Leser-Kommentar: 9/11 ist jedes Jahr!

Leser-Kommentar | 12. September 2011, 10:54

Hunderte Kameras filmten vor zehn Jahren die Anschläge in New York. Jetzt kann uns Jahr für Jahr eine Art "ungeschnittener Oliver-Stone Film" daran erinnern, wer die Bösen sind und was sie tun, wenn wir sie nicht bekämpfen

Da jedermann mit einem funktionierenden Fernseher mittlerweile jedes noch so grobkörnige Bild des Anschlages kennt und jede Meinung jedes Feuerwehrmannes oder Polizisten, der damals dabei war, schon einmal gehört hat, versuchten Medien auch heuer wieder andere Blickwinkel zu finden. So wurden viele prominente Personen befragt, wo sie denn am damals gewesen wären - am Tag des Anschlages, was sie denn gemacht hätten, damals - am Tag des Anschlages und es stellte sich heraus, dass manche Prominente daheim waren und manche nicht. Sapperlot! Auch wurde heuer wieder verstärkt darüber nachgedacht, ob es vielleicht doch nicht zwei des Fliegens ungeübte Al Kaidada Terroristen gewesen wären, die drei Gebäude mit zwei Boeings eingeebnet hatten - vielleicht war es doch der CIA oder der Dick/Bush, oder alle gemeinsam mit dem Herrn Rumsfeld, wie wohl ich ganz persönlich denke, dass diese Variante aus Rücksicht auf den intellektuellen Zustand der damals Regierenden nicht weiterverfolgt werden sollte. Kein Medium kann es sich jedenfalls leisten, das Attentat nicht zu thematisieren und dass der mediale Hype anlässlich des zehnten Jahrestages des Anschlages besonders heftig sein würde und bereits lange vor dem Jahrestag beginnen würde, war auch klar.

Die Reaktionen auf Terroranschläge in den USA und in Norwegen

War´s das also? Ein furchtbarer Anschlag auf das Leben vieler Unschuldiger, wird durch die Tatsache, dass ihn hunderte Kameras live filmten, zu einer Art ungeschnittenem Oliver-Stone Film, der nun jeden September in voller Länge auf jedem Sender läuft und der uns immer und immer wieder aufs neue daran erinnert, wer die Bösen sind und was sie tun, wenn wir sie nicht bekämpfen?
Die Reaktion der USA ist jedenfalls bekannt. Einerseits der Krieg gegen den Terror im Ausland, erst gegen Saddam Hussein, dann gegen die Taliban, der neben unzähligen Todesopfern und unglaublichen Kollateralschäden auch dazu geführt hat, dass die dadurch entstandenen Staatsschulden der USA eine zweite Wirtschaftskrise (mit-)verursacht haben, andererseits eine eklatante Verschärfung einschlägiger Überwachungsgesetze bzw. die fast schon obszöne Ausweitung von Polizeibefugnissen.
Dass es auch anders geht, hat uns Norwegen erst in diesem Sommer beigebracht. Nach den schrecklichen Attentaten in Oslo und auf der Ferieninsel, hat Norwegen seine Gesetze nicht reflexartig verschärft. Sie haben auch keine Sondergerichtsbarkeit für Rechtsradikale eingeführt, oder der Polizei oder den Geheimdiensten heimlich die Regierung des Landes überlassen. Trotz aller gebotenen Aufarbeitung der Vorgänge hat man in Norwegen die Gesetzeslage als ausreichend scharf erkannt und hat sich parteienübergreifend zur Meinungsfreiheit und zu den Bürgerrechten bekannt.

Und wohin soll das führen? Ist es also so, dass die USA böse sind und dass in Norwegen nur Verfassungsschützer wohnen? Das zu glauben wäre naiv und den tausenden Opfern von WTC gegenüber zynisch.

Reaktion eines Rechtsstaates

Terroristen können nicht "totgewünscht" werden und jegliches Appellieren an ein (westliches) Gerechtigkeitsgefühl oder etwa an Mitgefühl für unschuldige Menschen wird bei - in welche Richtung auch immer - hochgradig fundamental-hysterischen Menschen umsonst sein. Diesbezüglich wird eine Anpassung der Rechtslage und der Polizeibefugnisse nicht zu umgehen sein. Der Rechtsstaat wird sich aber deutlich vom Unrechtsstaat unterscheiden, wenn Maßnahmen vor ihrer Einführung ausführlich auf ihre Notwendigkeit (in der Gesellschaft und von Fachleuten) diskutiert werden und nicht im Reflex als Folge von schrecklichen Fernsehbildern verordnet werden. Vielleicht klarer ausgedrückt: Dass als Reaktion auf den Anschlag in Norwegen österreichischen Polizisten das Recht gegeben werden könnte, das Internet und meine e-mails präventiv auf geistige Untiefen hin zu überprüfen, halte ich für äußerst überzogen.

Vielleicht sollte sich ein solches überparteiliches Gremium aus Fachleuten dann auch gleich mit seinerzeit überschwänglich eingeführten Gesetzen beschäftigen und gegebenenfalls ernsthaft deren Abschaffung anregen. Auf diese Weise hätte man sich glatt den zeitraubenden und steuergeldvernichtenden Tierschützerprozess erspart, in dem meisterlich erkannt wurde, dass Tierschützerorganisationen üblicherweise keine mafiösen Strukturen haben.

So wird also 9/11 weiterhin jedes Jahr in einer mehr oder weniger ungeschnittenen Fassung im Fernsehen zu sehen sein. Solche terroristischen Monstrositäten sollten aber nicht zum Anlass genommen werden, Bürgerrechte auf Verdacht hin scheibchenweise so zu demontieren, bis ich womöglich irgendwann in China aufwache! (Leser-Kommentar, Michael Bartsch, derStandard.at, 12.9.2011)

Autor

Michael Bartsch, Jg 1966, arbeitet als Jurist in Wien.

tignosa
00
30.9.2011, 00:16
bei allem Schauder über das, was da in den USA passiert ist, soll man nicht vergessen

dass es noch ein Land in Amerika gibt, das durch einen 11. September in eine Katastrophe gestürzt wurde, und zwar in eine, die das Ausmaß dessen, was den USA angetan wurde, bei Weitem übersteigt. Diese Land heißt Chile, am 11. September 1973 geschah jener Putsch, der dem Land eine 17 Jahre dauernde blutrünstige Diktatur bescherte. Der eine Drahtzieher der chilenischen Tragödie (Pinochet) ist friedlich entschlafen, ein anderer (Ex- US- Außenminister Kissinger) hat den Friedensnobelpreis erhalten. Viele Täter rennen noch frei herum und werden wohl nie zur Verantwortung gezogen werden. Im Unterschied zu Drahtzieher Bin Laden, der (angeblich) getötet wurde und daher auch nicht zur Verantwortung gezogen werden kann...

Franz_Josef
12
12.9.2011, 19:40
Naja, einige Bundesstaaten gehen in Richtung Neuuntersuchung

Wichtig dabei, es gibt neue Fakten:

Die Towers wurden gesprengt!

Ein Fachkommentar:
"Thermitbomben könnten verwendet worden sein, Eisen(2)-Oxid ist das Abfallprodukt, ein weißer Funkensprühregen, der bei einer Kerosinexplosion nicht auftaucht, hat man von allen möglichen Seiten gefilmt, und zwar in den weit darunterliegenden Stockwerken 30-50 (Einschlag Flugzeug war 90). "

Die Beobachtung:
WTC1 und 2 lösten sich von oben nach unten in Staub auf, WTC7 aber von unten nach oben. Hat jeder gesehen.

Die Frage:
Wieviel Kilo Nanothermit waren nötig für die DREI Türme?

Das wurde z.B. noch nicht untersucht.

Knochenmann
00
12.9.2011, 20:12

Nanothermit - wenn normales Thermit nicht cool genug ist!

EUphoriker
00
14.9.2011, 19:50
PS: ergänzung:

um genau zu sein eine mikrotonne femtothermit

Knochenmann
00
15.9.2011, 19:10

"Fentothermit - falls eine Boing und Nanothermit nicht reicht".

EUphoriker
00
14.9.2011, 19:49
Femtothermit

Sebastian Polterabend
 
02
12.9.2011, 13:05
Ein paar sehr schöne Gedanken!

Aber auf dieser Plattform unbeliebt. Ich denke mir bei dem jährlich noch mehr ausufernden Medienporno, dass wir, wenn wir "der Opfer von 9/11 gedenken" sollen, zu aller erst an uns selbst denken sollten.

Unsere "freie westliche Gesellschaft", unsere "Rechtsstaaten" haben an diesem Tag vor 10 Jahren so viel verloren - und das durch die Hände unser eigenen "gewählten" Volksvertreter.

Ich habe dazu auch eine kleine Geschichte geschrieben:
http://cbx.amadyne.net/blog/arti... -aufgeregt

Fritz Wunderlich
31
12.9.2011, 11:38
"Dass es auch anders geht, hat uns Norwegen erst in diesem Sommer beigebracht." - tja, aber nur weil sich anders gleich gestellt hat

hätte er eine organisation gehabt, weltweit vernetzt, und hätte nicht er persönlich, sondern stellvertreter in den massenmord geschickt, hätte norwegen höflich bei den usa um hilfe angefragt

und die rechtspopulisten in norwegen, haben sich öffentlich distanziert und trauern mit den opfern
im vergleich dazu kamen viele meldungen von jubel auf der islamisch-arabischen strasse bei nineeleven, nur die gerade zt beseitigten regime von mubarak, ali, .. äußerten öffentliches bedauern

der unterschied, ob integrative sozialisten an der regierung in norwegen sind, einem bis aufs erdöl weltpolitisch unbedeutenden land, oder republikaner in den usa, der weltmacht, deren rechtsaußen heute mitte, tea party, ist, sollte geläufig sein, oder nicht?

K. K. Lacke
00
12.9.2011, 14:07
mit dem sinnerfassenden Lesen scheinen sie ja ziemliche Schwierigkeiten zu haben

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