Bundeshymne

Was die "Töchtersöhne" dazu sagen

14. September 2011, 13:35

Auch Österreichs Jugend beschäftigt die Debatte rund um die Änderung der Bundeshymne

Wien - "Es ist eine Schande, wenn man als Österreicher die Hymne nicht kann. Man sollte stolz auf sie sein." Magda (14) kann aber, wie sie offen zugibt, selbst nur die erste Strophe der Bundeshymne. Auch ihre Freundin Nico (15) ist nicht in der Lage, das gesamte Lied vorzutragen. Sie fühlt sich beim Hören der Bundeshymne "ein wenig patriotisch". Die geplante Änderung, die am 21. September beschlossen werden soll, empfindet sie als unnötig, aber "wenn man schon etwas ändern muss, dann soll es nur etwas Kleines sein".

Es ist Montagnachmittag, und das Museumsquartier ist voller Jugendlicher. Angesprochen auf die Änderung der Textzeile "Heimat bist du großer Söhne" in "Heimat großer Töchter, Söhne", zeigen sie sich ziemlich gesprächig.

Kaum einer der Befragten hat sich bis jetzt mit der Hymne auseinandergesetzt. Nur ein Einziger der elf Teenager weiß, dass die Melodie von Mozart stammt; die Texterin Paula Preradoviæ kennt niemand. Die Hymne hat für die meisten kaum Bedeutung, gehört aber "zu Österreich dazu wie das Wiener Schnitzel", sagt Michael (16). Er meint, der 1947 verfasste Text solle gleich bleiben.

Yayra (19) und Kelly (20), die aus Ghana stammen, begrüßen es, dass sich Österreich um Gleichberechtigung bemüht. "Es ist gut, dass das Land ein Zeichen setzt." Interessant ist, dass viele die Hymne mit der Schule in Verbindung bringen. Metka etwa muss beim Hören der Hymne an ihre Volksschulzeit denken, wo "alle in einer Reihe standen und sangen".

Ein komplett neuer Text, wie ihn etwa Gerhard Ruiss, Geschäftsführer der IG Autoren, vorschlägt, stößt bei den Jugendlichen eher auf Ablehnung. Auch auf Facebook wird derzeit heiß diskutiert, wobei sich hier die Änderungsgegner in der Überzahl befinden.

Laut Sprachwissenschafter Franz Patocka von der Uni Wien ist die geplante Änderung sowieso "grammatikalisch grenzwertig", da man statt "Töchter, Söhne" das Kompositum "Töchtersöhne", also die von der Tochter geborenen männlichen Enkel verstehen könnte. Er wünscht sich eine andere Lösung, hat aber keine konkreten Vorschläge - dies sei auch nicht seine Aufgabe. Bleibt noch die Frage: Wessen Aufgabe ist das eigentlich? (Alexander Huber, Isabella Kitzwögerer, Nikolaus Trimmel, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.9.2011)

Zukunftsoptimist1
00
14.9.2011, 19:38
Wessen Aufgabe ist das eigentlich?

Hat man beim Standard schon etwas von Bürgerbeteiligung gehört? Wäre das nicht ein klassischer Fall, auf die Stimmen aus der Bevölkerung zu hören, statt im Elfenbeinturm blödsinnige Entscheidungen zu treffen?
Aber gerade das ist es ja, was die Initiatorinnen dieser Textverstümmelung nicht wollen. Die Antwort der Bürgermehrheit würde nämlich lauten lasst die Hymne in Ruhe - und uns auch, wir haben andere Sorgen. Zum Beispiel, wie man ungleiche Einkommen von Männern und Frauen bei gleicher Leistung bekämpfen soll. Nicht ohne genügend konkrete Belege dafür zu bringen, damit man gleich sieht, in welchen Unternehmungen Frauen finanziell diskriminiert werden.

Daisy Lord
00
14.9.2011, 17:28
Deine Töchter, deine Söhne

sind begnadet für das Schöne....

(Ist doch eigentlich ganz einfach, wenn man es schon unbedingt ändern will...)

D/E
00
22.9.2011, 09:07
Und es wäre sogar deutsch.

Aber die Christl Stürmer kann vermutlich sogar "Töchtersöhne" verkaufen.

Marten E. Vanderveen
 
00
14.9.2011, 14:55
Nur ein Einziger der elf Teenager weiß, dass die Melodie von Mozart stammt

Stimmt ja gar nicht. Was wird unseren Schülern für ein Mist gelehrt?

Zukunftsoptimist1
00
14.9.2011, 19:51
Wenn die Politiker sagen,

sie ist von Mozart, dann können die Wissenschafter das noch so überzeugend widerlegen, das kümmert niemanden. Wenn ein Pröll oder Häupl sagt, sie ist vom Mozart, dann hat sie vom Mozart zu sein, Widerspruch zwecklos. Das ist Realpolitik.

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