Kleines Glücksspiel in Wien

Genossen in der Zwickmühle

Kommentar | Andrea Heigl, 8. September 2011, 19:21

Kaum zu glauben, dass die SP wegen 60 Millionen Euro einen solchen Zwist riskiert

Die Grünen haben offiziell die Notbremse gezogen: Kein kleines Glücksspiel auf Basis von Landesgesetzen in Wien, teilte Klubobmann David Ellensohn der SPÖ unmissverständlich mit. Alles andere hätte die Grünen auch zerrissen. Kein schlechter Schachzug: Ellensohn hat die SPÖ öffentlich unter Druck gesetzt, in dem Wissen, dass er die rote Basis hinter sich hat. Diese hatte die roten Granden beim Parteitag im Mai überrumpelt und das Verbot des kleinen Glücksspiels mehrheitsfähig gemacht.

Seither eiert die Parteispitze herum, schiebt die heiße Kartoffel vom einen zum anderen Genossen, am liebsten Richtung Bund. Es gibt zwar eine Kommission zu dem Thema, aber je länger die tagt, desto tiefer werden die Gräben in der sonst so straff durchorganisierten Landespartei. An der Basis wird gar der Vergleich mit Zwentendorf bemüht.

60 Millionen Euro würden der Stadt ohne das kleine Glücksspiel pro Jahr entgehen. Das ist nicht nichts, aber auch nicht mehr, als der völlig vergeigte Prater-Vorplatz gekostet hat. Kaum zu glauben, dass die SP wegen dieser Summe einen Zwist riskiert, den die Grünen prompt ausnützen, um ihr Image als kuscheliger Juniorpartner loszuwerden. Auch dass das kleine Glücksspiel Sucht und damit sozialen Abstieg befördert, nimmt sie in Kauf. Liegt's doch am geheimnisvollen Einfluss der Glücksspiel-Konzerne? Solange die rote Parteispitze nicht eindeutig Stellung bezieht, muss sie sich diese Frage gefallen lassen. (DER STANDARD-Printausgabe, 9.9.2011)

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21 Postings
wiesengarten
01
Herr Häupl, geben Sie uns die Flipper zurück,

die Herr Zilk seinerzeit - Gott hab ihn selig - als Glückspielautomaten verteufelt hat. Was inzwischen gekommen ist, müsste ihm die Röte ins Gesicht treiben. Ein bisschen Steuer könnten Sie auch von Flippern lukrieren und viele würden wieder gerne flippern und das Gefühl haben, mit ihrer Geschicklichkeit ab und zu ein Freispiel erreicht zu haben. Früher war ich mit einer Gruppe von Freunden einmal pro Woche im Prater und habe um 10-20 Schilling 3 Stunden geflippert. Seit es keine Flipper mehr gibt, waren wir nie mehr im Prater.

da Novak
01
die SP-Granden sind sicher nicht de**ert ...

Unter normalen Umständen hätten die Wiener SP-Granden der Abschaffung des kleinen Glückspiels sicher schon längst zugestimmt. Parteibasis und Koalitionspartner klar pro Abschaffung, Häme der Opposition, v.a. Gefahr der Mobilisierung von ganzen Bevölkerungsteilen. Nein, da wäre jede Landesregierung "von sich aus initiativ geworden".

Nur, die SP-Granden blockieren wo's nur geht. Diese Konstellation lässt nur den Schluss zu, dass Novomatic e.a. sich die Wiener Glücksspielordnung was haben kosten lassen. Nun wird versucht, dies so lange wie möglich unterm Teppisch zu halten. Die Nachfolge Häupls wird davon nicht unbeeinflusst bleiben... Die Chancen der Vizebürgermeisterin und ehem. Finanzstadträtin Brauner schwinden schon zunehmends!

Marcus Octavio
 
01
wie ist das noch mit vergleichen?

zuerst, ich bin gegen das kleine glückspiel.

aber der vergleich mit dem pratervorplatz ist ziemlich deppert.
die einen einnahmen fließen jährlich, das andere war ein einmaliger verschiss von geld.

der.Geheimrat
21
Verbieten ist nicht so einfach

Als Ergebnis verliert die Stadt (uns somit wir als Stererzahler) die rund 50 Millionen und die Spielsüchtigen spielen dann in Oniline-Casinos auf Servern in der Karibik

Ergebnis: Gespielgesüchtelt wird weiter und die 50 Millionen sind in der Karibik.

alleshalbsoschlimm
00
10.9.2011, 14:01

der einwand ist berechtigt, aber ganz richtig ist er nicht. denn für online-casinos braucht man eine kreditkarte. wer sich mit dem problem des glücksspiels in wien beschäftigt, der weiß, dass das eine voraussetzung ist, die viele betroffene nicht mitbringen. (insbesondere die immer stärker anwachsende gruppe der jugendlichen unter den spielsüchtigen)

Jan Sommer
00
11.9.2011, 06:44
Drastische Fehleinschätzung - wer braucht noch Kreditkarten?

Seit vielen Jahren gibts komplett anonyme Bezahlmöglichkeiten im nächsten Supermarkt, Post, Tankstellen, Trafiken ......

Und man hat binnen Sekunden sein Guthaben auf dem Display um weiterzuspielen.

Während die weltfremden Ignoranten in der Politik noch immer was davon faseln, man werde halt die Bezahlung per Kreditkarte verbieten !!
js

Jan Sommer
00
Ganz genau so ist es - aber das verdrängen die Billigstpopulisten

natürlich und leben vom Applaus der ganz ahnungslosen Besserwisser!
js

Bekka
 
03
Liegt's doch am geheimnisvollen Einfluss der Glücksspiel-Konzerne?

aber nein.

die führenden spö-politiker halten glückspielautomaten einfach für eine sinnvolle freizeitbeschäftigung. und was tut man nicht alles zum wohl und nutzen der bürger.

pelikan4001
21

60 Mio, 20 Mio wieviel auch immer. Es ist einfach viel Geld. Verstehe, dass man da als öffentliche Hand nicht einfach verzicht kann. Immerhin spielt ja jeder freiwillig.

Dilbert
13

Spielsüchtige spielen nicht freiwillig.

Alpine67
02
das ist das problem

, dass viele nicht verstehen, was es heißt spielsüchtig zu sein. sag einem Raucher "rauch halt einfach nicht mehr" .. wird wohl auch wenig erfolg haben. Egal ob Prävention, Raucherlungen am Packerl, oder was auch immer.

Alpine67
13
gäbe

es denn nicht die Möglichkeit, eine Volksbefragung durchzuführen? Oder diese Frage in bereits andere geplante Volksbegehren zu integrieren? Oder will man das gar nicht hören, was das Volk sich über diese verbrecherischen Machenschaften denkt?

Alfred Zopf
01

Es geht doch nicht ums Geld, sondern aus meiner Sicht: wie gehe ich mit einem Parteibeschluss um, der der führenden "Seilschaft" nicht passt. Deswegen spielt ja auch Ellensohn sein "Spiel", weil er die Diskrepanz in der SPÖ merkt, ohne diese würde er ja schön brav, wie bisher, auf SPÖ-Linie sein. Für mich entlarven sich wie so oft die Akteure als "Kleinkinder im Sankasten", wieder einmal ein Trauerspiel in unserer "Demokratie".

Jan Sommer
01
Ich hab nix gelesen, dass die Grünen je gegen das neue

Glücksspielgesetz gestimmt hätten - der Pilz schon gar nicht.

Also nützen sie nur die Gelegenheit um die SPÖ zu zwicken. Vielleicht eine recht kurzsichtige Aktion, die sie unangenehm als billige Lavierer und Populisten entlarvt ?
js

Selbständiger
03
Kaum zu glauben, dass die SP wegen 60 Millionen Euro einen solchen Zwist riskiert

Warum nicht?

Nur schauen, welche GENOSSEN an diesem Glückspiel beteiligt sind.

Eine alte Kriminalweisheit besagt, wer das Motiv kennen will, braucht nur dem Geld folgen.

DrBelacqua
00

Manche reden von 55 Mio, andere von 20, hier sind es 60. Wie viele sind es wirklich?

Jan Sommer
00
Da gabs mal Meldungen über die Summen

welche den Bundesländern garantiert wurden damit sie dem neuen Glücksspielgesetz überhaupt zustimmen.

Im RIS hab ich auf die Schnelle nichts darüber gefunden, aber auf parlament.gv.at:
"2. Für Wien gilt Folgendes:
a) Die jährlichen Einnahmen Wiens (als Land und Gemeinde) aus dem Zuschlag zur Bundesautomaten- und VLT-Abgabe (§ 13a) und aus den Vergnügungssteuern aus Glücksspielautomaten sind geringer als der Garantiebetrag des Landes.

b) Der jährliche Garantiebetrag beträgt 55,0 Millionen Euro."

Also ist der Betrieb von Glücksspielautomaten und Bundesautomaten und VLTs zwingend vorgeschrieben, sonst gibts kein Geld!
js

Jan Sommer
00
Jetzt wird mir auch klar, warum der Stickler "so großzügig"

darauf verzichtet hat seine
VLT-Glücksspielautomaten in Wien aufzustellen:

Die Stadt kann gar nicht darauf verzichten und er lässt sich dann gnädig bitten .... wo er doch gar nicht wollen hat ....

Woher er weiss, dass er ganz sicher wieder die Konzession bekommen wird ?

Na da wird halt was wohl, bei wem wohl gut angelegt worden sein ...?
js

Stipso Stipsic
13
Welches Geld?

Möglicherweise geht's nicht um die Summe der Steuereinnahmen für die Stadt.
Möglicherweise geht's um die Geldflüsse der Glückspielindustrie an politische Entscheidungsträger. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Reich sein muss sich lohnen!
012
Ich sehe ehrlich gesagt nicht was es hier zum "rumeiern" gibt

Auch wenn die Demokratie in Österreich nur sehr schwach ausgeprägt ist und ich als Wähler immer nur zwischen einer Hand voll Parteien wählen darf, so sind die Parteien an sich doch demokratisch aufgebaut.

Das heißt, wenn hier die Partei demokratisch beschließt, dass das kleine Glücksspiel abgeschafft wird (und auch der Koalitionspartner dafür ist) dann hat das kleine Glücksspiel von der "Parteispitze" auch abgeschafft zu werden.

Alles andere ist Anti-Demokratisch, also praktisch Diktatur.

super Typ
01

Einerseits wird immer über den Klubzwang lamentiert, anderseits tritt man dafür ein, dass ein Parteitagsbeschluss für Abgeordnete einer Partei bindend sein sollte.

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