Salzburg

"Ungenütztes Bauland wieder rückwidmen"

Martin Putschögl, 12. September 2011, 14:00
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    foto: ap/joensson

    Wegen der Preisspirale nach oben warten immer mehr Salzburger Grundbesitzer zu, bevor sie ihr Bauland verkaufen oder bebauen. (Bild: Salzburger Altstadt)

Gemeinnützige fordern, dass Rückwidmung nach zehn Jahren verpflichtend wird - Zwist um Salzburger Grünland schwelt schon lange

Salzburg hat ein Preis-Problem. Für Wohnungen sind Kaufpreise zwischen 3.000 und 4.000 Euro pro Quadratmeter keine Seltenheit mehr, die Preise reichen mittlerweile bis 10.000 Euro.

Auch bei Grundstücken wird eine "Schallmauer" immer öfter überschritten, nämlich jene von 1.000 Euro pro Quadratmeter. Diese Schallmauer habe die Preise "lange gebremst", doch jetzt habe "niemand mehr Hemmungen, auch 1.200 Euro für den Quadratmeter zu verlangen", wird der Geschäftsführer von Salzburg Wohnbau, Roland Wernik, auf salzburg.orf.at zitiert.

Häufigere Rückwidmungen gefordert

Wegen dieser Preisspirale nach oben würden immer mehr Grundbesitzer zuwarten, bevor sie ihr Bauland verkaufen oder bebauen. Gemeinnützige Wohnbauträger fordern deshalb nun gesetzliche Änderungen. "Wir haben die Rückwidmung nach zehn Jahren als eine Kann-Bestimmung. Es wird diese Kann-Bestimmung nur in sehr wenigen Fällen angewendet. Wenn sich herausstellt, dass diese Bestimmung nur sehr schwer durchsetzbar ist in manchen Gemeinden, muss man überlegen, ob diese Kann-Bestimmung nicht eine Muss-Bestimmung werden sollte", so Markus Sturm, Geschäftsführer der Genossenschaft "die salzburg".

Es müsse schlicht öfter von der Möglichkeit Gebrauch gemacht werden, unbebautes Bauland nach zehn Jahren rückzuwidmen. Die Gemeinden als Baubehörden und die Landespolitik sollten hier mehr Druck machen, fordert Sturm.

"Begrenztes Stadtgebiet"

Die in den vergangenen Jahren exorbitant gestiegenen Salzburger Immobilienpreise erklärt Sturm gegenüber derStandard.at einerseits damit, dass Salzburg "aufgrund seiner Lage und des Gesamtbilds der Stadt eine sehr beliebte Zuzugsregion" sei. Andererseits habe Salzburg aber eben auch "ein relativ begrenztes Stadtgebiet, also nicht unbegrenzt Grund zur Verfügung". Schuld daran sei auch, dass die Stadt beim letzten räumlichen Entwicklungskonzept für sich selbst im Stadtrecht eine Grünlanddeklaration verankert hat, in die große Teile des Stadtgebiets hineinfallen, und zwar für die nächsten 30 Jahre.

Erschwerend kommt hinzu, dass es in der Wohnbauförderung (wie in allen andern Bundesländern auch) Höchstgrenzen bei den Grundstückspreisen gibt. "Wir dürfen die Grundstücke nicht überzahlen, sonst kriegen wir keine Förderung mehr. Dieses Limit liegt bei einer durchschnittlichen Grundgröße von 2000 bis 3000 Quadratmeter in durchschnittlicher Lage bei 500 bis 600 Euro pro Quadratmeter. Das ist dann Döblinger oder Innsbrucker Niveau." Darunter liege man nur dann, wenn die Stadt in Verbindung mit der Umwidmung entsprechende Vorbehaltsfläche aufs Grundstück lege, oder an einer stark befahrenen Straße, so Sturm.

Schwelende Streitigkeiten

Die eklatanten Umwidmungsgewinne von Grundstücksbesitzern sind der Salzburger Landespolitik schon länger ein Dorn im Auge. Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) hatte Anfang Juli den Vorschlag aufs Tapet gebracht, eine Widmungsabgabe einzuführen. Diese sollte 25 Prozent jenes Betrages ausmachen, den ein Grundstück mit der Umwidmung von Grünland in Bauland mehr wert wird. "Diese Gewinne sind derzeit steuerfrei, was völlig absurd ist, weil die Eigenleistung dafür null ist."

Schon viel länger schwelt in Salzburg andererseits der Streit um das städtische Grünland. In den 1970er-Jahren entstand so die grüne "Bürgerliste Salzburg", deren erster Sprecher Johannes Voggenhuber war und der 1982 erster grüner Stadtrat, verantwortlich für Umweltschutz und Raumplanung, wurde. Auf ihn gehen die ersten Bemühungen bezüglich der Grünland-Deklaration zurück. Diese wurde 1985 vom Gemeinderat beschlossen und 2001 in das Räumliche Entwicklungskonzept der Stadt Salzburg integriert. Seit 2006 wird an einer Reform gearbeitet, die gesetzlich im Salzburger Stadtrecht verankert werden soll.  (map, derStandard.at, 12.9.2011)

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14 Postings
- Dr. No
00
18.9.2011, 21:37
500 Euro/m2 = Döblinger Niveau?

Am Gürtel vielleicht, ansonsten vermute ich schlichtweg Ahnungslosigkeit bei Herrn Sturm.

pago1
00
13.9.2011, 17:29
gut so

Emiliano Zapata
 
00
13.9.2011, 16:14
klingt nach vielen angefangenen baustellen

dass die widmung nicht verfällt, wird eine baugenehmigung angesucht und eine baustelle begonnen. und in paar jahren hat man dann eine menge angefangener baustellen in und um salzburg, bei denen jedes jahr nur ein bisserl was getan wird, um die baugenehmigung und die grundstückswidmung zu erhalten...
ansonsten eine gute idee - wobei man von vornherein mit der widmung von grünland in bauland sparsam sein sollte...

ad vocem
00
13.9.2011, 15:47
Na super ...

Dann werden solche Grundstücke halt mit einer 2000 EUR Gartenhütte aus dem Baumarkt "bebaut", mit betoniertem Fundament.

flotter denker
00
13.9.2011, 09:50
Umwidmungsgewinne besteuern - ok

Rueckwidmungen sind ein Bloedsinn. Man sollte lieber unbebautes Bauland progressiv besteuern. z.B. eine Brachesteuer von
1% im ersten Jahr, 2% im 2. dann 3% dann 4% usw ohne Obergrenze. Irgendwann wird gebaut. Wetten?

Im Uebrigen - Man koennt natuerlich auch endlich massiv in Bauland umwidmen und die Verkehrswege ordentlich ausbauen. Senkt auch die Immopreise

Flaschenpost
00
14.9.2011, 08:37
Sie sind kein Salzburger...

...massiv in Bauland umwidmen...
Es gibt in der Stadt nicht mehr viel zum umwidmen ohne den Zorn der Bevölkerung zu schüren.

flotter denker
00
15.9.2011, 06:37
Bin kein Salzburger - stimmt

Aber - erstens kann man ja auch ausserhalb der Stadtgrenzen widmen. Auch waers moeglich, die Stadt zu erweitern.
Und Zorn der Bevoelkerung. Eh klar, den wirds wohl geben. Aber wenn man es nicht tut, dann wird Salzburg zum Reichen-Ghetto werden. Exklusiv schoen und exklusiv teuer

Solemnly Soliloquising Somnambulist
11
13.9.2011, 08:33

da fält mir die große kulturelle leistung der nachkriegszeithäuslbauerarchitektur ein:

http://naturschutz.ch/wp-conten... delung.jpg

die masse der bürger (konsumenten) hat nicht die bildung um langfristig nutzbare immobilien zu erbauen mit geringem flächenverbrauch:

http://austenonly.files.wordpress.com/2010/02/7... th-arp.jpg

deshalb muß man nach dem häuslbauertraum wieder aufräumen um das land wiederzugewinnen:

http://www.washingtontimes.com/news/2010... save-city/

Joe Dalton1
12
13.9.2011, 08:26

Den Burgstaller-Vorschlag zur Besteuerung von Umwidmungsgewinnen kann ich nur unterstützen. Ich wäre da noch viel radikaler und würde sogar den Großteil des Gewinns abschöpfen, der in der Regel ohne irgendeine Leistung entsteht.
Komischerweise steht ihr hier niemand zur Seite, Vermögenssteuer scheint sich beim Wahlvolk besser zu verkaufen.

locken
01
12.9.2011, 18:47
Wann kommt die Steuer bei Umwidmung von Grünland auf Bauland Frau Burgstaller ??

iniquity
10
12.9.2011, 17:29
Alles ratzfatz enteignen

Grund gehört dem Staat, Nutzungen werden lizenziert.

I like Austria
01
13.9.2011, 14:41
Ab

dem Moment, wo ein Staat durch Enteignung involviert ist, gibt es Korruption.

immofuchs
00
12.9.2011, 16:09
der Neid ist ein laster, der Neid bleibt ein Laster

anstatt sich Konzepte zu überlegen, wie Wohnbau auch bei teuren Grundstückspreisen förderbar bleibt (zB Anhebung der Grunpreisschwelle), wir fröhlich über Zusatzsteuern phantasiert.
1) Widmungsabgabe
Annahme:
ein Grundbesitzer ist an einer Umwidmung nicht interessiert, muss der die Widmungssteuer trotzdem zahlen obwohl gar kein Umsatz stattfindet?
2) Rückwidmung
Annahme:
Baugrund in Spitzenlage, Baugrund in Slzbg beschränkt. d.h. durch Rückwidmung wird kein Baugrund dazugewonnen, nur die übrigen steigen im Preis - in Spitzenlagen ist die Baulandwidmung jederzeit wieder erreichbar

Peter G
00
12.9.2011, 15:59
Überfällig !

Die Politik kann nicht tatenlos zuschauen, wie die Preise immer weiter steigen.

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