Der Volkspartei droht das Volk auszugehen

Analyse | Lukas Kapeller, 13. September 2011, 12:35
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    Erntedankfest in Wien: Wieviel bleibt vom Wählerkuchen noch für die ÖVP übrig?

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    Obmann Spindelegger (li.), Landwirtschaftsminister Berlakovich: Erntedankfest als bürgerlicher Identitätsstifter.

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    Berlakovich, Wiener Interims-Parteichefin Gabriele Tamandl, Landwirtschaftskammerpräsident Gerhard Wlodkowski, Spindelegger (v.l.n.r.) am Heldenplatz: Den Wählern erklären, "warum die ÖVP überhaupt auf der Welt ist".

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    ÖVP-Obmann Spindelegger: Politik ist das Bohren dicker Bretter (das ist allerdings ein Akkuschrauber).

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    Bernhard Görg: "Jede bürgerliche Partei ist bereits in sich eine Koalition, weil sie große Interessengruppen in der Partei vereint."

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    Angela Merkel präsentiert sich dem Wähler als pragmatische Problemlöserin. Das komme gut an, sagt ihr Biograf Gerd Langguth.

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    Politologe Langguth: "Es gibt keine wirklich politisch-philosophische Debatte in der Bevölkerung um den besseren Weg."

Viele Affären, wenige Ideen und eine ruinöse Hauptstadt-Partei - Ein konservativer Rundumblick inklusive deutscher Expertenmeinung

Traktor-Reifen und ebenso große Käselaibe sah man am Sonntag auf dem Wiener Heldenplatz. Die Speckbrote und der Schilcher gingen rasant über die Budel. 280.000 hungrige Besucher labten sich unter den weißen Zeltplanen beim Erntedankfest in Wien.

Ein Fest des Bauernbundes und damit der ÖVP. Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich hält stolz eine Wassergurke in die Kameras, und Staatssekretär Sebastian Kurz hat sich zum Anlass ein Sakko mit Hirschknöpfen angezogen. Ein Schaulaufen, das bürgerliche Identität stiftet. Klar, dass ÖVP-Obmann Michael Spindelegger abwechselnd zum Weinglas und zum Akkuschrauber greift und ein Gesicht macht, als sei die Welt vollends in Ordnung.

In Wahrheit ist gar nichts in Ordnung in der Österreichischen Volkspartei. Nicht nur, weil Christine Marek eine Rede beim Erntedankfest hätte halten sollen, aber da schon zwei Tage nicht mehr Wiener ÖVP-Chefin ist und fernbeibt. Nicht nur, weil die nächste Nationalratswahl ohne Städte nicht gewonnen werden kann, wie Altobmann Erhard Busek erinnert. Die Stammwähler, die ÖVP-treuen Bauern und Beamten, schwinden auch am Land. Wer nicht zur Klientel gehört, fragt sich, "warum die ÖVP überhaupt auf der Welt ist", wie die Wiener Innenstadt-Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel einmal sagte.

"Ein zutiefst sozialdemokratisches Land"

Vom Regierungspartner SPÖ vor sich hergetrieben ("80.000 Reichste besteuern") und von Affären gebeutelt (Strasser, Telekom) rufen sie in der ÖVP nach Profil und Programm. Soll Spindelegger einen wirtschaftsliberalen Kurs einschlagen? "Wäre ich ein Strategieberater, könnte ich davor nur warnen", sagt Bernhard Görg, ehemaliger ÖVP-Wien-Chef zu derStandard.at. "Eine konsequent wirtschaftsliberale Politik würde eine begeisterte Anhängerschaft von 15 Prozent hinter sich vereinigen", mahnt Görg. Warum das so ist? "Das hat mit der Struktur der Gesellschaft zu tun: Ich behaupte immer, Österreich ist ein zutiefst sozialdemokratisches Land", meint Görg. In vielen Bereichen sei die ÖVP daher wie "die SPÖ, nur minus 20 Prozent, das meine ich jetzt inhaltlich".

Ein Blick nach Deutschland gibt Görg recht. Am Leipziger CDU-Parteitag 2003 wurde Angela Merkel bejubelt für wirtschaftsliberale Parolen, den Wählern gefiel's weniger. "Wenn eine bürgerliche Partei, die auf die breite Zustimmung der Bevölkerung setzt, zu marktliberal auftritt und zu wenig das Soziale betont, wird diese Partei abgestraft", konstatiert Gerd Langguth, Bonner Politikwissenschaftler und ehemaliger CDU-Abgeordneter.

Bürgerliche Parteien verlassen sich aufs Regieren

Auch Görg glaubt nicht, dass ein schärfer umrissenes Programm aus dem Umfragetief hilft: "Jede bürgerliche Partei ist bereits in sich eine Koalition, weil sie große Interessengruppen in der Partei vereint." Glaubt man Görg, der nicht Kritiker der ÖVP sein will, sondern Großparteien generell in der Krise sieht, wäre Spindelegger gut beraten, gewisse Überzeugungen im Ungefähren zu lassen, wie es ihm die große Pragmatikerin Merkel in Deutschland vormacht. "Im Grunde ist die CDU eine höchst pragmatische Partei und ist es durch Merkel noch mehr geworden", sagt Merkel-Biograf Langguth.

Doch für bürgerliche Parteien, die sich zunehmend aufs Problemlösen statt auf Programme verlassen, ist der Grat zwischen Breite und Beliebigkeit dünn. Für Spindelegger, der die ÖVP in Umfragen auf Platz zwei bis drei und als kleinere Regierungspartei übernahm, geht es darum ans Eingemachte: Was ist christdemokratische, konservative Politik? Wozu das ganze?

Feindbild Kommunismus verloren gegangen

Einst gelang den Bürgerlichen die Antwort darauf viel leichter. Der Anspruch der "Volks"-Partei stimmte zuweilen tatsächlich mit der Wirklichkeit überein. Eine Partei für Fabriksherren, Beamte und kleine Leute. Nach englischem Vorbild, schreibt der Grazer Historiker Dieter A. Binder, "präsentierte sich die ÖVP im Wahlkampf 1945 als 'Österreichs Labour Party' auch auf Plakaten und gratulierte offiziell dem britischen Wahlsieger über die Konservativen". Erst ein paar Jahre später begann "die scharfe Grenzziehung gegenüber den österreichischen Sozialisten", untermauert "mit scharfen anitmarxistischen Argumenten", die Identität österreichischer Bürgerlicher zu prägen. Auch die CDU, sagt Langguth, stellte die Sozialdemokraten während des Kalten Krieges indirekt gerne als "vaterlandslose Gesellen" dar.

Doch die Zeiten sind unübersichtlich geworden und die Wähler untreu. Lange sind die Tage vorüber, da Konservative und Linke nicht nur um Wähler, sondern auch um Weltbilder rangen. "Die deutsche Gesellschaft ist, anders als früher, wenig polarisiert. Es gibt keine wirklich politisch-philosophische Debatte in der Bevölkerung um den besseren Weg", befindet Langguth. Das treffe genauso auf Österreich zu, sagt Görg: "Wir haben diese großen ideologischen Unterschiede zwischen SPÖ- und ÖVP-Wählern meiner Meinung nach absolut nicht."

Konservative sehen Stärke im Mut zum Unpopulären

Bisher blieb Spindelegger den programmatischen Kampfruf schuldig. Auf dem ÖVP-Parteitag im Mai hat er vor allem erklärt, was er nicht will (Gesamtschule, Vermögenssteuern). Die simple Publikumsfrage, wie viel Christdemokratie noch in der ÖVP stecke, beantwortete er im ORF-Sommergespräch lapidar damit, "dass man einem Menschen etwas zumutet und etwas aufträgt und er andere mitziehen muss". Dass der Begriff "Leistung", den man der SPÖ trotzig entgegenhält, noch nicht mit Leben gefüllt wurde, geben einige in der ÖVP aber selbst zu.

Weil der Innsbrucker Parteitag nur der Spindelegger-Wahl diente und ein neues Programm bis zur Wahl nicht vorgelegt wird, muss man in älteren Schriften nachschlagen. Die Volkspartei wolle die Mittelschicht beschützen und trotz sinkender Geburtenrate und schlechter Weltwirtschaftslage Jobs und Wohlstand erhalten, schreibt im "Österreichischen Jahrbuch für Politik 2008" etwa Christian Moser, Bereichsleiter für Öffentlichkeitsarbeit in der Politischen Akademie der ÖVP: "Mit der ökosozialen Marktwirtschaft vertraut die ÖVP dabei auf ein Ordnungsmodell, das im Wettbewerb mit den Sozialisten und Staatsfetischisten in allen anderen Parteien - deren Rufe nach mehr Staat, mehr Regulierung, mehr Abgaben stündlich lauter werden - am besten geeignet ist, mit den richtigen Maßnahmen der jetzigen Rezession einen Konjunkturaufschwung folgen zu lassen." Noch kürzer formulierte der Publizist Hans Winkler vor einiger Zeit in der "Presse": Konservative Politik kennzeichne "einmal ganz abgesehen von allen Inhalten, der Wille, das, was notwendig ist, möglich zu machen und es dann auch zu tun".

Bürgerliche Wählertreue im Schwinden

Bernhard Görg hält Lamentos über fehlende Ideen ohnehin für übertrieben. "Dieses eine große Thema, von dem in der ÖVP viele hoffen, es bringe den entscheidenden strategischen Vorteil, gibt es gar nicht." Es komme vielmehr darauf an, dass Spindelegger den Eindruck vermittelt, das Land besser durch die Krise zu führen als SPÖ-Chef und Kanzler Werner Faymann. Als Nummer zwei sei das schwer genug. Görg: "Es ist ein Faktum, dass wir programmatisch nicht besonders stark sind, aber ich werte das nicht als Schwäche."

Langguth will keine Ratschläge geben, "Österreicher sind sehr skeptisch, wenn Ratschläge aus Deutschland kommen". Dennoch empfiehlt er: "Es müssen Flügelpersönlichkeiten da sein: Wenn ich Parteiführer wäre, würde ich mir Leute suchen, die den sozialen wie den konservativen Flügel abdecken und sie immer schön ihre Themen beackern lassen." Das versucht die ÖVP aber ohnehin bereits - etwa wenn Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner vorschlägt, die Familienbeihilfe direkt an die Studenten auszuzahlen, oder wenn Finanzministerin Maria Fekter eine Schuldenbremse per Verfassung fordert. Themenhoheit statt Programmdebatte, scheint die Strategie zu sein. Dennoch rät Langguth: Bürgerliche Parteien müssen bei aller Pragmatik "noch so etwas wie einen Markenkern erkennen lassen".

Beim Erntedankfest ist der Kern der ÖVP gar nicht so schwer auszumachen. Es lässt sich vermuten, dass viele Gäste in Lederhose und Dirndl der Marke "Bürgerlich" noch die Treue halten. Sicher sein kann sich die ÖVP nicht mehr. Weder der Besuch der Sonntagsmesse noch ein Trachtenanzug mit grünem Stehkragen garantiert heute noch eine bürgerliche Wählerstimme. Zumal das Erntedankfest am Heldenplatz der ÖVP eines voraushatte: ein dichtes Programm. (Lukas Kapeller, derStandard.at, 13.9.2011)

Kommentar posten
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Phoenixx
 
00
15.9.2011, 20:47
Farbe GELB fehlt!

Im prinzip ist keine der Ö-Parteien wählbar.
Alles ist Korrupt und irgendwie verstrickt.

Ich wähle bei der nächsten Wahl: GELB - Das ist die Farbe der Erkenntniss!

Pia
00
15.9.2011, 08:48
Das ureigenste, tiefschwarze, vorwiegend ländliche Profil zeigt sich nach wie vor wie folgt:

Sonntags früh wird - zwecks Sozialisierungseffekte - die Messe besucht und kaum tritt das prim. Bauern-Tram'el-Wei' aus der geöffneten sakralen Pforte, lässt sie mit voller Wucht wieder ihre Sau heraus. Punkt.Ende.

Pia
00
15.9.2011, 08:56

Nachsatz: So schauen dann die "Erlösten Christi" aus :-))))

Frodo Der Hobbit
00
15.9.2011, 06:46
Das "Soziale" ist kein Feigenblatt!

Ansonsten durchaus interessanter Artikel.

Man erkennt die Integrität einer Partei am besten daran, wie sehr sie der Methode bedarf, den politischen Gegner herabzuwürdigen, und den Bürger zu verdächtigen und beschuldigen, dass er vlt. abtrünnig werde, und zugleich vorauseilende Demutsbezeugungen zu erwarten, wenn man was "will", zb Hilfe braucht.

Sollte eine Parte nicht dem Bürger helfen, allgemeine Anliegen die ihn betreffen, vorwärtszubringen?

Der Görg ist ja ein Witzbold, wie er zugibt, dass es Frau Merkel vor allem um Macht und Position geht. Hauptsache wir haben Kontrolle, was wir dann machen, werden wir schon sehen....

Das Falscheste ist die Verbindung einer Partei mit einer Kirche. Geht und ging nie zusammen ohne einer Korruption.

Raptor Jesus
00
15.9.2011, 04:06
ÖVP nun eine Partei für ungebildete?

Wer die trotz all dem immer noch wählt hat nicht mehr alle Tassen im Schrank.
Und wer korrupte Rechte ehrlichen Linken (angenommen die gibt es, ihr würdet trotzdem Rechte nehmen; kommunale Erfahrung) bevorzugt bei dem ist sowieso alles klar. Nur schade, das ihr die Mehrheit stellt.

Nr.3645
00
14.9.2011, 20:12
ewiggestrige.

meine spitze feder
02
14.9.2011, 19:39
Und da soll mir noch einer sagen,

der Pröll hätte nicht gewusst, was da auf die Partei zukommt! Kann mir keiner erzählen!

Finn McCool
03
14.9.2011, 17:04
LOL

"Niki Berlakovich hält stolz seine Wassergurke in die Kameras"

Tia Maria
04
14.9.2011, 15:48
Was ist aus der Volkspartei geworden ?

Sie mutierte einst zur Verhinderungspartei.

Von dieser zur Verlogenheitspartei.

Und ist jetzt zur Verbrecherpartei geworden.

der elch mit dem kelch
00
14.9.2011, 13:42
Die ÖVP

ist schon lange keine "Volks" Partei mehr.

Eher schon eine Nischenpartei: Bauernbund, Wirtschaftsbund, ÖAAB und ein paar Landesfürsten - und dann ist es auch schon. Kopf und Co können ohne deren Zustimmung nicht einmal muh und mäh sagen in der Öffentlichkeit.

Ich habe bewusst die Bünde angeführt, deren Mitglieder bei denen werden ja eher unschuldig vereinnahmt und zwangsverpflichtet.

Ich kann mir beim besten Willen nämlich nicht vorstellen das alle so durchtrieben wie die Führungskader sind.

Peter Kanalgitter
01
14.9.2011, 13:35
Herr Bundespräsident Fischer schreiten sie ein

Ich appelliere Bitte Bitte Bitte HERR FRANZ FIEDLER retten sie uns vor diesem Dreckssumpf. Die Volksseele kocht über.

anton b
20
14.9.2011, 12:27

Die Verkommenheit der ÖVP ist der Garant für den Erfolg der SPÖ.
Die Verkommenheit der SPÖ ist der Garant für den Erfolg der ÖVP.
Die Verkommenheit der FPÖ ist der Garant für den Erfolg der ÖVP und SPÖ.
Die Verkommenheit ... (bitte sinngemäß ergänzen)

Herr-Paul
00
14.9.2011, 14:01
Na Moment! Erst die Aufnahmeprüfung:

Ohne Flei kein Prei

zuschön
011
14.9.2011, 12:13
Die Hirschknopffraktion trifft sich wieder mal bei ALK und SPECK.

In der weltstädtischen Ausgabe als Döblinger und Hietzinger Salonlodenfreaks. In der ländlichen Ausgabe als jägermeisterliche Lederhosenzombies. Für wahr, ein zukunfts"trächtiger" Wählerbindungs-Event. Viel Spaß noch der ÖVP auf ihrem mensdorff'schen Retroweg in die Bedeutungslosigkeit.

postskriptum
15
14.9.2011, 12:05
Die ÖVP inszeniert die Alpensaga 2.0

Die Alpensaga aus dem Jahre 1976/1977 von Peter Turrini und Wilhelm Pevny wirken jetzt wie eine böse Vorahnung.
Wenn man sich das ÖVP Trachten-Affentheater ansieht und die politische Begleitmusik, die da so runtergeleiert wird, genauer wahrnimmt, dann kommt einem das Schaudern.

zuschön
06
14.9.2011, 12:22
Sozusagen die alpenländische Politgenese Marke ÖVP: Vom Hosenträger zum Leistungsträger

Einfach "sagen"haft.

istros
02
14.9.2011, 11:24
15% sind für diese Partei doch durchaus angemessen III

und so weit ist es dann mit dem christlichkonservativen Leistungsgeschwurbel doch nicht her.
Aber wenn’s beruhigt auch der SPÖ werden die hammerschwingenden, dreifingerigen Industriearbeiter ausgehen, wenn man nicht mehr mit viel Schulden die heimischen Industriebetriebe subventionieren kann, weil sie in Länder abwandern, wo Leute für eine Schüssel Reis und schwarzen Kaffee arbeiten.
Zurück bleiben zwei ehemalige Volksparteien, die in einer geschlossenen Industriegesellschaft durchaus ihre Berechtigung hatten, heute als ununterscheidbare Netzwerke um eine ununterscheidbare Klientel konkurrieren.

Aung San Suu Tschi
 
02
14.9.2011, 12:12
Die hammerschwingenden Industriearbeiter gibt's kaum mehr, aber ArbeitnehmerInnen sehr wohl

Z.B. die 400.000 Beschäftigten der 3 großen Lebensmittelkonzerne, die mit Logistik- und Transportarbeiten beschäftigt sind. & Transportarbeiten kann man nicht nach China auslagern, weil ja HIER die Ware von einem Ort an den anderen gebracht werden muss.

Die Sozialdemokraten & die Gewerkschaften beachten diese große Gruppe noch viel zu wenig, wenn sie klüger sind, beginnen sie sich darauf einzustellen.

Die ÖVP zerreißt es noch aus anderen Gründen:

1. Der Katholizismus, früher der Bodensatz ihrer Ideologie, ist nicht mehr sehr attraktiv, stellenweise sogar ekelerregend geworden. Man ist also nicht mehr "christlich"-sozial (& sozial war man ja eh nur zu den eigenen Leuten);

2. Die Beamten sind passiv;

3. Industrielle hoffentlich aktiv.

istros
01
14.9.2011, 12:45
.

ich bin einer von diesen Logistikern ;)
aber trotzdem: ich tippe in meinem Büro einen Transportauftrag, du drehst eine Runde mit dem Hubwagen durch das Umschlagslager und davon kauft sich jetzt ein jeder einen chinesischen Plasmafernseher und eine Runde Tankfüllungen bei den Saudis? Bei unserer galoppierenden Staatsverschuldung läuft das nicht mehr lange. Spätestens wenn die Chinesen sagen, fernsehen können wir alleine, da brauchen wir die Europäer nicht dazu, haben wir ein Problem.
Nur weder VP noch SP sind in der Lage noch willens, dies den Leuten mitzuteilen - und zwar in ganz Europa. Geschweige denn eine Lösung zu haben für diese Zeit.
Übrig bleibt lächerliche Folklore, wie im Artikel erklärt.

istros
04
14.9.2011, 11:23
15% sind für diese Partei doch durchaus angemessen II

zu verzichten.
Selbstständigkeit zahlt sich für einen Österreicher doch nur mehr in einer der zahlreichen Klugschwätzer- und Consulting-Branchen aus, wo man viel Geld für eine Dienstleistung bekommen kann ohne irgendwelche Konsequenzen. Sich heute als LKW-Fahrer selbstständig zu machen käme wirtschaftlichem Selbstmord gleich, lieber Spediteur werden mit BlackBerry und bei jeder LKW-Fahrt genauso viel mitschneiden, wie eben genannter Fahrer.
Ironischerweise könnte die ÖVP ausgerechnet bei vielen Migranten punkten, die tatsächlich noch ihre Existenz mit solchen kleinen traditionellen Familienbetrieben aufbessern können und wollen. Doch dazu müsste sie über ihren Lederhosen- und Dirndlschatten springen -

sociovation
01
14.9.2011, 11:49
Fekter im Tschador

Das hätt was...
;-))

Rinus Michels
00
14.9.2011, 11:22
die neuen maskierten

in ihren trachtengwandln sind die fpfikpöler, nicht einmal das wird den schwarzen noch abgenommen....

istros
00
14.9.2011, 11:21
15% sind für diese Partei doch durchaus angemessen

Als sich die ÖVP gegründet hat, da gab's in jeder Stadt noch den Sparkassendirektor , den Bäcker, den Metzger und den Greissler , alles kleine Selbstständige für die hatte eine Volkspartei durchaus noch eine Berechtigung.
Doch heute ist selbst der Sparkassendirektor ein Angestellter am Gängelband der Konzernzentrale in Wien, die Bäckerei produziert zentral und liefert dann im Umland an die Filialen aus (Resch&Frisch-Logistic – bitte den Anglizismus beachten!).eine Sparangestellte wäre wohl cleverer sich ins eigene Knie zu schießen und um Arbeitsunfähigkeitspension anzusuchen als sich mittels Krämerladen als Familienbetrieb in Wettbewerb zu Rewe zu setzen und auf 14 Monatsgehälter inkl. Urlaubsanspruch und Billigflug an den Palmenstrand

Herr-Paul
02
14.9.2011, 11:11
"Das Volk" hat die Volkspartie doch gar nie interessiert.

Es ging (und geht) immer nur um die Bünde und deren Funktionäre inkl. passender Kriegsrhetorik (Die eigenen Reihen schließen. Niemand herausschiessen lassen.)

"Das Volk" darf höchstens für die VP Lieblinge Banken und Bauern blechen und die Tröge für die VP Funktionäre und deren Buberlpartien füllen. Was es ja auch "immerwährend obrigkeitshörig" brav tut. Inklusive landesüblicher Empfänge und Schnapslsaufereien.

Aung San Suu Tschi
 
06
14.9.2011, 10:56
Dass Wiener ÖVP-Politiker bei einem Wiener Fest Trachten (also bäuerliche Gewänder) tragen, zeigt ihr Problem mit dem Bürgerlichen auf

Jahrzehntelang wurde den Sozialdemokraten vorgeworfen, dass es angeblich keine Arbeiterschaft mehr gäbe und sie daher ein Identitätsproblem haben müssten.

Jetzt zeigt sich ganz offen, dass das Problem der ÖVP viel größer ist.

Politiker einer 1,7 Millionen Metropole hupfen ins Bauerngwand und setzen damit ein anti-urbanes, anti-bürgerliches Zeichen.

Wenn das kein bürgerliches Identitätsproblem ist!

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