Neue Info-Kampagne

Behinderung: Drei Viertel der Firmen säumig

12. September 2011, 16:04

Nur 3.950 von 17.186 Betrieben erfüllen die Pflicht, begünstigt Behinderte einzustellen

Wien - Eine neue Initiative des Bundessozialamtes und des Arbeitsmarktservice soll die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung forcieren und bestehende Informationsdefizite abbauen. Die Kampagne "Meine Chance - Ihr Nutzen" wurde am Montag präsentiert. Die Kampagne sei ein wichtiger Schritt in Richtung Chancengleichheit beim Arbeitsmarkt-Zugang, sagte der Initiator und ÖVP-Behindertensprecher Huainigg.

"In Österreich sind derzeit rund 100.000 Personen mit Behinderung in Beschäftigung, rund 6.000 waren im August 2011 arbeitslos", sagte Wirtschaftsminister Mitterlehner. Unternehmen, die 25 oder mehr Arbeitnehmer beschäftigen, müssen pro 25 Mitarbeiter einen Begünstigten Behinderten einstellen. Derzeit erfüllen nur 3.950 von 17.186 einstellungspflichtigen Betrieben in Österreich diese Pflicht - der Rest bezahlt stattdessen eine Ausgleichstaxe. Diese vorgeschriebene Taxe betrug im Jahr 2010 insgesamt 91,4 Millionen Euro.

"Die Erfahrung zeigt, dass Betriebe, die bereis Menschen mit Behinderung beschäftigt haben, eher bereit sind, weitere Menschen mit Behinderung einzustellen, als Betriebe, denen diese Erfahrung noch fehlt", sagte Sozialminister Hundstorfer.

Bewusstseinsänderung

"Das Ziel der Kampagne ist eine Bewusstseinsänderung, Vorurteile sollen abgebaut werden", so Mitterlehner. Außerdem sei die Einstellung von Menschen mit Behinderung aus mehreren Gründen notwendig: Einerseits würden sie gebraucht werden, um Arbeitskräfteprobleme, die sich aus dem demografischen Wandel ergeben, mittelfristig zu beseitigen. Weiters würden der Motivationsfaktor innerhalb der Betriebe steigen, der Teamgeist gefördert und das Betriebsklima verbessert werden, erklärte der Wirtschaftsminister.

"Gesetzliche Barrieren haben wir bereits abgebaut. Jetzt geht es darum, diese in den Köpfen der Menschen abzubauen", sagte Huainigg. Der Kündigungsschutz für Menschen mit Behinderungen wird seit 1. Jänner 2011 bei neuen Beschäftigungsverhältnissen nicht wie bisher nach sechs Monaten, sondern erst nach vier Jahren wirksam. Eine wissenschaftlich fundierte Aussage über Auswirkungen des geänderten Kündigungsschutzes könne man erst am Jahresende machen, sagte Hundstorfer. (APA)

living reef
00
16.9.2011, 11:37
wieviel defizite bei der umsetzung gibt es

auf bundes-,landes- und gemeindeebene? vor einiger zeit war es zumindest so, dass es hier einen eklatanten nachholbedarf bei der adäquaten beschäftigung beeinträchtigter personen gab.

Sportmario
01
12.9.2011, 23:31
Ich bezweifle sehr,.....

dass diese Maßnahmen ergreifen werden - denn die Lockerung des Kündigungsschutzes schiebt das Problem nur noch hinaus. Wieso sollte denn der Arbeitgeber den begünstigt Behinderten erst nach 4 Jahren einstellen? In den meisten Fällen wird der Arbeitgeber halt kurz vor der Frist den Behinderten kündigen. Offensichtlich sind den privilegierten Entscheidungsträgern die Existenz der Behinderten völlig egal. Wieso können sie nicht einfach die Ausgleichstaxe auf einen durchschnittlichen Lohngehalt festlegen? Denn Behinderte sind mehrfach von Armut bedroht bzw. betroffen als Nichtbehinderte

Arger Pirat
00
16.9.2011, 12:45
Wieso man das nicht machen kann?

Weil Firmen nicht automatisch exisitieren und unbeschränkte Mittel haben.

Wenn jeder fünfte Mitarbeiter behindert sein muss, und die Ausgleichtaxe ein volles Monatsgehalt ist:

- sperren sämtliche Firseursalons, Cafehäuser, Änderungsschneidereien, Copyshops oder sonstige Kleinbetriebe sofort zu

- sperren sämtliche Handwerksbetriebe, Sägewerke, Kohlegroßhändler, Dorfpizzerien oder sonstige Betriebe mit unter 50 Mitarbeitern binnen ein paar Monaten zi

- sperren sämtliche Firmen mit unter 500 Mitarbeitern halt binnen ein paar Jahren zu

- Und selbst ein Konzern mit 5.000 Mitarbeitern kann sich nicht schnell mal 1.000 Monatasgehälter extra leisten

Hubert Ungeist
 
03
13.9.2011, 07:39
Also als selbst Betrofferen

Behindert - aber keinen Begünstigten Schein weil dass das Ende jeder Karriere ist.

würde ich es vollkommen konträr angehen. Also weg mit dem Kündigungsschutz - unbefristet - das bringt Unternehmer nur die Angst, das sie einen Behinderten nicht mehr los wird. Weg mit der Ausgleichstaxe

Hin zur Förderung des Unternehmens. Z.B. kann ihc mir vorstellen, dass die Lohnnebenkosten für den Arbeitgeber wegfallen - sprich das der SV Anteil und vielleicht sogar der Teil der AG Steuern wegfallen - dann wird nämlich ein Behinderter für einen Arbeitgeber günstiger als ein Nichtbehinderter - und ganz ehrlich die Behinderten die ich kenne leisten einen guten Job auf Ihren Arbeitsplatz. Damit würde Betrieb - Staat und Behinderter profitieren

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