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Leipzig - Die Hälfte der Weltbevölkerung ist vom Bakterium Helicobacter pylori befallen. Der Keim verursacht Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre und stellt einen Risikofaktor für Magenkrebs dar. Folgen der Infektion mit dem spiralenförmigen Stäbchenbakterium können sich auch in anderen Organen des Körpers bemerkbar machen. Auf dem Kongress „Viszeralmedizin 2011" vom 14. bis 17. September 2011 in Leipzig informieren Experten über den derzeitigen Kenntnisstand und mögliche Therapien.
Der Helicobacter pylori schützt sich durch seine Spiralform und die besondere Beweglichkeit mithilfe von Geißeln sowie einer reichen Ausstattung an Urease vor der aggressiven Magensäure. Das Stäbchenbakterium besiedelt zwar ausschließlich den Magen, es spielt aber auch bei Krankheiten außerhalb des Gastrointestinaltraktes eine Rolle. Dazu gehört die idiopathische thrombozytopenische Purpura (ITP), ein Mangel an Blutplättchen. Bei den Betroffenen äußert sich dies in fleckförmigen Blutungen auf der Haut. Auslöser der ITP ist ein durch das Bakterium hervorgerufener Angriff der körpereigenen Abwehr auf die Blutkörperchen, die Thrombozyten.
Thrombozytenzahl normalisiert sich
Forscher haben entdeckt, dass die vollständige Beseitigung von Helicobacter pylori durch Antibiotika die ITP bessert. „In einer Vielzahl der Fälle kehrt die Thrombozytenzahl bei Patienten mit ITP nach erfolgreicher Eradikationstherapie rasch zu Normalwerten zurück", erläutert der Kongresspräsident der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), Peter Malfertheiner, Magdeburg. Der genaue Ablauf des Behandlungseffektes ist unklar. Der Leiter der Universitätsklinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie vermutet aber, dass sich weniger Antikörper bilden, solange der Keim nicht den Magen bewohnt. Auch bei einer Blutarmut infolge von Eisenmangel ist eine Beseitigung von Helicobacter pylori - sofern sich keine andere Ursache findet - einen Versuch wert. „Nach erfolgreicher Behandlung kommt es häufig zu einem deutlichen Anstieg der roten Blutkörperchen und der Eisenspeicher im Blut", sagt Malfertheiner.
Der Magenkeim, der die Menschheit seit Langem begleitet, könnte sich wie von einigen Forschern vermutet, aber auch günstig auf die Gesundheit auswirken. In westlichen Ländern ist die Zahl der Infektionen in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Währenddessen nehmen allergische Erkrankungen zu. Malfertheiner hält es für möglich, dass Bestandteile von Helicobacter pylori, wie etwa das Eiweiß NAP (neutrophil-activating Protein), Allergien bremsen. Der Experte verweist auf die laufende Entwicklung von Impfstoffen gegen das Bakterium, die unter anderem NAP enthalten: „Wenn die Allergie-Hypothese zutrifft, würde der Impfstoff auch vor Allergien schützen." Ein Beweis steht allerdings noch aus.
Derzeit überwiegen für Professor Malfertheiner die Gründe, auf eine Beseitigung des Magenkeims zu drängen. Denn Helicobacter pylori löse nicht nur schmerzhafte und komplikationsträchtige Geschwüre im Magen und Zwölffingerdarm aus. Der Erreger sei auch der wichtigste Risikofaktor für die Entwicklung von Magenkrebs. Die Therapie sollte günstigerweise erfolgen, bevor sich Vorläufer von Krebs gebildet haben. „Denn es gibt einen Point of no Return, nach dem eine Eradikation den Krebs nicht mehr aufhalten kann", warnt Malfertheiner. Die Therapie der Helicobacter-pylori-Infektion erstreckt sich über sieben bis zehn Tage, aber fordert neue Ansätze infolge zunehmender Resistenzentwicklung des Keimes auf die bisher eingesetzten Antibiotika. Über aktuelle Erkenntnisse diskutieren Ärzte und Wissenschaftler auf der „Viszeralmedzin 2011" in Leipzig, der gemeinsamen Tagung von DGVS, deren Sektion Endoskopie und der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV). (red)
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