Abgewohnte Hotels ohne Refurbishment halten dem Markt nicht mehr stand. Doch alte Gesetze blockieren die Investitionslust
Schaut man sich auf Reiseportalen um, lauten die Hauptkritikpunkte an Hotels: "Sanierungsbedürftig", "Bad sollte dringend erneuert werden", "Needs refurbishment". Mit dem Bewusstsein für Architektur, Design, Gesundheit und Ökologie steigen auch die Anforderungen an Hotels und Gastgeber.
"Politik behindert Investitionen"
Mit diesen Kundenwünschen Schritt zu halten sei bei den gegebenen Rahmenbedingungen schwierig, sagt Martin Stanits von der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV). "Der Markt regelt zwar, wie oft ein Hotelier investieren muss, doch die Politik behindert die Investitionen", beschreibt er das Dilemma. Der Vorwurf: Investitionen müssen über 33 Jahre steuerlich abgeschrieben werden. "Was auch mit sich bringt, dass diese Investition aus steuerlicher Sicht erst nach 33 Jahren ersetzt werden sollte", so Stanits. Nachsatz: "Ich muss wohl nicht darauf hinweisen, wie eine 33 Jahre alte Badewanne ausschaut."
Jährlich investiert die österreichische Hotellerie zwischen zwei und drei Milliarden Euro in Modernisierung und Qualitätsverbesserung. Laut ÖHV ist das Investitionspotenzial damit noch nicht ausgereizt, was sich wiederum auf regionale Handwerks- und Gewerbebetriebe negativ auswirke. Eine Absenkung der Abschreibungsdauer auf 15 Jahre könnte Investitionsanreize geben.
Sanfte Modernisierung der "Post"
"Im besten Fall halten Möbel 15 Jahre, realistisch ist eine Renovierung alle zehn bis zwölf Jahre", sagt Susanne Kaufmann, Hotel-Trendsetterin aus dem Bregenzerwald. Kaufmann hat mit ihrem Bruder, dem Architekten Oskar Leo Kaufmann, das Hotel Post, ein seit 1850 bestehendes Traditionshaus, einer sanften Modernisierung unterzogen. Die Zimmer im Stammhaus wurden in Etappen renoviert.
Verschiedene Zimmertypen anzubieten ist in vielen Häusern aus finanziellen Gründen eine Zeitlang notwendig, bringt aber auch Schwierigkeiten mit sich. Kaufmann: "Manche Gäste sind enttäuscht, wenn sie nicht die schönen neuen Zimmer, die sie auf der Website gesehen haben, bekommen."
"Sichtbare Hygiene" gefragt
Bei allem Bekenntnis zu Architektur und Design dürfe man die Gemütlichkeit und Funktionalität nicht außer Acht lassen, rät die Unternehmerin. "Gäste wollen eine Couch, die nicht nur gut aussieht, sondern auch bequem ist. Und sie wollen einen Platz für nasse Schuhe und Mäntel." Kleinigkeiten, die man leider oft vernachlässige.
Eine weiterer Tipp: "Alle Materialien müssen einfach und schnell zu reinigen sein." Der Gast lege Wert auf "sichtbare Hygiene".
Was Gäste wünschen, hat die ÖHV mit mehreren Studien erforschen lassen: Gleich nach der guten Matratze, auf die 98 Prozent der Gäste Wert legen, kommt bei Gästebefragungen der Wunsch nach einem Wohlfühlbad. 80 Prozent der Gäste wollen einen Sanitärbereich, der alle Stückerln spielt.
"Großes Kino" in der Hoteldesignwerkstatt
Marcus Mascha, früher als Profi-Fußballer und Geschäftsführer eines Badewannenherstellers ein Vielreiser, packte seine Hotel- und Verkaufserfahrungen in ein Pilotprojekt: Im Salzburger Gusswerk lässt er Hoteliers in der "Hoteldesignwerkstatt", einem Showroom der besonderen Art, Produkte ausprobieren. Hoteliers checken ein und testen jene Produkte durch, die ihnen die Architekten vorschlagen - von der Matratze bis zur Soundanlage. "Ganz großes Kino", habe kürzlich ein Gast gelobt. Weil die Werkstatt so gut läuft, wurde soeben der Bau eines Hotels mit Musterzimmern begonnen. (Jutta Berger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10./11.9.2011)