
01
15.9.2011, 09:10
..und das Wählervolk

(soweit überhaupt noch vorhanden)
wählt wieder ÖVP und FPÖ

so nach dem Motto: Jeder bekommt das, was er verdient!

Bzw "Wir stellen Euch (Parteigünstlingen) gerne unser sauer verdientes Steuergeld zur freien Entnahme weitherin zur Verfügung"

Jammern sollten diese Wähler danach aber nicht....

Pauli Feuerstein
21
15.9.2011, 10:12
sehen sie es so,

was sind schon ein paar milliönchen im vergleich zu den milliarden die mit der spö und den grünen den bach runter gehen ... und zwar von unseren steuergeldern!

alles klar? ;-)

hrainer
12
15.9.2011, 15:56
Nichts ist klar!

polemisch pauschalierendes Gewäsch - irgendwas Konkretes?

Karl Kater
00
15.9.2011, 08:03
Kernfrage

Die entscheidende Frage lautet: Was genau soll untersucht werden? Die Regierungsparteien plädieren für einen eng umgrenzten Untersuchungsauftrag, der einen Namen haben könnte: Die Rolle der FP.

Wieviel Demokratie ist es bitte?
04
15.9.2011, 06:54
Im Grunde

ist spätestens seit Thomas Bermhard alles gründlich durchuntersucht.

Das *big picture*.

Im tagesaktuellen Detail wird's nicht schöner, believe me.

Daß die Griefer und Bullies, die vom Parlament aus seit 56 Jahren die Republik mobben und plündern, jetzt wieder so tun, als würden sie gegen sich selbst ermitteln, ist einfach nur die übliche Veralberung, die man hier für's erpresste Steuergeld serviert bekommt.

Re Placebo:

Eher findet Barbara Karlich das Higgs Boson in den Abführmittelchen (Eek!) die sie bewirbt und wahrscheinlich sogar verwendet (Imagine that! Eek! Again!) und geht damit in die Physikgeschichte ein, als daß hier jemand benennen könnte, was in Österreich nicht Placebo ist.

Selbst die Verfassung gleicht Grander-Wasser.

Childerich von Bartenbruch
012
15.9.2011, 05:33
ach was!

die övp kann noch so kaputt sein. sie kann noch kaputter als derzeit sein. sie kann sich in der gewissheit wiegen, dass dieses land ein strukturell rechtes land ist. wenn's politfrust und protest gibt, so wandern die stimmen nach extrem rechts, niemals nach links. man muss sich nur die option faschismus oder koalition mit diesem offen halten, dann droht hierzulande parteipolitisch praktisch keine gefahr für die konservativen. kreisky hatte bloß ein zeitfenster nach der aufbauphase nutzen können.

bei der nächsten wahl wird die fpö trotz aller schwarz-blauer skandale dazugewinnen.

göring hat sich verabschiedet mit den worten: "wenigsten haben wir ein paar jahre anständig gelebt."

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