Umstieg

IPv6 fordert System-Admins heraus

Daniel AJ Sokolov, 18. September 2011, 17:00
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    foto: ap photo/saurabh das

    IPv6-Umstellung ist notwendig, aber nicht ohne Sicherheitsrisiken

Der Umstieg von iPv4 ist notwendig - Dabei sind jedoch Sicherheitsrisken zu bedenken - Strategisches Vorgehen ist gefragt

Das neue Internet Protokoll IPv6 ist gar nicht so neu. Bereits im Dezember 1998 wurde der Standard als RFC 2460 vom Kanadier Stephen Deering, damals Cisco, und dem US-Amerikaner Bob Hinden (Nokia) veröffentlicht. Zu dieser Zeit fürchtete sich die digitale Welt noch vor dem Y2K-Bug. Und die Ingenieure sahen den Vorrat an IPv4-Adressen zur Neige gehen.

Knappheit drängt zum Handel

Erstaunlicher Weise nutzen wir noch heute vorwiegend IPv4-Adressen. Sie sind zwar inzwischen schon ziemlich knapp, haben aber länger vorgehalten, als damals erwartet. Inzwischen werden die IPv4-Adressen sogar gehandelt. Der genaue Zeitpunkt des Zwangs zum Umstieg auf IPv6 lässt sich nicht vorhersagen. Denn die vorhandenen IPv4-Adressen werden durch verstärkten Einsatz von NAT (Network Adress Translation) immer häufiger mehrfach genutzt.

Neue Sicherheitsrisiken

Manche Softwarehersteller haben die Zeit genutzt, ihre Programme auf
IPv6 vorzubereiten. Andere weniger. Und das kann neue Sicherheitslücken schaffen - oder bereits geschaffen haben. Denn IPv6 schleicht sich bisweilen unbemerkt ein.

"Es mangelt der gesamten IT-Landschaft noch an Erfahrung mit IPv6", sagte Otmar Lendl, Teamleiter des österreichischen CERT.at, im Gespräch mit dem WebStandard, "Es hat Jahre gedauert, bis das Verhalten von IPv4, insbesondere in Ausnahmesituationen, richtig verstanden wurde. Und bis die Standard-Einstellungen diverser Software entsprechend eingestellt wurden." Bei IPv6 müssen solche Erfahrungen erst gemacht werden.

Problem: Verkettung

Dazu gehört auch die Erfahrung, dass die Einführung von IPv6 in einem lokalen Netz (LAN) kein zufälliges Stückwerk sein sollte. Wird zum Beispiel die Internet Anbindung auf IPv6 aufgerüstet und ein entsprechender Router installiert, müssen auch andere Systeme getestet und womöglich aktualisiert werden. "Selbst wenn nun der Router v6 kann, heißt das noch lange nicht, dass die Firewall auch IPv6 richtig versteht, oder das Intrusion Detection System (IDS), das Monitoring System oder der Loadbalancer IPv6 interpretieren kann", führte CERT.at-Sicherheitsanalytiker Aaron Kaplan aus, "Sonst kann es beispielsweise leicht passieren, dass das für IPv4 gut abgesicherte LAN der gesamten IPv6-Welt offen steht."

Wo ist die Werbung geblieben?

Ein anderes Beispiel: Einige Unternehmen verwenden Geolocation-Datenbanken, die erkennen sollen, welcher Örtlichkeit eine IP-Adresse zugeordnet ist. Davon wird die Reaktion bestimmter Programme abgeleitet. Wie gut das in der Praxis mit IPv6 funktionieren wird, muss sich erst zeigen.

Wer gegenwärtig mit einer reinen IPv6-Verbindung online geht, wird relativ wenig Werbung zu sehen bekommen. Die großen Werbe-Verteiler sind auf IPv6 noch nicht eingestellt und habe zudem Probleme mit der Ortung der Zielobjekte. Diese ist aber ein wichtiger Faktor für die Reduktion von Streuverlusten.

Noch nicht ausgereift

Doch nicht nur die Konfiguration der Software von IPv6 ist ein Faktor für die Sicherheit von IT-Systemen. Auch der Reifegrad der Programme selbst ist von Bedeutung. "IPv4 wurde über Jahre verwendet und damit getestet. Bugs wurden erkannt, gepatcht und systematisch behoben", so Kaplan, "IPv6 ist ebenfalls komplex, aber noch lange nicht so gut 'getestet'. Das bedingt, dass wir eine ganze Menge unentdeckter Fehler in IPv6 Software haben."

Viele Software-Anbieter versuchen, den Übergang zu erleichtern. So genannte "Tunnel" stellen eine Verbindung zwischen IPv4- und IPv6 -Welt her. Dieses Feature kann aber schnell zum Bug mutieren. Windows 7 unterstützt von Haus aus das Teredo Tunnel-Protokoll und wird standardmäßig mit aktivierter IPv6-Fähigkeit ausgeliefert. Teredo gibt selbst Computern in einem LAN mit NAT eine öffentliche, weltweit routbare IPv6-Adresse. "Dabei werden Tunnel nach außen aufgebaut, ohne dass Benutzer oder Netzadministrator davon wissen", warnte Kaplan, "Zum Teil verkündet dieser Tunnelendpunkt dann die IPv6 Verbindung im LAN, woraufhin alle IPv6-fähigen Geräte von außen erreichbar sein können."

Systematische Vorgehensweise empfohlen

Das CERT.at empfiehlt, bei der Einführung von IPv6 systematisch vorzugehen. "Unternehmen werden um die Einführung von IPv6 nicht herumkommen. Je früher IPv6 im Einkauf und der Netzwerkplanung berücksichtigt wird, umso mehr Zeit bleibt für Tests", erinnerte Lendl, "Die Schwachstellen sollen ja möglichst vorab gefunden werden. Denn was hilft die beste IPv4 Firewall, wenn man über IPv6 an ihr vorbeimarschieren kann?"

Übrigens: In ausgewählten Gebäuden in Österreich (Wien, Linz, Salzburg, Graz, Klagenfurt, Innsbruck) sowie in Pressburg gibt es für Businesskunden kostenlose IPv6-Internetzugänge auf Glasfaserbasis (100 MBit/s). Dies ist eine Aktion des ISP next layer mit Unterstützung der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft. Siehe dazu: www.time4ipv6.at

Pionierarbeit

Österreichs Pionier in Sachen IPv6-Anbindung war Ende der 1990er-Jahre ATnet von weiland Franz Penz. ATnet wurde von EUnet, EUnet von eTel und eTel schließlich von der Telekom Austria (heute A1) übernommen. Auf diesem holprigen Weg ist IPv6 wieder verloren gegangen. A1 bietet bis heute keine nativen IPv6-Internetzugänge an, weder im Festnetz noch mobil.

Die Wayback Machine des Internet Archive fertigte rund um die Übernahme ATnets durch EUnet mehrere Snapshots der ATnet-Website an. Hilfs dieses mächtigen Werkzeugs vermag sich der geneigte Internet-Historiker einen Einblick in den österreichischen Stand der IPv6-Dinge Anno 2004 zu verschaffen. (Daniel AJ Sokolov, derStandard.at, 18.9.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 186
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Christian Schindler
 
25
21.9.2011, 20:32

"IPv6 ist ebenfalls komplex, aber noch lange nicht so gut 'getestet'. Das bedingt, dass wir eine ganze Menge unentdeckter Fehler in IPv6 Software haben."
Und deswegen stellen wir jetzt gleich gar nicht um, oder wie? Wenn die Leute das mit IPv4 auch gemacht hätten, wären wir sonst wo aber sicher nicht im Standard.at Forum...
Immer das Gleiche in der IT - nur keine alten Gewohnheiten aufgeben. Auch wenn die Gewohnheit schon aus allen Löchern pfeift...

Elettra
44
21.9.2011, 22:04
@Wenn die Leute das mit IPv4 auch gemacht hätten

Wenn die Leute das mit IPv4 auch gemacht hätten dann hätten wir bestenfalls BTX 2.0 und TVSat1 mit drei Staatlichen TV Kanälen, Handyfernsehen mit 30cm Stabantenne, oder gleich nur den "Volksempfänger".

IPv6 hat nur ein Ziel, die kommerzielle totale und lückenlose Vermarktung des Internetnutzers. Unser generiertes ist dann Eigentum der Netzwerkindustrie, der User nur noch Hamster im Laufstall.

glitsch
65
22.9.2011, 21:08
IPv6 bringt das eigentliche Internet zurück

Die derzeitige Lösung mit NAT trägt viel mehr zur Userknechtung bei, weil die Teilnetze nach außen hin nicht transparent sind. Dass P2P-Dienste derzeit überhaupt funktionieren ist nur unschönen Workarounds zu verdanken.

Wenn wieder jedes Gerät jedes andere Adressieren kann, bringt das die ursprüngichen Möglichkeiten des Internets zurück. Ein Netz in dem im Prinzip jeder Knoten gleichwertig ist. IPv6 wirkt der zentralisierten Struktur entgegen.

Elettra
00
13.2.2012, 15:49
Aktuelles zu IPv6 in heise ct 5 13.2.2012 Seite 183 Absatz: Henne und Ei

Zitat:
In vielen Ländern setzen regulatorische Vorschriften IPv6 bei Behörden voraus und manche Regierungen versuchen mit IPv6 die Infrastruktur für den Ausbau IP-basierter Dienste zu schaffen /Zitat

IP-basierter Dienste...
IP-basierter Dienste...
IP-basierter Dienste...

DANKE
sehr aufschlussreich.

Harry Meier
 
11
17.10.2011, 23:15
Endlich mal einer der was von was er redet.

Mathias Steinlaus
 
00
21.9.2011, 09:48
Fragen zu IPv6?

Hier kann Ihnen geholfen werden:

( http://www.heise.de/netze/mel... 33731.html )

/dev/stderr
03
21.9.2011, 00:18
IPv6 kommt gemeinsam mit Hurd

und Duke Nukem Fo… oh w8t! :P

Elettra
10
19.9.2011, 22:52
Wenn wir hier schon mal ebenfalls über IPv6 Privacy Extensions diskutieren

so möchte ich auf die inzwischen eingerissene Unsitte der Österreichischen Internetprovider hinweisen, dass diese nun still und heimlich - sehr auskunftsfreudig - in deren Kennung

dial-in node

im Klartext auch die Kundennummer eincodieren.

Das kann jeder mal hier http://www.wieistmeineip.net selbst ausprobieren,

und Schwupps Ihre einzigartige Kundennummer ist im Klartext offen gelegt.

Your dial-in node = trottel_aus_österreich.provider.at

Wer möchte mehr... mehr Dummheit geht eigentlich gar nicht mehr.

Vor allem Dynamischen Ip´s und Privacy Extensions werden so Ad- absurdum geführt.

Firmen mit deren fixer IP, haben dies längst glasklar erkannt und bedienen sich zwecks Privatsphäre eines OpenVPN Dienstes der Wirtschafatskammern.

TurnhamGreen
12
20.9.2011, 09:11

aha, die IP-adresse ist jetzt eine kundennummer für dich?

Elettra
00
20.9.2011, 13:26
Privatsphäre Dienste wie http://www.hideway.at

verschleiern den eigentlichen Provider. Bei kleinen Providern die Region des Interentzugangs, verschleiern die Kunden Nummer aus der "Your dial-in node" Kennung.

Leider kostet das, was den Wirtschaftstreibenden teuer, kann aber dem Privatnutzer doch ebenfalls nur Recht sein.

TurnhamGreen
11
21.9.2011, 08:59

wir haben's immer noch nicht so mit zusammenhängenden antworten, gell?

trotzdem: ich zahle eigentlich nichts zusätzlich aber meine kundennummer entdecken kann ich trotzdem niergends erkennen...

Elettra
10
21.9.2011, 22:23
grins...

derstandard hat gerade die ip des hideway.at abgeklemmt blöde nur dass sich derstandard dadurch ebenfalls von den Wirtschaftsbossen die diesen Dienst nutzen abnabelt, aber dem derstandard gehts ja nicht um Geld sondern um Unabhängigkeit Wahrheit und den Weltfrieden.

Gut So

TurnhamGreen
10
22.9.2011, 09:39

du schreibst wie immer einen völligen schwachsinn...

Elettra
10
22.9.2011, 20:13
@T

Und Sie sind durchsichtig.

Der Nutzer soll entscheiden, ups hat er schon klar gegen IPV6.

TurnhamGreen
00
23.9.2011, 10:10

ah, hat er das? bist du jetzt "der nutzer"? und der webstandard geht problemlos über das hideway vpn, nur so nebenbei. aber hauptsache du kannst dich ein bisschen aufregen und aus der c't zitieren.

Elettra
00
23.9.2011, 16:05
@T

V6 soll erst mal seine Privatsphäre Hausaufgaben machen, dann reden wir weiter.

Gerade jetzt wo sich Fernsehen über iP etabliert ist das Thema Privatsphäre besonders heikel, wenn ich mich am Sofa zurück lehne möchte ich nicht dass jeder Zipp gleich an den Sender zurückgeht.

Das in den Rundfunkgebühren Belangsendungen heraufbeschworene Szenario,

'Ich bin's, dein Fernseher!' ist bei einer fixen IP Realität
http://www.orf-gis.at/static_pa... eche25.mp3

http://www.youtube.com/watch?v=jvDHcypiHeg

lindstroem
00
24.9.2011, 22:17
hmm....

ich habe mein internetpaket WEGEN der fixen ip ausgewählt und bin sehr zufrieden damit.

dynamische ips sind nur scheinbar ein "sicherheitsfeature" es gibt ganz andere möglichkeiten als die ip um nutzer wiederzuerkennen...

genauso wie nat eine grausliche notwendigkeit mit ipv4 ist die mit meinem ipv6 tunnel nicht mehr notwenig ist (für v6)... klar man muss sich etwas mehr gedanken zu seiner firewall machen...

und mit meinem ipv6 tunnel nutze ich derzeit auch nur 1 ip aus einem /64er subnet :D wenn ich allerdings den radvd am gateway aktiviere, dann hat meine workstation neben der fixen noch 1-2 temporäre adressen.... und dann wird vom system die fixe nicht mehr zur globalen kommunikation genutzt sondern nur die temporären

Elettra
00
25.9.2011, 12:16
Stichwort radvd

Router Advertisement Daemon
http://www.thomas-krenn.com/de/wiki/I... aktivieren

lindstroem
00
24.10.2011, 21:20
hahaha

wozu einen link zum deaktivieren von ipv6 als antwort auf ein ausgesprochenes pro-ipv6 posting?

ipv6 _ist_ die zukunft, wird zwar noch etwas dauern bis allgemein verfügbar, aber es wird kommen, so oder so, daher sehe ich es als meine aufgabe mich eher früher als später damit auszukennen.

btw: dass sie ein anti ipv6 troll sind der _nur_ negative wortmeldungen dazu abgibt, ist hier sowieso allseits bekannt.

TurnhamGreen
00
23.9.2011, 23:37

also personifizieren wir jetzt ein protokoll, weil dann kann man's viel besser als böse darstellen?

von dir kommt immer nur das gleiche gebrabbel...

Elettra
00
24.9.2011, 01:17
@T

Ja korrekt, beschreiben wir IPv6 am Besten anhand nachvollziehbarer Beispiele, so dem KFZ Kennzeichen welches den Möglichkeiten einer fixen IPV6 Zuordnung jedes einzelnen Endgerätes (KFZ) entspricht.

http://vimeo.com/6999954

Juergen84
 
21
19.9.2011, 21:04

Die Umstellung wird wohl noch etwas dauern. Auf alten, ungeliebten Standards sitzen zu bleiben hat in der IT-Welt ja Tradition, Stichwort Tastaturlayout ;)

silwol
00
20.9.2011, 07:27

Stimmt, leider.
Geschrieben mit NEO2-Layout :-P

Schlafsackerl
14
19.9.2011, 16:40
Werbung

"Wer gegenwärtig mit einer reinen IPv6-Verbindung online geht, wird relativ wenig Werbung zu sehen bekommen" -> oh, also ein Grund doch mal schnell umzusteigen ;)

Elettra
00
19.9.2011, 15:59
Es gibt vor allem Einen triftigen Grund für IPv6, IPv6 ist ein gutes Geschäft für Netzwerkausrüster, Investitionen werden aus Angst "den Anschluss zu verlieren" vorgezogen.

Wer hier im Forum aufmerksam Kommentare studiert merkt dass eingebrachte Kritik an V6 http://derstandard.at/plink/131... id22946679 hier einfach mit viel Geschwafel zugedeckt wird.

Kritik oder gar Bedenken sind wohl generell Geschäfts schädigend und daher von Interessengruppen die an Netzwerkausrüstung verdienen unerwünscht.

Es gibt vor allem einen triftigen Grund gegen vorgezogene V6 Umstellungen, Klimaschutz, Schutz von bereits getätigten Investitionen, sehr berechtigte Sicherheitsbedenken. Für Firmen und staatliche Organisationen Bedenken zwecks Betriebsspionage und Datenschutz.

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