Posten unbesetzt

Staatsanwälte kämpfen mit massiven Personalproblemen

Marietta Türk, 9. September 2011, 15:20
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    foto: apa/andreas pessenlehner

    Momentan fehlt den Staatsanwälten der Nachwuchs

Im Osten Österreichs sind 19 Stellen unbesetzt - Rechtsanwälte sollen nun per alternativem Rekrutierungsweg geholt werden

Gleich 19 Planstellen für Staatanwälte sind derzeit im OLG-Sprengel Wien, dazu gehören auch Niederösterreich und das Burgenland, unbesetzt. "Das ist sehr viel", sagt die erste Oberstaatsanwältin Ilse-Maria Vrabl-Sanda von der Oberstaatsanwaltschaft Wien zu derStandard.at. Die Ursache seien einerseits zu wenig geprüfte Richteramtsanwärter. Gleichzeitig sei mit der Strafprozessnovelle 2008 die Anzahl der staatsanwaltlichen Posten aufgestockt worden. Damals seien zwar vorübergehend viele neue Staatsanwälte nachgekommen, allerdings macht das durchlässige System den Wechsel zum Richter einfach - und so kommen vorhandene Staatsanwälte abhanden.

Zwei Wege zum Staatsanwalt

Normalerweise müssen angehende Staatsanwälte die Richteramtsanwärterprüfung haben. Erst dann kommen sie für die Staatsanwaltschaft in Frage. Hier zählen auch Noten: in einer Stellenausschreibung auf der Website des Österreichischen Rechtsanwaltskammertags verlangt ein Inserat zumindest sehr guten Erfolg und eine mindestens vierjährige Rechtspraxis. "Wir sind natürlich bestrebt möglichst viele Staatsanwälte aus unserem eigenen Nachwuchs an Jungrichtern zu rekrutieren", so Vrabl-Sanda. 

Es gibt allerdings noch eine zweite Möglichkeit Staatsanwalt zu werden, die bisher nicht allzu groß beworben wurde: Rechtsanwälte können die Seiten wechseln. Nach der Rechtsanwaltsprüfung können sich Anwärter einem Vorauswahlverfahren unterziehen und dann eine Ergänzungsprüfung machen, die jener der Richteramtsanwärterprüfung entspricht. So versucht man mehr potenzielle Kandidaten anzusprechen. 

Persönlichkeit mit Konfliktfähigkeit

Auf dieser zweiten Rekrutierungsschiene unterstützt eine Unternehmensberatung das Auswahlverfahren mit einer Potenzialanalyse. Notwendig ist das deswegen, weil Zeugnisse und Fachwissen nicht alles verraten. "Kommen die Bewerber aus dem Kreis der Richteramtsanwärter, bekommen wir von den Ausbildnern über vier Jahre hinweg Beschreibungen über die Persönlichkeit und die sozialen Kompetenzen der Kandidaten" erklärt die Erste Oberstaatsanwältin. Kommen die Bewerber über die Schiene der Rechtsanwälte, muss genau evaluiert werden ob sie für den Beruf überhaupt die passende Persönlichkeit mitbringen.

Der Wiener Unternehmensberater Kurt Baumgart, dessen Firma VIP Consulting sich auf dieses Metier spezialisiert hat, weiß worauf es ankommt: "Eine gefestigte integre Persönlichkeit muss es sein, die sich Konfliktsituationen stellen kann." Denn die Arbeit im Spannungsfeld Richter, Polizei, Anwälte bringe sehr viele unterschiedliche Ansprechpartner, Begehrlichkeiten und Erwartungen mit sich. Kooperationsfähigkeit, Belastbarkeit, hohe Frustrationstoleranz finden sich ebenfalls auf der Liste der Ansprüche. 

Neutralität bewahren

Staatsanwälte sind auch Anklagevertreter, sie müssen sowohl be- als auch entlastendes Material finden, investigative Fähigkeiten haben. Früher war das Aufgabe der Untersuchungsrichter. "Das bringt mit sich, dass Staatsanwälte auch beharrlich in der Zusammenarbeit mit der Polizei sein müssen", so Baumgart. Mit einer sehr verhaltensorientierten, interaktiven Methode müssen potenzielle Bewerber im Auswahlverfahren praktische Tests und Fallstudien lösen. Kommen sie in die engere Auswahl, folgt ein Hearing vor einem Gremium mit Vertretern aus Oberstaatsanwaltschaft, Landesgericht, Oberlandesgericht und Ministerium.

Warum der Richterberuf für manche attraktiver erscheinen mag, erklärt Baumgart damit, dass Staatsanwälte doch einem größeren Druck ausgesetzt seien: "Aufgrund ihrer Erhebungen im Vorfeld wird schließlich entschieden ob, wann und in welcher Form es zur Anklage kommt." Richter verfügten außerdem über ihre eigene Zeit, können Verhandlungen selbst ansetzen. Finanziell gebe es keinen großen Unterschied, so Vrabl-Sanda. Für den Staatsanwalt spreche hingegen der idealistische Anspruch einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten und nicht zuletzt die Sicherheit des Staatsdienstes. (Marietta Türk, derStandard.at, 9.9.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 65
1 2
Textas
00

Also, wenn ich RA bin - sprich, die besch... 60 Std bei wenig Gehalt hinter mir habe... dann soll ich als STA genau diese Zeit bis ins Unendliche verlängern??? Ist ein frommer Wunsch, alles Gute:-)

Voronwe
00
StA vs Richter

Bei gleichem Gehalt mehr arbeiten zu müssen, bei einer vorgegebenen, sehr unflexiblen Zeiteinteilung, wenig bis gar keine Zeit, sich mit den Fällen intensiv auseinanderzusetzen, internes hin-und-her-Schieberein von Fällen, wenig Chancen, sich von den Betroffen ein persönliches Bild zu machen, sehr geringe Aufstiegschancen, dann noch die Weisungsgebundenheit...

Naja, ich kanns verstehen... ;)

AlBundyFan
 
00
12.9.2011, 10:36
ich würd auch nicht staatsanwalt werden wollen

da reisst man sich den arsch auf, daß ein straftäter vor gericht kommt und selbst bei schwerster körperlicher misshandlung, sexualstrataten jeglicher art oder totschlägen bekommt man nur eine kavaliersstrafe zusammen.

da würd ich mir die arbeit garnicht antun wollen, nur damit jemand, der seine 6jährigen kinder jahrlang vergewaltigt hat mit 2 jahren auf bewährung davonkommt....das würde meine psyche nicht ertragen auf dauer.

achwasweissdennich
01
11.9.2011, 10:39

Wie sieht's mit Quereinsteigern aus? Reicht ein WiFi-Kurs?

- Dr. No
01
11.9.2011, 12:25
Mach' den Staatsanwalt bei Humboldt, dann startest auch Du durch.

exile in mainstream
11
10.9.2011, 19:33

es wären ja noch postler in den karrierecentern

mulligan1
01
10.9.2011, 17:36
mit den 35 millionen euro,

die unsere regierung für werbung ausgegeben hat, könnte man viele staatsanwälte anstellen !

und wenn die dann ungehindert arbeiten und die "österreichischen korruptionssümpfe" trockenlegen dürften:
DAS WÄRE WERBUNG !!!!!

RS69
 
02
10.9.2011, 16:23

Naja - früher war das noch ein Job, auf den man stolz sein konnte.

Tscheina Wild
01
10.9.2011, 14:37
Voraussetzungen:

Hohe Frustrationstoleranz!

Eigentlich klar, wenn plötzlich die Weisung kommt man dürfe nicht mehr weiter gegen z.B. Grasser ermitteln!

Zensi
01
10.9.2011, 13:25
Das ist System

Die Kriminalitätsrate mag leicht steigend sein und damit sind die Staatsanwälte ausgelastet. Dass soviel Korruption innerhalb weniger Jahre geschieht und bearbeitet werden soll haben die letzten Regierungen ja nicht ahnen können und eine Aufstockung kommt wegen der Verwaltungsvereinfachung bzw. Budgetnöte nicht in Frage. Da würden zu viele Herren im Nadelstreif ins graue Haus einrücken müssen....und haben wir dann auch genug Räumlichkeiten für diese Halunken? Da taucht ja das nächste Problem auf. Darum zahlen wir still die Schäden die wir ihnen zu verdanken haben und ersparen wir uns noch mehr Ausgaben im öffentlichen Bereich. Auf den Mittelstand ist verlass!

Jan Sommer
01
10.9.2011, 13:23
Für die korrupte Politnomenklatura und ihre Zahlmeister wares ja überlebensnotwendig,

dass statt der, wenigsten großteils unabhängigen, Untersuchungsrichter endlich weisungsgebunde Staatsanwälte die Herrschaft über die Ermittlungen an sich reißen.

Nur so ist sichergestellt, dass Anzeigen und Verfahren geflissentlich passend unter den Tisch fallen, jahrelang verschleppt werden, mit realitätsfernen Begründungen oder gleich mit falschen Angaben (natürlich alles nur "Verwechslungen") eingestellt werden.
Es gilt die Unschuldsvermutung.

Beschuldigte werden manchmal gleich gar nicht oder stattdessen, ganz sinnlos, Verfahrensfremde einvernommen, um dann diese Angaben Unbeteiligter als Alibi für eine "zu dünne Suppe" zu benützen, etc.

Auch da gilt selbstverständlich die österreichische Unschuldsvermutung!
js

onlooker
00
10.9.2011, 10:27
man müsste doch feststellen, unter welchen ministern die wenigsten StA ausgebildet wurden,

Räuber Hotzenplotz wäre heute Bankster
14
10.9.2011, 10:19
"Staatsanwälte kämpfen mit massiven Personalproblemen"

.Deswegen werden die paar topausgebildeten Hanseln, die in diesem bereich zur Verfügung stehen, für Mafia-Prozesse gegen Tierschützer und zur Bespitzelung von Globalisierungskritikern eingesetzt.
Von dieser Seite droht ja unserer Gesellschaft derzeit die allergrößte Gefahr.

erwin meier
00
10.9.2011, 11:03
werden eingesetzt

die "wurden" nicht eingesetzt, die haben sich selbst dafür entschieden die jeweiligen fälle zu verfolgen. sonst wäre das jeweilige verfahren wohl anders gelaufen.

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00
10.9.2011, 09:46
Die wahrheiten suchen -

ihre unterstützer!

Veniceanin
 
11
10.9.2011, 09:45
Zusammenarbeit mit der Polizei

Aber ist es in der Praxis nicht so, dass die Polizei (bzw. die Organe anderer Behörden) sowieso die Arbeit macht? Mir ist das ständige Gejammer der Justizbediensteten nicht wirklich nachvollziehbar.

Das Hauptproblem scheint mir der Verdacht einer willfährigen Justiz zu sein.
Stichwort: Kampusch! Tierschützerprozess!

J. Reichhart
20
10.9.2011, 09:10
staatsanwälte sind

voll damit beschäftigt tierschutz als organisierte kriminalität darzustellen und zu verfolgen. da bleibt für industriell organisierten raub, untreue, unterschlagung, korruption und amtsmissbrauch keine zeit!

Erwin Wolfram
10
10.9.2011, 08:43
...

Ich habe nicht getippt, dass wenn ich viel zuruecklege ich zumindest die uebergeordneten Tatbestaende bearbeiten muss.

Shiraneko
00
10.9.2011, 08:04
Da, schau! Ein "Fachkräftemangel"-Artikel, der die Wahrheit spricht!

Einerseits nimmt man nur Leute mit den besten Noten überhaupt, andererseits jammert man dann, dass man zu wenige davon hat.

Pech gehabt!

Andreas W
25
10.9.2011, 09:59
Liegt nicht an der zu hohen Qualifikation!

Sondern an der Supersparpolitik der Schüsselchen-Wenderegierung, die ein künstliches Null-Defizit erzwingen mussten. Hat ja auch geklappt, viele in diesem Land glauben ja heute noch dran; dass es vor allem (nicht null, sondern geringeres Defizit als sonst) durch Einmalverkäufe von Staatseigentum erreicht wurde, will ja keiner sehen. Und dass gerade davon nicht so sehr der Steuerzahler sondern unsere damaligen korrupten Gierpolitiker profitiert haben, kommt ja langsam raus - eigentlich gehörte jede einzelne Privatisierung von damals penibelst geprüft! Aber wer sollte das denn machen.
So gesehen, war es klug, die Strafverfolgungsbehörden maximal zu schwächen, wer weiß wo der KHG sonst heute schon wäre.

hanslblasta
01
10.9.2011, 09:27

es liegt wohl im Interesse aller BürgerInnen, dass Staatsanwälte bestens qualifiziert sind.

- Dr. No
05
10.9.2011, 09:35
"gute Noten" ungleich "bestens qualifiziert"

Nicht immer sagen gute Noten etwas über die Qualifikation aus, sondern eher über die Angepasstheit (an Lehrer, Vorgesetzte, etc.).

Füxchen
02
10.9.2011, 07:53
Die ganze StPO-Novelle ist für die Tonne.-

Das alte System war effizienter. Heute wird 70-80% eingestellt bzw gar nicht angeklagt. Während im Verwaltungsstrafrecht alles bestraft wird, kann man im Strafrecht ziemlich viel machen, ohne belangt zu werden. Besonders Opfer können ein Lied singen.

verleih nix
01
10.9.2011, 09:39

das system verkraftet eben den einen oder anderen ahnungslosen minister. nun ist aber die övp schon viel zu lange am ruder, irgendwann muss wieder jemand vernünftige entscheidungen treffen.

Der Experte erklärt es dir
012
10.9.2011, 07:27
Staatsanwälte küsst man nicht

Deshalb können sie sich auch nicht vermehren. Das ist das eigentliche Problem!

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