Der taiwanesische Hersteller überlegt die Übernahme von WebOS und befindet: "iPhones sind nicht mehr cool"
Der Handy- und Mobilfunkmarkt befindet sich in einer besonders heißen Phase. Der Release von Googles Android 4.0 Ice Cream Sandwich, Apples iOS 5 und Microsofts Windows Phone 7.5 Mango steht kurz bevor. Daneben stecken die Hersteller in einer Patentschlammschlacht. Nun könnte die Branche noch weiter angeheizt werden, denn HTC hegt Pläne für ein eigenes Betriebssystem.
HTC erwägt Kauf von WebOS
Gegenüber chinesischen Medien sagte Aufsichtsratschefin Cher Wang, dass man offen über den Kauf eines mobilen Betriebssystems nachdenke. Ein Kandidat sei WebOS, nachdem HP mit der Abspaltung seiner PC-Sparte angekündigt hatte keine neuen WebOS-Geräte nach dem TouchPad mehr zu entwickeln. Laut Wang habe HTC eine Übernahme intern diskutiert, man werde allerdings nichts überstürzen.
Fokus auf HTC Sense
Wie HTC zuvor immer wieder betonte, lässt auch Wang durchblicken, dass das Betriebssystem für den Hersteller jedoch nicht so wichtig ist. "Wir können jedes OS verwenden, das wir wollen. Wir können auf der zweiten oder dritten Ebene der Plattform andere Dinge als unsere Konkurrenten machen", so Wang. Damit ist HTCs eigene Benutzeroberfläche Sense gemeint, mit der das Unternehmen Android auf seinen Geräten überzieht.
Patentstreit mit Apple
HTC muss seine Android-Handys aktuell in einem Patentprozess gegen Apple verteidigen. Dabei hat das Unternehmen Unterstützung seitens Google erhalten, von dem der taiwanesische Hersteller kürzlich neun Patente erworben hat. Auch Googles Kauf von Motorolas Handy-Sparte sieht man bei HTC als Vorteil für den Patentstreit. Wie Cher Wang ist auch HTC USA-Chef Martin Fichter davon überzeugt, dass Motorolas Patente im Kampf gegen Apples Klagen helfen können. Fichter sagte auf der Konferenz Mobile Future Forward, dass er zwar für den Schutz geistigen Eigentums eintrete, doch die aktuellen Patentklagen seien für die Branche sehr störend. Die Zeit und Energie sollte lieber in Innovationen investiert werden.
iPhone nicht mehr "cool"
Mit der Kritik bringt Fichter auch einen Seitenhieb auf das iPhone, das heute nicht mehr so "cool" sei. Die StudienkollegInnen seiner Tochter etwa würden HTC und Samsung bevorzugen, weil das iPhone mittlerweile zum Gerät ihrer Elterngeneration geworden sei. Am College-Campus sei das MacBook Air beliebt, das iPhone jedoch nicht mehr. Dennoch sieht sich HTC nicht in der Position einen "iPhone-Killer" auf den Markt zu bringen. Das sei nicht das Ziel, da das iPhone seinen Markt und seine Nutzer habe und HTC einen anderen Markt und eine andere Zielgruppe bediene.
Defizite bei Windows Phone 7
Eine andere Zielgruppe will HTC beispielsweise auch mit Windows Phone ansprechen. Dass Windows Phone 7 bislang nicht den Durchbruch geschafft hat, liegt laut Fichter an einigen Defiziten, die das System noch aufweist. So würden Mobilfunker derzeit massiv auf die nächste Mobilfunkgeneration 4G setzen, doch das werde aktuell von Windows Phone 7 noch nicht unterstützt. Das Update auf Version 7.5 "Mango" bringe aber eine deutliche Verbesserung für die Plattform. Die beiden HTC-Smartphones Titan und Radar sollen zum ersten Schwung Mango-Phones gehören, die in den kommenden Wochen auf den Markt kommen. (br/derStandard.at, 13. September 2011)