Griechenlandpleite Kontra

Unkalkulierbares Risiko

Kommentar | Günther Oswald, 13. September 2011, 19:08

Ist das Vertrauen in die europäische Solidarität einmal dahin, würden alle Dämme brechen

Sicher, Staatspleiten sind historisch gesehen keine Seltenheit. Es ist keine zehn Jahre her, dass die Argentinier ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen konnten. Mit Griechenland kann man die bisherigen Pleiten trotzdem nicht vergleichen. Es gibt keinerlei Erfahrungswerte für die Insolvenz eines hochentwickelten Industrielandes, das sich in einer gemeinsamen Währungsunion mit 16 anderen Staaten befindet.

Die Wirtschaften der Eurozone sind engstens miteinander verwoben. Die Ansteckung anderer Länder wäre unvermeidbar. Die Griechen haben bereits Milliarden von ihren Bankkonten abgehoben. Im Falle einer Pleite würde endgültig ein Run auf die Banken einsetzen, gefolgt von serienweise insolventen Finanzinstituten. Wobei das Griechenland-Problem alleine vielleicht noch beherrschbar wäre. Ist das Vertrauen in die europäische Solidarität aber erst einmal dahin, würden alle Dämme brechen.

Mit welchem Argument soll man dann noch die Portugiesen davon abhalten, auch ihre Sparguthaben sicherheitshalber zu räumen? Und die Spanier? Und die Italiener? Und die Iren? Eine Rettung all dieser Bankensysteme ist unfinanzierbar. Kommt es zu diesem Worst Case, ist das Projekt Europäische Union Geschichte. Dessen sollte man sich bewusst sein. Im Idealfall steigt man bei einer Insolvenz vielleicht günstiger aus. Das Risiko, die gesamte Union aufs Spiel zu setzen, ist aber zu hoch. (DER STANDARD; Print-Ausgabe, 14.9.2011)

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slow motion
00
18.10.2011, 12:23
Das Risiko, daß die EU scheitert, besteht sowieso.

Egal, wie man nun im Falle Griechenlands verfährt ....

Cavaliere Austriaco
00
14.9.2011, 20:48
was ich mich frage

es wird immer gesagt: der weg zur drachme geht nicht, weil schulden ja in euro.

wie wäre denn das? GR zurück zur drachme, wehcselkurs wird festgelegt, und GR zahlt die schulden im (fallenden) drachmen zurück? das kann GR durch ein sondergesetz regeln (sch**** auf EU-recht in solchen notsituationen), bestenfalls akzeptieren das die EU-partner sogar.

insolvenz vermieden, und die spekulanten (banken) zahlen drauf, ohne jedoch daran zugrunde zu gehen.

die GR wirtschaft boomt daraufhin (nebst zu vereinbarenden strukturmaßnahmen), und in 15 jahren rückkehr zum euro.

z1302a
00
14.9.2011, 19:25
der begriff staateninsolvenz ist missverständlich

wenn eine Firma insolvent ist, in den Konkurs geht wird sie aufgelöst und was noch an Positiva da ist zum decken der schulden verwendet. In der Regel ist weniger da als notwendig. Dann wird die Firma aus dem Firmenbuch gelöscht.

Bei Staateninsolvenz meint man was anderes. Der Staat kündigt seine Verträge, erfüllt vielleicht den einen oder anderen. Begibt eine neue Währung, füllt virtuell Pensionskonten und alles geht nach einer Umverteilung weiter seinen weg.
Ob Griechenland auch seine Verträge einseitig kündigen kann ohne das Familiensilber zu verkaufen?

Ich sehe die Gefahr, das in bilateralen Verhandlungen GR vile für den Austritt zahlen wird müssen, sodas nur ein weiteretrFAILD STATE übrig bleibt, aber diesmal in/am Rande der EU.

RichardRoe
00
14.9.2011, 19:20

Eventuell ist die Frage 'Griechenland retten oder nicht?' ohnehin schon beantwortet! Negativ nämlich.

http://www.focus.de/finanzen/... 65398.html

Charybdis
00
14.9.2011, 17:55
eine frage herr oswald -

wo ist das problem, wenn die eu zur geschichte wird? alles hat ein ende.

Schnapphahn
02
14.9.2011, 16:51
Also,

so wie jetzt kann es nicht mehr weitergehen.

Eigentlich bin ich für ein starkes und vereintes Europa. Aber wie es in den letzten Jahren praktisch gehandhabt wird ist unter aller Kanone.
Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.
Schluss mit der Rettung von Banken und Großkonzernen.
Lassen wir Griechenland, und jedes weitere Land, das seine Schulden nicht mehr bedienen kann, pleitegehen und einen Neuanfang mit mehr Demokratie in Europa versuchen.
Argentinien hat es vor 10 Jahren vorgemacht. Die kommen jetzt ganz gut ohne den internationalen Finanzmarkt zurecht. Und das ist gut so!

powerpack
04
14.9.2011, 15:19

was wäre eigentlich so schlecht daran, wenn die eurozone und die union zerfallen? wir (bzw. die sogenannten euro-eliten) sollten endlich einsehen, dass es diese gemeinschaft ist, die uns in diese unhaltbare situation gebracht hat.

aber man hat wirklich immer mehr den eindruck, dass es hier nur um machterhalt und privilegienerhalt für großkonzerne geht. selbst wenn der allgemeine wohlstand des kontinents am spiel steht.

anzumerken wäre noch, dass griechenland zwar das augenscheinlichste problem, in wahrheit liegen die probleme der eu aber viel, viel tiefer.

Dreistein
 
03
14.9.2011, 15:07
Perversität

Wie mein Vorschreiber bereits richtig vermutet hat, handelt es sich hiebei um keine Griechenlandhilfe sondern um eine Bankenhilfe, insbesonders französischer und deutscher Banken.

Was macht eine Bank wenn ein Schuldner in Konkurs geht? Sie stellt die Kredite zinsenfrei! Im vorliegenden Fall kassieren die Banken aber weiterhin und die Hilfszahlungen werden 1:1 nur zur Zinsentilgung verwendet - und das ist pervers.

z1302a
00
14.9.2011, 19:17
wieso pervers, das ist doch das ziel

Protagoras v. Abdera
02
14.9.2011, 13:19
Die Griechen bedanken sich auch herzlich für diese Solidarität, durch die sie ausgequetscht werden wie eine Zitrone

Nicht die Hilfszahlungen als solche sind das Problem, sondern die damit verbundenen Konditionen. Diese belegen, dass es hier nicht um die Rettung eines Landes geht, sondern um die Rettung der europäischen Banken. Griechenland ist nur der zwischengeschaltete Ladentisch, der nach neoliberaler Rezeptur leergeräumt wird. Das erspart Merkel und Co., ihren Bevölkerungen verklickern zu müssen, dass die Banken ein zweites Mal mit dem Geld der Allgemeinheit aufgefangen werden müssen. Griechenland-Bashing statt Banken-Bashing ist für die beteiligten Nadelstreifträger viel bequemer.

Oh my God !
12
14.9.2011, 16:29

Nadelstreifträger ? - ist das z.B. ein ehem. SP-Kanzler die für 1 Mio öS ( 72 675 €) tel. €uro-Beratung gab?

Philodoofi
00
14.9.2011, 20:25
sagens uns doch den namen!

das war bestimmt kein sozialdemokrar!

Londo Mollari
 
00
14.9.2011, 13:15
ohne schulden keine zinsen womit die staaten wieder handlungsfähig wären.

vorschlag: alle staaten zahlen 50% ihrer staatsschulden, 5% p.a. auf 10 jahre.
resultat: massive verluste für fonds und privatanleger (die banken sind mE aus solchen papieren weitgehend draussen) da in fonds ohnehin wieder nur vermögende mitbürger investiert sind, handelt es sich funktional um eine staatsanierung auf kosten derer, die in den letzten jahrzehnten aus den budgets einen immer größere brocken via schuldendienst für sich selber herausgerissen haben.
im gegenzug: echte gesamtstaatsreform, staatsquote runter auf maximal 24% und NULL staatsverschuldung (verfassungsrang), lohnabgaben inklusive sozialabgaben maximal 20%.
DAS schiene mir fair.

Roter Baron
00
14.9.2011, 12:29
na entschuldigung,

ich kann doch mein sparguthaben räumen
wann ich will,
und wenns meine bank nicht hat,
weil die bankster es verspielt haben
zur hölle mit ihnen und BURN !

roter baron

pox vobiscum
00
14.9.2011, 12:21

Mit oder ohne Konkurs - Griechenland braucht jedenfalls eine Art Masseverwalter. Und ohne einheitlichere gesamteuropäische Finanzstrukturen wird es schwierig mit dem Euro.

so so ....
00
15.9.2011, 08:27

Griechenland braucht bald einen Nachlassverwalter.

großgoscherter Zwerghamster
11
14.9.2011, 10:24
Es geht nicht um Solidarität, es geht um Berechenbarkeit

Auch das Zulassen einer geordneten Pleite auf Kosten anderer ist gelebte Solidarität.

Es geht darum, dass die Gefahr besteht, das die Pleite unkoordiniert einfach so "passiert" - eben weil keiner weiß was er tut und weil auch niemand bereit ist die richtigen Schritte zu setzen.

Es ist ein unkoordiniertes herumlavieren ohne Richtung und Ziel. DAS ist die Gefahr.
Eine Pleite Griechenlands ist hingegen unumgänglich. Außer die EU schießt für die nächsten 1000 Jahre mind. 50% des jährlichen Staatshaushaltes zu. Glaube kaum, das das jemand will.

b.monkey
00
14.9.2011, 09:53

in griechenland rollen viele leute die augen über das thema "finanzkrise". meines wissens nach gab es die schon lange vor der "griechenlandkrise", wenngleich natürlich stimmt, dass dort die politik unglaublichst abgecasht hat. glaube auch, gibt die EU griechenland den fusstritt, dann könnte das den dominoeffekt haben. eu-strategisch wäre dies wohl kein optimaler zug, aber wer weiss, was die eu wirklich will.

Ökonomix
00
14.9.2011, 12:53
Venizelos pokert hoch,

wenn er meint, dass die EU aufgrund des Dominoeffekts Griechenland unter allen Umständen stützen wird. Denn die GR-Rettung kann nur erfolgreich sein, wenn GR seine Hausaufgaben macht. Ansonsten wäre eine ungeordnete Pleite (und etwas anderes wird es nicht geben) der beste Weg für Europa - "kali nichta" Hellas.
Evangelos Venizelos würde Griechenland in eine ähnliche Katastrophe stürzen wie seinerzeit sein Namensvetter Eleftherios.

Toni Meister
09
14.9.2011, 07:55
Hochentwickeltes Industrieland ?

Die FAZ sieht das realistischer : " Griechenland fehlt eine eigene Industrie.Der größte Wert an der Athener Börse ist ein Getränkeabfüller. Nennenswerte Industriewerte gibt es kaum. Das erschwert es Griechenland, die Wirtschaft durch Exporte zu stärken ".

Anchel Kingsman
62
14.9.2011, 13:30

die groesste firma in den usa ist wall mart. so what?

1116er
12
14.9.2011, 13:13
die ursache dafür

liegt in erster linie an der fehlenden gemeinsamen (wirtschafts)politik innerhalb der eu.
obwohl wir eine union sind, trachtet JEDER staat dennoch nur auf die förderung seiner nationalen interessen, auch gerne auf kosten der anderen.

nach gr sind zwar jede menge förderungen geflossen, doch das waren in erster linie via strukturfond (durchaus notwendige) infrastrukturprojekte.
industrielle entwicklung aber praktisch null.

ersteres war gern gesehen, da dadurch auch viele heimische firmen profitierten.
letzteres war unerwünscht: wer baut sich schon freiwillig einen konkurrenten auf?

aus moralischen gründen finde ich eine anschließende weigerung, sich an den daraus entstehenden kosten zu beteiligen, für mies.
das macht ein nachbar nicht!

LGL
03
14.9.2011, 10:22
Im Vergleich zu Griechenland ist Argentinien jedenfalls ein hoch entwickeltes Industrieland

Frodo Der Hobbit
00
14.9.2011, 04:28

man muss ja auch nicht alle banken retten, sondern sollte daraus lernen, dass es eben leider bisher ideologiehalber zu unbotmässig schien, die bürger und die volkswirtschaft zu retten!

zb in der subprime krise hiesse das, viele leute hätten ihre häuser nicht verloren.

sieht niemand, dass das bisherige taktieren zu indischen/afrikanischen verhältnissen führen kann?
überstarkes militär, sweatshops, umweltkatastrophen durch ausländische multis, giftigen elektronik schrott ausweiden, schiffswracks ausweiden, die an stränden angehäuft werden, totaler ausverkauf. ölgewinnung vor den küsten mit zu niedrigen sicherheitsstandards, wohl ölteppiche zu erwarten.

wir wollten eigentlich ein europa ohne solche zustände.

Heribert Pilch
 
00
13.9.2011, 21:34

es gilt die umschuldsvermutung...

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