Treffen in Marseille

G-7 wollen Botschaft des Vertrauens senden

9. September 2011, 13:34
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    foto: reuters

    Der zukünftigte EZB-Präsident Mario Draghi und IWF-Chefin Christine Lagarde.

IWF-Chefin Lagarde fordert Konjunkturanreize und Geld für Banken - Schäuble warnt vor Programmen auf Pump

Marseille - Die Finanzminister und Notenbankchefs der sieben führenden westlichen Industriestaaten (G-7) haben am Freitag in in Marseille mit Beratungen über Maßnahmen gegen die sich weltweit abschwächende Konjunktur begonnen. Zuvor gab der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Jürgen Stark, überraschend seinen Rücktritt bekannt.

Der 63-Jährige werde aus "persönlichen Gründen" sein Amt vor Ablauf der Amtsperiode am 31. Mai 2014 niederlegen, teilte die EZB in Frankfurt auf ihrer Internetseite mit. Bis zur Ernennung eines Nachfolgers voraussichtlich zum Jahresende werde Stark im Amt bleiben. Der ehemalige Bundesbank-Vizepräsident sitzt seit Juni 2006 im EZB-Direktorium.

Die sieben führenden Industriestaaten (G-7) steuern in der Schuldenkrise und im Kampf gegen die schwächelnde Konjunktur auf einen neuen Konflikt zu. Vor einem Treffen der G-7-Finanzminister und Notenbankchefs am Freitag in Marseille wies Deutschlands Ressortchef Wolfgang Schäuble (CDU) Forderungen nach Konjunkturspritzen gegen den Abschwung erneut zurück. Schäuble warnte im deutschen Bundestag zugleich vor einem Rückfall in die Schuldenpolitik.

Er reagierte damit auch auf Forderungen der USA und des Internationalen Währungsfonds (IWF). Beide hatten die Europäer zu entschiedeneren Schritten sowie zur Stützung der Banken aufgefordert. Mit Blick auf das Milliarden-Jobprogramm von US-Präsident Barack Obama sagte Schäuble in Berlin lediglich: "Sie haben alle die Rede des amerikanischen Präsidenten heute Nacht zur Kenntnis genommen."

IWF-Chefin Christine Lagarde lobte dagegen vor dem G-7-Treffen ausdrücklich das von Obama geplante Programm. "Wir begrüßen die Vorschläge", sagte sie in London. Lagarde forderte die anderen Industriestaaten zu mutigem Handeln im Kampf gegen die stockende Weltwirtschaft auf.

Schäuble: Schuldenreduktion geht vor Konjunkturprogramme

Der Konjunkturabschwung, die Schuldenkrise sowie die weitere Bankenregulierung sind die zentralen Themen bei dem G-7-Treffen in der französischen Hafenstadt. Der G-7 gehören die USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und Kanada an. Eine offizielle gemeinsame G-7-Erklärung wird nicht erwartet. Es wird davon ausgegangen, dass die G-7 ihre Bereitschaft zur Stärkung der Konjunktur erklären und um Vertrauen werben werden.

Schäuble räumte ein, dass sich die Lage für die Weltkonjunktur verschlechtert habe. "Wir sind an einem kritischen Punkt der Weltwirtschaft." Er warne aber vor Dramatisierungen. Vertrauen sei die wichtigste Ressource für eine gute wirtschaftliche Entwicklung. Um die Krise zu bekämpfen, müsse der Kurs maßvoller Defizitreduzierung fortgesetzt werden.

Schäuble erwartete zuletzt für Deutschland trotz der Rückschläge in diesem Jahr weiter ein Wirtschaftswachstum von knapp unter drei Prozent. Scharfe Kritik hatte der Minister an dem vom Internationalen Währungsfonds (IWF) ermittelten Rekapitalisierungsbedarf geübt. "Die Zahlen sind teils falsch und teils missverständlich."

Lagarde sagte vor dem G-7-Treffen: "Die Schlüsselnachricht, die ich heute transportieren will, ist, dass die Länder jetzt handeln müssen - und zwar mutig - um ihre Wirtschaft durch diese gefährliche neue Phase der Erholung zu bringen." Die politischen Entscheidungsträger müssten schnell auf wachsende Risiken durch schwaches Wachstum und steigende Arbeitslosigkeit reagieren, sagte Lagarde.

Beratungen über Großbanken

Nach dem IWF pochen auch die USA sowie die Wirtschaftsorganisation OECD auf Kapitalspritzen für die europäischen Banken. Eine Stützung des Bankensystems in Europa sei enorm wichtig, hieß es in Washington. Sie müssten Zugang zu Liquidität haben, Kapitallücken müssten geschlossen werden. Dies wäre der größte Beitrag, den die Europäer jetzt leisten könnten.

Die G-7 wollten zumindest über höhere Anforderungen an die Eigenkapitalausstattung für besonders große, international vernetzte Banken beraten - sogenannte systemrelevante internationale Finanzinstitute (Sifis). Voraussichtlich 28 Institute weltweit, darunter wohl auch die Deutsche Bank, sollen dem Vernehmen nach von der G-7 "systemrelevant" eingestuft werden.

Sie werden demnach als so groß und vernetzt angesehen, dass eine Schieflage oder Pleite die nächste weltweite Finanzkrise auslösen und die Steuerzahler erneut zu Milliardenhilfen zwingen könnten. Dies soll mit zusätzlichen Eigenkapitalregeln verhindert werden.

Am Samstag stößt auch der russische Finanzminister zu der Runde, die dann im G8-Format weitertagt. Thema ist die Unterstützung der Demokratiebewegungen in Nordafrika und im Nahen Osten. Die Staats- und Regierungschefs der G8 hatten bei ihrem Gipfel Ende Mai in Deauville bereits Milliardenhilfen in Aussicht gestellt.

Japan will über Währungsfragen sprechen

Japan, das die OECD wegen des Erdbebens im Frühjahr aus seinem Ausblick herausgenommen hatte, will bei dem Treffen in Marseille auch Währungsfragen ansprechen. Er wolle seinen Kollegen erklären, dass ein starker Yen schlecht für die Wirtschaft seines Landes sei, kündigte Finanzminister Jun Azumi an. Die Schweiz hatte angesichts des anhaltenden Höhenflugs des Franken bereits am Dienstag die Notbremse gezogen und einen Mindestwechselkurs von 1,20 Franken für einen Euro festgelegt. Angesichts der Krise in den Euro-Ländern hatten sich Anleger in die "sicheren" Währungen Yen und Franken geflüchtet. Doch die starke Landeswährung wirkt sich schlecht auf den Export aus. Experten hatten nach der Schweizer Entscheidung bereits vor einem "Währungskrieg" gewarnt. (APA)

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12 Postings
liberte
00
10.9.2011, 12:25
welches Vertrauen ?

Lagarde hat gerade Öl ins Fegefeuer der europäischen Banken geschüttet , Schäuble hofft auf Zeit für sanierte Staatshaushalte , Sarkozy vergreift sich wie ein Raubritter am lybischen Öl ,
die Schweiz führt den Euro über die Hintertür ein ; Amerika bemerkt gerade , dass Billiarden für die Finanzindustrie keine Arbeitsplätze geschaffen haben ( it only feeded the greed ) und die EU- Verwaltung verschanzt sich ohnmächtig wie ein Vogel Strauß in der Bedeutungsloigkeit ..... Sehr beruhigend und vertrauenserweckend.

Laín Coubert
00
vertrauen?

g7 auflösen und kein geld mehr für "sifis". einfach nu versifft. :-)

W. Müller
 
15
".. Botschaft des Vertrauens .."

Das klingt für mich so ähnlich, als wollten Kinderschänder eine Sympathiekampagne starten.

robert rittersmann
00

Besser wäre die Wahrheit, dann könnten endlich alle Kriege und Hungersnöte beendet werden. Irgendein Staatsmann muss damit beginnen!

rm -R *
00
Nicht alles ...

... gleich zerhandeln! Auch mal reden. ;-)

Reservenick 1 von 10
01
Nach dem Euro-Crash ...

...wirds sicher eine europ. Gesellschaft wie die deutsche Treuhand geben, die den europ. Trümmerhaufen abwickelt und sich dabei die Taschen vollstopft!

Gobi Todic
09
Vertrauen aufbauen

+ Abrüstung
+ Vermögenssteuern
+ Finanztransaktionssteuer
+ Soziale Absicherung garantieren
+ für ein lebenswertes Leben eintreten

berg jet
04
Schon wieder

Die haben schon so oft Vertrauen gesendet, dass nicht einmal mehr die Vertrauten auf deren Vertrauen vertrauen.

Roter Baron
04
nur heiße luft

irgendwann
werden sie die finanzmärkte regulieren müsssssssen !

und ich werds noch erleben.

roter baron

Lichtfreak
01
Vorher

treiben die die Welt in einen Krieg!

an kog
01

Wie war das noch bei Goethe:

"Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube"

Walter Bimini
113
wer glaubt diesen abgehalfterten politikern noch ein wort.

zum glück wird der albtraum eudssr nicht mehr allzu lange dauern. damit werden auch das kriegsgeile us imperium und die letzten kümmerlichen reste des brtish empire das zeitliche segnen.

R.I.P.

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