9/11

Psychische Folgen für gesamte US-Bevölkerung

9. September 2011, 09:32

Viele Überlebende leiden unter unkalkulierbaren Angszuständen

New York - Die einen erzählen immer wieder von ihrer dramatischen Flucht aus dem World Trade Center. Die anderen sprechen überhaupt nicht mehr davon, wie sie der Terror damals heimsuchte. Überlebende der Al-Kaida-Anschläge in den USA vor zehn Jahren gehen sehr unterschiedlich mit ihren Erfahrungen um, viele leiden an posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS). Nach wie vor haben Psychiater mit der Bewältigung der Folgen von 9/11 alle Hände voll zu tun. Belastbare Langzeitstudien offenbaren das Ausmaß der psychischen Belastungen für weite Teile der Bevölkerung.

So stürzten, als die Ostküste kürzlich von einem Erdbeben erschüttert wurde, viele Menschen in New York aus ihren Hochhäusern. "Oh mein Gott, schon wieder ein Bombenanschlag, was ist los?", seien ihre ersten Gedanken gewesen, erzählt Jacob Ham, der ein Programm zur Stressbewältigung am Beth Israel Medical Center in Manhattan leitet, über seine Patienten. Viele Betroffene zeigten PTBS-Symptome, ohne sie zu verstehen: "Sie reagieren körperlich und werden panisch."

Untersuchung der Langzeitfolgen

Posttraumatische Belastungsstörungen sind unkalkulierbare Angstzustände, die manchmal direkt, manchmal auch Jahre nach einer bedrohlichen Erfahrung auftreten können. Patienten erleben etwas als reale Gefahr, obwohl ihr Leben nicht gefährdet ist. Den New Yorker Behörden zufolge leiden oder litten mindestens 10.000 Feuerwehrmänner, Polizisten und Zivilisten als Folge der Anschläge an PTBS. Bei weiteren 61.000 Menschen sei es "wahrscheinlich", dass sie in den Jahren nach 2001 Symptome zeigten. Gerade erst startete eine dritte große Studie zum Zustand der Betroffenen - mittlerweile ist laut Ham genug Zeit vergangen, um Langzeitfolgen zu untersuchen.

Psychische Störungen müssen nicht zwangsläufig auftreten. Doch wer die Anschläge hautnah miterlebte, dessen Leben hat sich für immer geändert. Noch heute schießen Chris Hardej die Tränen in die Augen, wenn er von seiner Flucht aus dem 87. Stock im Nordturm des World Trade Center erzählt. Wie er sich durch schwarzen Rauch im Treppenhaus schlug, wie er Feuerwehrmänner umherkraxeln und danach nie wieder sah. Wie er Stimmen folgte und dann endlich lebend im Freien stand. Und an die "unheimliche Stille" erinnert sich Hardej, nachdem der Turm in einem Inferno aus Flammen und Rauch eingestürzt war. Wie viele Betroffene leidet er bis heute unter Atemproblemen. Jede Woche geht er zum Ground Zero, erzählt Besuchern seine Geschichte, und versucht so, das Erlebte zu bewältigen.

Auswirkungen auf die gesamte US-Bevölkerung

John William Codling wiederum konnte jahrelang überhaupt nicht über den 11. September 2001 reden. Damals arbeitete er als Broker, er verlor 50 Kollegen bei den Attentaten. "Zehn Stunden am Tag habe ich mit ihnen zusammengearbeitet, wir waren uns alle sehr nah", erzählt der 35-Jährige. Nach den Anschlägen verließ er New York, zog zu seinen Eltern und erlitt am ersten Jahrestag einen Nervenzusammenbruch. Wie ein Zombie sei er in der ersten Zeit herumgelaufen, und statt über das Erlebte zu sprechen, phantasierte er darüber, Terrorchef Osama bin Laden zu töten. Das hielt er auf Gemälden fest, zwei Ausstellungen zeigte er bereits.

Experten gehen davon aus, dass die Anschläge ihre Auswirkungen auf die Befindlichkeit der gesamten US-Bevölkerung hatten. "Das Volk wurde aus Disneyland herauskatapultiert", sagt der Psychologe G. Scott Morgan von der Universität Drew im Bundesstaat New Jersey. "Die Anschläge bedeuteten das Ende des Gefühls der Unverwundbarkeit und der Freiheit der Amerikaner." Die PTBS-Expertin Roxane Cohen Silver von der Universität von Kalifornien beschreibt es so: "Die Anschläge haben unser gesellschaftliches Gefüge zerstört."

Das hat auch die Krankenschwester Beth Faitelewicz zu spüren bekommen, die mit ihrer Familie nahe Ground Zero wohnt. Ihr Mann erkrankte an PTBS. Und obwohl sie versucht, stark zu sein, wurde sie in die Krankheit mit hineingezogen. "Wenn einer in der Familie betroffen ist, sind alle betroffen." (APA)

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17 Postings
Angelika70
00
12.9.2011, 11:01

Ich verstehs nicht. Wieso sind weite Teile und ev. ein ganzes Land traumatisiert, wenn irgendwo einmalig 2700 Menschen sterben?

Sowas passiert in -zig Länder täglich. Und niemand berichtet darüber.

NickKnarrkarton
00
19.10.2011, 00:23

Traumatisiert sind sie primär deshalb, damit die Psychologen Geld verdienen können. Vor längerer Zeit gab es mal einen guten Artikel:

http://www.welt.de/welt_prin... Seele.html

pox vobiscum
00
11.9.2011, 15:52

Kein Wunder bei dem Präsidenten plus Medien...

Dagmar Rehak Wien
 
52
10.9.2011, 14:36

Die Unbeteiligten, die heute noch psychische Probleme haben, sind nichts weiter als Opfer der unsäglichen "America under attack"-Propaganda, die damals Tage lang aus allen Medien in die Hirne der Menschen gehämmert wurde.
Ohne jeden Hinweis wurde sofort nach den Anschlägen behauptet, dass ganz US-Amerika von ausländischen Mächten angegriffen worden war, dabei hätten es genauso gut videospielsüchtige Jugendliche gewesen sein können, die ihr Äktschnlevel steigern wollten.
Wenn man sowas ein paar Tage ohne Pause hören und sehen muss, glaubt man es irgendwann und fühlt sich direkt als Person mit dem Tod bedroht.

Der Waehlerwille
 
01
10.9.2011, 23:40
Wui .. na sie als aussenstehende sind ja absoluter Experte für die us-amerikanische Identität und psychische Verfassung.

Sauber!

Simplicius Simplicissimus
411
10.9.2011, 03:11
Viele der 200000 ...

... toten Opfern des Alliiertenkrieges in Afghanistan und der etwa eine Million Verletzten, Amputierten und um die Existenzgrundlagen Gekommenen hatten keine Ahnung, was in New York geschehen ist. Für sie war der Krieg etwas aus heiterem Himmel. Zeigt eine TV-Anstalt das Leid der Mütter, Väter, Geschwister, Männer und Frauen, die ihre Verwandten verloren haben, zum 10 Jahrestag der Kriegsverbrechen, des Uran-vergiftungs-Völkermordes in dem inzwischen vollkommen verarmten Land mit den reichen Bodenschätzen?
Die Sterne auf Amerikas Flagge sollten durch Darstellungen von Arm- und Beinprothesen ersetzt werden.

Der Waehlerwille
 
23
10.9.2011, 23:42
Der Grossteil der Opfer in Afghanistan geht btw auf Kosten der Taliban und lokaler Warlords.

Zudem sind die Aliierten lediglich in einen laufenden Krieg eingestiegen. Was Sie selbstverständlich wissen ..

Aber hey .. wen interessiert denn schon die Wirklichkeit wenn man damit das Leiden von US-Amerikanern wegrelativieren kann.

ikepod
00
11.9.2011, 23:00

DER ZWEITE SATZ GEFÄLLT MIR!

Miss Talisker
16
wie sieht es nach etlichen 100.000en getöteten irakischen Zivilisten

mit den psychischen Folgen für die gesamte irakische Bevölkerung aus?
Und gibt es entsprechende Studien für Afghanistan und sämtlicher andere Länder, in denen die USA und ihre "Verbündeten" zum Wohle der Öl- und Rüstungsindustrie "tätig" sind?

rowdy
20
Bitte Leute, hier geht´s um 'Gesundheit'

Dürfen Amerikaner jetzt nicht mehr krank werden, weil die US-Politik nicht gefällt?

Politik hat auf dieser Seite gleich mehrere Rubriken.

momodeluxe
18

was hier nicht erwähnt wurde:

unmittelbar nach dem eigentlichen anschlag wurde dieser über alle medien rauf und runter gespielt.

aus einem einmaligen ereignis wurde das wtc dadurch zu einem medialen dauerfeuer (vorallem tv) auf die eigene bevölkerung.

wer die sachliche berichterstattung des us tv kennt, wird über die psych. folgen nicht überrascht sein.

und von den auswirkungen auf wirtschaft, bürgerrechte und die souveränität unbeteiligter staaten reden wird da noch garnicht.

NaOida!
23
Tja gestörtes system gestörte bevölkerung

Kohlhaas1
33
Hat eigentlich schon mal jemand die psychischen Folgen der Bobardements von Hamburg, Dresden, Warschau, Coventry oder Hanoi ausgewertet ?

Und ggfls. Schadenersatz errechnet ?

Tastafariahs fliegendes Zehnfingermonster
00
12.9.2011, 14:24

Wozu? Schlechter Verlierer?

zimbo
 
517
Nasowas,

immerhin müssen sie nicht täglich damit rechnen, ermordet zu werden, wie

Pakistanis
Irakis
Somalis
Jemeniten
Afghanen

Tastafariahs fliegendes Zehnfingermonster
00
12.9.2011, 14:24

Doch. Seit zehn Jahren eben schon.

Die anderen sind es schon gewohnt gemetzelt zu werden, wenn sie aufmucken.

Das war dort schon so, bevor die Amerikaner da einmarschiert sind.

cout
02
11.9.2011, 17:03
ACK

Volle Zustimmung, daß Sie die Opfer der amerikanischen Außenpolitik nennen. Wir wollen aber festhalten, daß der einzelne Getötete oder Traumatisierte nichts für die Politik in seinem Land kann.

Ich stell mir gerade vor, daß es mich derklatscht, und dann sagt ein Deutscher: "Das war 'n Ösi, is nich' schade, die ham ja FPÖ, Korruption und so Zeuch"

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