Expremier erwartet "Schauprozess"

13. September 2011, 19:05

Rechtsnationaler Regierungschef Viktor Orbán will das Land mit Katastrophenszenarien und Rächerrhetorik auf drastische Sparmaßnahmen einstimmen

Diese sind durch ein neues Budgetloch notwendig geworden.

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Angesichts "neuer Stürme" durch die Eurokrise kämen auf Ungarn "schwere Zeiten" zu, sagte der ungarische Premier Viktor Orbán am Montag zum Auftakt der herbstlichen Sitzungsperiode des Parlaments. Man werde nicht zulassen, dass "Spekulanten" sich auf Kosten der Ungarn bereichern. Man wolle prüfen, wer dafür verantwortlich sei, dass der Staat die Ungarn bisher nicht vor den ruinösen Hypothekenkrediten in Schweizer Franken geschützt habe, fügte Orbán mit Blick auf die sozialistischen Vorgänger drohend hinzu.

Seinem Wirtschaftsminister György Matolcsy überließ Orbán die Ankündigung von Steuererhöhungen, die ein zusätzliches Haushaltsloch stopfen sollen. Dieses war zustande gekommen, weil das Wirtschaftswachstum unter den Erwartungen blieb und weil die Einführung der Flat Tax für die Staatseinnahmen nicht erhöht hat. Orbáns rechtsnationale Fidesz plant nun Reformen, die in krassem Widerspruch zu seiner Rhetorik aus Oppositionszeiten stehen.

Zugleich arbeitet der Orbán-treue Generalstaatsanwalt Péter Polt an der Diskreditierung der oppositionellen Sozialisten, die ohnehin als wirtschaftspolitische Versager dastehen. Auf Polts Antrag entzog das Parlament dem sozialistischen Expremier Ferenc Gyurcsány die strafrechtliche Immunität im Zusammenhang mit einem umstrittenen Kasino-Projekt, der "Sukoro-Affäre" .

Eine israelisch dominierte Investorengruppe wollte in Sukoro am Velence-See bei Budapest ein riesiges Spielkasino bauen. 2008 soll Gyurcsány für dieses Projekt einen Grundstückstausch ermöglicht haben, der den ungarischen Staat geschädigt habe. Ob der Tausch tatsächlich für den Staat nachteilig war, ist juristisch nicht geklärt und unter Experten umstritten. Jedenfalls wurde das Projekt gestoppt. Der Chef des zuständigen Liegenschaftsamtes wurde noch von Gyurcsánys Nachfolger Gordon Bajnai entlassen.

Gyurcsány beteuert, dass er - wie bei anderen Großinvestitionen üblich - sich nur einmal mit den Investoren getroffen und die Behörden angewiesen habe "ihre Arbeit zu tun", zumal das Kasino 3000 neue Arbeitsplätze geschaffen hätte. Er bezeichnete die Anklagen als "Schweinerei" und sieht einen "Schauprozess" nach stalinistischem Muster auf sich zukommen.

Protest und Schweigen

Das Kasinoprojekt war stets umstritten, weil es in einem Landschaftsschutzgebiet realisiert werden sollte. Deshalb hatte als Erste die liberal-grüne Oppositionspartei LMP das Thema publik gemacht. In einem Naturschutzgebiet baut derzeit aber auch Audi in Györ eine neue Fabrik - mit grünem Licht aus Brüssel, ohne nennenswerten politischen Protest.

Neben umweltpolitischen und landschaftsarchitektonischen Argumenten kamen in der Debatte über das Kasinoprojekt in Sukoro immer wieder auch antisemitische Töne zum Tragen - in Anspielung auf die israelische Komponente der Investorengruppe. Diese mit rassistischen Klischees unterfütterte Stimmungsmache gegen Gyurcsány aus dem rechtsradikalen Lager könnte nun helfen, von Orbáns geplanten unpopulären Maßnahmen abzulenken. (Kathrin Lauer aus Budapest/DER STANDARD, Printausgabe, 14.9.2011)

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Bagolyvár
00
23.9.2011, 00:47
Armer Gyurcsány!

und jetzt zeigen ihm auch noch die Sozialisten die Tür. Ach Weh! ach Weh! Omar, Baumwachs, Ibsen die Welt geht unter! Nichts ist so wie es einmal war!

drKannibalFekter
 
36
14.9.2011, 13:44
Orbán ist ein Clown und Westentaschennapoleon ...

der aber sehr gefährlich agiert, weil von der eigenen Unfähigkeit ablenkt in dem er sich als der Retter der Nation (das betont er auch stets) aufspeilt, mit den Feinden von aussen agitiert, gegen die sich das Land verteidigen müsste, z.B. jetzt die Banken. Die eigene Rachegefühle gegen die Sozialisten sind die treibende Kraft in den Schauprozessen die noch folgen werden. Orbán ist jenseits aller Rechte!

derie Standardin
54
14.9.2011, 11:50
Schön...

Schön dass man gelegentlich auch gute Nachrichten liest.
Hab mich schon gefragt warum die Fr. Lauer extra erwähnt dass es eine israelische Investitionsgruppe ist. Natürlich weil antisemitismus im Spiel ist...
Danke an den Standard für die gewohnte objektive, unabhängige und ausgewogene Berichterstattung. Wie immer Top-professionelle Arbeit.
@Omar Charma & Ibsen: Auch von euch wie immer Top Comments. Weiter so!

P.S.: Natürlich wie immer einseitig bis zum gehtnichtmehr. Wieso sich derstandard.at soo mit f.gy sympatisiert ist mir in dem Ausmas ein Rätsel. Ibsen & omar charma SIND TOP. Hier was nettes: http://www.youtube.com/watch?v=75SQHIcMB1Q

omar chamra
12
14.9.2011, 21:25
Der Israeli Yoav Blum der seinen Hauptwohnsitz in Ungarn

gemeldet hat und deswegen der Urkundenfälschung bezichtigt, wurde von einem Budapester Gericht freigesprochen.
Und da die fidesznahe Journaille immer betont, dass es sich doch um eine Gruppe israelischer Investoren handelt, wird auch Frau Lauer das schreiben können.
Und die antisemitische Schreibe die in fidesznahen Medien möglich ist, können sie nicht einmal in FPÖ oder NPD Medien finden.

Bagolyvár
01
16.9.2011, 22:30
Tja!

Nicht von einem Budapester sondern von einem Székesfehérvárer Gericht..
In erster Instanz und nicht rechtskräftig.
Ob in zweiter Instanz "Irrtum", "ungenügende Rechtsberatung" als Alibi ausreicht?

Sandor Kocsis
01
15.9.2011, 11:58

warum muss sich Frau Lauer auf das "Niveau" der Fidesz Medien herablassen?

derie Standardin
42
14.9.2011, 22:57

Danke, wie immer sehr aufschlussreich, RELEVANT, und 1A berichtet. Wenns die Fidesz nahen medien dürfen, darf es auch Fr. Lauer & natürlich auch Sie.
Ganz großartige sache mit dem herrn Blum (von dem ich nie etwas gehört habe), wollen sie auch auf etwas hinnaus (ausser der klassischen Fidesz = nazipartei)?

Im übrigen finde ich die bezeichnung "rechtsnationale Fidesz" welche im derstandard regelmässig verwendet wird sehr gelungen. Ist so ähnlich wie der klassiker "schwarzafrikanischer asylwerber" der fpö/krone... Es ist eigentlich korrekt aber scharfe analytiker wir omar charma oder ibsen werden bei beiden irgendwie doch den originalinhalt durchlesen können;)

omar chamra
21
15.9.2011, 11:04
derie standardin: Ich nehme an, dass sie einen einfachen deutschsprachigen Text nicht lesen können oder wollen

nirgendwo charakterisierte ich Fidesz als nazistisch. Und wenn in fidesznahen Medien wie Magyar Hirlap und Echo TV (das wegen einer unglaublich rassistischen Entgleisung eines F. Szaniszló zu einer Strafe von 500000 HUF verurteilt wurde) rassistische und antisemitische Texte erscheinen, dann wird man das auch schreiben dürfen, ohne von einem Anhänger der Autokratie in unserem Nachbarland beschuldigt zu werden, antisemitisch zu schreiben.
Es ist ja interessant, dass diejenigen, die bislang hier Orbán die Stange gehalten haben, langsam draufkommen mit wem sie es zu tun haben. Die Machtgier Orbáns scheint ja wirklich grenzenlos zu sein. Und so kann es bald passieren, dass Orban sagen wird: "egyedül vagyunk". Alles schon dagewesen.

derie Standardin
10
15.9.2011, 18:13

Wie gesagt:Sie DÜRFEN SCHREIBEN WAS SIE WOLLEN. Sie sind aber sehr leicht beschuldigt antisemitisch zu schreiben, "Hab mich schon gefragt warum die Fr. Lauer extra erwähnt dass es eine israelische Investitionsgruppe ist. Natürlich weil antisemitismus im Spiel ist..." geht wohl nicht als anschuldigung durch. Können sie mir als linguist zustimmen? Apropo: "einfachen deutschsprachigen Text nicht lesen können oder wollen" wie ist es jetzt mit der relevanz des herrn blum?Sie bezeichnen die fidesz nirgendwo als nazistisch?"Fidesz Geburtshelfer von Jobbik ist und keine Berührungsängste hat.
Die Ideologie mancher Fideszanführer unterscheidet sich kein bisschen von der Ideologie von Jobbik" habe ich das missverstanden?ihre linguistische fachmeinung?

alexranknet
16
14.9.2011, 09:26
Kaya Ibrahim

Viktor Orban ist ein bisschen so was wie der ungarische Hans-Peter Martin. Die anderen beschuldigen, aber vor der eigenen Tür, in der eigenen Partei, und vor allem auf den eigenen Offshore-Konten wird nicht gekehrt.

Ein Tip für die Google-Suche:

"Kaya Ibrahim" + "Viktor Orban" - wie ein deutscher Lastwagenfahrer zum "Treuhänder" des ungarischen Premiers wurde

http://hirszerzo.hu/belfold/7... e_a_valasz

Ibsen
26
13.9.2011, 22:26
In Orbanistan kann schon alles passieren...

Schauprozess?

Keines Falls! Ich kann mir sogar vorstellen, dass die Gerichtsverhandlungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden werden...und alles, was dort ausgesagt wird, muss bis zum Jahr 2100 geheim gehalten werden, weil Orbán und Co. wollen ja Gyurcsány keine Bühne geben.
Sonst meine Meinung:
http://derstandard.at/plink/131... id22866186

Robert Schickl
32
15.9.2011, 11:54

Wenn Sie damit auf die Geheimhaltung der "Spionageaffäre" bis 2089 anspielen...
Da können Sie sich bei der vorigen Regierung bedanken: Geheimhaltung für 80 Jahre.
2009 - 2089.

2009 war dafür aber nicht Fidesz zuständig.

Ibsen
00
15.9.2011, 17:12
Fidesz hat momentan 2/3, also worüber sprechen Sie?

Wenn Fidesz die 80 Jahren hätte abschaffen wollen, hätte sie es während der 1,5 Jahre ganz ganz leicht tun können.

Géza ÔZE
 
54
14.9.2011, 17:00
In Orbanistan etc.

Gyurcsany und co. haben in acht jahren das land in eine katastrophe geführt. Was Sie sich vorstellen können, ist Ihre Sache. legen sie Fakten auf de Tisch! Fragen Sie vielleicht Herrn Lendvai .-(((
Oder sagen Sie den Ungarn, wen sie wählen sollen, müssen?

alexranknet
14
14.9.2011, 18:56
Viktor Orban

Sie finden dass die erste Regierung Orban keine Schuld trägt?
Ist Orban Ihrer Meinund nach "sauber"?
Die Kaya Ibrahim Geschichte, diverse Deals seiner Schattengefolgsleute und Druck bei Privatisierungen haben nie stattgefunden?

Keine Frage: Gyurcsaný hat sicher auch Dreck am Stecken, aber Orban, meine Güte, der hat nicht nur eine Menge Dreck am Stecken, der versucht den Menschen auch noch einzureden, er wäre eine Art Robin Hood, wo er und seine Spießgesellen sich doch das Land jetzt stückchenweise unter den Nagel reißen - vor allem was Unternehmen und Immobilien betrifft.

Ein Land wird ausgeraubt und keiner merkts.

Bagolyvár
00
23.9.2011, 00:51
Reden Sie nur daher?

Oder könnten Sie mal ein konkretes Beispiel nennen?

Ibsen
23
14.9.2011, 17:34
Die Katastrophe kommt erst jetzt

HuF und Börse auf Tiefpunkt, Benzin kostet ab heute mehr als je zuvor und viele in Franken-Krediten verschuldet, die Menschen leben schlechter als vor einem Jahr...

sandokan55
32
14.9.2011, 20:11
„...und viele in Franken-Krediten verschuldet „

auch Sie vergessen es gern...
Wer waren an der Macht in der Zeit der maßlosen Verschuldung?
Wer war der MP?
Wer war der Chef der Nationalbank?
Was haben die getan?

Ah ja, der unabhängige – von soz-lib nominiert -
MNB-Chef Hr.Simor sagte im Jahr 2008(!)
man soll diese Kreditnehmer nicht retten, da sie lernen müssen, dass es kein kostenloses Essen gibt.

Und das meint einer, der bis zum Regierungswechsel im Jahr 2010, 30-40Tsd EUR p.M. „verdiente“.

Ibsen
35
14.9.2011, 20:59
Das klingt vielleicht gnadenlos:

"man soll diese Kreditnehmer nicht retten, da sie lernen müssen, dass es kein kostenloses Essen gibt."

Aber SEHR viele waren dabei leichtsinnig:

Ich selbst habe nicht mit allen in Franken Verschuldeten Mitgefühl: diejenigen, die ganz verantwortungslos Kredite aufgenommen haben nur um ein größere und teurere Autos oder Häuser oder Wohnungen zu haben, die eigentlich gar nicht so nötig waren...mit denen habe ich kein Mitgefühl und habe auch keine Lust aus Solidarität mitzufinanzieren.

Sandor Kocsis
11
15.9.2011, 11:59

hey! Da sind wir sogar einer Meinung!

Ibsen
00
15.9.2011, 17:04
Dafür kriegst Du was zum Lachen:

http://www.facebook.com/media/set... 975&type=1

Sandor Kocsis
01
15.9.2011, 17:09

und Du ein großes LIKE!

Ibsen
00
19.9.2011, 14:57
Korr.:

beherrschst

Ibsen
00
19.9.2011, 14:56
Sandor Kocsis
00
20.9.2011, 09:45

pas mal... Brillant example de la facon de "discuter" en Hongrie.

Wir haben in einigen Bundesländern auch das System mit der Direktwahlt der Bürgermeister (hat dereinst Haider in Kärnten eingeführt). Aber, es funktioniert!

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