Ein Abend in der Pufferzone, zwischen gut und gut gemeint
Medien, Mahlzeiten und Motoren unter einen Hut zu bringen, da kann man ja nur ambitioniert scheitern. Wenn ich mir zum Beispiel einbilde, zur Wahl der 4 plus 9 ORF-Direktoren am 15. September sollte ich Amon's Gastwirtschaft (sorry, schreibt sich so) gleich bei St. Marx besuchen, schließlich wird da Namensvetter Karl Amon als Radiodirektor bestätigt. Der hat intern ja klar gegen einen Abschied vom Funkhaus Richtung St. Marx Stellung bezogen. Ja, Fidler, man soll nicht zuviel denken beim Essen.
Die Motoren kommen ins Spiel, wenn Frau und Herr glu mir die Ehre geben. Die Weinauswahl schaffte ich diesmal schon deutlich beherzter (sie schien mir jedenfalls teilweise ganz gut zu gelingen) als einst im schönen Garten des Hohensinn. Nein, das Essen will ich gar nicht vergleichen, wir sind hier schließlich in einem Vorstadtgasthaus, das ein bisschen besser sein will, und das auch schon seit 1904. Das kann gut gehen, muss aber nicht immer.
Pufferzone
Gut finde ich mein Tatar von Steinpilzen und Kräuterseitlingen. Die gegrillten Stücke vom Volcanoschinken und die auch nicht schwach dimensionierten Kürbispuffer unter dem Tatar sind in dieser Form vielleicht den Erwartungen der Stammkundschaft geschuldet, der doch etwas hartnäckig wiederkehrende Fettgeschmack war mir ein bisschen zu anhänglich. Das Carpaccio verhielt sich anständig, vielleicht ein bisschen kräftig bekäst.
Sehr feste Nudeln
Wirklich überraschend gerieten die Wildkräuter-Ravioli - unter diesem Namen erwartet man auf den sommerlichen Blattsalaten und dem Himbeeressig eher keine sehr, sehr, sehr festen Teigtaschen, wenn ich mich recht erinnere, in einer Kruste. Die begleitenden gebratenen Eierschwammerl sollen aber ausgezeichnet gewesen sein. Besser jedenfalls als die geschwenkten Steinpilze an dem Tag, die waren leider aus. Die Karte warnt hier freundlicherweise gleich vor dieser Möglichkeit.
Wild und trocken
Die Steinpilze sautiert erwischte ich aber eh noch mit den rosa gebratenen Hirschkalbsmedaillons samt Topfen-Mangold-Knödel. Die Pilze fein, das Hirschkalb entging der stets lauernden Gefahr einer gewissen Trockenheit nicht ganz, die mittelbraune Sauce erinnerte mich ein bisschen zu sehr an weniger ambitionierte Landgasthäusern. Sehr zufrieden wirkten glu & glu mit ihrem Filetsteak vom Angusrind, medium to rare. Und die Dessertauswahl schafften sie vermutlich aus Kapazitätsgründen nicht mehr ganz.
Air-Check
Ein durchaus anständiges Wirtshaus, für das man aber nicht extra nach St. Marx ziehen muss. Da könnte Karl Amon schon recht haben, dem es beim Funkhaus ja wohl auch um die Annehmlichkeit des Arbeitsumfeldes geht. Wobei: Beim anderen Amon in St. Marx erfährt man am eigenen Ohr, was die Hörerinnen und Hörer da draußen in geselliger Hochzeitsrunde nicht immer schön, aber mit viel Inbrunst singen. Das sollten Radiodirektoren gehört haben.
Wirklich wild wird es in Sachen St. Marx diesen Herbst. Bis 15. Dezember will ORF-Chef Alexander Wrabetz seine Pläne für den künftigen ORF-Standort kundtun (das allerdings wollte er schon öfter). Und ab 24. September ist die Gastwirtschaft Amon "wild auf Wild". Mögen beide Übungen gelingen.
Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald
Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und
Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute,
die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen
Vergnügen. Was nicht immer gelingt.