Drei Tote und 1049 Verletzte

Kairo: Israelische Botschaft gestürmt

10. September 2011, 10:19

Drei Tote und 1000 Verletzte bei Unruhen - Gerüchte über Rücktritt der ägyptischen Regierung

Tel Aviv/Kairo - Wütende Demonstranten haben in Kairo die israelische Botschaft erstürmt. Der Botschafter wurde in der Nacht zum Samstag in einer dramatischen Rettungsaktion zusammen mit mehr als 80 weiteren israelischen Bürgern in die Heimat zurückgeholt. Die ägyptische Regierung wurde zu einer Krisensitzung einberufen. Die Polizei wurde in höchste Alarmbereitschaft versetzt.

Bei dem Angriff auf die israelische Botschaft in Kairo seien drei Menschen ums Leben gekommen, es habe zudem 1049 Verletzte gegeben, teilte das ägyptische Gesundheitsministerium am Samstag mit. Darunter seien auch 46 Polizisten und Soldaten. Sie hatten versucht, die Erstürmung der Botschaft in der ägyptischen Hauptstadt zu verhindern.

Die Demonstranten hatten zunächst eine Schutzmauer vor der Botschaft niedergerissen und dann das Bürohochhaus gestürmt, in dem die diplomatische Vertretung untergebracht ist. Aus dem Konsularbereich in einem der oberen Stockwerke des Gebäudes warfen sie dann Dokumente aus den Fenstern.

Die eigentliche Botschaft ist im 20. und 21. Stock untergebracht. Die Demonstranten zündeten Autoreifen an, mindestens zwei Autos nahe des Botschaftsgebäudes standen in Flammen. Die Polizei setzte Tränengas ein und gab Warnschüsse in die Luft ab.

500 Demonstranten auch am Samstag

Am Samstagmorgen harrten noch rund 500 Demonstranten vor dem Haus am Ufer des Nils aus. Einige von ihnen warfen mit Steinen auf Polizisten und Soldaten. Die Sicherheitskräfte drängten die Demonstranten aber schließlich zurück.

Israel flog seinen Botschafter und weitere Bürger mit eigenen Militärmaschinen aus Ägypten aus. Sie seien in einer geheimen Aktion unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen aus der Botschaft in Kairo zu einem Flughafen gebracht worden, sagte ein ranghoher israelischer Regierungsvertreter. Dort habe eine Maschine der israelischen Luftwaffe bereit gestanden. "Keiner der Israelis wurde verletzt", sagte der Sprecher.

Botschafter Yitzhak Levanon sowie 80 Diplomaten, Familienangehörige und andere Israelis landeten wohlbehalten in der Heimat. Weitere sechs israelische Sicherheitsbeamte und Diplomaten, die zunächst in der Botschaft festgesessen hätten, seien von einem ägyptischen Sonderkommando befreit worden, berichtete der Sprecher. Sie seiend Stunden nach dem Botschafter zu einer zweiten israelischen Maschine gebracht und ausgeflogen worden.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyau dankte US-Präsident Barack Obama und den ägyptischen Behörden für ihre Hilfe bei der Rettung der Diplomaten. Netanyau habe nachts mehrmals mit den sechs eingeschlossenen Sicherheitsleuten und Diplomaten telefoniert und versprochen, alles für ihre Rettung zu unternehmen, berichtete der Sprecher.

"Der Angriff des Mobs auf die israelische Botschaft in Ägypten ist eine ernste Angelegenheit, aber es hätte viel schlimmer ausgehen können, wenn es den Angreifern gelungen wäre, auch die letzte Tür zur Botschaft aufzubrechen und unsere Leute zu verletzen", habe Netanyau gesagt.

Gerüchte über Rücktritt der Regierung

In Kairo kursierten Gerüchte über einen möglichen Rücktritt der Regierung von Ministerpräsident Essam Sharaf. Ein Rücktritt werde erwartet, weil die Regierung die Lage nicht unter Kontrolle bekommen habe, berichtete die halbamtliche ägyptische Zeitung "Al-Ahram". Sharaf steht einer Übergangsregierung vor; die eigentliche Macht liegt seit dem Sturz des Regimes von Hosni Mubarak beim Militärrat.

Obama forderte die ägyptische Regierung auf, ihren internationalen Verpflichtungen nachzukommen und die Sicherheit der Botschaft zu gewährleisten. Auch Deutschlands Außenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilte die Erstürmung der israelischen Botschaft in Kairo. Er erwarte, dass die ägyptischen Behörden den Schutz der Botschaft gemäß den internationalen Verpflichtungen sicherstellten, teilte das Auswärtige Amt am Samstag in Berlin mit. Eine weitere Eskalation müsse unbedingt vermieden werden.

Auslöser der seit Wochen andauernden Proteste vor der Botschaft war der Tod von sechs ägyptischen Grenzpolizisten, wie die ägyptische Tageszeitung "Al-Masry al-Youm" berichtet - bisher war von fünf Getöteten die Rede gewesen. Israelische Sicherheitskräfte hatten die Soldaten bei der Verfolgung mutmaßlicher palästinensischer Terroristen an der ägyptisch-israelischen Grenze vor drei Wochen erschossen.

Ägypten ist neben Jordanien das einzige arabische Nachbarland, das einen Friedensvertrag mit dem jüdischen Staat hat. Seit dieser im Jahr 1979 geschlossen wurde, haben die USA Ägypten milliardenschwere Militärhilfe zukommen lassen. (APA)

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Tschuri Cazzino
 
00
12.9.2011, 10:11
Sicher, die persönliche Schuld der israelischen Botschaftsangehörigen in Ägypten mag

höchst unterschiedlich und im Einzelfall verschwindend gering sein, dass die Ägypter allerdings der Meinung sind, dass es in Ägypten keine israelische Botschaft braucht, ist nachvollziehbar. Denn im Sinne des ägyptischen Volkes hat diese seit Jahrzehnten nicht agiert. Humaner wäre es selbstverständlich gewesen, wenn die ägyptische Regierung eine offizielle Aufforderung mit einer angemessenen Frist zum sicheren Verlassen des Landes getätigt hätte.

Wrdl Wrldbrmpfd
00
12.9.2011, 13:03
Auch keine Ahnung von Diplomatie

... nicht nur von Geschichte.

Die Botschaft eines Landes hat nicht die Aufgabe, die Interessen des Gastlandes zu wahren sondern die des eigenen landes zu vertreten. Sie sind nämlich die VERTRETUNG des jeweils eigenen Landes, nicht die Berater.

Es ist also nicht weiter erstaunlich, dass die isr. Niederlassung, wie auch die öst, frz, usw... nicht im Interesse des ägyptischen Volkes agiert, denn das ist nicht ihre Aufgabe.

Eine angemessene Frist... das wäre der Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Sie haben wohl keine Ahnung, was das bedeutet, liege ich da richtig?

Ihre Ressentiments gegen Israel sind das, was sie sind: Ressentiments, egal, in welche anderen Worte sie sie kleiden wollen.

Tschuri Cazzino
 
00
12.9.2011, 21:01
Zunächst mal würde ich an Ihrer Stelle nochmals Ihren Einleitungssatz lesen, ihn korrigieren und dann noch mal von vorne beginnen.

Denn es ist klar, dass Sie in Ihrer Verwirrung etwas anderes geschrieben als gemeint haben. - Andererseits - Schwachsinn bleibt es wohl auch in der korrigierten Version.

Nun zum eigentlichen Irrtum: Aufgabe einer Botschaft ist im Widerspruch zu der von Ihnen getätigten Aussagen keineswegs die ausschließliche Vertretung der Interessen des Heimatlandes, sondern auch die Pflege der Beziehungen zum Gastland.

Wrdl Wrldbrmpfd
25
11.9.2011, 13:20
Es ist erschreckend

wie viele Poster hier jeden Araber freudig über die Klinge springen lassen würden, nur damit Israel eine in die Goschen kriegt.

Es wird ausgeblendet, dass etwa 0,4% der Muslime, die in den letzten Jahren gewaltsam zu Tode kamen, auf das Konto des 'Nahostkonfliktes' gehen. Die übrigen 99,6% (das sind Millionen) interessieren hier keine Sau.

Es wird ausgeblendet, dass die Kleptokratien im Arabischen Raum antisemitische Hetze in ungeheurem Ausmaß betreiben. Wenn gehetzt wird wie bei uns in den 30ern, darf man sich nicht wundern, wenn der Mob Pogrome durchzieht!

Aber Hauptsache, man kann seinen Ressentiments freien Lauf lassen. Da haben welche aus der Geschichte nichts gelernt.

Kara Mustafa
 
00
12.9.2011, 10:51

Erschreckend und widerwärtig. Danke für Ihren Kommentar.

Tschuri Cazzino
 
00
12.9.2011, 10:05
"Aber Hauptsache, man kann seinen Ressentiments freien Lauf lassen. Da haben welche aus der Geschichte nichts gelernt."

Oder wie Sie, im Geschichtsunterricht ganz gefehlt.

Wrdl Wrldbrmpfd
00
12.9.2011, 22:04
@ Mein Kampf Standardlektüre in Ägypten

Da habe ich zugegeben extrapoliert. Während eines Gastvortrages an der Uni von Kairo kam die Sprache auf Literatur aus Österreich: die Studenten (und Absolventen) waren basserstaunt, dass Mein Kampf in Österreich nicht im Handel erhältlich ist, wo sie das alle zumindest auszugsweise in der Schule (!) gelesen hatten.

Ich habe es nicht geglaubt, wurde aber eines besseren belehrt. Das Buch war in den Buchhandlungen in recht prominenter Stelle überall zu kaufen. Weitere 'Umfragen', die meine 'Lügengeschichte' belegen können, habe ich nicht unternommen.

Wrdl Wrldbrmpfd
01
12.9.2011, 12:59
In dem Geschichtsunterricht, den Sie offenbar genossen haben,

habe ich ganz sicher gefehlt. Gott sei dank!

Wenn man die Massen über Jahrzehnte aufhetzt, und nichts anderes ist in den arab. Ländern bezüglich der Juden und Israel geschehen, sei es in Filmen, Büchern (Mein Kampf ist in Ägypten Standardlektüre!), Zeitungen, Nachrichten, dann - und nur dann - darf man sich nicht wundern, wenn es zu Gewalt kommt. Das sollte man in einer aufgeklärten Gesellschaft wissen, wenn man denn Aufklärung zu einer Tugend zählt und nicht zu einem Hindernis auf dem Weg zum Gottesstaat.

Tschuri Cazzino
 
00
12.9.2011, 21:05
"Mein Kampf ist in Ägypten Standardlektüre!"

Sie sollten Ihre Lügengeschichten etwas plausibler wählen.
Wie belegen Sie Ihre Behauptung? Wie hoch ist der Promilleanteil der Ägypter, die "Mein Kampf" kennen? Welcher Promilleanteil dieses Promilleanteils hat mein Kampf gelesen? Um welche Potenz ist dieser Promilleanteil von "Mein Kampf"-Kennern in Ägypten höher als z.B. in Ö. wo "Mein Kampf" nachweislich NICHT Standardlektüre ist.

CinnamonGirl
12
11.9.2011, 13:15

schon wieder dient israel als blitzableiter für alte gestaute frustrationen.

sogar 4 tote hats gegeben.
ob israel sich auch dafür entschuldigen muss?

ali salod
14
11.9.2011, 00:12

interessant, wie viele "Linke" den rechtsextremen antisemitischen Scheiss gutheißen.

BBC
10
11.9.2011, 16:14

wie kommen sie auf die "Linken"
Ist doch eher eine christliche Tradition, denken wir an Lueger. Hier finden wir über 120 Jahre alte tiefe Wurzel.

Tschuri Cazzino
 
40
10.9.2011, 23:23
Will man in 10 Jahren Demokratien im arabischen Raum, oder

soll Israel weiter existieren.

Mit etwas Glück trifft weder das eine noch das andere ein, beides zugleich wird es sicher nicht spielen.

CinnamonGirl
02
11.9.2011, 14:49

schwänzchen, sie errinern mich an die prophezeier der arabischen liga anno 1948. die haben sich mächtig geirrt.

heimat bist du kleiner zwerge
40
10.9.2011, 23:20
Wo bitte .....

... ist mein Posting von vor über 2h, nachdem es schon veröffentlicht war, auf einmal wieder hin - hat der Herr Edlinger erfolgreich interveniert ???
Ein bissl mehr Unabhängigkeit hätte ich euch schom zugetraut - bin mir keiner Schuld bewusst!

free spirit
74
10.9.2011, 21:34
irgendwanneinmal stört die nachbarn

das offensicht5lich zu jeder gewalttat berechtigende "auserwähltes volk- gehabe"...

rioja
28
10.9.2011, 21:10
der ton macht die musik

israel ist von den vorkommnissen in der arabischen welt offensichtlich am falschen fuß erwischt worden. man hat die türkei als langjährigen und wichtigen partner verloren, ägypten wird die beziehungen zu israel sicher auch neu bewerten. das bündnis usa-israel sah auch schon bessere zeiten.. von einer lösung zu palästina ist man weiter weg denn je. die eigene bevölkerung zeigt auch schon ihren unmut über diverse soziale probleme..

vielleicht sollte die israelische regierung ihre eigenen positionen nochmals gründlich überdenken und geschlossen zurücktreten. mit netanjahu/lieberman hat man sicherlich die falschen leute an der spitze. wer es besser machen könnte steht allerdings auch in den sternen.

mlzt
00
11.9.2011, 03:13

Vermutlich hat Israel die beste Zeit für eine dauerhafte Friedensregelung mit den Palästinensern versäumt.

QUMI
33
10.9.2011, 21:43

Ja, denke auch, dass die israelische Regierung über den eigenen Kurs nachdenken sollte! Von Nichts kommt Nichts!

axel9
23
10.9.2011, 21:37
Politikwechsel

Mit Herrn Lieberman, der die PKK im Kampf gegen die Türkei unterstützen möchte, ist sicherlich kein Weg aus dem Schlamassel. Hoffnungen: a) die Ausrufung des Palästina-Staates kommende Woche und b) die Proteste im eigenen Land.
Dieser zweiseitige Druck auf das Regime Netanjahü könnte zu Neuwahlen und vernünftigen Verhandlungen führen.
Leider führt I. vor Neuwahlen immer ein paar Attacken durch, damit die Regierenden als "starke Männer" wiedergewählt werden.

Metternichmich!
36
10.9.2011, 20:54
Hoffentlich

verspielen die Ägypter die historische Chance, die sich erkämpft haben, nicht mit solch idiotischen Aktionen.

ahhhSoo
00
10.9.2011, 21:25
dieser Mob ist doch nicht repräsentativ ,

sieht doch eher alles nach schreienden Jugendlichen nach dem Fußballspiel aus .
Da sollte man doch etwas differenzieren .

miriam7
00
12.9.2011, 11:01
schreiende Jugendliche nach dem Fußballspiel...

deckt sich allerdings ziemlich mit den Berichten von Antonia Rados. Und der kann man sicher nicht vorwerfen, dass sie die Situation im Nahen Osten nicht kennt, oder die Probleme negiert oder unreflektiert auf Israels Seite steht.

rioja
01
11.9.2011, 00:16
@ahhsooo

genau durch solches negieren von problemen, ist israel in der situation von heute..und andere länder genauso..

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