Den Wunderwuzzi oder die Kaisermühlen-Rakete werden sie nicht finden - Sich einmal etwas zu trauen, dazu sind sie nicht fähig
In der ÖVP -Spitze hat eine Frau keine Chance. Außer sie wirkt und werkt wie ein Mann. Das Beispiel: Maria Fekter. Die Wiener Obfrau Christine Marek ist von den Männern regelrecht abmontiert worden, nachdem sie im Wahlkampf ihr liberales Image gegen ein stockkonservatives, das der Wiener Partei, getauscht hatte.
Jetzt hat die einst zweitstärkste Kraft die historische Chance, eine echte Kleinpartei zu werden. Das wissen seit Freitag fast alle politisch Interessierten. Die in der Wiener ÖVP noch nicht, weil sie seit Jahren Mühe haben, die Zeichen der Zeit zu erkennen.
Da sich die Obmannsuche bis Weihnachten ziehen könnte oder sich überhaupt als Faschingsscherz entpuppt, ahnen viele das mittlerweile Unvermeidliche: Mit dem Wiener Desaster ist die schwarze Niederlage bei den nächsten Nationalratswahlen besiegelt.
Mit ihrem seriösen, aber als Spitzenkandidat viel zu braven Michael Spindelegger hat die Volkspartei Mühe, zwanzig Prozent der Stimmen zu erreichen. Hoffentlich genug, um für eine SPÖ, die mit plakativen Krise-Forderungen (zum Beispiel Vermögenssteuer) ihre Klientel bedient, erneut den Koalitionspartner zu spielen.
Österreich wählt statt im Herbst 2013 möglicherweise schon im Herbst 2012. Die schwarze Krise in Wien könnte die Neigung der SPÖ verstärken, eine Entscheidung zu suchen. Außer irgendein neuer Skandal beschädigt sogar die Sozialdemokraten. Dann trauen sich selbst die nicht, in eine vorgezogene Wahl zu gehen. Für SPÖ-Chef Werner Faymann wäre dieses Datum jedenfalls das beste, weil man auch der FPÖ das Gerede von der "Sauberkeit" und den "Tüchtigen" nicht mehr glaubt. Bleibt nur Heinz Christian Straches Feschak-Image.
So einen glaubt ja auch die ÖVP in ihrem jungen Staatssekretär Sebastian Kurz gefunden zu haben. Der hat öffentlich abgelehnt, sich mit Wien anzupatzen. Christine Marek wollte zunächst auch nicht. Dann wurde sie bekniet. Aber Kurz weiß genau: Eine Suizid-Partie wie die Schwarzen bringt ihre wenigen Hoffnungen mit der ihr eigenen Neigung zum Untergang auf dem Schindacker um.
Den Wunderwuzzi oder die Kaisermühlen-Rakete werden sie nicht finden. Sich einmal etwas zu trauen, dazu sind sie nicht fähig. Wer will schon, außer er steht selber am Rande des Abgrunds, eine Konkursmasse übernehmen. Als "Is eh alles wurscht"-Option. Das gilt für Frauen noch mehr als für Männer. Weshalb sich auch die Quereinsteiger-Variante vermutlich von selbst erledigt.
Diese personelle Misere einer Partei, die eben einen ihrer erfolgreichsten Obmänner, nämlich Schüssel, verabschiedet hat, betrifft nicht nur Wien, sondern die gesamte Bundesebene. Der SPÖ geht es besser, aber halt auf niedrigerem Niveau als jemals davor.
Dass jene Journalisten, die sich geistreiche und politologisch oder ökonomisch beschlagene Interviewpartner wünschen, immer häufiger bei Politik-Pensionisten landen (Busek, Lacina, Khol etc.), ist symptomatisch für den Zustand der Spitzenpolitik. Das strahlt aus. Und erschwert das Finden guter Köpfe. (STANDARD-Printausgabe, 12.9.2011)