An den richtigen Schrauben für Innovation drehen

12. September 2011, 12:07

Im Rahmen des "Austrian Science Talk" wurde am Wochenende in New York diskutiert und verglichen

New York - Mehr Investoren aus dem Ausland anzuziehen, sicherlich aber auch die vermehrte Förderung von Talenten könnten helfen, um Innovationen in Forschung und Entwicklung (F&E) in Österreich zu stärken. An welchen Schrauben gedreht werden kann oder muss, um die Innovationskraft im Land zu stärken, diskutierten die Teilnehmer des "Austrian Science Talk" am Wochenende in New York. Bei der vom Infrastrukturministerium und vom Office of Science & Technology (OST) an der österreichischen Botschaft in Washington organisierten Veranstaltung trafen in Nordamerika tätige Österreicher auf heimische Vertreter der Forschung.

Kapital

Kapital, ein gutes rechtliches Umfeld, gut ausgebildete Wissenschafter und Innovation - so fasste der Kärntner Biotechnologe und Gründer von mehreren Start-up-Unternehmen, Tillmann Gerngross, die Elemente für den Brückenbau zwischen der Grundlagenforschung und den künftigen Bedürfnissen der Gesellschaft zusammen. Das Kapital für F&E kommt dabei in den USA vor allem von der Wirtschaft: Dort gibt es zwei Mal so viel Geld aus privaten Töpfen wie öffentliche Mittel. Insbesondere die Pharmaindustrie investiert kräftig. In Amerika gebe es aber auch das Risikokapital, in Europa hingegen werde zu viel über öffentliche Gelder gefördert, sagte der 1989 als Post-Doc in die USA übersiedelte Forscher vom Dartmouth College.

Dass man ein biotechnologisches Start-up auch von den USA aus nach Österreich bringen kann und dabei ausschließlich mit finanzieller Hilfe von US-Investoren, hat der Kärntner jüngst mit der Gründung von Arsanis in Wien gezeigt. Dabei ging es vor allem um die Zusammenarbeit mit der in Wien tätigen Medizinerin und Molekularbiologin Eszter Nagy. Gearbeitet wird an neuen Heilmitteln für Infektionskrankheiten. Die US-Investoren konnte Gerngross vor allem durch den auf Vertrauen basierenden, guten Kontakt gewinnen. Österreich müsse Anreize für Risikokapital schaffen. Man könne auch versuchen, dass man "mehr ausländisches Kapital" ins Land bringt.

Mit der öffentlichen Förderung für ein Unternehmen hat der Gründer nicht viel zu verlieren, sagte auch der Mediziner Hubert Zajicek, Betreiber eines Inkubators für medizinische Technologien in Frisco bei Dallas (US-Bundesstaat Texas). So könne es etwa passieren, "dass ich quasi nach einer Woche wieder hungrig bin. Ich habe nicht das Fischen gelernt. Es ist wichtig, das Fischen beizubringen" - also etwa den Umgang mit Risikokapital. Es solle auch über neue Modelle der Ko-Finanzierung zwischen öffentlicher Hand und Investoren nachdenken. Bei der Pharmaindustrie ortet der Experte den Trend, weniger selbst zu forschen und mehr "aus Start-ups einzukaufen". Zajicek selbst hat sich aus der Forschung zurückgezogen und widmet sich nun nur noch seinem North Texas Enterprise Center.

"Pre-Seed"-Förderung

Der österreichische Krebsforscher Robert Schiestl von der UCLA School of Medicine and Public Health bei Los Angeles verwies auf die "einzigartigen" Möglichkeiten, die in Österreich die vorhandene "Pre-Seed"-Förderung mit sich bringt. So gebe es eine Unterstützung, bevor man überhaupt ein Unternehmen gründet - in den USA sei so etwas undenkbar. Der seit über 20 Jahren in den USA arbeitende Forscher hat sowohl in Los Angeles als auch an der Medizinischen Universität Wien ein Labor und arbeitet derzeit auch an einer Start-up-Gründung in Wien.

Wert der Bildung und Umgang mit Studenten

Für den Chef des Rats für Forschung und Technologieentwicklung (RFT), Hannes Androsch, haben sich "die unternehmerischen Standards in Österreich bereits verbessert, aber noch nicht genug". So dürfe etwa das Versagen nicht weiter wie bisher stigmatisiert werden. Das wirkliche Problem ist aber die Bildung, waren sich die Experten einig. "Es gibt Bedarf an Talenten", so Gerngross. Man benötige ein wettbewerbsfähigeres Bildungssystem. In Österreich würden Studenten häufig als Last gesehen, bemerkte ein Teilnehmer aus dem Publikum. Professoren gingen in den USA anders mit ihren Studenten um als in Österreich, kann auch Gerngross bestätigen. Man würde smartere Leute eher fördern und insgesamt härter arbeiten.

Ein wichtiger Standortvorteil von Wien - und Österreich insgesamt - sei die Lebensqualität, so die Experten. Hier ortet etwa auch der Innovationsforscher Gerald Steiner von der Universität Graz, derzeit im Rahmen einer Schumpeter-Professur an der Harvard University, mangelndes Bewusstsein. Es gehe in Österreich zudem um eine größere Wertschätzung zwischen den Disziplinen, zwischen der Industrie und der Wissenschaft sowie gegenüber den Studierenden. Hier wären schon Veränderungen möglich, "auch ohne an der Kapitalschraube zu drehen", so Steiner.

Hintergrund

Der "Austrian Science Talk" ist eine jährlich stattfindende Konferenz für in Nordamerika tätige österreichische Wissenschafter und wird vom Infrastrukturministerium in Kooperation mit dem an der österreichischen Botschaft in Washington D.C. angesiedelten Office of Science & Technology (OST) veranstaltet. Ziel ist die Vernetzung und der Informationsaustausch zwischen den in Nordamerika forschenden österreichischen Wissenschaftern und Vertretern der heimischen Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen. (APA/red)

joh CtgVerlag
00
13.9.2011, 10:59
Einfach meine Meinung:

Patente sollten halt auch Substanz haben. Man kann natürlich auch ein Patent auf den Bau von Eichhörnchennester anmelden( und wird es wahrscheinlich auch bekommen... :) ).
Was aber in Österreich fast zur Gänze fehlt, ist die Schine von privaten Kapitalgebern, die mal das, mal das andere wagen. Hier geht alles über die öffentliche Bankenschiene, und die willnur 100% sichere Projekte. Das dann manches nicht gemacht wird, obwohl es gut wäre, ist ein anderes Kapitel.
Das geistige Potential hätte Österreich mit seinen Forschern und Unis.
Doch wenn jemand ein gutes Patent hat, sind sofort die Kapitaljäger da, die dann mitmischen wollen, ohne auch nur einen Finger zu rühren.
Freiverfügbare Forschungsgelder gibt es kaum.....

Cyber Motzer
00
12.9.2011, 18:01
Patente sind alles was zaehlt

nur da sind einige Forscher an den Unis lieber schneller mit dem Schreiben von Publikationen. Patentiert wird dann woanders. Mit den sehr guten Forschungsergebnissen aus Oesterreich liesse sich doch sicherlich das Eine oder Andere von einem Institut bzw Uni patentieren lassen. Die so hochgelobten Spin Offs koennen die Lizenz von der Uni erwerben. Meist gehen die Unis leer aus. Das geistige Eigentum muss in der Hand der Uni bleiben. Dies waere eine weitere Moeglichkeit Einnahmen fuer die oeffentliche Forschung zu generieren...!

her wig
00
13.9.2011, 08:25
Publizieren kann man schneller,

für ein Patent braucht man schon etwas gewerblich verwertbares. Davon abgesehen, sobald es ein Paper gibt kann man kein Patent mehr anmelden - auch nicht jemand anderer.

NK12
00
12.9.2011, 18:59
Die Patentierungswut verfolgen die US-Unis

seit den 1980er und es hat ihnen - außer ein paar Ausnahmen - nur ein Aufblähen der Verwaltung und Friedhöfe in den Patenämtern gebracht.
Der Wind dreht sich dort schon seit einiger Zeit, so bestehen gerade Charities darauf, das die Forschungsresultate frei zugänglich sind, denn das ist für die Gesellschaft langfristig weitaus vorteilhafter.

Cyber Motzer
00
12.9.2011, 21:09
ja leider ist es so

ich bin auch der Meinung, dass zum Wohle Aller die Forschungsergebnisse und Patente frei zugaenglich sein sollten. Nur bei uns gibt es so gut wie keine Charities die viel Geld spendieren. Zudem ist die Patentpest in den USA so ausgeufert, dass wir es uns nicht mehr leisten koennen da links liegen gelassen zu werden. Wir sind Schlusslicht im internationalen Vergleich zu Patentanmeldungen, von Anmeldungen in den USA ganz zu schweigen. Um wettbewerbsfaehig zu bleiben muss Oesterreich diesen Weg einschlagen. Einige Unis und Institute in der Schweiz und Deutschland machen das schon erfolgreich vor....

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