Der Gesang der Schwanzfedern

9. September 2011, 12:08
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Einige nordamerikanische Kolibris werben mit Akkorden, die ihr Gefieder erzeugt: sie vibrieren im Flug wie eine Windharfe

Washington/Wien - Die kleinen Kolibris sind echte Flugkünstler. Doch wie nun US-Forscher um Christopher Clark (Uni Yale) im Fachblatt Science schreiben, beeindrucken sie nicht nur optisch durch ihre spektakulären Manöver, sondern auch akustisch: Zumindest die Männchen einiger nordamerikanischer Kolibri-Arten können mit ihren Schwanzfedern mehrstimmige Laute erzeugen, mit denen sie bei den Weibchen um deren Gunst buhlen.

Viele nordamerikanische Kolibris vollführen vor ihren Weibchen akrobatische Sturzflüge, wobei sie extreme Geschwindigkeiten erreichen. Manche dieser Arten spreizen kurz vor dem unteren Scheitelpunkt ihres Sturzflugs die Schwanzfedern. Der Wind in diesem Fächer erzeugt dann ein lautes Geräusch, während sie an dem Weibchen vorbei rauschen.

Clark untersuchte die Entstehung dieser Töne, indem er 31 Schwanzfedern von 14 verschiedenen Arten im Windkanal mit den typischen Windgeschwindigkeiten testete, die im Sturzflug auftreten. Dabei entdeckte er, dass die Federn, die je nach Art und auch innerhalb eines Schwanzfächers sehr verschieden gebaut sind, unterschiedlich auf den vorbeistreichenden Wind reagieren und damit auch verschiedene Töne erzeugen.

Lautes Federspiel

Entscheidend sei die Form und Elastizität der einzelnen Federn, aber auch ihr Zusammenspiel, berichtet der Wissenschafter. Ein einzelner Vogel kann so einen "Akkord" verschiedener Töne erzeugen, deren Klang charakteristisch für die jeweilige Art ist. Die Federn bringen sich sogar gegenseitig zur Resonanz. Auf diese Weise kann sich die Lautstärke der Töne um bis zu zwölf Dezibel verstärken.

Die "musikalischen" Schwanzfedern der Männchen haben sich wahrscheinlich durch die bevorzugte Partnerwahl der Weibchen gebildet, schreibt Clark. Viele steife Federn von Vögeln erzeugen beim Flug charakteristische Geräusche. Diese könnten eine weitere, bisher weitgehend übersehene Methode der Kommunikation zwischen den Tieren sein. (tasch/APA/DER STANDARD, Printausgabe, 09.09.2011)

  • Ein männlicher Allenkolibri (Selasphorus sasin). Dieser Kolibri und einige verwandte Arten produzieren mit ihren Schwanzfedern mehrstimmige Laute.
    foto: anand varma/varmaphoto.com

    Ein männlicher Allenkolibri (Selasphorus sasin). Dieser Kolibri und einige verwandte Arten produzieren mit ihren Schwanzfedern mehrstimmige Laute.

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