Karola Kraus hat zu ihrem Einstand eine Mumok-Hochzeitsliste aufgelegt: 37 Positionen, darunter einige junge, zählt ihr Museum der Wünsche
Dieses Wunschmanifest erscheint realisierbar.
Wien - Die silbrig grauen Lettern an der Fassade sind passé. Stattdessen
deuten fünf zarte Neonbuchstaben und ein Strich an, was sich im dunklen
Basaltlavabau verbirgt: das neue Mumok. Runderneuert und nun endlich
ganz ohne Risse im Terrazzoboden. Auch von einer tragenden Wand hat man
sich im Foyer des Mumok im Sommer verabschiedet.
Daran wird es wohl hoffentlich nicht liegen, dass nun beim Eintreten in
das frisch aufgemöbelte Museum der schwarze Stein besonders schwer
drückt. Schon eher liegt dies am Kontrast. Denn dort, wo sich früher der
Shop des Hauses in eine niedrige Nische schmiegte, leuchtet es nun hell
und weiß: Statt an Mauerwerk zu stoßen, öffnet sich der Blick auf das
übersiedelte Café, das von den Architekten (Ortner & Ortner, Michael
Wallraff) nun auf den Museumsladen gestapelt wurde.
Große Aussichten bietet das Juchhe allerdings nicht; Hingucker sind
vielmehr die von Cindy Sherman entworfene Tapete, Luster von Josef
Zehrer und die windschiefen roten Stehlampen von Franz West. Und dank
Gastrokonzept mit Take-Away können lukullische Zaungäste nicht nur mit
leichter Küche, sondern auch mit geistiger Kost geködert werden. Drei
Monate, da man nur spröde Infohappen aus dem silbernen Imbissbudenbus
vorm Museum verfüttern konnte, reichen.
Nun präsentiert Direktorin Karola Kraus das richtungsweisende Museum der
Wünsche und auch ihr "Antrittsgeschenk": die 2,7 Millionen Euro
Umbau-Finanzierung (die sie selbst noch mit 500.000 Euro Eigen- und
Drittmitteln aufbessern musste). Ein Make-up, zu dem auch das neue, auf
der Schrift Theinhardt basierende, schön geratene Corporate Design von
Florian Pumhösl und Martha Stutteregger zählt. Über die unvorteilhaften
Dienstuniformen mit Megablockstreifen möge man aber möglichst bald den
Mantel des Vergessens breiten.
Wesentlicher, weil programmatischer für die Zukunft des Museums, sind
die Eingriffe im dritten Untergeschoß: Dort, wo man in der sogenannten
Factory bisher junge Künstler präsentierte, hat Heimo Zobernig mit
Michael Wallraff ein Kino als Black Box hineingestellt. Matthias
Michalka wird es programmieren (Start im Oktober), es bietet aber auch
für Vorträge, Performances, Tanz- und Musikveranstaltungen optimale
Bedingungen. Die Jungen müssen jedoch nicht um ihre Ausstellungsfläche
bangen, sie werden im bisherigem Auditorium präsentiert. Ins ehemalige
Restaurant sind Verwaltungs- und Besprechungsräume übersiedelt.
Lücken mit Luft drum herum
Lichte Leichtigkeit scheint nicht nur das Motto für den Umbau zu sein,
sondern auch die Neuaufstellung der Sammlung unter dem Motto Museum der
Wünsche. Zwar hat Kraus massive Lücken im Bereich klassische Moderne,
Dada, Fluxus, Pop Art, Minimal, Konzeptkunst geortet, die Luftigkeit der
Aufstellung soll aber eher nicht die Löcher eines Schweizer Käses
symbolisieren. Vielmehr kann sich in der Reduktion etwas entfalten, weil
die Besucher nicht auf das Abmarschieren von Arbeiten reduziert werden.
Zu 200 Werken der Sammlung hat Kraus 37 Wünsche gruppiert. Zuletzt
setzte sie vorgestern noch einen der bunten Stäbe des Franzosen André
Caderé auf die Liste.
Die Ausstellung beginnt in der klassischen Moderne, wo sie es aber
aufgrund der Preise für illusorisch hält, Lücken zu schließen, und endet
bei den Zeitgenossen. Und da (Christian Mayer, Thomasz Kowalski) blitzen
schon goldene Labels, die, im Gegensatz zu den silbernen, die bereits
erfüllten Träume ausweisen. Sieben wurden bereits wahr; bei den fünf
Millionen Euro, die man für Blinky Palermo auf den Tisch legen muss,
wird es eventuell länger dauern. Womöglich schnappt es ein anderer
Sammler weg, denn über die Ausstellungszeit hinaus reservieren die
Galeristen nicht.
Noch unerfüllt bleibt aus budgetären Gründen der Plan, das Mumok mittels
Mickey-Mouse-Ohren in Claes Oldenburgs Mouse-Museum zu verwandeln. Aber
bis zur Retrospektive kann einiges passieren. Schließlich gelang es
sogar, das New Yorker Moma von der Übernahme der Schau zu überzeugen. (Anne Katrin Feßler/ DER STANDARD, Printausgabe, 9.9.2011)
Bis 8. 1.
"Mumok Opening Special" am Samstag, 10.9., von 10 bis 19 Uhr.