Agnes Husslein: "Wir bekommen eine herrliche Plattform"

Interview
  • Renovierungs- und Adaptierungsarbeiten sind im Budget- und Zeitrahmen.
    foto: ian ehm

    Renovierungs- und Adaptierungsarbeiten sind im Budget- und Zeitrahmen.

  • Agnes Husslein will Ö-Kunst im internationalen Kontext zeigen.
    foto: standard/heribert corn

    Agnes Husslein will Ö-Kunst im internationalen Kontext zeigen.

Das Belvedere expandiert in die Gegenwart - Am 20. September wird im 21er Haus der BC21-Art Award vergeben, im November die erste Ausstellung eröffnet

Direktorin Agnes Husslein erzählt Andrea Schurian von ihren Plänen.

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STANDARD: Als 20er Haus gehörte der Pavillon einmal zum Museum für Moderne Kunst; nun heißt es 21er Haus und gehört zur Österreichischen Galerie Belvedere. Was unterscheidet es noch von früher?

Husslein: Karl Schwanzers Ausstellungspavillon ist eines der besten Bauwerke der späten 50er-Jahre, hinreißend in seiner Transparenz, ein österreichisches Architekturjuwel, das Adolf Krischanitz wirklich erstklassig renoviert und adaptiert hat. Wir haben, das ist neu, zwei Untergeschosse errichtet, in die u.a. die Wotruba-Stiftung und die Artothek des Bundes einziehen werden. Das Restaurant wird von Krischanitz und Hermann Czech, der Shop als Kunstintervention von Bernhard Cella gestaltet. Außerdem werden wir das Kino aus den 1960er-Jahren revitalisieren; es gibt Pläne, mit Wiener Filminstitutionen zu kooperieren.

STANDARD: Wie werden Sie Ihr neues Haus inhaltlich positionieren?

Husslein: Natürlich haben wir uns eindringlich damit beschäftigt, wie wir das 20er Haus ins 21. Jahrhundert überführen. Für die Eröffnung am 15. November haben wir unter anderem Künstlerinnen und Künstler eingeladen, sich mit der Architektur, der Stahl-Glas-Konstruktion des Hauses und seiner Transparenz auseinanderzusetzen. Es wird etwa eine Intervention von Marcus Geiger geben; eine Soundinstallation von Florian Hecker, aber auch eine Lichtinstallation von Lucio Fontana. Und im Obergeschoss werden Künstlerräume gezeigt.

STANDARD: Künstler richten das Museum ein - ähnlich wie Mitte der 80er-Jahre im Mak?

Husslein: Nein. Wir greifen auf Künstler zurück, die sich einerseits mit der Architektur und andererseits mit dem Phänomen Museum auseinandergesetzt haben. Einer dieser Künstlerräume wird etwa von Franz West sein, andere von Christoph Schlingensief und Christian Philipp Müller. Auch von Oswald Oberhuber wird es einen geben, er hat sich schon in den 70er-Jahren künstlerisch mit den Aufgaben eines Museums beschäftigt. Für die Ausstellung danach greifen wir ganz bewusst auf eine wichtige 20er-Haus-Ausstellung Harald Szeemanns zum Thema Gesamtkunstwerk zurück.

STANDARD: Zeigen Sie ausschließlich österreichische Künstler?

Husslein: Nein. Mir ist wichtig, den Diskurs zu zeigen, unterschiedliche, auch internationale Positionen. Wir bekommen eine notwendige und herrliche Plattform für zeitgenössische Kunst. In der oberen Etage wollen wir ab Frühsommer nächsten Jahres unsere Sammelbestände präsentieren, wieder im internationalen Kontext.

STANDARD: Wodurch unterscheiden Sie sich denn dann vom Mumok?

Husslein: Die Österreichische Museumsordnung weist jedem Museum eine ganz klare Aufgabe zu. Unsere lautet: Österreichische Kunst im internationalen Kontext vom Mittelalter bis heute. Daher erfülle ich eine vom Gesetz vorgesehene Position. Das Mumok hingegen ist das Museum für zeitgenössische internationale Kunst. Aber ich glaube, dass es für beide Museen genügend spannende Dinge zu tun gibt.

STANDARD: Wurde Ihr Budget parallel zu anwachsenden Aufgaben und Räumen angehoben?

Husslein: Nein, wir sind noch in Verhandlungen. Alles, was heuer stattfindet, kommt aus dem Belvedere-Budget. Für Oberes und Unteres Belvedere, Prunkstall, Research Center, Orangerie, Augarten Contemporary und jetzt 21er Haus kriegen wir mit 6,9 Millionen Euro Basisabgeltung die niedrigste aller Bundesmuseen, haben aber mit ca. 57 Prozent die höchste Eigendeckung. Noch haben wir keine schriftliche Zusage für eine Budgeterhöhung, aber eine mündliche Versicherung der Ministerin, dass wir dieses Haus bespielen werden können.

STANDARD: Wie schauen Ihre Budgetvorstellungen aus?

Husslein: Für die Bespielung des 21er Hauses haben wir einen zusätzlichen Bedarf von 4,5 Millionen Euro. Natürlich können Synergien mit dem Belvedere genutzt werden, so werden die beiden Kuratorinnen, die jetzt im Belvedere für Zeitgenössisches zuständig sind, das 21er Haus bespielen. Aber wir müssen Personal aufstocken, etwa im Sicherheitsbereich. Und unabhängig davon müssen wir die Sammlung erweitern, in den 1970er- und 1980er-Jahren wurde kaum gesammelt. Wunderbare Dauerleihgaben wie etwa aus der Sammlung Ploil decken auch den internationalen Kontext ab.

STANDARD: Haben Sie als Bauherrin das Umbaubudget eingehalten?

Husslein: Ja, darauf bin ich auch wirklich stolz! Die Kostenschätzungen wurden ja gemacht, als die wirtschaftliche Situation eine ganz andere war.

STANDARD: Zuletzt gab es heftige Erschütterungen in der Kunst- und Museumsszene. Fürchten Sie, dass diese auch Sie treffen könnten?

Husslein: Nein. Ich wurde ja schon geprüft, ehe ich noch richtig angefangen habe; wir haben ein hervorragendes Kuratorium. Und ich habe auch sofort das Vier- und Sechsaugenprinzip eingeführt. Alles wird korrekt abgewickelt. Aber prinzipiell möchte ich anmerken: Peter Noever hat viel für die österreichische Kunstszene geleistet. Mag sein, dass er zuletzt über die Stränge geschlagen hat, aber seine Meriten überwiegen bei weitem. Ich finde es scheußlich, wie man ihn behandelt. Zu den Anschuldigungen gegenüber Gerald Matt: Natürlich ist er gereist! Er kann die Ausstellungen ja nicht übers Telefon bekommen. Museumsdirektoren sind Botschafter ihrer Häuser. Wichtig ist das Ergebnis der Reisen, über die es Berichte und Protokolle geben muss.

STANDARD: Vor zwei Jahren wurde Ihr Vertrag um fünf Jahre verlängert. Wie lange sollte ein Museumsdirektor im Amt sein?

Husslein: Man muss es situationsbedingt sehen, aber grundsätzlich glaube ich, dass 15 Jahre eine Obergrenze sind. (Andrea Schurian, DER STANDARD - Printausgabe, 10./11. September 2011)

Agnes Husslein-Arco (57): war in leitenden Positionen u.a. bei Sothety's und Guggenheim Museum sowie Gründungsdirektorin des Salzburger Museums der Moderne. Seit 2007 ist sie Direktorin des Belvedere. Mit Katharina Schoeller gab sie nun im Verlag der Provinz "Das Belvedere. Genese eines Museums" heraus.

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