Vorwurf: Einflussnahme bei Immobilienprojekt

Ungarisches Parlament hob Immunität von Ex-Premier Gyurcsany auf

13. September 2011, 06:48

Anklage wegen Amtsmissbrauch droht: Der Sozialist selbst sieht "politische Abrechnung"

Budapest - Mit 306 Ja- und 52 Nein-Stimmen stimmte das ungarische Parlament am Montagabend für die Aufhebung der parlamentarischen Immunität des sozialistischen Ex-Premiers Ferenc Gyurcsany. Für die Aufhebung stimmten außer den Regierungsparteien auch die oppositionellen Grünen LMP und die rechtsradikale Jobbik-Partei.

Ferenc Gyurcsany soll wegen angeblichem Amtsmissbrauch auf die Anklagebank. Er steht unter Verdacht, als Premier mit einer geplanten Großinvestition dem Staat einen Milliarden-Forint-Schaden zugefügt zu haben. In seiner Rede vor dem Parlament bezeichnete Gyurcsany die Vorwürfe als "Lügen" des Generalstaatsanwaltes und den Prozess gegen ihn als "politische Abrechnung".

Ankläger gegen das herrschende Orban-System

Gyurcsany selbst hatte im Vorfeld erklärt, er werde sich nicht hinter der Immunität verstecken. In seiner Rede vor dem Parlament bezeichnete er den Generalstaatsanwalt Peter Polt als "treuen Diener" von Regierungschef Orban. Träfe der Verdacht von Polt zu, "dann bedeutet das, dass ein Ministerpräsident seine Kompetenz unzählige Mal überschreitet, wenn er solchen Großinvestitionen seine allgemeine Unterstützung zusagt, die tausende Arbeitsplätze schaffen".

Gyurcsany will nach eigener Aussage anstelle des "Angeklagten ein Ankläger" gegen das in Ungarn herrschende Orban-System werden. Es hätte seit 50 Jahren keinen Konzeptionsprozess in Ungarn gegen, betonte Gyurcsany und behauptete, Orban würde ihn nach eigener Aussage aus dem Jahr 2007 "lieber tot als verletzt sehen".

"Affäre Sukoro" als Auslöser

Im Hintergrund der Aufhebung des Immunitätsrechtes steht die so genannte "Affäre Sukoro", deren Gegenstand ein umstrittenes Grundstücksgeschäft im gleichnamigen Naturschutzgebiet an dem nahe Budapest gelegenen Velencer See ist. Hier wollte eine amerikanisch-deutsch-israelische Investorengruppe um den israelisch-ungarischen Geschäftsmann Joav Blum mit einem Aufwand von rund 1,5 Mrd. Euro das ungarische Las Vegas unter dem Namen "King's City" bauen.

Laut Ermittlungsbehörde sind bei dem Casinoprojekt, das einen Immobilientausch zwischen dem Staat und Joav Blum vorsah, die Werte der Immobilien falsch geschätzt worden. Deswegen hätte der Staat einen Schaden von 1,3 Mrd. Forint genommen. Gyurcsany habe auf das Genehmigungsverfahren des Liegenschaftsamtes massiv Einfluss genommen. (APA)

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14 Postings
forastero
04
13.9.2011, 17:50
Wer im Glashaus sitzt...

Zu prüfen wäre auf der anderen Seite die Audi-Affäre, wo Orbán den Investoren ein Europa-Schutzgebiet herschenkte, bevor er jegliche notwendige Genehmigung dafür eingeholt hat. Diese hat er natürlich(?!) von allen ungarischen und EU-Behörden im nachhinein erhalten.

forastero
12
13.9.2011, 17:37
gleiches Recht für alle!

Das sollte auch eine Warnung sein an alle jetztigen Abgeordneten, dass die Immunität kein ewiger Freibrief für Korruption und Vetternwirtschaft ist.

derie Standardin
30
13.9.2011, 14:35

Na endlich...
Man muss nur vorsichtig bleiben und dem Herrn gy. keine Bühne geben.Also keine Öffentlichkeit, keine Medien. Und das mit Meineid ganz genau nehmen, dann sehen wir F.Gy hoffentlich erst in sehr langer zeit wieder.

globetrottel
00
25.9.2011, 16:07

Jawoll, Herr / Frau Richter/-in ! Schön, dass Sie das schon vorab entschieden haben.

boma
20
13.9.2011, 10:51
"lieber tot als verletzt sehen"

Gilt für beide. Schade, dass nix besseres nachkommen wird...

j.h.k.
03
13.9.2011, 09:51
hier sehen wir gut, was passiert wäre, hätte das mascherl eine 2/3 mehrheit zusammenbekommen...

Ich_schpriche_Neuteutsch
20
13.9.2011, 09:29

Die Verteilung der Geteile der ungarischen Dingstätte finde ich äußerst ansprechend.

Wicked Vienna
14
13.9.2011, 08:52

Nicht das Ungarn ohnehin schon hinterher hinkt. Orban vergrößert den Abstand auch noch, und isoliert sich von Europa. Es wird weitere Jahrzehnte brauchen, um aufzuschliessen.

Schade.

Ibsen
26
13.9.2011, 08:39
Ungarn ähnelt bereits einer der dunkelsten Diktaturen...

...im Bann von Orban. Seine Seele kann sich nicht beruhigen, solage er Gyurcsány (der ihn schlagen konnte) nicht hinter Gittern sieht.

Orban hat eine richtige Gyurcsany-Phobie... schon von Jugend an:
http://www.youtube.com/watch?v=1fVIWQNlavI

Robert Schickl
00
15.9.2011, 12:06

"Der ihn schlagen konnte..."

Mit Ehrlichkeit, Fachwissen, guter Regierungsarbeit von 2002/2004-2006, etc. ;-)))

macekk
00
13.9.2011, 22:34

Danke für den Link, wenn sie auch noch den Youtube Link übersetzen. Danke im Voraus.

Ibsen
01
13.9.2011, 22:52
Der junge Orban

der noch als Gymnasiast selbst KISZ (The Hungarian Young Communist League)- Mitglied war, gibt ein Interview über die führenden KISZ-Mitglieder:

"Also in der KISZ gibt es keine normalen Menschen, mit denen man Gespräche führen könnte, es gibt nur einen in der KISZ, den ich kenne und den man ernst nehmen muss, wenn man mit ihm Verhandlungen und Gespräche führt, denn er setzt unsere Fähigkeiten auf Probe, das ist der Mensch namens Gyurcsány. Alle anderen sind unseriös. Es tut mir leid liebe KISZ-Herren, das ist meine Meinung. Sie sind schwach... der Szilvásy ist noch der so so, aber alle anderen fehlen die grundsätzlichen Fähigkeiten...."

Bagolyvár
00
23.9.2011, 00:42
Aranyos

und wodurch wird ihre Diagnose "Gyurcsány-Phobie" unterstützt? Dadurch, dass er Gyuecsány als verhandlungsfähig bezeichnet? Wie immer: eine Fehldiagnose.

peak oil
26
13.9.2011, 07:36
ungarn nähert sich schneller russland an als der eu,

wie man auch bei dem franken-trick sehen kann: https://derstandard.at/131500616... apest-vor. das wird aber wohl kaum vor dem eugh standhalten.

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