Ungarns Finanzpolitik

Idee aus der Planwirtschaft

Kommentar | Johanna Ruzicka , 12. September 2011, 18:15

Investoren werden angesichts der Aushebelung privatrechtlicher Verträge, was schließlich einer Enteignung gleich kommt, einen Bogen um Ungarn machen

Bei allem Mitleid, das man mit dem gebeutelten ungarischen Fremdwährungskreditnehmer haben kann: Wenig durchdachte Politankündigungen sind auch nicht hilfreich.

Die Ankündigung der ungarischen Regierung, den Haushalten über eine Konvertierung in einen Forintkredit aus der Hartwährungsschuldenfalle helfen zu wollen - und die Banken dafür zahlen zu lassen - könnte mehr Schaden verursachen als Nutzen. Denn der Vorschlag hat zu viele gefährliche Fußangeln: Ein fixer Wechselkurs ist ein Instrument aus der Planwirtschaft und hat schon damals wenig genutzt. Über die stetigen Zuschussnotwendigkeiten, die sich aus der Differenz zwischen Plan- und Realkurs ergeben, wird der ungarische Forint weiter geschwächt. Außerdem: Es gab und gibt einen guten Grund für Ungarn, sich in Euro oder in Schweizer Franken zu verschulden: die niedrigen Zinsen in Hartwährung nämlich. In Forint zahlt der Kreditnehmer locker zehn bis zwölf Prozent.

Mit dem Vorschlag suggeriert die ungarische Regierung, dass es einen einfachen, schmerzlosen Weg aus der Kreditfalle geben könne. Dass irgendjemand anderer zahlt, und zwar die Banken, die ja imagemäßig unten durch sind.

So einfach ist es leider nicht. Eher sind die Folgeschäden immens: Investoren werden angesichts der Aushebelung privatrechtlicher Verträge, was schließlich einer Enteignung gleich kommt, einen Bogen um Ungarn machen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.9.2011)

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Posting 1 bis 25 von 62
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Alkolix
00
19.9.2011, 17:07
geld ist ja eigentlich kein

eigentum

es ist quasi ein schuldschein auf normierte arbeitszeit

wenn jetzt herr orban diese verschuldung auf ein erträgliches maß begrenzt ist das sicher keine enteignung

man kann menschen ja nicht nach belieben ausnehmen, da muss es grenzen geben welche durch den staat zu definieren sind - sogesehen pech für die bank sie ist mit der zockerei an grenzen gestoßen
-> der Mensch kommt noch immer vor der Eigentumsidee

somit befreit herr Orban (mag man zu ihm stehen wie man will) seine Bürger aus der Leibeigenschaft

aber vielleicht könnte man dem Stammbaum folgend den Autor dieses Artikels seinem Gutsherrn zurückerstattem um die vergangene Enteignung der Vorfahren rückgängig zu machen

Frodo Der Hobbit
00
15.9.2011, 06:11
diese predigten

der marktfundamentalisten und freunde eines kapitalistischen reinheitsgebotes (wie man staat und wirtschaft veranstaltet) haben noch nie integrität rein gebracht und werden es auch nie.

sie sollen nur das fussvolk bei der stange halten, die schafe scherbar halten.

drum lacht der orban über solche reden. denn sobald der zweck die mittel heiligt, gibts im westen bad banks und enteignungen des gemeinwesens, und zuschanzen des tafelsilbers an befreundete oligarchen.

von der subsistenz zu erfolgreicher, konkurrenzfähiger industrialisierung ist ein schwieriger weg. die kommunistische revolution konnte das in ungarn nur sehr minimal hinkriegen. aber: 20 jahre beweisen, dass die befreiung wirtschaftlich versagt hat, mit all ihren "rezepten".

Augen auf !1
 
00
14.9.2011, 13:24
falsch vermutet,

keine Idee aus der Planwirtschaft, einfach nur ungarisch.

Immer anders sein, Alles anders lösen und das mit voller Überzeugung.

Seit 20 Jahre lang haben sie ein Zinsniveau doppelt so hoch wie die angrenzenden vergleichbaren Planwirtschafts Nachfolgestaaten .

Hat nichts gemacht, finanzieren wir uns halt über Schweizer Franken.

Jetzt aufgewacht drehen wir den Spieß einfach um.

Übrigens: In Ungarn sind die geraden Hausnummern links und das Fenster am Briefkuvert ist rechts.

MCU
00
13.9.2011, 18:01
Eine Umschuldung in Forint kann aber schon sehr teuer werden!

Der ungarische Leitzins ist nahezu 6% höher als in der Schweiz. Wenn der Kredit z.B. erst in 10 Jahren endfällig ist, zahlt man zusätzlich 60% der Kreditsumme an Zinsen. Da ist es dann vielleicht schon wieder günstiger im Franken zu bleiben

Kapitalismus Luege
00
13.9.2011, 13:34
Nachdem Ungarn von Westen herabgestuft worden ist, kann es sich dort sowieso keine Kredite mehr leisten;

aber bei tadellosem Dagong-Rating ist das auch nicht wirklich ein Problem.

Dormouse
10
13.9.2011, 13:23

"So einfach ist es leider nicht."

so einfach ist es aber schon, nur, das kaum einer die eier hat, das ding bis zum ende durchzuziehen...

Toxo Logic
 
02
13.9.2011, 12:33

In Zukunft werden die Banken in Ungarn nur noch Kredite in Forint und mit Horrorzinsen vergeben. Orbán versetzt damit Ungarns Wirtschaft den Todesstoß.

Nee-Chee
01
13.9.2011, 12:59
absolut richtig.

Wenn ich als Bank damit rechnen muss, dass ich übermorgen meine Forderung in den Rauchfang schreiben kann, werde ich schauen, dass ich zumindest morgen so viel wie möglich an Zinsen bekomme.

Reich sein muss sich lohnen!
00
13.9.2011, 13:42

Die Banken versuchen *immer* so hohe Zinsen wie möglich zu bekommen (und möglichst niedrige zu bezahlen).

Kontra
00
13.9.2011, 14:43

Wenn sie ihren Gebrauchten verkaufen, werden sie wohl auch so teuer wie möglich verkaufen wollen. Oder haben sie etwas zu verschenken?

Quatremère
00
13.9.2011, 18:16

bei manchen legt man noch was drauf, nur damit man ihn los ist (zB AUA)

omar chamra
02
13.9.2011, 11:41
Die Journalistin hat das Problem erkannt.

Natürlich ist die Maßnahme von Orbán Teil seiner antikapitalistischen Rhetorik und da wird er von den ungarischen Jobbiknazis sicher unterstützt.
Doch Orbáns Wirtschaftspolitik ist kopflos, für ihn ist ja nur wichtig weiterhin Kampagnen zu führen (jetzt z.B. gegen Gyurcsány) und Kampfparolen auszugeben, als ob er einen Freiheitskampf gegen das Kapital und die Globalisierung führen würde.
Die Armut verschwindet nicht, sie wird größer und manche prophezeien einen Hungeraufstand der Roma.
Investoren schreckt das ab. Doch mit der Politik gegen das "raffende" und für das "schaffende" lies einheimische Kapital geht die Wirtschaft den Bach herunter. Wurscht, die Mehrheit ist nationalistisch vergblendet, daher ist Orbán noch immer populär.

ocelote
11
13.9.2011, 09:42
Bitte ganz fest schämen

... für diesen Satz:"Ein fixer Wechselkurs ist ein Instrument aus der Planwirtschaft und hat schon damals wenig genutzt."
Das heißt alle Länder dieser Erde waren im letzten Jahrhundert überwiegend planwirtschaftliche organisiert? Interessante These ...

JohannaRuzicka
01
13.9.2011, 12:15
wenn sie auf bretton woods anspielen ...

da hat sich die Staatengemeinschaft blateral auf einen Währungskorb geeinigt. Hier in Ungarn gibt es eine einseitige Festsetzung, das ist mM planwirtschaft.

Johannes1003
00
13.9.2011, 15:43
Blödsinn

Entschuldigung, aber das ist Blödsinn.

Es geht hier nicht um einen Wechselkurs im eigentlichen Sinn, also der Wechselkurs zwischen Franken und Forint.

Soweit ich mitbekommen habe geht es hier lediglich um den Rechenwert, zu dem ein bestehender Frankenkredit umgerechnet wird. Es geht also um eine Preisfestsetzung bzw. Festlegung einer Preisobergrenze und nicht um den Wechselkurs.

Und das hat mir Marktwirtschaft wirklich nichts zu tun. Aber das haben Bankenrettungen, Aufkauf von Staatsanleihen durch die EZB, usw. auch nicht.

szabika
00
13.9.2011, 13:40
Naja,

der öS hatte auch einen festen Wechselkurs zum DM...

Kontra
00
13.9.2011, 14:45

ein von der Nationalbank sichergestellter. Hätte sich die Wirtschaftsentwicklung Österreichs von der deutschen abgekoppelt, hätte das auch nicht durchgehalten werden können.

wurm83
 
00
13.9.2011, 10:15
?

ich lese "ein instrument aus" das erklärt schon alles oder?

Smoothies? Obst gehört gebrannt
19
13.9.2011, 09:07

Wenn man andererseits privatrechtliche Verträge zwischen Banken mittels eines "Bankenrettungspaketes" aushebelt, damit Risiken nicht schlagend werden, dann ist das aber schon in Ordnung?

Kontra
00
13.9.2011, 14:53

welcher privatrechtliche Vertrag wurde mittels Bankenrettungspaket ausgehebelt?

Alfredo di Stefano
00
13.9.2011, 11:30

nein, das hätte man aus meiner sicht genauso wenig machen sollen. aber leute wie du sollten auch die folgen bedenken, viele leute verlieren ihre jobs und ihr ersparnisse, kredite werden fällig gestellt, was wieder andere unternehmen in die insolvenz treibt und jobs kostet. aber ja, das wäre der ansatz eines wirtschaftsliberalen

franz der freie
 
00
13.9.2011, 10:22
die risiken werden schon schlagend: für den nichtsahnenden steuerzahler.

für die bank nicht mehr. die macht weiter, wie bisher. sollten wieder risiken entstehen, na dann wird sie halt wieder gerettet. der steuerzahler hat in der zwischenzeit eh nichts kapiert. den lenkt man mit scheinproblemen ab.

avision
01
13.9.2011, 08:49
Privatrechtliche Verträge und Enteignung ...

Was ist Geld nun tatsächlich?
Es ist zB. ein universelles Mittel für den Austausch von Waren und Dienstleistungen. Geld ist vor allem auch das wesentliche Antriebsmittel aller wirtschaftlichen Tätigkeit: Jeder Lohnarbeiter muss es "verdienen" um zu überleben. Er vermietet im Austausch gegen Geld seine Lebenszeit, seinen Körper, seine intellektuellen Fähigkeiten und seine Loyalität.
Andererseits können die Kontrolleure des Geldes bestimmen, welche Waren produziert werden, welche Dienstleistungen erbracht werden, und wer einen Arbeitsplatz und somit Einkommen hat.
Geld ist zum Wertemaßstab für nahezu alles geworden: Zeit, Arbeit, Waren, Unternehmen, Land, sogar Tiere und Pflanzen, und teilweise auch Menschen. Materieller Reichtum ist ...

Ich weiß es auch
12
13.9.2011, 08:44

Wenn der Staat Banken, die sich international um viele viele Milliarden verzocken mit vielen Milliarden Steuetrgeld stützt und auffängt - weil sonst die Witschaft zugrunde geht - ist es doch nur recht und billig - wenn sich die Häuselbauer auch wehren - und einen Rettungsschirm für sich selbst basteln.

Und 287 .000 Ungarn und zig 100.000 Österreicher sind ja nicht von ganz alleine auf die Idee gekommen sich in fremwährung zu verschulden -
Das haben ja die Banken forciert - um der Wirtschaft zu helfen .

Mitgehangen Mitgefangen

Kontra
00
13.9.2011, 14:53

Nein, das ist nicht recht und billig. Beim Bankenrettungspaket wurde niemand enteignet, auch nicht der Staat. Hier wurden verzinste Kredite und Haftungen gegeben. Aber bei dem Zwangsumtausch der Frankenkredite sprechen wir von klassischem Diebstahl des Staates.

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