Ein Land kämpft mit dem Extremismus

Anne Rentzsch aus Stockholm, 8. September 2011, 17:07

Antisemitismus und Islamfeindlichkeit: in Schweden wächst der politische und religiöse Extremismus

Angesichts der gefährdeten Situation der jüdischen Minderheit in Schweden stellt die Regierung Sondermittel unter anderem zum Schutz jüdischer Einrichtungen bereit. Im kommenden Haushalt werden dafür umgerechnet rund 450.000 Euro veranschlagt, gab Integrationsminister Erik Ullenhag kürzlich bekannt. Der wachsende Antisemitismus in Schweden hatte in jüngster Zeit auch im Ausland für Aufsehen gesorgt. So hat das Simon-Wiesenthal-Zentrum Juden vor einem Aufenthalt im multikulturellen südschwedischen Malmö gewarnt.

Insgesamt haben sich in Schweden extremistische und allgemeine rassistische Tendenzen verstärkt, wobei religiöse Konflikte eine wachsende Rolle spielen. Laut einem Bericht des "Zentrums für Lebendige Geschichte" fühlen sich neben Juden vor allem Muslime im Alltag bedroht und diskriminiert. Die Zahl antisemitischer und antimuslimischer Websites hat sich seit 2009 nahezu verdoppelt, von rund 8000 auf 15.000.

Aktionsprogramm geplant

Gegenstand der Haushaltsverhandlungen ist nun auch die Finanzierung eines landesweiten Aktionsprogramms zur Bekämpfung von politischem und religiösem Extremismus. Schwerpunkte sollen die präventive Arbeit und Hilfen für Ausstiegswillige sein. Bisher gibt es Exit-Programme nur für Rechtsextremisten, nicht aber für Angehörige der islamistischen Szene, wie etwa in Dänemark, oder für Linksextreme.

Bei der Analyse von Straftaten muss sich auch Schweden der Tatsache stellen, dass Extremismus nicht mehr so leicht zu orten ist. Juden erleben Drohungen und Gewalt längst nicht mehr nur von Rechtsextremen, sondern auch aus dem linksextremen Lager und von Muslimen.

Beim Stichwort Rechtsextremismus habe man nach wie vor oft das "stereotype Bild des Nazis" mit antisemitischem Feindbild vor Augen, so die Rechtsextremismus-Expertin Heléne Lööw. Dabei richte sich Rechtsextremismus eben oft nicht mehr gegen Juden, sondern gegen Muslime - wie beim norwegischen Massenmörder Anders Behring Breivik.

Vor allem die Schwedendemokraten, die seit Herbst im Reichstag sitzen, schwimmen auf der Welle der Islamfeindlichkeit. Breiviks Gedankengut sei in den Kommentarfeldern der Internetausgaben schwedischer Tageszeitungen "tagtäglich präsent", begründet Aftonbladet-Chefredakteur Jan Helin die Entscheidung seines Blattes, die Posting-Funktion einzuschränken.

Zwar werden hinter vielen der gröbsten Hasstiraden Mitglieder der Schwedendemokraten vermutet; die Partei betreibt eine äußerst aktive Internetpolitik. Skeptische bis ablehnende Haltungen gegenüber Einwanderern und vor allem Muslimen spiegelt aber auch eine aktuelle Umfrage der Universität Uppsala wider. Laut dem "Vielfalts-Barometer" für 2011 sieht das Gros der Befragten ethnische Vielfalt zwar grundsätzlich positiv. Mehr als 80 Prozent fordern von den Einwanderern aber eine "Anpassung an die schwedische Lebensweise". Zwanzig Prozent lehnen jegliche islamisch motivierte Gesichts- oder Körperverhüllung in der Öffentlichkeit strikt ab, 65 Prozent meinen, dass "bestimmten Einwanderergruppen die Integration in die schwedische Kultur nicht möglich" ist, und ein Viertel sieht die Einwanderung als Bedrohung schwedischer Kultur.

Seit den Norwegen-Attentaten appelliert die Führung der Schwedendemokraten an die Mitglieder, sich mit antimuslimischer Hetze zurückzuhalten. Die Partei wird auch zunehmend zur Zielscheibe linksextremistischer Attacken. (Anne Rentzsch aus Stockholm, STANDARD-Printausgabe, 9.9.2011)

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Stalo Ramón
61
10.9.2011, 13:29

Linke, Nazis und Moslems sind also gleichzusetzen, wenn ich den Artikel recht verstehe. Also sind Nazis eh nur eine Stömung unter der extremistischen Hälfte der Weltbevölkerung. Demnach ist das ja auch nicht so schlimm. Das ist die Botschaft des Artikels und das wahrscheinlich bewusst. Es ist egal ob man für die Ausrottung einer Rasse oder gegen Rassismus auftritt. Es ist egal ob man der Gruppe angehört, die die KZs baute, oder jener die drinnen eingesperrt waren. Alles gleichzusetzen.

painful
 
02
11.9.2011, 23:35

Nochmal lesen - nachdenken - sich für diesen Post entschuldigen.

mans zelmerlöw
01
10.9.2011, 14:18

so verstehen den artikel leider nicht!

Alfred Fux
14
10.9.2011, 13:23
Viele Schweden sind eben nicht darauf aus, sich in einen multikulturellen Staat zu verwandeln

Sie wollen sich einen solchen auch nicht aufdrücken lassen. Entweder man akzeptiert die Souveränität von Staaten oder nicht. Lasst die Schweden doch abstimmen. Dann würden wir sehen, ob sie als Mehrheit hinter der Ausgrenzung fremder Kulturen stehen oder nicht. Die Schweden sind - wie auch alle anderen Europäer - ein sehr kulturbewusstes Volk. Alles Fremde soll temporär sein. Die Spanier haben auch genug vom Einwanderungstourismus.

Anmerkung: Die Gewalt von Breivik war nicht gegen Muslime gerichtet, sondern gegen Sozialisten (unabhängig von ihrer Religion).

Mostbluzza
00
15.12.2011, 15:49
uuhhh gewagtes posting

aber gut. und sogar grün. hier. gut geschrieben.

tja, die migranten tun sich selber nix gutes mit ihrer überbordenden gewalt und verbrechensneigung.
so schlecht gehts keinem in schweden dass er täglich frauen vergewaltigen müsste.

und verbockt habens ... genau, die grünsozialisten.
100.000 iraker in einer schwed. gegend sind halt a bissl viel des guten willlens. dafür kommen dann eben so kulturbereichernde erfahrungen wie gruppenvergewaltigungen, massenschlägereien und kinderschändungen dazu.

und bei 5 oder 8 mio einwohner redet sich sowas schneller herum als in chicago, wo die massenverbrechen von der einheimischen bevölkerung begangen werden.

omar chamra
01
10.9.2011, 09:25
Ein Bericht des schwedischen Fernsehens mit englischen Untertiteln

bestätigt, dass bereits die Hälfte aller Juden Malmoe verlassen haben
http://www.youtube.com/watch?v=Iu0ML8IffbY

Mostbluzza
01
15.12.2011, 15:54
ja, aber nicht wegen der nazis

sondern wegen der muslime

das meinten sie auch so hoffentlich.
welt.de:
Immer wieder gibt es in der schwedischen Stadt Übergriffe von Muslimen. Und die jüdische Gemeinde fühlt sich von der Politik diskriminiert.

DAS bedeutet nichts anderes als puren Antisemtismus des Grün-Sozialistischen Flügels, wenn Juden nicht vor muslimischen Gewaltaktionen geschützt werden. Bekommen diese an von Rechten eine aufs auge ist die hölle los.

nicht das schwedische malmö vertreibt juden.
das muslimische malmö vertreibt die juden. nona.

malmös sozialisten sagen:
Wenn Malmös Juden nach Israel ziehen, ist das ihre Sache.“

http://www.welt.de/politik/a... Juden.html

Svezia_10
12
Insider Info

Nachdem ich seit über einem Jahr in Malmö lebe, kann ich vielem nur zustimmen. Offener Rechtsextremismus ist hier nicht akzeptiert, aber hinter verschlossenen Türen hört man so einiges... In einigen Bezirken stehen Schießereien auch auf der Tagesordnung, aber gegen Juden habe ich noch nie etwas gehört. Und alles in allem finde ich, dass die Integrationspolitik hier um einiges besser funktioniert als in Österreich.

I am in the know
00
11.12.2011, 09:30

ich denke nicht, dass jemand, der z.b. 1 jahr in wien lebt, die geschichte und die latente ausländerfeindlichkeit der stadt begreifen könnte.

mans zelmerlöw
02
10.9.2011, 02:56

naja ich hab auch das erste halbe jahr in malmö von so gut wie nichts was mitbekommen! über die situation der juden in malmö wird im ausland viel intensiver berichtet als in schweden, wo es so gut es geht vertuscht wird!

Svezia_10
00
11.9.2011, 13:53

Das stimmt allerdings... Heute habe ich erfahren, dass die Synagoge hier anscheinend unter andauerndem Polizeischutz steht.

mans zelmerlöw
01
11.9.2011, 14:07

ja es sind ja auch schon einige bomben dort explodiert! mittlerweile ist dort alles mit panzerglas, einer sprengsicheren tür und einer schutzschleuse ausgestattet...

rockoconnoisseur
00
21.10.2011, 12:24

witziger name. habe måns den alten stecherprinz vor 2 wochen gesehen.

I am in the know
00
11.12.2011, 09:27

würdest du den nick christina stürmer auch witzig finden?

insertnamehere
 
16
"Juden erleben Drohungen und Gewalt längst nicht mehr nur von Rechtsextremen, sondern auch aus dem linksextremen Lager und von Muslimen."

Eigenwillige Formulierung.

Dem Vernehmen nach sollen Mus lime da ja nicht nur unter "auch" laufen, sondern die mit weitem Abstand am Alleraktivsten sein ...?

Mostbluzza
00
15.12.2011, 16:00
redma mal deutsch, insb. mit unseren "antifaschisten"

http://www.welt.de/politik/a... Juden.html

mal durchatmen. nachdenken.

wir fassen zusammen:

antisemitismus: bekommt man in malmö bei den linken, den sozialisten schön aufbereitet
"scheissjuden" schreien dort die muslime
die juden hättens besser, wenn sie sich von israel lossagen und verständnis für die leute in gaza hätten (schlagen die roten vor).
antizionismus ist eine paradedisziplin der schwedischen linken

noch fragen?
antisemitismus ist fad in schweden, das bekommens dort bei den linken. antizionismus auch, da werden sie höchstens mit den rechten streitat.

gegen die muslime, da müsstens zu den rechten gehen. beides geht nicht, da haben s ein problem.

maimai
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von denen

gibts ja Gott sei dank auch eher deutlich mehr als von sog. Rechtsextremen...
Aber ja, darauf willst du ja nicht hinaus, nicht?

insertnamehere
 
03
Spannende Herangehensweise.

"Oh schei**e, wir haben 10.000 Rechtsradikale!"
"Ach, nur halb so wild, Gottseidank haben wir ja auch 50.000 durchgeknallte Djihadis."

Zahlen von mir erfunden.

Gesamt 60.000 gewaltbereite Extremisten haben ist also BESSER als 10.000?

Herr und Frau Österreicher
 
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Es gibt höchstwahrscheinlich nicht mehr radikale Muslime als radikale rechte...

Der Waehlerwille
 
00
19.10.2011, 00:27
radikale Muslime SIND Rechte.

Zukunftsoptimist1
00
14.9.2011, 09:42
Das ist wahrscheinlich,

weil beide Seiten jeweils die Ursache für die Wirkung der anderen Seite sind.

maimai
24
Rassisten, Linke, Islamisten -

alles dasselbe, nichtextrem bin nur ich, die Mitte.
http://www.extrem-o-mat.de/

voc-monkey
00
ooohhhhmmmmmmmmmmmmm

:-)

frank rosner
06
auch wenn es eine unvorstellbare

forderung an die politiker (aller) länder ist : mal drüber nachdenken WARUM es soweit kommt - es ist vermutlich keine entwicklung, die gestern abend noch unbekant war - und heute freitag früh gibt es plötzlich en problem. wobei man seinen horizont nicht auf jüdischen hintergrund beschränken sollte.

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