Die unausrottbare Leihradlüge

12. September 2011, 16:22

Auch wenn Wien die Mutter aller Gratisleihradsysteme ist - die Medien werden weiterhin behaupten, dass Idee und Umsetzung aus Frankreich stammen

Nun stimmt also auch das Zeit-Magazin in den Chor ein. Aber Hans-Erich Dechant wundert das nicht: "Ach, diesmal steht das also dort?", fragt der Chef des Wiener Citybike-Projekts - und klingt fast amüsiert.

"Das" ist ein Klassiker in Berichten über De-facto-gratisLeihradsysteme. "Das" ist, scheint es, unvermeidlich. Der Beweis dafür, was passiert, wenn Journalisten voneinander abschreiben - im blinden Vertrauen den Kollegen und deren Recherche gegenüber.

Gegen so etwas, hat Dechant akzeptiert, sind Fakten chancenlos: Auch wenn er belegen kann, dass Wien die Mutter aller Gratisleihradsysteme ist - die Medien werden weiter behaupten, dass Idee und Umsetzung aus Frankreich - genauer: Paris - stammen.

Dabei rollt man an der Seine erst seit 2007 so, wie es in Wien seit 2003 tut. Und innerhalb Frankreichs war Lyon früher dran als Paris: 2005 nämlich. "Und Wien", betont Dechant, "war dafür die Vorlage." Daran ändert auch nichts, dass die Gewista, Wiens Plakatmonopolist und Citybike-Betreiber, in französischer Hand ist - und der französische Mutterkonzern auch Frankreichs Leihräder installierte.

Die Idee zum öffentlichen Rad, räumt Dechant ein, ist aber älter. Sie stammt aus dem Amsterdam der 1960er-Jahre. Und genau genommen, präzisiert der Wiener Leihradler, war Wien schon vor 2003 Leihradstadt: 2002 gab es die "Viennabikes". Sie scheiterten, weil zu viele Wiener zwar "gratis", aber nicht "leih-" verstanden: "Die Viennabikes waren dennoch wichtig: Sie bewiesen, dass die Zeit reif war."

Nebenbei: Der Ursprung ist nicht der einzige "Bock" in der Leihradwahrnehmung: "Es heißt stets, Paris habe das größte Netz. Bloß: Soweit wir wissen, schlägt die chinesische Stadt Hangzhou Paris längst." (Thomas Rottenberg/DER STANDARD/Automobil/09.09.2011)

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Leihfahrräder sind ein alter Hut

heute fährt der trendige Arbeitssuchende "Car2GO". Kostet fast nix und hebt den motorisierten Individualverkehr.

Und schlußendlich hätten die Dinger sich sonst eh nie verkauft.

Zum Thema Licht:

Die blinkende LED Leuchten sollten bitte erlaubt werden. Sieht man, merkt man im Lichtgewusel der Stadt.

Leider für Fahrzeuge schlecht geeignet, weil man Richtung und Geschwindigkeit sehr schlecht einschätzen kann. Ist eigentlich weltweit Standard, dass Fahrzeuge ruhende Lichter und stationäre Objekte (z.B. Hochhäuser) blinkende Lichter haben.

Leider falsch, Wien war nicht Vorreiter

Die Viennabikes waren auch nur von Kopenhagen abgekupfert, die das Pfandsystem schon 1995 eingeführt haben.

Dort waren die Fahrräder zwar auch stark mitgenommen, sind aber nicht so sehr abhanden gekommen.

Der Sommer der Viennabikes war ein sehr lustiger, ich kann mich noch gut erinnern. In Windeseile waren die Dinger in allen Hinterhöfen und Kellern der Stadt verstreut.

aber auch nur jene,

die in der Stadt geblieben sind ....

Hei, wie hamma da gelacht.

... und im donaukanal

In Hangzhou habe ich ordentliche Schlauchreifen anstelle der unbrauchbaren Vollgummiräder. Und kaum Stadthügel.

Deshalb leihe ich mir in Wien kein Fahrrad sondern ein Auto, wenn es sein muss.

Und was machen Sie immer so am Kahlenberg?

Aber wenn schon Vollgummi-Reifen

dann auch eine Federung - Michaelerplatz flott mit Leihradel ist ein Plombenkiller.

michaelerplatz is auf jedem radl eine frechheit

Das kann man über die Hälfte des ersten Bezirkes sagen! Spontan fällt mir zB die Freyung, Domikanerbastei, Bäckerstraße (Höhe Jesuitenkirche), Hoher Markt, Brandstätte Abgang Rotenturm etc pp.. Fugen zwischen den Pflastersteinen so breit wie der Grand Canyon!

wer hats errrrfunden?

kobenhaven anyone?

es geht eben nix über unser Wien ...zum Fremdschämen dieses bösartige Journalistenum ...abschreiben, Fleck, setzen

Soviel ich weiß, wurde das Viennabikes-System aber nicht wegen der vielen Diebstähle eingestellt und nicht adaptiert, sondern weil die Gewista eng mit dem Roten Rathaus verwoben ist und sich die Idee, als bewisen war, dass sie funktioniert, mit Unterstützung der SPÖ gekrallt hat.

Kann gut sein, dass Freunderlwirtschaft dabei war.

Dennoch waren die Viennabikes in der Ausführung schlecht gemacht - oder vielleicht zu idealistisch. Die haben die Fahrräder wie Einkaufswagerl hingestellt und auf die sozialen Kompetenzen der Wiener Bevölkerung vertraut.

Es waren schon die Diebstähle. Innerhalb weniger Wochen war der Großteil der Räder überall, nur nicht an den Stationen. Die Gewista hat es dann so gemacht, wie es von Anfang an gemacht hätte werden sollen.

Ich mag mich ja täuschen, weil ich immer mit meinem eigenen Rad fahre, aber haben diese Leihräder eigentlicher Lichter vorne drauf oder ist da nur das Körberl?

Habens schon, man kann bloss nicht so schnell fahren dass mans leuchten sieht.

Interessant :-)

Wobei meiner Meinung in der Stadt nur Reflektoren Sinn machen. Ich hab zwar auch einen Strahler vorne drauf, doch geht dessen Leuchtstärke im Stadtnachtlicht komplett unter.

Ist mit den Citybikes ja nicht möglich aber fahren Sie mal HaWei am Abend ohne ordentlichem Licht am MTB.

Stimmt, in Wien ist es sowieso hell genug ist. Aus Sicht eines Autofahrers sind die Reflektoren das wichtigste, andernfalls ist ein Radfahrer prkatisch unsichtbar.

Es gibt in Wien aber Stellen, die nicht beleuchtet sind, wo dann der Strahler dann schon Sinn HAT ...

Übrigens, "Sinn machen" ist eine englisch Transliteration, es heisst korrekt "Sinn HABEN".

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