Gaddafi-Sohn Saadi flüchtet in den Niger

12. September 2011, 06:21
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Ex-Fußballprofi in einem Konvoi aufgegriffen - Rebellenchef Mahmud Jibril kündigt baldige neue Übergangsregierung an - Es wird wieder Öl produziert

Niamey/Tripolis - Immer mehr enge Familienmitglieder des gestürzten libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi setzen sich ins Ausland ab. Gaddafis Sohn Al-Saadi wurde am Sonntag im Nachbarland Niger aufgegriffen. Der 38 Jahre alte Ex-Fußballprofi sollte in die Hauptstadt Niamey gebracht werden. Die Regierung gab humanitäre Gründe für die Aufnahme an. Unterdessen kommen drei Wochen nach dem Fall der libyschen Hauptstadt Tripolis die Aufständischen bei der Zerschlagung des letzten Widerstands nicht wie gewünscht voran.

Al-Saadi ist bereits das vierte von acht Kindern Gaddafis, das im Ausland Zuflucht gefunden hat. Zuvor war Ende August die zweite Ehefrau des untergetauchten Ex-Machthabers, Safija al-Gaddafi, mit der Tochter Aisha und dem Sohn Hannibal nach Algerien geflüchtet. Mit dabei war auch Gaddafis ältester Sohn Mohammed, der aus erster Ehe stammt. Wo sich Ex-Diktator Gaddafi aufhält, ist weiterhin unklar.

Dagegen wird immer klarer, dass die Fluchtroute von Führungsmitgliedern des Gaddafi-Regimes in Sebha beginnt und dann entweder in Richtung Algerien oder Niger durch die Wüste führt. Deshalb begannen Rebellen am Wochenende damit, die 600 Kilometer südlich von Tripolis gelegene Stadt zu umzingeln.

Gaddafi-Generäle flohen bereits zuvor aus Libyen

In das Nachbarland Niger waren in den vergangenen Tagen bereits ranghohe Generäle Gaddafis geflüchtet. Die Regierung des Landes gibt an, dass sie die Wüstengrenze zu Libyen nicht vollständig überwachen könne.

Der Kampfeswille der letzten Anhänger Gaddafis sei unterschätzt worden, zitierte der arabische Nachrichtensender Al-Jazeera am Montag indes einen Sprecher des Übergangsrates. Trotz aller Angriffe der Aufständischen kontrollieren Gaddafi-Kämpfer weiterhin vier Städte - Sirte (Surt), die Geburtsstadt Gaddafis, Bani Walid, die Oase Jufra und die Garnisonsstadt Sebha im Süden. Ein Ultimatum der Übergangsregierung, die Waffen niederzulegen, war in der Nacht auf Samstag abgelaufen.

Bei ihrem Sturm auf Bani Walid stießen die Rebellen auf erbitterten Widerstand. Sie lieferten sich heftige Straßenkämpfe mit rund 1.000 Getreuen Gaddafis, teilte der Nationale Übergangsrat am Montag mit.

Der Sturm auf Bani Walid wird nach Informationen von Al-Jazeera durch einen Zwist unter den Rebellen behindert. Demnach wollen Kämpfer, die in der Wüstenstadt aufgewachsen sind oder aber zum gleichen Stamm, den Warfalla, gehören, Bani Walid selbst befreien. Erfahrene Kämpfer der Rebellen aus andere Landesteilen würden an die Seite gedrängt. Nach Informationen von Al-Jazeera versuchen Gaddafi-Loyalisten in Bani Walid, die Einwohner einschüchterten. Sie hätten unter anderem auch das Gerücht in Umlauf gesetzt, dass die Rebellen die schönsten Mädchen für sich behalten wollten.

Rebellen rücken nach Sirte vor

Gleichzeitig rückten die Rebellen nach Sirte (Surt) vor. Der Widerstand der Gaddafi-Einheiten schien auch andernorts nicht vollständig gebrochen. 20 Kilometer von der Hafenstadt Ras Lanuf entfernt griffen Truppen des langjährigen Machthabers Augenzeugen zufolge eine Öl-Raffinerie an. Dabei seien zwei Menschen verletzt worden, hieß es weiter.

Während sich in Libyen die letzten Verbliebenen des Gaddafi-Regimes weiter an die Macht klammern, konzentriert sich der Übergangsrat auf die Zukunft des Landes. Binnen zehn Tagen solle eine offizielle Übergangsregierung gebildet werden, kündigte Mahmoud Jibril am Wochenende an. Der 59-Jährige ist derzeit de facto Regierungschef.

Der Genfer Staatsanwalt Yves Bertossa würde wieder so handeln wie 2008. Damals lies er Hannibal Gaddafi, einen Sohn Gaddafis, verhaften. Zum ersten Mal äußerte sich Bertossa öffentlich zur Verhaftung von Hannibal Gaddafi, die zu einer diplomatischen Krise zwischen der Schweiz und Libyen führte. "Genf hat nur seine Arbeit getan", sagte der Staatsanwalt am Montag in einem Interview in der Genfer Tageszeitung "Tribune de Geneve". (APA)

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"Der 59-Jährige ist derzeit de facto Regierungschef. "

eine andere bezeichnung für diktator.

gegen saadi gibt es keinen internationalen haftbefehl. und - wenn die berichte stimmen - ist dort ja nicht einmal illegal eingereist.

hat man sich eigentlich schon einmal gedanken darüber gemacht, dass man nicht eine ganze sippe für verbrechen anschuldigen kann, die einer oder zwei - oder im endeffekt eine ganze reihe von namenlosen "beamten", "staatsdienern" gemacht haben, die sich dann hinter dem "machthaber" verschanzen?
familienmitglieder haben in der regel sogar das recht, zu ihren familien zu stehen.

ich bin jedenfalls für faire gerichtsverfahren und eine faire behandlung aller!

auch wenn ich große sorge habe, wenn der hinterhof der unruhestifter verstärkung bekäme. man kann auch dieses land nicht zur internationalen selbstjustiz drängen.

Sackerl übern Kopf und ab one way Tripolis mit dem guten Saadi. Sein Löwe braucht Futter.

@EdwinTheMan

entspricht der NATO Strategie keine Zeugen.

....Austritt im Vertrag nicht vorgesehen...Spindelegger

Spindelegger schert sich weder um den Neutralitätsvertrag noch um den EU Vertrag. Im EU Vertrag war nicht vorgesehen, dass Österreich jemals für Griechenland Bürgschaften übernimmt, schon gar nicht 2 Milliarden € (28 Milliarden Schilling!).
Nun das Volk zu pflanzen indem man ihm fälschlich suggeriert, der Vertrag verbiete den Austritt oder Hinauswurf eines Landes, das ist das Sahnehäubchen auf der Bürgerverarsche.

China erkennt den NTC als neue libysche Führung an.

@Bundesministerium für Jenseitige

Das Risiko - wie die NTC Halbwertszeit - ist für China gering. Chinesen sind Strategen, bessere.

ohja, so geniale strategen, dass sie noch ende juli dieses jahres anvisierte waffengeschäfte mit gaddafi in höhe von 200 mio USD samt paper trail hinterlassen haben, was die neue libysche regierung gleich dazu bewogen hat, die chinesen mal in allen geschäftlichen belangen nachrangig zu behandeln...

nicht mal die islamischen alkaida kämpfer anerkennen ihren ntc so richtig, das wird noch lustig..

Was sagt der Präsident der Republik Al-Kaida genau?

fehlt ihnen das sprachliche feingefühl, um zu erkennen, dass ich das wort "anerkennen" in einer anderen bedeutung gebraucht habe als sie?

Ich hoffe das Gemetzel hat bald ein Ende

darf man "niger" überhaupt schreiben?

regt sich da eh niemand auf?

The niger river is the principal river in west africa

"Kämpfer der Rebellen-Milizen unternahmen am Sonntag erneut keinen ernsthaften Anlauf, die von Gaddafi-Anhängern besetzte Wüstenstadt Bani Walid einzunehmen."

Warum sagen dann andere Quellen, dass Bani Walid vom neuen Regime angegriffen wurde, die Angreifer aber nach schweren Kämpfen zurück geschlagen wurden?

Unwissenheit, Lüge oder Desinformation?

Wozu einen frontalen Sturmlauf riskieren?
Die Aufständischen haben Zeit genug, den Widerstand der letzten G Loyalisten zu knacken.
Da wird systematisch und methodisch vorgegangen.
Mit einem anderen Wort: intelligent.
Ein Wort, das der Saif nicht kennt. ;))

Troll

Intelligenz macht den Unterschied. ;)

Da die Gaddafi Anhänger aber wohl Zivilisten einschüchtern und quälen und evtl. jeden erschiessen der nicht mitmacht, wäre es wohl intelligenter schnell einzugreifen, als zuzuschauen. Was ist dann in 3 Monaten wenn die Städte aufgeben, und tausende Zivilisten fragen: "Warum habt ihr uns nicht geholfen?"
Nunja, man kann sich ja die Meinung jedesmal zurechtschneidern.

Da die Gaddafi Anhänger aber wohl Zivilisten einschüchtern und quälen und evtl. jeden erschiessen der nicht mitmacht

Wie lange hat es bei anderen Städten gebraucht?
Der Konflikt hat am 15. Februar begonnen.
Man muss sich einfach die Zeit nehmen,
um nicht unnötig Leben zu riskieren.
Es ist besser, langsam und methodisch ranzugehen, systematisch die G Loyalisten zu überwältigen.

Nicht zu vergessen: die G Loyalisten verschanzen sich in bewohntem Gebiet.
Deshalb brauchts umso länger, will man Zivilisten nicht unnötig gefährden.

was für ein ausgemachtes märchen

So weit ich das verstanden habe, wird Bani Walid nur mit Freiheitskämpfern aus Bani Walid angegriffen. Diese Stadt scheint auch weitläufig zu sein (ca. 8-10 km Länge). Der erste Vorstoß sollte gleichzeitig mit einem Aufstand einhergehen. Der ist aber nicht erfolgt. Es sollen erst einmal keine Truppen aus Misrata oder anderen Städten hinzugezogen werden um die Situation nicht noch komplizierter zumachen.

@Killer Bunny

Sie verstehen das falsch, unter Nachbarn gibt es oft alte Rechnungen zu begleichen, lediglich NATOs Beistand zu solchem der ist Neu.

http://www.telegraph.co.uk/news/worl... sault.html

Der "Schutz" der Zivilisten hat mittlerweile 50.000 Opfer gekostet, sagt die Rebellenregierung.

Nato sagt wir wollen mehr Zivilisten zu Tode schützen.

Wann tritt der Umkehrpunkt ein, der Zeitpunkt ab dem die Geschichte nicht mehr glaubwürdig ist, 100.000, das Doppelte, eine halbe Million bis zum Eineinhalbfachen wie im Irak?

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