Manager als "standardisierte Ware" ?

9. September 2011, 20:02

Die Suche nach Top-Leuten wandelt sich vom Beziehungsgeschäft zur Commodity, zur standardisierten Ware

Es liest sich fast ein wenig bedrohlich, was Führungskräfte-Sucher Günther Tengel, in Wien ansässiger Länderchef im globalen Amrop-Netzwerk, seinem Board als Trends im Executive-Search-Geschäft kürzlich präsentierte.

Gesprochen wird hier von einem Beratungsfeld, das weltweit etwa zehn Mrd. Dollar Umsatz macht und das auch derzeit noch geprägt ist von einer Handvoll Big Players - überwiegend US-amerikanischer Provenienz -, die mit Größenordnungen von rund 300 bis 500 Mio. Dollar Umsatz im Markt sind. Dazwischen arbeiten Boutiquen in regionalen oder globalen Netzwerken, dazwischen Spezialisten und Einzelkämpfer.

Aus Tengels Thesen ist zu sehen, wohin die Reise geht - mit absehbar dramatischen Konsequenzen auch für die Kandidatenseite:

  • Die Einkaufsabteilungen (Procurement) übernehmen die Macht: Suchmandate für zentrale Schlüsselpositionen waren immer Vertrauenssache zwischen Aufsichtsrat, Unternehmensführung und dem jeweiligen Berater. Zunehmend mischen jedoch die Einkaufsabteilungen mit, in Beauty-Contests (analog zum Aufmarschierenlassen der Investmentbanken vor einem geplanten Börsengang) wird nach dem Billigstbieter gesucht, Vertraulichkeit und Off-Limit rücken in den Hintergrund, die Rahmenverträge werden von Juristen gemacht, nicht von den Personalverantwortlichen. "Das beginnt auch schon in Österreich" , bedauert Tengel. Heißt: Suchaufträge werden zur standardisierten Ware, zur Commodity.
  • Interne Abteilungen legen Raster: Globale Unternehmen wie etwa bereits Cisco oder Colgate, bauen interne Executive-Search-Units auf (rekrutiert aus Beratungsfirmen) und suchen sich am Beratermarkt extern jeweils kurzfristig die "best choice" . Langfristigkeit (Kenntnis der Strategie des Unternehmens, der "DNA" ) in der Zusammenarbeit ist zunehmend kein Thema mehr.
  • Permanentes Stop & Go: Die Zyklen der Veränderungen werden immer schneller, Unternehmen planen im Quartalsrhythmus. Es wird zunehmend schnell auf- und wieder abgebaut. Das zeigt auch der Einbruch in diesem Markt 2008-2009 um rund 40 Prozent mit anschließend wieder mindestens 20-prozentigem Plus. Zudem steigt die Fluktuation im Top-Management, was ebenfalls in Richtung Handel mit standardisierter Ware statt langfristigem Vertrauensgeschäft läuft.
  • Der Wettbewerb wird härter: Neue Medien, Kunden, die zuvor als Kandidaten den gesamten Prozess kennengelernt haben, und auch Professionalisierung machen Executive-Search transparenter. Allerdings wird das Geschäft auch kompetitiver: Partner der Großen sind abgewandert und haben Boutiquen gegründet, bringen so zusätzlich neuen Wettbewerb in den Markt.
  • New Media ändert - aber nicht ganz oben: Dass allerdings Social Media - die Karriereplattformen im Internet boomen ja - das Geschäft im obersten Segment angreift, glaubt Tengel nicht. Er hält diese Plattformen für "Potemkin'sche Dörfer, ideal vielleicht für Ich-AGs, sicher nicht für das Top-Management" . "All you can click" funktioniere da nicht. Ebenso gibt er rein datenbankengetriebenen Geschäftsmodellen der Suchunternehmen wenig Chancen.
    Es sei daher eine Herausforderung, klarzumachen, dass guter Executive-Search erst auf die Datenmenge aufsetzt, Branchen-Know-how, das Erkennen von Strategien und des "Fit" zwischen Kunden und Kandidaten mache erst die Güte aus.
  • Portfolios werden umfangreicher: Da viel am Kuchen knabbert, erwartet Tengel Ergänzungen der Portfolios der Anbieter um Executive-Coaching, Talent-Management, Nachfolgeplanung - also ein Hereinnehmen bis dato meist aus anderen Beratungsbereichen kommender Dienstleistungen.
  • Ultima Ratio Diversity: Auch aufgrund der demografischen Not erwartet Tengel einen großen Wandel hin zum Thema Nummer eins. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe, 10./11.9.2011)

 

 

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5 Postings

zuerst mal der unterschied zur normalen angestellenschicht: die abfertigungen sind astronomisch hoch.

aber das ganze zeigt einfach wie wahnwitzig das heutige wirtschaftssystem bereits geworden ist und noch wird! und alles geht wiedermal (wir wissen ja) von der usa aus. dort wo schon der finanzwahnsinn seinen anfang nahm.

unternehmen (vor allem größere) sind heute ja schon geradezu shizophrene gebilde geworden - mit selbstläufer tendenz.

bin mal gespannt wielange das noch gutgehen wird. denn eines ist sicher, diese mentalität die im finanzsektor jetzt so kritisiert wird, ist längst schon in der "realwirtschaft" angekommen - egal ob große oder kleine unternehmen.

Warum soll es nicht auch mal diese Ebene erreichen. Wurden bisher Mitarbeiter schon schnell gekündigt und wieder eingestellt (siehe Krise 2008) so wissen Firmen nun, dass man mit Managern das selbe machen kann.
Dass dabei erworbenes Spezialknowhow verloren geht bzw wieder neu angeeignet werden muss kapiert kein Betrieb.
Was allerdings nicht so schlimm ist - kein Manager ist je nach unten gefallen ... zumindest nicht ab mittlerer Ebene ...
Hat aber auch einen Vorteil: Manager bekommen weniger Macht da sie weniger Internas kennen

na so gehts ja wirklich nicht!

mir fehlen die worte, MANAGER als "commodity"?! am ende gar wie eine humanressource, ein ... ein ... HACKLER, na gott verhüte! war aber sicher ein hübsches powerpoint-bullshit-slideset, das da dem "board" präsentiert wurde *TRÖÖÖT*

Guter Manager, schlechter Geschäftsmann

Der Managerberuf wird immer unattraktiver, dafür werden die Anforderungen erhöht und die Gehälter auch, was allerdings ein schlechtes Geschäft ist, weil wenn man in wenigen Jahren als Manager ausscheiden muss, dann bringt das hohe Gehalt überhaupt nichts!

Wer Manager wird, ist zukünftig unter solchen Bedingungen sogar ein noch schlechterer Geschäftsmann.

diese managerfuzzis machen doch immer das gleiche: leute rausschmeißen, die restliche arbeit den übrig gebliebenen aufhalsen (ziele erfinden), outsourcing verstärken, damit man noch weniger personal hat und der manager selbst noch weniger begreifen muß.

klar dafür reichen die standardisierten seelenlosen einheitsmanager bei weitem, aber nur zukunft haben die unternehmen mit solch hohlen gestalten nicht mehr, aber das kümmert die aktionäre auch nicht weiter

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