In Wien wäre es Zeit für eine neue Partei

Kolumne | Hans Rauscher, 13. September 2011, 19:15

Bedarf besteht vor allem an einer Partei, die den lähmenden Stillstand überwinden will und die ehrlich die krisenhafte Entwicklung der Wirtschaft und die Verunsicherung durch die Migration anspricht

Jetzt wäre eigentlich der Moment, in Wien eine moderne bürgerlich-liberalkonservative Partei zu gründen. Die Wiener ÖVP ist nicht mehr in der Lage anzugeben, wofür "die Partei auf der Welt ist" (Ursula Stenzel, Bezirksvorsteherin Innere Stadt). Stenzel meint auch, man müsse das tun, was Erhard Busek (1978 34 Prozent Stimmanteil) schon seit langem vorschlägt: Die "Wiener ÖVP neu gründen".

Wobei sich zunächst die Frage stellt: Besteht überhaupt Bedarf? Schauen wir uns das grob an: Die Wählerschaft der dominierenden Wiener SPÖ besteht aus Gemeindebediensteten samt Anhang, Pensionisten samt Anhang, einem Teil der angestellten Mittelschicht, tatsächlich noch einigen Arbeitern und einem kleinen Teil der jungen Intelligenz. Nachdem sie die Migranten in der letzten Zeit entdeckt hat, erzielt sie in diesem Bevölkerungssegment (44 Prozent der Wiener haben migrantischen Hintergrund) einige Erfolge.

Der große Herausforderer FPÖ hat die von der SPÖ enttäuschten Arbeiter und Pensionisten, die von der ÖVP enttäuschten Gewerbetreibenden und Beamten, sowie einen großen Teil der vom Staat alimentierten Unterschicht. Bei den Jungen mit niedrigerer Bildung sind sie sehr stark.

Die Grünen haben die jüngere Intelligenz, die Lehrer und Lehrerinnen, die meist gutverdienenden Bobos ("bourgeoise Bohemiens"), meist in kreativen Berufen und die Kinder (teils auch Frauen) des Bildungsbürgertums.

Die jetzige ÖVP hat die konservativen Kirchgänger, die schwarzen Beamten, einen Teil der Wirtschaftstreibenden und sonst nicht viel mehr.

In allen drei Parteien ist wahrscheinlich die Zahl der widerwilligen Wähler ziemlich hoch. Bedarf besteht in Wien für eine Partei, die sich an die urbane Mittelschicht wendet, der die SPÖ zu klassenkämpferisch und machtberauscht ist; die FPÖ zu hetzerisch und naziaffin; die Grünen zu altlinks und umsetzungsschwach und die ÖVP zu reaktionär-verstockt.

Bedarf besteht vor allem an einer Partei, deren Funktionäre nicht mehr das Politik-Politik-Spiel spielen, die die Leute nicht mit Beschönungs-und/oder Hetzphrasen verblöden wollen, die zeigt, dass sie den lähmenden Stillstand überwinden will und die - vor allem - ehrlich die beiden Dinge anspricht, die den Leuten die meiste Angst macht: die krisenhafte Entwicklung der Wirtschaft und die Verunsicherung durch die eingebildeten oder tatsächlichen Probleme mit der Migration.

So eine Partei könnte auch "ÖVP neu" heißen. Der Name ist allerdings sehr belastet. So eine Partei müsste ja ihre Wähler von der SPÖ, den Grünen, der ÖVP und ein bisschen von der FPÖ und den Nichtwählern beziehen. Wie viele das wären? Keine Ahnung.

Aber wahrscheinlich genug, um die anderen unter Druck zu setzen und die Dinge etwas in Bewegung zu bringen. Damit in Wien zu beginnen, macht vermutlich Sinn: Es ist die Hauptstadt, hier sind die meisten politisch wachen Wähler, die Wiener ÖVP gibt soeben den Löffel ab. Man kann entweder die Wiener VP wirklich erneuern (unwahrscheinlich) oder was Neues probieren. (DER STANDARD-Printausgabe, 14.9.2011)

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Posting 1 bis 25 von 229
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Weltfremd ?
00
25.9.2011, 17:58
Ich wäre auch

für einen neue Partei, zweifellos sind nämlich auch die Grünen keine Alternative, sie haben nicht die Gerechtigkeit im Sinn, die als oberste Maxime in der Politik stehen sollte, aber ganz sicher nicht jene, die von der SPÖ immer wieder heraufbeschworen wird.
Zudem müssten deren Vertreter vertrauenswürdige und ehrhafte Menschen sein, damit endlich wieder auch Bereitschaft der Bevölkerung besteht, Entscheidungen mitzutragen ohne fürchten zu müssen, dass vielleicht wieder nur eigene Vorteile im Mittelpunkt des Interesses stehen.

santa fe
 
00
15.9.2011, 23:38

RAU selbst sollte diese partei gründen und dafür beim standard aufhören.

Lisa11
00
14.9.2011, 19:07
Die Grünen "haben die Lehrer und Lehrerinnen"?

Das wäre aber schön! Die sind doch schwarz und rot bis zum geht nicht mehr (eine Minderhsit natürlich ausgenommen)

...10
00
6.12.2011, 22:14
das wäre schön???

wie krank ist das eigentlich........

Briefmarkenkleber
00
14.9.2011, 19:32

Stimmt wohl Wären die Grün würde der Hausunterricht wieder in Mode kommen...

antworten statt bewerten!
00
14.9.2011, 19:05

Oisdonn, Herr Rauscher, auf geht´s!
Im Ernst, dass das so ist weiß eh jeder der 25% politisch Interessierten, ABER wer will sich das antun?

Zudem braucht man sicher eine Handvoll Profis, am besten aus allen Lagern, und dann ordentlich Fußvolk. Wer sollte den Kern bilden?

werwolfi
00
14.9.2011, 18:34
nur in wien?

schmu schubiak
01
14.9.2011, 17:45
ganz richtig

mehr politiker braucht das land!
und mehr parteienförderung!
und ausserdem will ich die glühbirne zurück.

Captain 11
00
14.9.2011, 17:30
partei ohne berufspolitiker

stimme herrn rauscher zu. vor allem braucht es eine partei des hausverstandes und ohne berufspolitiker. alle derzeit etablierten parteien sind in ihre ideolgischen korsette eingezwengt und können sich nicht von ihren altlasten befreien. egal ob links oder rechts. aber ehrlich: mir ist es vollkommen was links oder rechts ist. intelligent und ethisch ok sollte es sein. ich befürchte nur, dass berufspolitiker niemals den blick für den alltag von normalbürgern haben. deswegen kommt auch nichts herausdabei. das gilt für alle farben. weder faymann, vassilakou, strache oder spindelegger haben jemals ausserhalb der politik eine leistung erbracht. was soll bei sowas schon herauskommen??? bin daher sofort für eine neue partei!

Briefmarkenkleber
22
14.9.2011, 17:03
Autofahrerpartei!

pirat was sonst
00
14.9.2011, 19:11

ist die eigentlich noch aktiv?

Briefmarkenkleber
00
16.9.2011, 20:58

Heißt jetzt Piratenpartei.

pirat was sonst
00
16.9.2011, 21:51

schön wärs.

flotter denker
00
14.9.2011, 16:35
Eine Neue Partei braucht 1-2 Kernthemen, die

ihr Identitaet geben.
(SPOE - Soziales, OEVP - Bauern, Kirche, Wirtschaft
FPOE - Heimat und Volk, Gruene: Umwelt)
Nur Ehrlichkeit ist da zu wenig. Siehe die Totgeburt des LIF seinerzeit

Eisteefetischist #1
22
14.9.2011, 16:29

So eine Partei gibt es eh: www.liberale.at (das LIF). Aber die sind ja ganz pöhse neoliberale Schwulenfreunde, gehen also gar nicht. Dazu sind wir zu katholisch (auch die, die das eigentlich gar nicht sind).

flotter denker
00
14.9.2011, 16:40
Eine Partei - und insbesondere eine neue Partei

braucht 1-3 zugkraeftige Kernthemen und mindestens 1 zugkraeftigen Repraesentanten.
Sonst koennen die noch so gscheit sein. Das wird nix

systemfehler1
01
14.9.2011, 16:29
Nette Schubladen.

Ich glaube aber nicht, dass es ganz so simpel ist.

Für mich offensichtlicher: Die ÖVP steht für nichts, ausser ihr Klientel, und das ist prozentuell eigentlich zu vernachlässigen.
Wozu eine neue Partei gründen, wenn die anderen Parteien das Spektrum abdecken?
Wenn etwas fehlt, dann links von SPÖ und Grünen.
Wenn sich die Sozialdemokraten oder aber auch die Grünen wieder ihrer alten Werte erinnern und die auch beginnen umzusetzen, dann ist auch diese Nische wieder gefüllt.
Eine "neue" ÖVP? Abgesehen davon, das es paradox ist: Nein Danke!

Poldi Fesch
21
14.9.2011, 16:58
nein, es

fehlt das angebot an die VdB bzw. Chorherrwaehler, eben der urbanen Mittelschicht, die keine Genderprobleme hat u. deren Interesse an GS o. Homoehe enden wollend ist

Rose Bud
00
14.9.2011, 16:04
BZÖ?

...kleiner scherz... ;-)

Karl Krammer
00
14.9.2011, 15:53
was läuft falsch in Wien?

bis auf daß die Stadt zu verschwenderisch ist, fällt mir nichts ein. Und mit dem Budget und der rasant steigenden Verschuldung lockt man aber keine Wähler, solange die U-Bahn pünktlich kommt und der Müll weggeräumt wird. Wohnraum ist leistbar, Jobs sind ausreichend vorhanden, die Luft läßt sich atmen - wo ist der Stoff, aus dem Revolutionen gemacht werden? Wien rangiert in diversen Erhebungen zur Lebensqualität nicht umsonst auf den vorderen Plätzen. Solange man möglichst wenig mit den Eingeborenen zu tun hat, ist die Stadt richtig gut verwaltet. Also: was soll sich mit einer anderen Partei großartig ändern?

lanebbia
00
14.9.2011, 20:12

Mir fällt auf Anhieb die aufgeblähte Verwaltung ein, dass für jede Initiative mindestens drei bis fünf Magistratsabteilungen dann doch nicht zuständig sind, oder doch und jeder frische Wind sich alsbald im Gewirr der Verwaltung verfängt. ....um es etwas spitz zu formulieren.
Oder mit Golowin: wannst nix hast und a nix wühst....

flotter denker
00
14.9.2011, 16:32
Richtige Grundaussage

Aber auch der Kontakt mit Eingeborenen schadet nicht. Ich kenne viele Staedte. Wien hat keinen besonders hohen Anteil an Ungustln.

Im Uebrigen findet man natuerlich leicht 1000 Details, ueber die man raunzen kann, aber keine grossen Aufreger, wo echt massiv der Schuh drueckt. Ausser natuerlich das Auslaenderthema, wo mehr Ehrlichkeit gut taete. Aber Waehlerpotential?

Cptn. Retro
20
14.9.2011, 15:48
voller Zuspruch

wir haben nämlich keine Politiker

ich hab es gerade schon einmal gepostet, aber hier noch einmal

>>geleaste Großfirmenangestellte in parlamentarischer Ausbildung<<

das ist Ösistans Elite

Cptn. Retro
10
14.9.2011, 16:44

mir gefallen diese Rotstrichler ;)

hab ich schon gesagt das mein Hobby Dämonenjäger ist? Nein?

ich hab schon einige ins Rinterzelt befördert, damit sie dort ihre Blödheiten ablassen und wir hernach auf ein Bierchen gehen konnten

f l o
 
01
14.9.2011, 15:36
ich möchte eine wissenschaftspartei,

die einerseits den universitäts- und bildungsverfall in österreich zu bremsen versucht, andererseits wissenschaftliche fakten ernst nimmt, auch wenn sie politisch nicht in den kram passen.

bisher haben wir parteien, die zwar sozialwissenschaftliche fakten auf den tisch bekommen, aber trotzdem das pensionssystem nicht ändern wollen, die umweltfakten auf den tisch bekommen, aber behaupten, biobauernförderung rettet die natur, die bildungsstudien auf den tisch bekommen, und glauben, man könne bei den schulen weitersparen.

ich möchte eine partei, die für ein aufgeklärtes, säkulares, von verstand und vernunft geleitetes österreich eintritt.

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