Karola Kraus ist realistisch: Sie glaubt nicht, dass Ende Jänner ihre Wunschliste abgearbeitet ist
Und auf Ersatzgeschenke verzichtet sie, verriet sie Anne Katrin Feßler.
Standard: Die Idee eines Museums der Wünsche hat ja mit Pontus Hultén (Moderna Museet, Stockholm), und Kasper König (Museum Ludwig, Köln) zwei erfolgreiche Stifter. Haben Sie die Österreicher bereits als Wunscherfüller kennengelernt?
Kraus: Es gibt sogar den einen oder anderen Wunsch, der schon erfüllt wurde. So einfach hatte es König in Deutschland aber gar nicht und in Schweden war das Modell ein anderes. Hultén sprach nicht Mäzene, Sammler und Sponsoren an, sondern den schwedischen Staat. Und der hat ihm eine beachtliche Summe gegeben, um seine Sammlung der klassischen Moderne mit Exponaten auszubauen, die sein Haus sehr populär gemacht haben. König wollte, so wie ich auch, zu seinem Antritt die Sammlung einer Revision unterziehen. Es hat zehn Jahre gebraucht, nun sind ihm 70 bis 80 Prozent seiner Wünsche erfüllt worden. Das trifft sich mit unseren Vorstellungen. Wir glauben nicht, dass am Ende der Ausstellung alle Wünsche erfüllt sind. Vor allem wollen wir Signale setzen und zeigen, wo die Lücken sind und wo ergänzt werden soll.
Standard: Stichwort Staat als Adressat von Wünschen: Nimmt nicht Ihr Konzept, das so deutlich private Schenker anspricht, den Staat aus der Verantwortung?
Kraus: Nein, denn ohne die Unterstützung des Staates könnten wir das Museum der Wünsche gar nicht machen. Wir verstehen unsere Ausstellung eher als Angebot, über die öffentlichen Mittel hinaus unserer Kernaufgabe des Sammelns nachgehen zu können.
Standard: Die heikle Frage zwischen Museen und Sammlern lautet oft: Schenkung oder permanente Leihgabe. Schließen Sie Dauerleihgaben aus?
Kraus: Wenn ein Mäzen mir sagt, dass er ein Werk kauft und dem Mumok für 99 Jahre als Dauerleihgabe gibt, werde ich sicher nicht "Nein, danke" sagen. Mir wäre es natürlich lieber, wir würden die Exponate geschenkt bekommen, denn an Dauerleihgaben sind immer Bedingungen geknüpft. Eine werden wir sicher nicht erfüllen können: dass Dauerleihgaben immer präsent sind. Dafür ist unser Haus zu klein. Aber was ich Schenkern zusagen kann, ist, dass wir, wann immer es möglich ist, diese Kunstwerke im Kontext unserer Sammlung zu zeigen versuchen. Unser Konzept für die nächsten Jahre ist auch, dass wir uns auf vier große Sonderausstellungen im Jahr konzentrieren möchten, die immer in irgendeiner Form im Dialog zur Sammlung stehen.
Standard: Wie flexibel sind Sie bei den Wünschen? Wird auch Vergleichbares akzeptiert?
Kraus: Nein. Es geht um ganz konkrete Arbeiten, wie etwa das Monument for Tatlin von Dan Flavin. Wir sind auch sehr, sehr glücklich, dass wir einen Blinky Palermo dabeihaben, weil man von dem am Markt heute gar nichts mehr bekommt. (DER STANDARD, Printausgabe, 9.9.2011)