Die Queens Park Rangers schafften die Rückkehr in die Erstklassigkeit, kürzlich übernahm Lotus-Besitzer Tony Fernandes das Ruder
London - Es gibt wieder Erstklassiges zu sehen in Sheperds Bush, dem wohlhabenden Bezirk im Westen von London. Nach fünfzehnjähriger Absenz sind die Queens Park Rangers, deren beste Zeiten aus den 1970er und 1980er Jahren ja nuch auch schon etwas länger her sind, zurück in der Premier League.
Kein Wunder, es gab einen entsprechenden Vierjahresplan, seit die aus dem PS-Business der Formel 1 wohlbekannten Herren Bernie Ecclestone und Flavio Briatore 2007 den in schwere Turbulenzen geratenen Klub für einen Bettel übernahmen (1,5 Millionen Euro Kaufpreis, Tilgung von Schulden in Höhe von 19,5 Millionen). Wenig später wurde noch der indische Stahl-Millionär Lakshimi Mittal an Bord geholt - und die Rangers waren vom Beinahe-Pleitier zum Verein mit den reichsten Eigentümern mutiert. Weltweit. Dass Signore Briatore QPR eigentlich für ein Restaurant gehalten haben soll, spielte dann auch keine Rolle mehr.
Nach dem Aufstieg ins Stimmungstief
Unter seinem Vorsitz werkelten in drei Jahren fünf Manager und auch in Teambelange soll sich der als impulsiv bekannte ehemalige Renault-Teamchef mehrmals eingemischt haben. Im Februar 2010 trat Briatore zurück und sein Nachfolger Amit Bhatia, Mittals Schwiegersohn, installierte Neil
Warnock als neuen Coach. In der nun folgenden stabileren Phase gelang die sportliche Renaissance, die schließlich im Gewinn der Meisterschaft in der Championship und dem Wiederaufstieg gipfelte.
Die Freude darüber wurde den Anhängern jedoch rasch vermiest, als das Duo Ecclestone/Briatore die Preise für Saisonkarten drastisch nach oben schraubte, die Mittel für Neuverpflichtungen aber andererseits stark limitierte. Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Rangers dem Milliardär ein bisschen lästig geworden waren. Gianni Paladini, der aktuelle Präsident, stellte sich aber hinter die Retter: "Nach dem Aufstieg hat sich die Gehaltssumme verdoppelt. Unser Stadion ist klein, wir hätten ohne die Preissteigerungen nicht überleben können." Gerade 19.000 und ein paar Zerquetschte passen in die Loftus Road, den Ground mit dem geringsten Fassungsvermögen der Liga.
Der Mann aus Malaysia
Im August war dann plötzlich alles anders. Ecclestone verkaufte seinen Anteil an den Rangers an Tony Fernandes. Der Selfmade-Man aus Malaysia, Gründer der Billigfluglinie AirAsia und Chef des Formel -1-Rennstalls Lotus, zahlte für seine Aktienmehrheit von 66 Prozent 45 Millionen Pfund (etwa 52 Millionen Euro). Dass Fernandes ein öffentlich deklarierter Anhänger von West Ham ist, dürfte ihm die QPR-Familie wohl verziehen haben: denn seit der Übernahme ist Geld da. Shaun Wright-Phillips, Anton Ferdinand, Luke Young und Armand Traoré sind nur einige der Neuen, die seither verpflichtet wurden.
Nicht zu vergessen: Joey Barton. Ein schwieriger Charakter, der im Unfrieden von Newcastle United schied, zufälligerweise der Gegner im Montagsspiel der vierten Runde. Für Fernandes sind Typen wie Barton aber genau das, was er sucht. "Du brauchst Gewinner. Es bringt nichts, wenn alle nett und passiv sind." Sein Ausblick auf die Zukunft der Rangers, die 1976 Vizemeister waren und 1967 den Ligapokal gewannen, sieht so aus: "Ich weiß nicht wohin wir diesen Klub noch bringen werden, auf jeden Fall werden wir unser Bestes versuchen." Angeblich auch dafür, einen gewissen David Beckham nach Sheperds Bush zu lotsen.
Chancen, keine Tore
Manager Warnock (Fernandes: "Ich liebe ihn") jedenfalls, der in seiner Karriere nicht weniger als siebenmal mit seinen Mannschaften aufgestiegen ist und damit einen Rekord hält, muss nun ein völlig neuformiertes Team möglichst schnell zu einer Einheit formen. Gegen Newcastle, ewige Minderleister des englischen Fußballs, sah das schon einmal ganz gut aus. Die Superhoops bestimmten von Beginn weg ganz klar das Geschehen. Als besonderer Eiferer tat sich Wright-Phillips (ehemals Chelsea und ManCity) hervor, der auf der rechten Seite in bekannter Manier wuselte.
Auch Barton, der sogar den Kapitän geben durfte, zählte zu den Aktivposten in einer zumindest temporeichen Partie. Nach etwa nach einer halben Stunde kam QPR dann auch vermehrt zu Torchancen. Genützt wurde keine davon und so ging's trotz drei Minuten Nachspielzeit torlos in die Pause. Newcastle, das mit zwei Siegen und einem Remis den besten Saisonstart seit 1995 hingelegt hat (seinerzeit stand am Ende Platz zwei hinter ManUnited zu Buche), hatte kaum einmal die Nähe des gegnerischen Strafraums erreicht.
In der 49. Minute hätte QPR beinahe für das Gelegenheitenversieben bezahlt, doch Gutiérrez, linker Mittelfeldmann der Magpies, war schneller als der Ball und sein Volleyversuch auf Höhe des Fünfers von vornherein zum Scheitern verurteilt. Der Aufsteiger in den Ringelleiberln rannte weiter mit großem Engagement an, was in der nicht vollen Loftus Road sehr wohlwollend zur Kenntnis genommen wurde: fleißig wurde von den engen Rängen herunterskandiert. In der 54. Minute wurde auf Wright-Phillips im Strafraum vergessen, der eine weite Flanke aber nicht verarbeiten konnte und statt einem satten Schuss bloß einen verkümmerten Roller zustande brachte. Gut zehn Minuten später setzte Derry einen Kopfball eher ungelenk am Goal vorbei (66.).
Flügellahme Elstern
Ein gelungener Pass von Barton in den Rücken der Abwehr, mit dem er
Wright-Philipps in einen Reisenden verwandelte ragte aus einer Halbzeit
ehrlichen Fußballs heraus. Weniger gelungen der finale Laufweg
Bothroyds, der Wright-Phillips' Hereingabe folgerichtig nur stolperhaft
übernehmen konnte. Während das Niveau also sank, blieb immerhin die
Spannung.
Newcastle, das immer noch auf den Millionen für den an Liverpool verkauften Andy Carroll sitzt, die Manager Pardew aber nicht ausgeben darf, musste sich weiterhin auf Schadensbegrenzung verlegen. Ein etwas übermotiviert angesetztes Tackling von QPR-Innenverteidiger Hall verschaffte den Gästen kurz vor Schluss dann noch die aussichtsreichste Gelegenheit des gesamten zweiten Durchgangs. Und zwar in Form eines Freistoßes. Taylor jedoch stieß den Ball aus 20 Metern nicht weiter als bis in die Mauer.
Damit hatte sich der Fall. QPR konnte auch sein sechstes Bewerbsspiel hintereinander an der Loftus Road nicht gewinnen, der Punktestand der Hoops wuchs marginal auf nunmehr vier. Die Zuschauer schienen trotzdem zufrieden. Immerhing stimmte das Bemühen ihres Teams - und der Rest könnte ja noch wachsen.
Es wird schwer
Vermutlich aber waren an diesem Abend zwei Abstiegskandidaten zu sehen. Im Falle der Rangers eine nicht überraschende Diagnose, hatte doch schließlich auch Hoffnungsträger Fernandes die Vermeidung der Relegation als Saisonziel ausgerufen. Um die Londoner mittelfristig auf Schiene zu bringen, will er Nachwuchsakademie, Trainingsgelände und die sonstige Infrastruktur des Klubs auf Vordermann bringen. In Newcastle jedoch könnten - wieder einmal - turbulente Monate bevorstehen. (Michael Robausch, derStandard.at 12.9. 2011)
Premier League, vierter Spieltag:
Queens Park Rangers - Newcastle United 0:0, Loftus Road 16.000
QPR: Kenny, Young, Traore (Connolly 51.), Gabbidon, Ferdinand, Barton, Derry, Faurlin, Wright-Phillips (Puncheon 88.), Taarabt, Bothroyd (Campbell 80.)
Newcastle: Krul, Simpson, Coloccini, Steven Taylor, Ryan Taylor, Obertan (Sammy Ameobi 88.), Cabaye, Tiote, Gutierrez, Shola Ameobi (Ba 64.), Best (Marveaux 82.)