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Unter den österreichischen Filmemachern ist Michael Glawogger schon deswegen ein Unikat, weil er sich nicht einfach in eine Schublade stecken lässt. Glawogger dreht turbulente Komödien (Slumming, Contact High), die sich von Einheitsware durch Verve und Versponnenheit unterscheiden, ernsthafte Spielfilme (Das Vaterspiel), die auf literarischen Vorlagen basieren, und schließlich auch noch stilistisch aufwändige Dokumentarfilme, die bevorzugt in entlegene Zonen dieses Planeten führen.
Festlegen auf ein Erfolgsmodell will sich dieser Mann jedenfalls nicht. Daran wird wohl auch der Spezialpreis der Jury, den Glawogger am Samstag für seinen neuen Dokumentarfilm Whores' Glory bei der Nebenschiene Orizzonti des Filmfestivals Venedig erhielt, nichts ändern; zu sehr reizt ihn das Widersprüchliche, das Austesten von Limits - die Vielseitigkeit ist bei Glawogger eine Variante von Abenteuerlust.
Internationale Anerkennung hatte der gebürtige Grazer bereits mit seinen vorangegangenen Filmessays Mega- cities (1998) und Workingman's Death (2005) erlangt, die Filme liefen weltweit auf Festivals. Mit seinem Triptychon zur Prostitution, das von Thailand über Bangladesch bis nach Mexiko führt, legt er nun seine bisher überzeugendste Arbeit vor: einen Film, der seinen Protagonistinnen stets auf Augenhöhe begegnet und in dem der Regisseur anders als in früheren Werken nicht mehr zum Überästhetisieren neigt.
Glawogger, der im Dezember 52 Jahre alt wird, hat am San Francisco Art Institute und der Wiener Filmakademie sein Handwerk erlernt und sich längst nicht nur als Regisseur versucht. Für Ulrich Seidl und Michael Sturminger ist er hinter der Kamera gestanden, Christof Schertenleib, David Rühm und Wolfraum Paulus haben seine Drehbücher verfilmt. Seit 2004 dreht er vorwiegend selbst Filme, und zwar in rascherer Abfolge als die meisten seiner Kollegen.
In einer Standard-Umfrage nach dem Proust-Modell hat Glawogger einmal gemeint, er wollte als Kind Wildhüter werden. Das passt auch noch für sein Selbstverständnis als Filmemacher, bloß sind sein Jagdrevier mittlerweile die ganze Welt und die absonderlicheren Lebensbedingungen der Menschheit sein Thema. Die Kreise, in denen er sich bewegt, können einmal größer, einmal kleiner ausfallen - vielleicht lässt sich Michael Glawogger adäquat als globaler Filmemacher mit Liebe zum Lokalkolorit bezeichnen. (Dominik Kamalzadeh/DER STANDARD, Printausgabe, 12. 9. 2011)
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