Wiener Sozialprojekt

Firma für Suchtkranke: Bei "fix und fertig" spielt niemand Arbeit

Reportage | Sandra Eigner, 12. September 2011, 07:04
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    Walter Wojcik ist Betriebsleiter von "fix und fertig".

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    In diesem sozialökonomischen Betrieb finden etwa 50 Suchterkranke befristete Arbeitsplätze.

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    Die Aufgaben sind in kleinste Schritte zerlegt.

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    Im Postversand arbeiten die Suchtkranken tageweise.

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    Fixangestellte kommen in der Siebdruckerei oder im Bereich Renovierung unter.

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    Die meisten KlientInnen waren vor "fix und fertig" monate- oder sogar jahrelang nicht beschäftigt.

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    Bis zu zwölf Monate können die KlientInnen bei "fix und fertig" bleiben.

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    Etwa 25 Prozent finden danach einen nicht-betreuten Job.

Sozialökonomischer Betrieb in Meidling bietet 50 Personen einen temporären Arbeitsplatz

An der Wand kleben Kinderfotos, ein Handy sorgt für Hintergrundmusik, auf der Arbeitsfläche liegen verschiedene handwerkliche Geräte. Der Arbeitsplatz im 12. Wiener Gemeindebezirk ist nicht außergewöhnlich, aber doch besonders, denn im sozialökonomischen Betrieb "fix und fertig" werden geförderte Stellen für Suchterkrankte angeboten.

Versand, Siebdruck, Renovierung

Durch einen begrünten Innenhof gelangt man in die Abteilung Postversand, einen von drei Teilbereichen von "fix und fertig". 30 Personen können hier tageweise fallweise geringfügig arbeiten - für ein "therapeutisches Taschengeld" wie es "fix und fertig"-Leiter Walter Wojcik nennt.

An zwei großen Tischen sitzen hauptsächlich Männer, die in kleine Arbeitsschritte zerlegt, Massenpostsendungen vorbereiten. So wiegt etwa ein Mann befüllte Kuverts. Just als er erzählt, er sei gerade Großvater geworden, entdeckt er einen Fehler und trägt den betroffenen Brief zurück zum Arbeitstisch.

Die einzelnen Aufgaben müssen einfach sein, damit sie leicht zu erlernen sind und sich die KlientInnen nicht überfordert fühlen. Wer eine längerfristige Beschäftigung sucht, kann einen der 20 vollversicherten Arbeitsplätze in der Siebdruckerei oder im Bereich Renovierung bekommen.

Auch Fixanstellung möglich

Dafür sind die Anforderungen jedoch härter. Bei den tageweisen Arbeitsplätzen wird nur geprüft, ob der Klient oder die Klientin arbeitsfähig ist. Wenn ja, wird ein Ausweis kopiert und der Einsatz kann beginnen. Für die längerfristigen Transitarbeitsplätze ist eine eingehende Anamnese nötig, in der die soziale Situation der einzelnen Arbeitsuchenden analysiert wird. 

Erscheint eine längerfristige fixe Anstellung - man kann maximal ein Jahr bei "fix und fertig" bleiben - für beide Seiten realistisch, geht es zuerst für eine drei- bis viermonatige "Probezeit" in den Postversand. Danach wird eine angemessene Aufgabe in einem der anderen Bereiche gesucht: Gleich beim Eingang in die Siebdruckerei sortiert eine junge Frau bunte, bedruckte T-Shirts. In der Werkstatt bedienen zwei Männer rotierende Siebdruckpressen, eine Frau föhnt die Druckfarbe auf den T-Shirts trocken. Eine andere Frau presst Bienenmotive auf einen Pullover.

Marktorientierung

Wer sich bei einem sozialökonomischen Betrieb für Suchterkrankte eine Gruppe Menschen mit blauen Lippen beim "Arbeit spielen" vorstellt, liegt falsch. Denn "fix und fertig" erstellt Produkte und Dienstleistung im Auftrag verschiedenster Kunden - muss sich also genauso am Markt orientieren wie jeder andere Betrieb und Lieferzeiten einhalten. 

Diese Marktorientierung sei laut Betriebsleiter Wojcik wesentlich für den Erfolg des Unternehmens: "Leistungen, die tatsächlich am Markt gebraucht werden, sind für die KlientInnen ein sehr hoher Motivationsfaktor, ihr Leben zu verändern, sich zu bemühen, pünktlich zur Arbeit zu kommen." Die AbnehmerInnen wüssten in der Regel Bescheid, von wem die Produkte hergestellt werden, aber, so Wojcik, "niemand würde bei uns etwas kaufen, nur weil wir mit Suchterkrankten arbeiten".

Langzeitsarbeitslose

Seit 1993 bietet "fix und fertig" eine tagesstrukturierende Beschäftigungsmöglichkeit als Sprungbrett für einen Wiedereinstieg in den regulären Arbeitsmarkt an - finanziert von  der Sucht- und Drogenkoordination Wien sowie zu 33 Prozent aus Eigenerlösen. Das AMS Wien fördert anteilig die Lohnkosten für die Transitarbeitsplätze. Seit damals waren etwa 2.500 Menschen bei dem sozialökonomischen Betrieb beschäftigt, die meisten davon Langzeitarbeitslose. 

Immerhin 25 Prozent der fixangestellten KlientInnen finden nach der Zeit bei "fix und fertig" einen nicht-geförderten Arbeitsplatz. Beim Rest kämen laut Wojcik folgende Schwierigkeiten hinzu: generelle Arbeitsmarktsituation, Rückfall oder Unvereinbarkeit von Konsum und Arbeit. In solchen Fällen wird versucht, einen Therapieplatz zu finden.

Sozialarbeit wichtig

Die spezifischste "verwertbare" Ausbildung bietet der Siebdruck, so Wojcik. Einige KlientInnen kämen später bei Druckereien unter. Auch Kunden aus der Baubranche würden immer wieder Leute aufnehmen. Bessere Chancen bestünden allerdings am Leiharbeitsmarkt.

Die Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt funktioniere allerdings nicht ohne Arbeit an den Begleitumständen. Daher ist die soziale Betreuung eine ganz wichtige Komponente im Betrieb. "Viele KlientInnen haben große Schwierigkeiten mit ihrer Wohnsituation oder ihrer Gesundheit. Fast alle haben Vorstrafen und hohe Schulden", weiß der Betriebsleiter. Diese Begleitumstände müssten geordnet werden, weil sonst keine Nachhaltigkeit erzielt werden könne.

Sichtbare Veränderung

Ein ganz wichtiger Punkt ist die Stablisierung des Konsums. Viele MitarbeiterInnen befänden sich im Substitutionsprogramm, konsumieren zusätzlich aber auch nicht verschriebene Suchtmittel. Am Arbeitsplatz ist der Konsum allerdings strengstens verboten. "Was du am Abend oder Wochenende machst, geht uns als Dienstgeber nichts an, aber du musst zur Arbeit fit sein", ist Wojcik rigoros. Das sollen die KlientInnen lernen. "Natürlich wünschen wir uns, dass alle abstinent werden aber das sei leider nicht realistisch" erklärt er weiter. Wer während der Arbeit konsumiert, dem droht die Kündigung. Ebenso Personen, die im Betrieb mit Drogen handeln oder gewalttätig werden.

Der Konsum ist bei den KlientInnen zunächst der zentrale Lebensinhalt und beherrsche die Gedankenwelt, sagt Betriebsleiter Wojcik. Es habe keinen Sinn, diese Gespräche zu verhindern. Er und seine MitarbeiterInnen versuchen, wieder andere Gesprächs- und Lebensinhalte in den Vordergrund zu rücken. Eine positive Veränderung sei fast immer bemerkbar: "Manche kommen blass und energielos zu uns, aber nach sechs Monaten steht ein anderer Mensch vor dir."

Doppeldeutig

Rehabilitation ohne Arbeit hält Wojcik nicht für möglich. Daher sei auch der Name "fix und fertig" ganz bewusst gewählt, um das negativ besetzte Bild des fix und fertigen Suchtkranken positiv zu besetzen: Es soll für die angebotenen Dienstleistungen stehen, die fix und fertig erledigt werden.

Die KlientInnen wirken sowohl im Postversand, aber besonders in der Siebdruckerei hoch konzentriert und gewissenhaft. Alle wissen, was sie zu tun haben: Mit wie viel Grad welches Material bedruckt werden muss. Wie man welche Druckfarbe zusammenmischt. Wie lange es braucht, bis die Farbe trocknet. Rhythmisches Arbeiten als Generalprobe für ein wieder rhythmisches Leben. (Sandra Eigner, derStandard.at, 12.9.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 118
1 2 3
wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00
13.9.2011, 01:29
Suchtkranke werden Politiker o. umgekehrt?

krakauerin
55
13.9.2011, 00:19
"Wozu die Aufregung"

Alle spielen Arbeit. Hunderte "DSA`s", hunderte "Psychologen" brauchen "Arbeit". Dann werden sie auf die Klientel, die sogut wie unbezahlt "arbeitet", losgelassen. Die "Berater/Betreuer" produzieren tausende GB oder jede Menge Zettel und fühlen sich als "soziale Menschen"; beraten, betreuen, machen für die Kunden "Karrierepläne", produzieren Lebensläufe, Bewerbungen. So sind alle? zufrieden. Diese "Betreuungspolitik" kostet weit mehr, als wenn man den Randgruppen einfach Geld zum Normal-Leben zugestehen würde.

wuca
11
16.9.2011, 19:21
genau garnix verstanden.

Chocoholic
10
15.9.2011, 08:44
Was Sie nicht sehen> 1. die meisten dieser Menschen haben bereits berufsunfaehigkeitspension.

2. die meisten dieser Menschen koennen genau dieses "normale Leben" nicht ohne fremde Hilfe.
3. ja, mit dem Thema PsychologInnenschwemme gebe ich Ihnen schon Recht. Leider viel zu oft erlebt man laienhafte und stupide Hilfe, aber die professionellen und gut organisierten werden mehr.

anyuser
 
00
19.9.2011, 22:01
berufsunfähigkeitspension reicht nicht aus um zu überleben

berufsunfähigkeitspension ist viel zu wenig zum überleben (750 euro) und die totale sauerei ist daß betroffene sich NICHTS DAZUVERDIENEN DÜRFEN, es wird von der ausgleichszulage und wohnbeihilfe wieder abgezogen.

SmithWinston
00
13.9.2011, 11:15

So einfach könnte die Welt sein,was?

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00
13.9.2011, 01:27
Nicht nur für randgruppen:

Das leben macht arbeit aber die erwerbsarbeit macht nicht das leben aus!

FraKrawa
63
12.9.2011, 20:05
ja unsere Gutmenschen

die wissen, wie man mit Suchtkranken umgeht, law and order, daheim dürfens, aber bei ihnen im Betrieb natürlich nicht, da ist der Job weg, ruckzuck, weil da könnt ja ein jeder kommen nicht, wir sind die Guten und wir machen die Regeln, null Toleranz, jawolll

wuca
00
16.9.2011, 19:26

es gibt 2 verschiedene arten von betreuung:
- höherschwellig
- niederschwellig

aber, um mal bei bissi polemik zu bleiben:
ja unsere schlechtmenschen verstehen das ja nicht.

The 'L' stands for Value
33
12.9.2011, 20:54
wirres geschwafel

the_suck
24
12.9.2011, 20:39

Tolleranz? wie hättest es denn gern? das wenn die in der Früh in die Arbeit kommen, ein aufgeheiztes Crackpfeiffchen auf sie wartet? so anstelle des Kaffees?

is doch logisch das man die von der Droge weghaben will, oder meinst Heroin, Kokain und Crack sind so gesund für den Körper? ja wennst mir jetzt einen von Gras erzhählst, da steckens dich sicher nicht eine Einrichtung für Suchtkranke

canis major
00
16.9.2011, 19:54
haben sie schon einmal etwas von alkohol gehört?

quirax
31
12.9.2011, 19:19
tja, ich denk mir auch oft, ....

... in meiner Firma kommen einige nur zur Arbeit, weil sie sonst daheim saufen täten....

MBR
241
12.9.2011, 15:58
find ich gut

solange kein steuergeld hineinfließt

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
01
13.9.2011, 01:32
Ist es schon wieder soweit?

"Arbeit macht frei..."

ciao4zampe
 
01
12.9.2011, 19:20
bloss wenn diese leuts abrutschen ins "kriminal"

wären ggfls menschen wie sie MBR der erste
welcher sich masslos alterieren täte... :-\

anders gesagt. wenn man sich wünscht
dass menschen wieder "in die spur kommen mögen"
sohin
darf man nicht die bemühungen in abrede stellen (samt auch: geldeinsatz u/od steuermittel...)
zur verwirklichung.

alles sonst ist unfair. -

leo lander alias mont tatont
51
12.9.2011, 16:22
find ich gut solang es volkswirtschaftlich Sinn macht

und das tuts bald, wenn man berechnet was Sozialhilfe, Gesundheitsversorgung, Strafverwahrung,... von einem Giftler kostet.

Therapist Waldwitzer
22
12.9.2011, 14:54
Vorsicht geboten.

Es werden über Zeitungsinserate auch nicht drogensüchtige Arbeitsuchende mit dem Begriff "Transitarbeitsplatz im Sozialbereich" zu Vorstellungsgesprächen gelockt und vertröstend in den Tagelöhnerbetrieb getrickst. Dann die Wirklichkeit:
Durchsuchung von Kleidung und Bag. Wohnungs-
schlüssel entnommen und nachgefertigt. Scheinheiliges Ausfratscheln. Versuch der Provokation eines Verkehrsunfalls zwecks Führerscheinabnahme.
Pflege und Vertiefung rassistischen Szeneslangs.
Verleumdungen aller Art. Handel mit Substitutionsdrogen. Rekrutierung von Informanten für die Drogenkoordination. Im Nachhinein die Erklärung, man hätte sich mit der Unterzeichnung eines Tagelöhnervertrags bereit erklärt, sich einer Therapie unterziehen zu wollen.

Will Lightbody
11
12.9.2011, 16:08

WTF?

Will Lightbody
21
12.9.2011, 17:20

Provokation eines Verkehrsunfalls?
Durchsuchen der Kleidung und nachmachen von Schlüssel?

In welchem Film warts Ihr denn?

anyuser
 
10
12.9.2011, 16:48
nix WTF, so läuft es ab !

curieux
10
12.9.2011, 18:43
So ist's brav.

Kein Schimpfwort hinein, dann bleibt das Posting stehen.
Auch wenn es ein Bl*dsinn ist!

looseboy
20
12.9.2011, 13:50
Der Name "fix und fertig" ist

wunderschön passend für eine Firma die Junkies beschäftigt. Gutes Projekt.

Sabine Werner
38
12.9.2011, 13:35

schwei....erei! wer arbeitet soll nicht ein mieses kleines taschengeld kriegen - allein der name verursacht mir juckreiz - sondern ein ganz normales gehalt - was unter dem deckmäntelchen des sozialen an ausbeutung von menschen stattfindet, geht ja wohl auf keine kuhhaut mehr!

gebt den stevia frei
11
13.9.2011, 00:13
das ist ein sozioökonomischer betrieb, keine privatfirma.

eine privatfirma hätte ein paar billige migranten eingestellt, auf teilzeitbasis (wehe, du wirst krank), die einfachen aufgaben möglichst automatisiert und vielleicht alle 2-3 jahre einen bauchfleck hingelegt um sowohl mitarbeiter als auch versicherungen um gehalt und beiträge zu prellen.

dieser betrieb ist nützlich, weil dort hoffentlich noch deutsch gesprochen wird, die mitarbeiter keine unbezahlten überstunden hinlegen müssen, in denen sie überfordert werden und nachher depressiver sind als am anfang, und nicht ständig von "chefs" angeschrien werden, sie sollen schneller machen. v.a. hätten (ehemalige) drogensüchtige überhaupt probleme, dort arbeiten zu können.

wie sollte ein normales gehalt aussehen? ist das betriebsergebnis so hoch??

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