Hutchison-Chef Fok befürchtet Benachteiligung bei Frequenzen-Neuvergabe für LTE
Die Geschäfte für den kleinsten heimischen Mobilfunker „3" laufen gut. Entgegen dem Branchentrend legte die Tochter des chinesischen Großkonzerns Hutchison Whampoa Limited (HWL) bei Umsatz und Kundenzahl zu.
Dementsprechend zufrieden zeigte sich Canning Fok, seines Zeichens "Group Managing Director von HWL, vor Journalisten in Wien. „Wir wachsen und verdienen Geld in Österreich". In Österreich hat "3" 2010 erstmals ein positives EBIT verzielt, der Umsatz wurde gegenüber dem Vorjahr um fast ein Fünftel auf 207,3 Mio. Euro gesteigert, die Anzahl der Kunden stieg bis August 2011 innerhalb eines Jahres um gut ein Viertel auf 1,222 Millionen. Im ersten Halbjahr 2011 hat die gesamte "3"-Gruppe ihren Umsatz um 23 Prozent gesteigert und ein EBIT von 767 Mio. Hongkong-Dollar (70,1 Mio. Euro) erzielt. "Aber damit sind wir noch nicht am Ziel, wir machen keine Geschäfte nur um ausgeglichen zu bilanzieren"
Orange
Geht es nach den Mitbewerbern A1, T-Mobile und Orange, dann gibt es in Österreich einen Netzanbieter zu viel - nämlich "3". Davon will der Manager allerdings nichts wissen. "Unsere Strategie stimmt. Wir bleiben". Marktgerüchte, wonach man Orange-Österreich übernehmen will, wollte er nicht kommentieren. "Sie sind ein gutes Unternehmen und ein befreundeter Mitbewerber." In Europa war Hutchison Whampoa ursprünglich vor allem durch die Gründung von Orange bekannt geworden - 2001 wurde Orange an die France Telekom verkauft, mit großen Gewinn, wie Fok betonte.
"Faire" Auktion
Fok betonte besonders die Notwendigkeit zusätzlicher Frequenzen für den Ausbau des Netzes. Diese seien für den Einsatz der nächsten Mobilfunkgeneration LTE (Long Term Evolution) erforderlich.
Er fordert, wie auch die Mitbewerber, eine schonende, „faire" Auktion bei der Abgabe der Digitalen Dividende ( 800er-Frequenz), also der freiwerdenden TV-Frequenzen durch die Umstellung auf digitales Fernsehen.
Sorgen
Sorgen macht er sich jedoch wegen der möglichen Umwidmung der bestehenden GSM-Frequenzen (900 und 1800 MHz) für UMTS/LTE im Rahmen der bestehenden Lizenzlaufzeiten ("Refarming"). Derzeit sei das kein Problem, weil diese Frequenzen nur für Sprachtelefonie und SMS verwendet würden, "das ist für uns nicht interessant". Aber sollten diese Frequenzen umgewidmet werden, hätten die Mitbewerber einen gewaltigen Wettbewerbsvorteil, man sollte daher fairerweise die Frequenzen 800/900/1800 gemeinsam ausschreiben, argumentiert Fok. Die für 2012 geplanten Frequenz-Entscheidungen würden das Wettbewerbsumfeld für die nächsten zwei Jahrzehnte bestimmen.
"Mein Job
in den nächsten drei Jahren wird es sein, die bestehenden Geschäfte
profitabel zu machen."
Telekommunikation ist nur eine von fünf Geschäftssparten des
Hutchison-Konzerns des 83-jährigen Selfmade-Milliardärs Li-Kashing,
dessen Wegbegleiter und rechte Hand Fok seit vielen Jahren ist. Zu
den Kerngeschäften der Gruppe gehören auch Reedereien und
Containerhäfen, Immobilien und Hotels, Einzelhandel (in Österreich
auch Marionnaud) sowie Energie und Infrastruktur. Hutchison notiert
an der Hongkonger Börse und hat einen Marktwert von rund 30 Mrd.
Euro. Der Konzern erzielte 2010 mit weltweit 240.000 Mitarbeitern
einen Umsatz von 32 Mrd. Euro. "3G" hat weltweit 30,2 Millionen
Kunden. "3" ist in Europa neben Österreich auch in Italien, Dänemark,
Schweden, Großbritannien und Irland vertreten. Darüber hinaus ist das
Unternehmen als Telekomanbieter auch in Hongkong und Macau,
Australien sowie Indonesien, Thailand, Vietnam und Sri Lanka präsent.
Eine Expansion in andere Länder sei derzeit nicht geplant. "Mein Job
in den nächsten drei Jahren wird es sein, die bestehenden Geschäfte
profitabel zu machen." (APA/sum)