Klage gegen Datenschützer

"Statistik Austria wird mit Herrn Hitler verglichen"

Bericht | Irene Brickner, 14. September 2011, 18:18
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    foto: orf

    Klage gegen Datenschützer Hans Zeger, der hier gerade die Gesichtserkennung des Parlaments testet - gefilmt vom ORF

Mit Klage reagiert die Statistik Austria auf einen Nazi-Vergleich durch Datenschützer Hans Zeger - Anlass: die Volkszählung 2011

Wien - Die österreichische Volkszählung 2011 steht vor ihrem Abschluss, bis 31. Oktober muss alles unter Dach und Fach sein. Aber Normalbürger oder -bürgerinnen bekommen davon rein gar nichts mit: Die aktuelle Ösi-Bestandserhebung findet ohne an Türen klopfende Volkszähler oder zugesandte Fragebögen statt.

Statt dessen basiert die erste österreichische Registerzählung - wie schon ihr Name verrät - auf der Auswertung bestehender Verwaltungsregister: auf Melde-, Sozialversicherungs-, Steuer-, Schul-, und Fremdendateien zum Beispiel.

Auf Knopfdruck

Sie alle wurden in den vergangenen Jahren technisch vereinheitlicht, sodass sie jetzt auf Knopfdruck zu Zählzwecken herangezogen und verknüpft werden können. Die ersten statistischen Auswertungen soll es im Juni 2012 geben.

Doch so unauffällig das auch vor sich geht: Im Hintergrund schwelt ein Streit zwischen Statistikern und Datenschützern um die technisch ausfeilte Köpfezählerei. Dieser hat jetzt eine Klage zufolge: Am 2. September wurde dem Obmann der Gesellschaft für Datenschutz Arge Daten, Hans Zeger, ein Schreiben des Handelsgerichts Wien zugestellt: Die Statistik Austria, vertreten durch den auch als ORF-Rechtsvertreter bekannten Anwalt Gottfried Korn, klagt Zeger wegen Kreditschädigung laut Paragraf 1330 ABGB.

"Generalinventur"

Grund dafür: Zeger hat im ORF-ZiB 2-Interview am 12. Mai 2011 die Volkszählung als "Generalinventur" bezeichnet, die es "zuletzt unter dem Nationalsozialismus gegeben" habe. Die Österreicher würden mehr als nur gezählt, sagte er: "Es werden auch Familienverhältnisse abgebildet" - in welchen Abhängigkeiten zueinander deren Mitglieder lebten. In zwei weiteren ZiBs wurden die Aussagen verkürzt gesendet.

Das sei unwahr: "Die Behauptung, dass die Registerzählung 2011 auch nur annähernd mit der Form der Volkszählung, wie sie unter dem Nationalsozialismus stattgefunden hat, vergleichbar ist, ist für die Bundesanstalt (Statistik Austria) rufschädigend" , formuliert Korn in der Klage.

Unhaltbare Kritik

Im STANDARD-Gespräch präzisiert der Anwalt: "Hier wird die Statistik Austria mit dem Herrn Hitler verglichen. Das ist unter allen Standards" . Auch inhaltlich seien die Vorwürfe nicht haltbar, argumentiert er in der Klagsschrift: Beim Erfassen der Familienverhältnisse im Zuge der aktuellen Registerzählung würden "alle erforderlichen Maßnahmen getroffen, um die Nichtrückführbarkeit auf Einzelpersonen ausreichend zu gewährleisten." 1933 und 1939 hätten die Nazis bei ihren Volkszählungen das krasse Gegenteil im Sinn gehabt, fügt er dem hinzu.

Das zieht Zeger auch nicht in Zweifel. Seine Kritik sei vielmehr "strukturell" gemeint, meint er. Den modernen österreichischen Volkszählern gehe es um mehr als eine Momentaufnahme der Bevölkerungsstruktur. Sie wollten "Datensätze schaffen, die alle relevante Lebensfunktionen der Bürger abbilden" . Hier, in dieser ausgeprägten Gründlichkeit, bestünden "technisch-organisatorische Ähnlichkeiten" zu den deutschen Volkszählungen in den 1930er-Jahren.

"Die Frage ist, was nach der aktuellen Registerzählung mit all dem verknüpften Wissen passiert" , sagt Zeger. Darüber fehle derzeit eine breitere Grundrechtsdiskussion. Von der Statistik Austria kam am Mittwoch keine Stellungnahme: "Im Sinne einer objektiven Berichterstattung" verwies man nur auf Anwalt Korn. (Irene Brickner, DER STANDARD Printausgabe, 15.9.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 197
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Erwin Wolfram
00
15.9.2011, 18:11
...

Da werden die Mitgliederzahlen bei der Arge Daten steigen!

mike meyers
00
15.9.2011, 17:46
Detaillierte Info

Die Aktion der Statistik Austria sorgt wenigsten für gebührende Aufmerksamkeit bezüglich Zegers Kritik: http://www.argedaten.at/php/cms_m... s=58539zip

bully bullson
00
15.9.2011, 16:46
....das DSG ufert mMn echt schon zu sehr aus....

...die Statistik Austria ist kein Hütchenspieler (und schon gar nicht der Herr Hitler:-)

Gustav Albrecht
21
15.9.2011, 14:37
zur Person Zeger

Mich wundert diese Situation nicht!
Wer Herrn Zeger schon bei Diskussionen erlebt hat, bei denen es um Lösungen geht und nicht um Polemik, kann vielelicht verstehen, warum für mich diese Entwicklung keine Überraschung ist.
Es gibt Personen, die legen viel Wert auf Selbtsdarstellung und Eigenmarketing legen, und glauben SIE sind die letzte Instanz bei Fragen des Datenschutzes. Und für mich ist Herr Zeger so eine Person.

Die Frage ist freilich, welche Daten braucht der Staat, um verwalten zu können und wie bekommt er diese. Bisher wurden alle 10 Jahre mit viel Aufwand die Bürger befragt - jetzt greift man auf bestehende Register zu und verknüpft diese.
Ihre Billa Kundekarten verrät aber mehr über ihr Verhalten als diese Daten.

ultrakarmingrau
00
15.9.2011, 20:53

stimmt, die Kundenkarte würde sehr viel über meine Gewohnheiten verraten - das ist der Grund ...
- erstens warum die Billa (und andere) mir solche Karten andrehen wollen,
- und zweitens warum ich sowas immer ablehne.

politisch verfolgt
00
15.9.2011, 16:33
Ihre Billa Kundekarten verrät aber mehr über ihr Verhalten als diese Daten.

na das will ich hoffen, denn ich brauche keine infos über sonderangebote bei hundenahrung oder damenbinden.

Atom Bombe
01
15.9.2011, 15:34

nur dass man bei REWE freiwillig Daten preisgibt, selbst schuld wer solch Karten besitzt-
SA Datensammlungen werden vom Staat/Regierung in Auftrag gegeben
zur Info: alle 10 Jahre gabs die Volkszählung, die SA führt laufend Erhebungen durch

Atom Bombe
01
15.9.2011, 14:07

Herr Zeger hat mit seinem marktschreierischem Vergleich, die leider angebrachte Kritik an der SA zu einer Farce gemacht. Da wir nicht unmittelbar die Auswirkungen eines vermeintlichen Datenmissbrauchs merken, stört es niemanden. Bei facebook usw. schreit man gleich auf...

mike meyers
01
15.9.2011, 18:23

Er kritisiert doch nicht die Statistik Austria - die ja lediglich den gesetzlichen Auftrag durchführen muss - sondern den Gesetzgeber, sprich die Regierung.
Und ohne Zegers durchaus fundierten Vergleich, hätten wir das Ticken der Datenbombe nicht wahrgenommen.

Atom Bombe
00
15.9.2011, 19:51

Die Idee Registerzählung wurde noch unter Schüssel in Auftrag gegeben, soweit mir bekannt.--
Vergessen wir nicht, im Unternehmen SA führen Personen diesen und andere Aufträge aus. Die Verantwortung trägt auch derjenige, der handelt. Somit mag der Vergleich passender nicht sein, bleibt aber trotzdem populistisch. Anscheinend braucht unsere Gesllschaft diese Art der Herangehensweise um aufmerksam zu werden. Bedenklich.

Fledrian
11
15.9.2011, 12:56

Immer diese gespielte Entrüstung, wenn man mit irgendjemandem aus dem damaligen Regime verglichen wird. Ob es auch einen wahren Ansatz hat wird doch gar nicht geschaut. Prinzipiell hat man in Österreich nicht mit den Na*is verglichen zu werden, sonst könnt noch wer draufkommen, dass es stimmt auch noch.

RedPillTheory
05
15.9.2011, 11:55
Wenn ..

Wenn der Staat/EU Daten seiner Bürger benötigt und diese auch befugt ist weiter zu geben (ohne Wissen der betroffenen)...

Vorratsdaten (Verbindungsdaten, Ort,..)
Bankdaten (Swift)
Meldedaten
Bewegungsdaten (Flugdaten)

Dann kann man ein sehr eindeutiges Bild einzelner Bürger und Gruppen erstellen.

Ohne zu unterstellen,.. aber Massnahmen dieser Art erinnern schon stark an vorangegangene .. wie nennt man das nochmal..?!? Regierungen oder Regime?!? nur mal gefragt.

Hudri Wudri
04
15.9.2011, 12:12
In diesem Sinne

hoffe ich, dass die kommende Verhandlung von einem in punkto Datenschutz etwas sensibilisierten Richter gefuehrt wird, der solcherlei Vergleiche zwar etwas schraeg, jedoch absolut nachvollziehbar empfindet, waere es doch f.d. Statistik Austria leicht gewesen, die Frage nach der Art der Verwendung der Daten zu beantworten.

Erwin Wolfram
00
15.9.2011, 15:22
...

auch die bekannten Vertreter der Statistim Austria in den Medien aeussern sich eher auf der Parteilinie: "Ich stecke ein und Du zahlst unsere falschen Daten und die Schaeden daraus..."

fatalist_smash
03
15.9.2011, 11:33

Am komischsten find ich das die bereichspezifischen Personenkennzeichen eingeführt wurden um eine Zusammenführung der verschiedenen Datensätze zu verhindern.

Und jetzt kommt die Statistik Austria daher und macht genau das.

mike meyers
01
15.9.2011, 18:33

Zeger: "Schon 2009 hat sich der Datenschutzrat (DSR) kritisch zum EInsatz der persönlichen bPK-Kennzeichen geäußert und klargestellt, dass es sich um personenbezogene, nicht anonyme Datenverwendungen handelt"

...Es ging nicht um Verhinderung der Zusammenführung sondern um Verschleierung, dass die Daten personenbezogen bleiben obwohl: "Aus statistischen Gründen ist dieser Personenbezug, laut DSR nicht erforderlich"

I'll shit on your nick
10
15.9.2011, 15:44

Auf der hp der Statistik austria gibt es Infos WIE sie das bereichsspezifische Personenkennzeichen nutzen um den Datenschutz zu gewährleisten.

Schauen Sie sich das an bevor Sie ...

fatalist_smash
00
16.9.2011, 05:10

Ich habe mir das angeschaut => Nebelgranate

I'll shit on your nick
01
16.9.2011, 12:50

Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen: Entweder verstehen Sie es nicht, sind einfach zu stur oder paranoid.

Die Statistiker bauen kein Archiv auf, in denen Ihre persönlichen Daten stehen, die fabrizieren eine anonyme Statistik, dabei kommen Ihre Daten, nicht Ihr Name, genau einmal zusammen, sagen Servus und gehen wieder getrennter Wege.

fatalist_smash
00
16.9.2011, 15:56

Du meinst die SA sagt das sie kein Archiv aufbauen. Es wäre ohne weiteres möglich das sie das tut.

Und ja, wahrscheinlich bin ich stur und paranoid.

I'll shit on your nick
00
16.9.2011, 16:12

Na eh, die Statistik Austria ist in Wirklichkeit der Geheimdienst des Innenministeriums und dieses ganze Statistik-Zeug ist nur Tarnung.

Da passen auch die vermehrten UFO-Sichtungen in letzter Zeit gut ins Bild.

fatalist_smash
00
16.9.2011, 16:54

Irgendwann wird das UFO auch mal landen.
Das "Told you so" werd ich mir dann höflicherweise verkneifen.

Horstl Schorschl
00
15.9.2011, 11:22
Stimmt der Vergleich ist durchaus unzutreffend...

den bei der SA handelt es sich ja nicht um eine Person, von daher müsste man dann schon zumindest die SA mit der SA vergleichen, oder auch mit der Partei... ???

Ich frag ja nur ... ;D

MIP1
34
15.9.2011, 11:19

Das merkwürdigste ist eigentlich die Beachtung, die gewisse Vereine in der Öffentlichkeit finden. Ich glaube, das liegt hauptsächlich an der Namengebung: "Arge Daten" oder "Milizverband", das klingt irgendwie offiziös. Klingt nach Leuten, die mehr vertreten als sich selbst.

Es sind aber wirklich nur Vereine, so wie die Imker- oder die Philatelistenvereine. Entsprechend wichtig sind ihre Repräsentanten.

mike meyers
00
15.9.2011, 18:38

Und, welche inhaltliche Kritik können Sie anbringen?

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