Ex-Bürgermeister Bozidar Vucurevic war Ende vergangener Woche aus Serbien in die Heimatstadt geflüchtet
Sarajevo - Der in Kroatien und Bosnien-Herzegowina der
Kriegsverbrechen angeklagte frühere Bürgermeister der
herzegowinischen Kleinstadt Trebinje, Bozidar Vucurevic, hat am
heutigen Montag ergebnislos versucht, sich der Justiz in seiner
Heimatstadt zu stellen. Die Richter hätten am heutigen Montag keine
Zeit, habe es geheißen. Er sei aufgefordert worden, sich am
Donnerstag erneut am Gericht zu melden, sagte Vucurevic bosnischen
Medien gegenüber, unter dem Hinweis, dass er wahrscheinlich nicht
mehr freiwillig zum Gericht kommen werde.
Vucurevic war im April auf Basis eines kroatischen Haftbefehls
in
Serbien festgenommen worden und war zwei Monate später auf freien Fuß
gesetzt worden. Entsprechend dem Gerichtsbeschluss durfte er Serbien
bis zum Abschluss des Auslieferungsverfahrens nicht verlassen. Das
zuständige Belgrader Gericht hatte am Freitag beschlossen, dass
Vucurevic sowohl an Zagreb wie auch an Sarajevo, das inzwischen
ebenfalls seine Auslieferung wegen Kriegsverbrechen in Trebinje
beantragt hatte, ausgeliefert werden könnte. Nach Meinung des
Gerichtes habe der kroatische Antrag Vorrang, da es sich in diesem
Fall um die schwereren Vorwürfe handeln würde. Vucurevic werden in
Kroatien die Vertreibung von Zivilisten und der Beschuss von
Dubrovnik im Herbst 1991 angelastet. In Bosnien werden ihm
Kriegsverbrechen in Trebinje vorgeworfen.
Der Ex-Bürgermeister von Trebinje wollte durch die Flucht die
drohende Auslieferung an Kroatien vermeiden. Wie Belgrader Medien am
heutigen Montag unter Berufung auf einen Anwalt des mutmaßlichen
Kriegsverbrechers berichteten, hatte Vucurevic den serbischen
Behörden nach der Festnahme nur seinen Personalausweis, nicht aber
seinen Reisepass übergeben. Anwalt Svetozar Vujacic sagte der
Tageszeitung "Danas", dass der 75-jährige Vucurevic die
serbisch-bosnische Grenze zwischen Freitag und Samstag zweifellos
illegal passiert habe. (APA)