Risikofaktoren

Sonne plus Virus macht Hautkrebs

2. Oktober 2011, 16:55
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    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Basaliome und Plattenepithelkarzinome finden sich bevorzugt im Gesicht.

Forscher haben Hinweise auf den Einfluss von Papillomaviren auf Hautkrebs gefunden - Sie setzen körpereigene Schutzmechanismen außer Gefecht

Vor der Sonne wird gewarnt. Ihre Strahlen, früher als wohltuend gepriesen, enthalten besonders energiereiches UV-Licht, das das Erbgut von Hautzellen schädigt, im schlimmsten Fall sogar Hautkrebs verursacht. Sonnenschutzcremes mit Lichtschutzfaktoren jenseits der 20 sollen vor malignen Melanomen schützen, doch der aggressive, schwarze Hautkrebs nimmt Jahr für Jahr zu.

Weniger gefährlich sind sogenannte Spinaliome und Basaliome, die gemeinsam als "weißer Hautkrebs" bezeichnet werden. Weiß gefärbt sind diese Tumoren allerdings nicht, nur heller als maligne Melanome. Konkret wachsen Basaliome in den tieferen Hautschichten, dort, wo auch die Epidermiszellen entstehen, bevor sie an die Hautoberfläche wandern, Spinaliome wiederum sind in den oberen Schichten der Epidermis zu finden, sie werden auch als Plattenepithelkarzinome bezeichnet.

Beides ist weit verbreitet, aber kein Grund zur Panik. "Die Mortalität dieser beiden Krebsformen ist äußerst gering", betont der Onkologe Lutz Gissmann vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Der Hintergrund: Die weißen Tumoren schädigen zwar das umliegende Gewebe und können sogar in die Knochen eindringen, wie Gissmann erklärt, aber sie bilden nur sehr selten Metastasen. Dennoch sind sie ein Gesundheitsrisiko und müssen als solches behandelt werden.

Die Ursachen für die Entstehung von Basaliomen und Spinaliomen sind noch weitgehend ungeklärt. Bislang war UV-Licht so wie bei Melanomen der Hauptverdächtige, doch die Sache scheint weitaus komplizierter zu sein.

Virus-Beteiligung

Seit einigen Jahren mehren sich Hinweise, dass auch gewisse infektiöse Erreger eine Rolle spielen. Menschen, die eine Organtransplantation durchgemacht haben und deshalb Medikamente nehmen müssen, um das Immunsystem in Schach zu halten und so eine Abstoßung des transplantierten Gewebes zu verhindern, erkranken viel häufiger an weißem Hautkrebs als gesunde Personen. Eine schwache körpereigene Abwehr erhöht offenbar das Risiko für die Bildung von Spinaliomen und Basaliomen.

Aber schon bald gab es eine weitere Spur. Interessanterweise fanden Forscher DNA von bestimmten humanen Papillomaviren (HPV) in Zellen aus aktinischen Keratosen, einer Vorstufe von Hautkrebs-Geschwüren. Ein Zusammenhang erschien damit immer wahrscheinlicher. Diese ß-HPV sind verwandt mit HPV16 und -18 und anderen HPV-Typen, die inzwischen als Erreger von Gebärmutterhalskrebs bekannt sind. Doch Skepsis ist eine wissenschaftliche Tugend. Was wäre, wenn die Präsenz von Viren-Erbgut in Keratosen-Zellen anderen Faktoren oder lediglich dem Zufall verschuldet ist? Es fehlt der Beweis von Ursache und Wirkung.

Dem sind Lutz Gissmann und seine Kollegen vom DKFZ zusammen mit Spezialisten der International Agency for Research on Cancer im französischen Lyon nun ein Stück näher gekommen. Die Experten züchteten genetisch manipulierte Mäuse, denen sie zwei Virengene, E6 und E7, aus dem ß-HPV-Typ HPV38 eingepflanzt hatten. Bei den Gebärmutterhalskrebs auslösenden Papillomaviren sind E6 und E7 für die Entartung von Schleimhautzellen zu Tumorzellen verantwortlich. Sie greifen an zwei unterschiedlichen Stellen in das zelluläre Regelwerk ein und stimulieren so unkontrolliertes Wuchern. Zuerst blockiert E7 den Rb-Mechanismus, welcher normalerweise den Zellzyklus stoppt, sobald die Entwicklung einer Zelle, die Differenzierung, eingeleitet wird. Für Viren, betont Lutz Gissmann, ist dieser Eingriff von entscheidender Bedeutung, weil sie sich sonst nicht vermehren können.

Durch die Fortsetzung des Zellzyklus sammeln sich im Erbgut der betroffenen Zelle immer mehr Schäden, Mutationen, an. Sie führen zur Aktivierung von p53 und damit zu einem zellulären Zersetzungsprozess. p53 gilt deshalb als Wächter des Erbguts. Was beschädigt ist, wird insofern zum Schutz des Körpers zerstört. Für die Viren ist dies aber der zweite Ernstfall. Die von ihnen infizierte Zelle muss schließlich am Leben bleiben und neue Virenpartikel produzieren. Dementsprechend hat die Evolution die Erreger mit E6 ausgestattet. Das Produkt dieses Gens zersetzt das p53-Protein. Die Selbstvernichtung bleibt dadurch aus, die Zellen können weiterwuchern.

Ähnliches Prinzip

So geschieht das anscheinend nicht nur in Tumoren der Gebärmutter, sondern womöglich auch in der Haut von Menschen, die an weißem Hautkrebs erkranken. Die von den Heidelberger und Lyoner Forschern gezüchteten transgenen Mäuse bildeten zunächst starke aktinische Keratosen in ihren oberen Hautschichten, aber nur, wenn sie UV-Licht ausgesetzt wurden. Einige dieser Tiere entwickelten anschließend bösartige Spinaliome. Bei verwandten, aber nicht genetisch manipulierten Mäusen blieb dagegen die Tumorbildung aus. Offenbar ist das Zusammenspiel von Virengenen und UV-Licht von entscheidender Bedeutung. Die Details der Studie wurden unlängst vom Online-Wissenschaftsmagazin PloS Pathogens veröffentlicht (Band 7, e1002125).

Wie sich Menschen mit ß-HPV anstecken, ist bis jetzt von den Forschern noch nicht genau geklärt. Vermutlich durch direkten Hautkontakt, meint Lutz Gissmann. Die Infektionsrate dürfte hoch sein. "Diese Viren sind sehr resistent", so der Virologe. Publizierten Zahlen zufolge sind zehn bis 20 Prozent der Bevölkerung seropositiv für HPV38, aber die tatsächliche Anzahl der Infizierten liegt wahrscheinlich viel höher. Weißer Hautkrebs ist zudem die häufigste Tumorerkrankung in hellhäutigen Populationen. Das würde passen. "Die Hypothese ist, dass das Virus die Initialrolle übernimmt", sagt Gissmann. Nach einer solchen anfänglichen Schädigung der zellulären Maschinerie hätten dann die UV-Strahlen ein leichteres Spiel, dauerhafte Mutationen auszulösen und die Karzinom-Bildung voranzutreiben.

"Der ultimative Beweis wäre, wenn man einen Impfstoff hätte, der die Entstehung von weißem Hautkrebs verhindern könnte", sagt der Virologe Gissmann. Doch bis dieser zur Verfügung steht, wird noch eine Menge Zeit verstreichen. (Kurt de Swaaf, DER STANDARD Printausgabe, 12.09.2011)

Kommentar posten
17 Postings
Ingwerwurzn
 
10
9.10.2011, 19:42
HPV ist starter und entzündungsreaktion vl der katalysator

in einem anderen artikel im standard wird beschrieben wie entzündungsvorgänge die ausbreitung bzw die versorgung der Krebszellen erhöht.
(neue bildung von blutgefäßen)
zuerst die mutation die dann aufgrund besserer versorgung schneller wächst und voranschreitet und dann am ende zugang zum blutkreislauf bekommt und metastasen bildet.

kleine theorie

fertigprodukt
72
3.10.2011, 13:11
jahr für jahr schmieren die leute mehr sonnencreme.

jahr für jahr steigen die hautkrebszahlen.

jeder, der sich ein bisschen mit chemie beschäftigt hat, weiß, warum. sonnencremes enthalten krebserregende stoffe.

Godesberg
12
3.10.2011, 14:47

Welche denn?

fertigprodukt
00
3.10.2011, 16:10

die sonnencremes mit physikalischen filtern haben das problem, dass hier nanopartikel zum einsatz kommen und dass es keine langzeitstudien dazu gibt. denen würde ich also auch nicht trauen.

fertigprodukt
00
3.10.2011, 16:07

so gut wie alle mit chemischen filtern.

*Andreas*
12
3.10.2011, 14:34

Einbildung ist auch eine Bildung.

marty fink
10
3.10.2011, 14:21
Jaja,

der Doktor mit der Spritze kommt gleich!

fertigprodukt
00
3.10.2011, 16:07

und spritzt deine ignoranz weg? nein, ich glaub, da traust du dem arzt zu viel zu. ;-)

Der sich den Wolf tanzt
01
2.10.2011, 19:31
ab sofort keinerlei berührung mehr von und mit anderen menschen!

diese hpv-hysterie geht mir mittlerweile echt am arsch!

fertigprodukt
31
3.10.2011, 13:12

bringt aber einigen ganz furchtbar viel geld. deswegen gibt es sie ja.
dass die steigenden hautkrebsraten mit der steigenden zahl an menschen, die sonnencremes (die krebserregende chemikalien enthalten) verwenden, zusammenhängt, sagt da lieber keiner.

natoll
10
3.10.2011, 12:07

was soll HPV mit berührung zu tun haben?

der schwitzbär der schwitzt sehr
31
2.10.2011, 18:28
Avoid Muffdiving.

Bitte Brüssel um sofortiges Muffdivingverbot am Arbeitsplatz, in allen Lokalen und sonstigen öffentlichen Orten (U-Bahn-Stationen, U-Bahnen...)

Diveable Muffs sind künftig mit einem schwarz umrandeten textlichen Warnhinweis zu versehen, gegebenenfalls auch mit abschreckenden Bildern

Besonders schutzwürdig sind Passivmuffdiver, die aktiven Muffdivern arglos ein Busserl geben oder mit ihnen Nasenreiben

Bitte um sofortige Maßbahen & Aufklärungskampagne...

DERHETZER1
10
2.10.2011, 22:28

in der tat habe ich es immer als fragwürdig empfunden, sein gesicht in frauenpopos zu stecken, obwohl das die pornoindustrie allen schmackhaft machen wollte.

die aussicht auf durch hpv verursachte genitalwarzen im gesichtsbereich ließ mich diesem unterfangen immer mit skepsis gegenüberstehen. aber wer weiß, vielleicht bin ich ja auch einfach nur ein übervorsichtiger und lustfeindlicher spießer.

DreadCat
01
2.10.2011, 23:00
Wenn man die Augen offen hat,

...kann man die Warzen sehen. Vorausgesetzt, man weiß, wie sie aussehen...

http://de.wikipedia.org/wiki/Cond... _acuminata

nuts'n'fruits
00
3.10.2011, 14:50

viele hpv-stämme verursachen keine oder kaum hautveränderungen, insbesondere die high-risk-stämme.

der schwitzbär der schwitzt sehr
00
3.10.2011, 00:33
einfach ältere Frauen über 20 meiden

sind die reinsten Sammelbüchsen...

DreadCat
00
3.10.2011, 09:52
...ältere Männer eh auch nicht, nä... ^^

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