Bernhard Görg

"Die Wiener ÖVP lässt keine Intrige aus"

12. September 2011, 19:01
  • Artikelbild
    foto: standard/fischer

    "Die Wiener ÖVP kann nur Relevanz bekommen über einen Parteiobmann oder eine Parteiobfrau mit Nimbus", sagt Görg.

Die Wiener Schwarzen waren "immer irrelevant" , sagt ihr früherer Vorsitzender Bernhard Görg, außer es stand ein Minister an ihrer Spitze - Warum auch in den nächsten Jahren eifrig am Sessel des Parteichefs gesägt werden wird, sagte er im Interview

STANDARD: Die VP ist womöglich das nächste halbe Jahr auf Obmannsuche. Ist es gescheit, sich so lange Zeit zu lassen?

Görg: Es hat sehr wenig Einfluss auf die Performance der Wiener ÖVP, ob wir innerhalb von einer Woche einen neuen Parteichef haben oder erst in drei oder vier Monaten, weil die Partei sowieso in einer ungeheuer schwierigen Lage ist. Die Wiener ÖVP war immer irrelevant, mit zwei Ausnahmen: Mitte der 60er-Jahre, als der damals sehr bekannte Unterrichtsminister Heinrich Drimmel als Spitzenkandidat nach Wien kam, und 1976, als die damals große Zukunftshoffnung der ÖVP, Erhard Busek, nach Wien gegangen ist. Die Wiener ÖVP kann nur Relevanz bekommen über einen Parteiobmann oder eine Parteiobfrau mit Nimbus. Alles andere kann man völlig vergessen. Nur als Minister können Sie auf Augenhöhe mit dem Bürgermeister in ein Match gehen.

STANDARD: Wäre ein Staatssekretär auch geeignet?

Görg: Ein Staatssekretär ist von der Positionierung her nicht ideal, aber Sebastian Kurz hat ja noch die Chance, Minister zu werden.

STANDARD: Man hat das Gefühl, dass in Wien niemand Parteichef werden will. Gab es diese Situation schon einmal?

Görg: Ich verstehe das völlig. Ein zweites Credo von mir ist, einen Spitzenmann der Wiener ÖVP tauscht man nicht nach, sondern vor einer Wahl aus. Ein Neuer läuft sich in vier Jahren tot. Ich bin 1992 Parteichef in Wien geworden, bei der Gemeinderatswahl 1996 habe ich einen ÖVP-Klub zusammengestellt, dessen durchschnittlicher Intelligenzquotient sicher höher war als in jedem anderen Klub - inklusive Nationalrat. Aber das hat niemand mehr registriert, es hieß nur: In den ersten vier Jahren hat der Görg nichts zusammengebracht.

STANDARD: Christine Marek ist ein Jahr vor der Wahl gekommen ...

Görg: Die durchbricht meine These. Bei Gio Hahn war es richtig, der kam sechs Monate vor der Wahl. Da traut sich selbst in der Wiener ÖVP, die ja keine Intrige auslässt, niemand, den Parteiobmann anzupatzen, weil die Wahl bevorsteht. Vier oder drei oder zwei Jahre vor der Wahl gibt es noch genügend Gelegenheit, erst später Solidarität zu zeigen. Bei der Christine war das Problem: Sie wollte den Job überhaupt nicht, deshalb hat sie sich in der Bundespartei eine Positionierung einreden lassen, die unglaubwürdig und daher für sie persönlich tödlich war.

STANDARD: Heißt das, wer immer die Partei jetzt übernimmt, an dessen Sessel wird sofort gesägt?

Görg: So will ich das nicht sagen. Es wird ein halbes Jahr bis Jahr Ruhe sein. Aber wenn es dann keinen spürbaren Aufschwung gibt - und das wird schwierig - dann wird relativ bald die Frage gestellt werden, ob das der Richtige ist.

STANDARD: Welche Eigenschaften muss denn ein Parteichef haben?

Görg: Es muss jemand mit einem Nimbus sein, der große mediale Aufmerksamkeit hat. Das Problem der Wiener Parteiobleute ist ja, dass sie immer von vornherein heruntergeschrieben werden. Ich war vor zwei Jahren dafür, dass Wolfgang Schüssel Parteiobmann wird, der hätte den Nimbus gehabt, aber das ist vorbei. Es gibt die unterschiedlichsten erfolgreichen Parteiobmänner. Einer ist es, weil er besonders verbindlich und freundlich ist, ein anderer, weil er eher den Harten herauskehrt. So ein persönliches Anforderungsprofil sehe ich gar nicht. Er muss einen positiv besetzten Namen haben, und das Talent, diesen Namen nicht gleich zu verspielen. (Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 13.9.2011)

BERNHARD GÖRG (69) war von 1992 bis 2002 Obmann der Wiener VP, von 1996 bis 2001 war er Vizebürgermeister und Planungsstadtrat

Kommentar posten
16 Postings
die wundersame emanation ihres verliebens
00
15.9.2011, 00:15

Den graf ali nehmts euch - der hat einen nimbus!

Die VP braucht vielleicht aber eher einen passenden imbus für die lockeren schrauben im gesamtkunstwerk.

peter_at
 
10
13.9.2011, 09:25
Ich mache es

Ein Angebot das man nicht ausschlagen kann.
Nichts tun, im Wahlkampf den Häupl affichieren, die Wahl verlieren und sich dann aufs Altenteil im Parlament zurückziehen;
Das ist genau mein Ding.
Wenn sich sonst keiner meldet bin ich dabei.

s füdla voll arbat
00
13.9.2011, 09:22
Kommentar aus dem Westen

Mir scheint die Wiener ÖVP ist ein Sittenbuld der Bundes ÖVP.

s füdla voll arbat
00
13.9.2011, 11:47

Sittenbild, sorry

s füdla voll arbat
00
13.9.2011, 11:47

Sittenbild, sorry

Franz Peber
03
13.9.2011, 01:08
ich plädiere für einen telegenen Quereinsteiger mit Charisma!

Diesen Mann gibt es tatsächlich, er ist derzeit täglich am Bildschirm präsent und zwar in dem erstklassigen NEUROTH-Trailer: unser aller Karl Moik. Karl besticht durch sein ehrliches, grundanständiges anständiges Wesen und außerdem hört er jetzt sehr gut, was in der ÖVP Wien sehr wichtig ist.
Er würde Herrn Häupl durchaus auf Augenhöhe begegnen.

Freu dich - es gibt Keinen der dich liebt
00
12.9.2011, 21:59
Schüssel wäre wirklich ein guter Tipp gewesen

Wenn man sich die derzeitige Situation um Schüssel ansieht hätte die Wr ÖVP wohl auch mit Ihm ein ziemliches Problem . Wenn nicht sogar ein noch Schlimmeres

bula sagt
01
13.9.2011, 01:27
aber kein guter typ

Lupo71
02
12.9.2011, 20:38
Nimbus und mediale Aufmerksamkeit

"Es muss jemand mit einem Nimbus sein, der große mediale Aufmerksamkeit hat".

Hansi Hinterseer hat alle diese Eigenschaften. Und der Assinger auch. Der Assinger hat vielleicht sogar einn bißchen mehr Nimbus. Dafür wirkt der Hinterseer eher ausgleichend. Hmm. Schwierige Wahl. Aber immerhin. Sehe gleich zwei Top-Kandidaten für die Wiener ÖVP. Wo ist das Problem. Auf zu neuen Ufern. Und Moonboots gibts sicher auch in Scharz. Net nur in weiß
lg

Grillkohle
00
13.9.2011, 09:21
Assinger ist kein Schwarzer.

Lupo71
01
13.9.2011, 09:29
Assinger ist kein Schwarzer.

Das ist jetzt ein bißchen viel verlangt. Unter den Schwarzen jemanden mit Nimbus finden, der POSITIVE mediale Aufmerksamkeit genießt. Wir müssen in dieser Frage über den schwarzen Tellerrand hinaus schauen. Sonst wird des nix mehr. Übrigens, dem Gunkl würde ich persönlich auch nicht aus dem Favoritenkreis rausnehmen

lg

Quartz1
02
12.9.2011, 21:30

Hansi Hinterseer wird höchstwahrscheinlich nächster Bundespräsident.
Eher auszuschließen, dass er da den Vorsitz der Wiener VP anstrebt.

bula sagt
00
12.9.2011, 20:00
vielleicht hat spindelegger

einige nimbi aus dem vatikan mitgebracht.
was nützen die aber, wenn darunter ein hohlkopf träger ist.
wenn ich mir die kartenpreise für gutes kabarett betrachte, bin ich froh täglich gratis etwas über die wiener övp zu lesen.

CrangerMan
02
12.9.2011, 19:14

Görg ist mir fast schon sympathisch. Der hat noch wenigstens irgendwas davon verstanden, modernere Politik zu machen. Davon kann man bei der heutigen ÖVP nicht sprechen. Da ist sogar die deutsche Schwesterpartei besser dran.

rr772
00
13.9.2011, 09:47
Ich hab zwar nie verstanden,

wie er seine "Grüne Welle" für alle (bei sich kreuzenden Verkehrshauptwegen) dann tatsächlich realisieren wollte, aber im Vergleich zu dem, was nachkam, natürlich ein Lichtblick...

byron sully
00
12.9.2011, 19:26

genau so seh ich das auch.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.