OECD: Akademiker haben's besonders gut

13. September 2011, 18:29

Österreichs Bildung auf einen Blick? Hat politisch keine Priorität, kritisiert die OECD in ihrer Studie "Education at a Glance" - Wer's schafft, Akademiker zu werden, darf einen der weltweit höchsten Lebensstandards genießen

Wien - Irgendwann wird die schiere Quantität in voller Wucht durchschlagen auf den Rest der Welt, das kleine Österreich mittendrin: Obwohl derzeit im Land selbst der Akademikeranteil noch gering ist (fünf Prozent), bildet China schon jetzt zwölf Prozent aller Akademiker weltweit aus - mehr als Japan (elf Prozent). Nur die USA produzieren mehr Akademiker für den Weltmarkt (26 Prozent).

Österreich tut das zwar seit dem Jahr 2000 mehr als je zuvor, aber das Tempo des akademischen Qualifizierungsschubs ist noch immer zu gering, um aus der Absturzzone herauszukommen. Im Verbund mit Deutschland und Brasilien warnt die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) Österreich in ihrer am Dienstag präsentierten Studie "Education at a Glance" (oecd.org/de/bildungaufeinenblick) davor, dass diese drei Länder "noch weiter hinter andere OECD-Länder zurückfallen werden", wenn die Akademisierung in dem langsamen Tempo weitergeht wie bisher. Besonders starke Zuwächse haben Frankreich, Irland, Japan und Korea. Derzeit beträgt der Akademikeranteil in der Gruppe der 25- bis 34-Jährigen in Österreich 21 Prozent - der OECD-Schnitt liegt bei 37 Prozent.

Akademiker zu sein erweist sich als dreifach vorteilhaft - sie selbst profitieren enorm, die Wirtschaft braucht sie als Arbeitskräfte, und der Staat gewinnt auch. Ein Akademiker bringt ihm um 66.200 Euro mehr zurück als seine Ausbildung kostet (Interview).

Was den individuellen Nutzen eines Abschlusses im tertiären Bildungssystem - Unis und Fachhochschulen - anlangt, ist Österreich eine der besten Adressen. Nur in zwei anderen Ländern, in Luxemburg und den USA, ist der Lebensstandard, der mit Akademikergehältern genossen werden kann, noch höher als hierzulande.

Wenn man ein Mann ist, macht sich ein Studium noch mehr bezahlt als für Frauen. Das kaufkraftbereinigte Jahreseinkommen von Akademikerinnen (26.518 Euro) ist um ein Viertel niedriger als das von Akademikern (35.320 Euro).

Ähnlich die Situation in jenem Bereich, in dem es Österreich traditionell auf Spitzenränge schafft: Nur in Tschechien und der Slowakei haben mehr Menschen einen Abschluss in der Sekundarstufe II, also eine berufliche oder fachliche Ausbildung (Lehre oder Matura), als in Österreich (mehr als 50 Prozent haben einen Abschluss). Auch diese Gruppe lukriert in Österreich deutlich mehr Einkommen als im OECD-Schnitt: 22.889 versus 16.890 Euro.

Drei Viertel machen's anders

Kritik üben die OECD-Experten am Sinkflug der österreichischen Bildungsausgaben. Seit 1995 geht es stetig bergab - von 6,2 Prozent im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf 5,5 Prozent im Jahr 2000 bis auf 5,4 Prozent im letzten Analysejahr 2008 (OECD-Schnitt: 5,9 Prozent), hauptsächlich verursacht durch Rückgänge der Ausgaben für den öffentlich finanzierten Schulbereich.

Zudem gehört Österreich auch zu jenen Ländern, in denen in den Jahren 1995 bis 2008 der Anstieg der Bildungsausgaben klar hinter dem Anstieg des BIP, des Wirtschaftswachstums, zurückgeblieben ist. Die öffentlichen Ausgaben (5,2 Prozent) liegen zwar knapp über dem OECD-Schnitt (5,0 Prozent), die privaten (0,2 Prozent) aber weit darunter (0,9 Prozent).

Nimmt man aus der Studie den Satz "Die Ausgaben für Bildungseinrichtungen im Verhältnis zum BIP erlauben Rückschlüsse darüber, in welchem Ausmaß ein Land Bildung Priorität einräumt", dann ist das eine deftige Kritik an Österreich. Im Klartext: Bildung hat hier wenig Priorität. Im Gegensatz zu mehr als drei Viertel der anderen OECD-Staaten, wo der Ausgabenanstieg für alle Bildungsbereiche zusammen größer als das BIP-Wachstum war.

Bricht man die Bildungsausgaben pro Student und Schüler (die zwar in relativ kleinen Klassen sitzen, aber auch relativ kurzen Unterricht haben) herunter, landet Österreich schon traditionell weit vorn mit besonders hohen Pro-Kopf-Ausgaben - ohne dafür bei Pisa-Studien und Uni-Rankings Zinsen zu ernten. (Lisa Nimmervoll, STANDARD-Printausgabe, 14.9.2011)

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Alles Schwachsinn

In Ösiland geht es nur jenen Akademiker wirklich gut, die entweder aus der richtigen Familie abstammen oder rücksichtslose Ar...kriecher sind.

Ehrliche anständige Akademiker, die keinen privilegierten familiären Background haben, werden genau so perfide ausgebeutet wie Hilfsarbeiter und andere Hungerlöhner!

kann diese pauschalisierungen und herabstufung des bakk. nicht ganz nachvollziehen .. und schon garnicht den gern erwähnten stereotyp des arbeitslosen sozi-studenten. tragisch für die, die tatsächlich keinen job finden .. aber imo mangelt das mehr an der persönlichkeit/auftreten. allein in meinem engeren freundskreis gibt es sowohl WiWi's, als auch SoWi's die alle schon während dem studium einen job hatten bzw. nach dem bakk sofort einen job bekommen haben - mit solidem einstiegsgehalt. gut, wenn ich mir so manche kommilitonen (PoWi) anschaue, wundert's mich ehrlich gesagt nicht, dass der ein oder andere dann hier im standard-forum herumtrollt und sich darüber echauffiert, keinen job zu bekommen ..

blablablablablabla

Es ist eine Schande, dass es immer noch Leute gibt, die glauben, dass Studien wie Geschichte oder Psychologie nicht gebraucht sind. Es kann nicht JEDER Wirtschaft studieren etc.. Wie man hier lesen kann, gibt es immer einen riiiiiesen Bedarf an Psychologen, denn immerhin gibt es Menschen, die nur sich selber sehen und in Wahrheit auch nur etwas studiert haben, weil sie sonst keine bessere Idee hatten. Und bei weiten muss noch nicht jeder studieren, ich verstehe also nicht die dummen Bemerkungen bezüglich Bacc. Sie sollten andere Dinge analysieren, beginnen sie bei sich selber. zB wieso sitze ich da und mache dumme Witze über einen Titel, der allein den Zweck hat einen besseren Austausch zwischen den Unis interntaional zu ermöglichen...

Aussagelos

Obwohl dem Urteil, dass Bildung in Österreich nicht sonderlich groß geschrieben wird (Titel jeder Art aber alle möglichen und unmöglichen Türen öffnen), nichts entgegenzusetzen ist, ist der Artikel, mit Verlaub, aussagelos. Die Zahlen und Daten sind weder belegt noch genau definiert. Und was bitte ist ein "Akademiker"? Jeder mit einem universitären Abschluss? Oder doch nur die relativ kleine Gruppe, die auch tatsächlich in der Wissenschaft und Forschung arbeitet? Denn für letztere schaut die Realität dann doch etwas anders aus, als in dem Artikel weisgemacht werden will. Auch - und vor allem! - in Österreich!

Nicht belegt? Den Link unterhalb des Artikels nicht gesehen (http://www.oecd.org/document/... ,00.html)?

Ok, nehme das nicht-belegt zurück. An der Aussagekraft ändert das trotzdem nix.

Zu Ihrer Frage: "Akademische Grade sind ein System von Abschlussbezeichnungen, die von Hochschulen aufgrund eines erfolgreich abgeschlossenen Studiums oder aufgrund einer besonderen wissenschaftlichen Leistung vergeben werden. Ein akademischer Grad wird nach einem mit Hochschulprüfung abgeschlossenen Studium durch eine Urkunde verliehen."

Nicht mehr, nicht weniger. Ob so jemand eine wissenschaftliche Karriere einschlägt, ist eine andere Frage. Aber ohne akademische Vorbildung bleibt ihm der wissenschaftliche Weg grundsätzlich verschlossen.

In Österreich gilt der akad. Abschluss noch als Standesdünkel und hat mit Ausbildung in Richtung Beruf noch eher wenig zu tun. Die FHs ändern das jetzt langsam. Wird eh Zeit..

Ich finde eigentlich, dass es nichtssagend ist, "Akademiker" in einen Topf zu werfen und Schlüsse daraus zu ziehen.

Ein Akademiker kann ein Philosoph sein oder ein Ingenieur. Die Unterschiede sollte sich jeder selber ausrechnen können.

Insofern sind diese Studien immer mit Vorsicht zu genießen.

wenn ich mir überleg

wieviel kollegen in prekären arbeitsverhältnissen stehen verschärft noch durch den galoppierenden mietwucher, dann ist klar, was diese studie wert sein kann.......

vielleicht hätten sie und ihre "kollegen" dann einfach was zielführendes studieren sollen?

aber ich kenne das auch aus meinem Bekanntenkreis,...

philosophie: fragebögen austragen,...
soz. ök.: sekretärin im familienbetrieb,...
psych: kellnerin,
thewi: ams,...
kowi: ams,...
ect., ect., ect.,... (alles Absolventen!)

andrerseits gibts dann die nawi/tech./mint./oec./uir leute:

alle verdienen jenseits von 2.500€ netto und tun sich dabei nicht weh - noch besser, den meisten machts sogar wirklich spaß, bzw. die können sich eben jetzt verwirklichen.

augen auf bei der studienwahl,... nix für ungut, denn auch die gewis, sowis und kowis haben ihre existenzberechtigung. aber wer 10 jahre studiert, den ganzen tag nur party macht, und seit beginn des studiums keine perspektive hat, der wunder sich dann zurecht? - NOT!

naja

wer beim hochkommen an die mama denken muss, dem sind parties natürlich suspekt.
sie sind schon ein sehr trauriger spießer.....

"jenseits von 2500" ist ja die Mega-Erfolgsstory.

Anektdotische Begründungen machen wenig Sinn. Ich kenn auch ein paar Dr. der Psychologie, die einen Tagsatz von 2000 haben - auch das hat statistische keine Aussagekraft.

die mega-erfolgsstory suchen scheinbar nur sie?

wenn sie das hochrechnen, sind das brutto etwa 70k/anno,... also etwa in dem vorgegebenen schema der bezugsquelle aus dem artikel,...

"jenseits", war in diesem satzfragment zudem ebenfalls als indikator zur verständnisvollen interpretation gedacht,...

allerdings haben sie recht, wenn sie auf die aufzählung anspielen. ihre und meine erfahrungen, werden sich wohl kaum als für den median repräsentativ haltbar erweisen,...

wenn sie auch meinen vorposter gelesene hätten - zu dem ich auch noch eine zugegeben "spezielle" beziehung unterhalte - hätten sie festgestellt, dass auch keine korrelation zwischen "absolventenkollegen" und mietpreisen hergestellt werden kann,...

nix für ungut,... aber war nicht explizit für sie bestimmt,...

bitte wo bekomme ich (mint) 2500 netto? hab jetzt zwar noch nicht explizit gesucht, weil ich eh noch an der diss sitze, aber interessieren würde es mich schon.

Ich halte das nicht für extrem viel.

Sie dürfen auch nicht nur auf die Einstiegsgehälter schauen, die sagen wenig aus. Interessant wird's mit 3-5 Jahren Erfahrung, da haben's dann was zum Verhandeln - und dann mit 7-10 Jahren wieder, ...

Oh - ich hatte das Posting auf das SIe geantwortet haben nicht gelesen. In dem Konnex widersprech ich mal nicht. ;-)

Man sollte von einem erwachsenen, volljährigen Menschen erwarten können dass er weiß was er tut wenn er an der Uni inskribiert. Dass er also den Unterschied erkennt, ob er ein Studium belegt dass ihm später einen Job einbringen wird, oder ob er ein Studium belegt, wo es als Absolvent sehr fragwürdig ist ob man je einen Job finden wird.

Dummheit kann man halt gesetztlich nicht verbieten. Man kann sie nur den Einzelnen spüren lassen. Beispielsweise mit Studiengebühren.

oh, Sie haben recht! Beim lesen Ihres Posts, habe ich sie verspürt.

Lenkung mittels Studiengebühren? Also, des wos ma brauchen umasunst, der Rest soll Blechen, oder wie? Bekommt dann Ihre Frau keinen Befund der entnommenen Geschwulst, weil zu wenige spezialisierte Biologen fertig geworden sind? Oder fällt dann das Niveau unserer Printmedien noch weiter, weil gar niemand mehr einen geraden Satz raus bringt?

Nein, so war das nicht gemeint - keine "Steuerung" durch Studiengebühren. Es war so gemeint: Wenn etwas Geld kostet, überlegt man sich vorher dreimal, ob man es braucht oder nicht. Wenn etwas gratis ist, wird halt mal probiert und man schaut was es ist.

Eine politische Diskussion darüber, ob man 18jährigen Leuten einen universitären Selbstfindungskurs finanzieren soll, muss erlaubt sein.

In Kanada sind angeblich

50 % der Bevölkerung "Akademiker". Der höchste Wert weltweit. Jetzt frage ich mich und alle anderen: Wie sieht die Gesellschaftsstruktur dort aus? Ist der Lebensstandard so viel höher? Haben die nicht einen unglaublichen Facharbeitermangel - klassische "Hackler"?

Sie waren offenbar noch nie dort. Kanada vereint die positiven Dinge der USA (im Bereich der Wirtschaft) mit den positiven Dingen Europas (im Bereich Soziales). Das schaffen sie relativ gut. Daher ist nicht nur der (BIP-bezogene) "Lebensstandard" gut, sondern auch die reale Lebensqualität. Vancouver liegt praktisch immer vor Wien in den Rankings.

Zum Thema Bachelor...

Es wird ja gerne über uns (bin selbst so einer) hergezogen.

Aus meiner Erfahrung heraus darf ich festhalten, dass die Aussage man habe es als Bachelor schwerer am Arbeitsmarkt nicht (mehr) zutrifft.

Das war viel. im Zeitpunkt der Systemumstellung so, mittlerweile gibt es bereits genügend Absolventen in der Arbeitswelt und man wird von den meisten Unternehmen als vollwertiger Akademiker angesehen.

also das bezweifle ich sehr!

ich habe 5 jahre berufserfahrung in der privatindustrie und seit dem 1. jahr berufsbegleitend studiert (dipl.ing-FH) und seit einem jahr studiere ich nun vollzeit (Mag.) und ich kann nur aus meiner erfahrung mit kollegen aus Ö, D, USA sagen, dass ein bachelor (vorallem bei uns) mit einer berufsbildenden höheren schule gleichgestellt wird. wenn man sich stellenangebote (z.b. marketing) ansieht, dann steht da oft "ausbildung: HAK/HBLA/Bach. WiWi". weiters habe ich bis jetzt beobachten können, dass ein MA (min. 10 Sem) mit einem Mag./Dipl.-Ing (min. 8 Sem) gleichgesetzt wird. meine aussagen beziehen sich auf KMUs in der industrie (produktion, fertigung, automotive, tier 1 & 2, etc.)

als einer der ersten jahrgangsabsolventen, die so einen in österreich dank bologna machen durften,...

... kann ich ihnen sagen, dass die akzeptanz damals wirklich schrecklich war. heute ist das auf jeden fall schon viel besser geworden! die betriebe haben mittlerweile richtlinien entwickelt, um den BA/BSc einzustufen,... und - na no na ned - als vollwertige akademiker! ist schliesslich gesetzlich so geregelt und definiert!

das "hergeziehe" über den bachelor ist wie immer ein innerakademisches geltungsdrang-problem,... mein technisches bakk. bspw. war damals allerdings am arbeitsmarkt, für mich persönlich und auch bzgl. der anzahl (sic!) der ects mehr wert, als ein "komplettes" Dipl. in 80% der GEWIS,...

trotzdem habe ich auch gute freunde, welche solche studien absolviert haben. ein standard-bash thema eben,... iudex non calculat ;)

Das wird sich in den nächsten Jahren alles ändern:

http://www.phdl.at/studium/s... lhlsl.html

Z.b. In 3 Jahren zum Hauptschullehrer inkl. Bachelor.

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