Die Bahn hält Neukunden konsequent fern. Alternativen sind die neue Westbahn - oder der private PKW
Eigentlich ist alles ganz einfach, würde der Mann mit dem Kappl an dieser Stelle wahrscheinlich sagen: Stiegen alle, denen das Autofahren auf die Nerven geht, auf öffentliche Verkehrsmittel um, hätten wir kein Problem mehr, vereinbarte CO2-Vorgaben zu erfüllen.
Aber es ist nun mal wirklich nicht leicht, seine alten Gewohnheiten abzulegen. Es wird immer schwieriger, einen Fahrschein zu kaufen. Wer von Wien nach Retz fahren will, hat mehrere Möglichkeiten zur Auswahl, je nachdem bei welchem Automaten oder Schalter er das Ticket kauft. Preisunterschied: fast 100 Prozent.
Neukunden werden von der Eisenbahn konsequent ferngehalten. Die sogenannte Vorteilscard zum Beispiel: Jeder hat sie, der öfter als einmal im Jahr mit der Bahn fährt. Also lautet die Wahrheit: Nicht die Vorteilscard-Besitzer zahlen die Hälfte, sondern Neukunden zahlen das Doppelte. Welcher Handybetreiber würde so ein Angebot machen?
Jetzt kommt die private Westbahn, und es wird für die neuen Betreiber ein Leichtes sein, die regulären ÖBB-Tarife zu unterbieten. Und was machen die ÖBB? Sie schaffen nicht die Vorteilscard ab, sondern flüchten sich in ein Tarifroulette namens Sparschiene - was am Ende bedeuten wird: je voller der Zug, umso teurer.
Da wird es die neue Westbahn nicht schwer haben. Oder ich fahr weiter mit dem Auto, denn ich betrüge mich bei den Kosten lieber selbst, als mich von jemand anderem über den Tisch ziehen zu lassen. Schnäppchenjagd mag bei der Flugreise in den Urlaub ja noch halbwegs gspaßig sein, meinen Alltag möchte ich kalkulieren können - den kann ich nicht absagen, wenn er zu teuer wird. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/09.09.2011)